Nicht so gut wie die Vorgänger
"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" von Alena Schröder ist die Fortsetzung der Romane "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" und "Bei euch ist es immer so unheimlich still". ...
"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" von Alena Schröder ist die Fortsetzung der Romane "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" und "Bei euch ist es immer so unheimlich still". Der Band kann für sich gelesen werden, die Kenntnis der Vorgänger ist aber hilfreich.
2023: Hannah Borowski ist mittlerweile 34 Jahre alt. Ihre beste Freundin Rubi ist ausgezogen, das Zimmer wird nun "vorübergehend" vom Neffen ihrer Kollegin bewohnt, mit dem sie eigentlich nichts verbindet. Sie kann einfach nicht Nein sagen. Plötzlich meldet sich ihr Vater bei ihr, der sich bisher noch nie um sie gekümmert hat. Er hat Unterhalt gezahlt, mehr aber auch nicht.
1945: In diesem Strang lernen wir Marlen kennen. Sie wird auf der Flucht vor den Russen von Wilma aufgenommen und zunächst in einer Schublade einer Kommode versteckt. Dort findet sie ein festgeklebtes Gemälde, das sie versehentlich beschädigt. Es zeigt eine junge Frau, die am Fenster steht.
Die beiden Handlungsstränge werden immer abwechselnd erzählt. Wir begleiten sowohl Marlen durch ihre Zeit bei Wilma ab 1945 als auch Hannah 2023. Beide Geschichte für sich sind spannend geschrieben, die Verbindung zeigt sich leider erst am Ende des Buches. Wer die Vorgänger kennt, wird eine Ahnung haben, was beide verbindet. Die Charaktere sind gut beschrieben, der Teil um Marlen und Wilma war mir allerdings etwas zu distanziert. Die Dankbarkeit Marlens gegenüber Wilma, aber auch ihre gegenseitige Abhängigkeit wurden für meinen Geschmack sehr ausufernd beschrieben. Mir persönlich hat die Geschichte um Hannah eindeutig besser gefallen. Sie enthält mehr Leben. Besonders das Nicht-Nein-Sagen-Können von Hannah und die Folgen daraus sind gut herausgearbeitet. Ich hätte mir gewünscht, dass beide Stränge früher eine Verbindung bekommen und nicht erst am Ende des Romans. So haben wir es eher mit zwei Romanen in einem zu tun.
Das Cover hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es passt wunderbar zur Geschichte Marlens. genau so habe ich mir Marlens persönliches Kunstwerk vorgestellt.
Insgesamt hat mich dieser Band nicht so sehr in seinen Bann ziehen können wie die beiden Vorgänger und auch nicht ganz überzeugt. Der Schreibstil von Alena Schröder ist wie gewohnt gut, Klar, präzise und auch (besonders im Strang Hannah) mit einem gewissen Schmunzelfaktor. Da blitzt die Kolumnistin Schröder durch. Das immer wieder vorkommende "Martin Klammer auf Papa Klammer zu" hat mich mit der Zeit etwas genervt, hat aber die pointiert dargestellte Handlung um Hannah ergänzt.
Aus den oben genannten Gründen gibt es daher auch nur gute 3 Sterne. Ich mag die Bücher von Alena Schröder sehr gern, dieses kann ich leider nur bedingt weiterempfehlen.