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Veröffentlicht am 01.10.2020

Roman trifft auf Technik-Thriller in einem faszinierenden Setting.

Das Gottesspiel
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Eine Story voller jugendlicher Nerds und Hacker, denen von G.O.T.T. persönlich die elfte Plage in Form eines Computerspiels geschickt wurde.
Der Vollstrecker: eine allwissende künstliche Intelligenz.

Danny ...

Eine Story voller jugendlicher Nerds und Hacker, denen von G.O.T.T. persönlich die elfte Plage in Form eines Computerspiels geschickt wurde.
Der Vollstrecker: eine allwissende künstliche Intelligenz.

Danny Tobey hat mit seinem ausgeklügelten „GOTTESSPIEL“ eine großteils flüssig lesbare Geschichte in einem authentischen, an das Alter der Protagonisten angepassten Stil entworfen. Durch die Komplexität, die Vielzahl der Charaktere und einzelnen Handlungen, die jedoch immer wieder im Verlauf zusammentreffen und sich ergänzen, möchte ich mir nicht vorstellen, wie viel Zeit der Autor in die 560 Seiten investierte.

Die Kapitel sind recht kurz, was dazu führte, dass ich, trotz etlicher uninteressanter Details, die den Roman deutlich in die Länge ziehen, an einem Tag gemeinsam mit den "Vindicators" die mysteriöse Virtual-Reality ergründet habe. Vor allem zu Anfang lernt man die fünf Jugendlichen, ihre Probleme und Wünsche kennen, bekommt Einblicke in ihre Vergangenheit und Gedanken, sodass man im späteren Verlauf ihre Entwicklung wie auch ihre Entscheidungen nachvollziehen kann. Dass die Erzählperspektive jedoch ohne Kennzeichnung wechselt und zusätzlich durch andere Mitschüler ergänzt wird, war nicht nur des Öfteren verwirrend und anstrengend, sondern wirkte in dieser verwobenen, vielschichtigen Handlung übertrieben.

Charlie, Peter, Alex, Kenny und Vanhi sind (überdurchschnittlich) intelligente Schüler, doch sind sie auch intelligent genug, um sich der Verlockung »Wenn Du gewinnst, werden all Deine Träume wahr.« , die das harmlose Game zischelt, zu entziehen?
Die Hauptcharaktere sowie die Handlungsorte waren bildlich und ausführlich gezeichnet, durch die einfache Schreibweise konnte ich den großteils spannenden, erschreckenden Verlauf leicht folgen, selbst wenn Realität mit Virtualität verschwamm. Grade nach den ersten zweihundert Seiten nahm das Spiel Fahrt auf, wurde interessant und die Neugier auf die Reaktionen, die Konsequenzen ließen mich kaum los. Auch wenn Danny Tobey nicht auf langatmig ausgeführte Ausschweifungen verzichten konnte, kreierte er in diesem Reality-Game absurde Szenen, brachte Kreativität und Einfallsreichtum ein, während geschickt viele wichtige Themen in das Cyber-Netz geflochten waren.
Misshandlung, Drogen und Mobbing finden neben Politik, Glauben und der Frage nach Moral, Richtig und Falsch einen entscheidenden, unübersehbaren Platz.
Was wäre wenn...? Wie würdest Du Dich entscheiden...? Was ist real und besitzen wir tatsächlich einen freien Willen?
Mir selbst kam der Gedanke, ob es wahr sein könnte, dass sich unzählige Menschen jetzt grade durch ein willkürliches Spiel so verhalten, entscheiden, reagieren (...) wie sie es tun?! Gänsehaut...
(An-)Gespannt verfolgte ich die jungen Genies und das Spiel, dass längst keines mehr war; fühlte mit den fünf Nerds mit und wurde ständig genauso erschüttert wie sie selbst: denn die Entwicklung des Verlaufes ist nicht vorhersehbar, sondern voller ungeahnter Überraschungen und Wendungen, während sich die Ereignisse grade auf den letzten 200 Seiten überschlagen, die Handlung rasant fortschreitet und Wahrheiten aufgedeckt werden, mit denen niemand gerechnet hat.

Die Vorstellung, einer eigenständig denkenden KI wird für mich mit jedem Buch zu dem Thema beängstigender, grade, weil es immer realer, greifbarer wird.
Trotz Längen und meinem Gefühl, dass der Autor einfach ZU VIEL wollte, ist der Sci Fi-Thriller-Roman von Danny Tobey empfehlenswert und bietet zudem ausreichend Stoff, sich und die Gesellschaft zu hinterfragen.

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Veröffentlicht am 15.06.2020

Ein ruhiger, gefühlvoller Roman, der überrascht, zum schmunzeln & schwer schlucken bringt.

Farbenblind-Reihe / Farbenblind
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"FarbenBlind" haucht zwei jungen Menschen auf gefühlvolle Weise Einschränkungen des Sehens ein:
Der neunzehnjährige Milan ist von Geburt an in Dunkelheit gehüllt, während sich Leyla oftmals genau danach ...


"FarbenBlind" haucht zwei jungen Menschen auf gefühlvolle Weise Einschränkungen des Sehens ein:
Der neunzehnjährige Milan ist von Geburt an in Dunkelheit gehüllt, während sich Leyla oftmals genau danach sehnt; denn die Schülerin leidet an Synästhesie. Sie kann Töne sehen.

Neben diesen Hinderungen tragen die Hauptcharaktere familiäre Probleme, erlittene Verluste, Unsicherheiten & Zweifel auf ihren Seelen. Beider Leben ist von Einsamkeit durchtränkt, von schweren Schicksalen geprägt & Müttern, die manchmal keine sein können.
Gewohnheit im Gleichspiel mit Zufall & ein neugieriger Vierbeiner führen Milan & Leyla zusammen - & eine unumstrittene Verbindung wird mit dem ersten Wort geknüpft. Beide sahen, fanden in dem anderen das, was sie jahrelang verzweifelt, insgeheim suchten: jemanden, der versteht; der akzeptiert. Bedingungslos.
Maike gelang es Gefühle & Emotionen in die Kapitel zu legen, berührte mich mit ihren Worten, regte zum nachdenken & einem stummen Verständnis an.
Sie erschuf Protagonisten mit Geheimnissen, die nicht von Beginn an ersichtlich sind, gab Andeutungen, die vermuten & verwerfen ließen.

Ich habe "FarbenBlind" in kurzer Zeit gelesen, da die junge Schriftstellerin flüssig & unkompliziert schreibt. Durch viele Schachtel - oder Nebensätze, in denen manches, oft wiederholt, geschildert wird, & den, meiner Meinung nach der Thematik nicht gänzlich entsprechenden, zu einfachen Schreibstil geht jedoch eine gewisse Intensität, Eindringlichkeit verloren.
In der zweiten Hälfte dieser bildlich dargelegten Handlung vermisste ich leider das Kernthema. Gerne hätte ich mehr von der Synästhesie erfahren, mehr von dem Versuch gelesen, einem Blinden dank dieser seltenen Sonderbarkeit Farben in's Herz zu zeichnen. Leider ging dies durch andere eingebrachte Probleme unter.
Ich vermute, dass Maike zu viel wollte, dabei hätte "FarbenBlind" mit seiner außergewöhnlichen Thematik, der unbegreiflichen & doch präsenten, innigen Verbindung von Leyla, Milan & Alpha, dem zutraulichen Schäferhund, der so viel mehr wurde, als nur ein Haustier, genügt, um eine berührende Geschichte zu kreieren, die lange nachhallt. Sowohl in den Szenen, in der ich die Beiden erleben durfte, wie auch in denen, in denen sich jeder Einzeln seinen Gedanken hingibt zerschnitt eine tiefe Verletzlichkeit die Atmosphäre, Ehrlichkeit, greifbare Zerissen - & Unsicherheit, Zweifel. Ja, Maike schafft es Gefühle aus den Sätzen direkt in die Seele des Lesers zu werfen.
Manche Sequenzen tönen laut, überraschen durch Unvorhersehbarkeiten. Verwundern durch plötzliche Gefahr & gestandene Geheimnisse. Andere tränen stumm vor Einfühlsamkeit.
Dieses Buch ist Leise & gleichzeitig dröhnend.
Mit einem Ende, das mir minutenlang den Atem verschlug.

Auf den 464 Seiten ihres zweiten Romans schwingen viele wichtige Botschaften mit ...
erst wenn Du die Augen schließt, erkennst Du das Beste & die wirkliche Schönheit in einem Menschen.
Tiere können Löcher füllen, Seelen heilen & verstehen, was Menschen niemals verstehen können; geben, was Menschen niemals geben könnten.
ein erster Blick, ein kleines Lächeln reichen manchmal, damit ein Fremder zu einem Freund wird, sich die Seelen erkennen.
Nichts ist wie es scheint & es gibt so vieles, von dem wir keine Ahnung haben; das wir nicht sehen können.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Unterhaltsame Story, originelle Idee

A Killer Crush
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Es ist ein Dienstagabend, als sich Jamie Prescott und Laurie Hamilton auf den Weg machen, um an einer Speed-Dating-Veranstaltung teilzunehmen – nicht in der Hoffnung, DEN Mann fürs Leben, dafür genügend ...

Es ist ein Dienstagabend, als sich Jamie Prescott und Laurie Hamilton auf den Weg machen, um an einer Speed-Dating-Veranstaltung teilzunehmen – nicht in der Hoffnung, DEN Mann fürs Leben, dafür genügend Stoff zu finden, über den sich die Freundinnen/Mitbewohnerinnen später beim gemütlichen Essen auslassen können.
Jamie, die sich als zukünftige Lehrerin von Genretheorie zudem von ihren Zweifeln und ihrer Dissertation – die die Schnittpunkte von Romcoms und Slasherfilmen behandelt – abzulenken versucht, ahnt nicht, dass sie in dieser Nacht – schick gestylt – all ihr Wissen über Filme und klischeehafte Abläufe brauchen wird. Und dass sie am Ende überzeugter denn je davon ist, dass Mord, Gemetzel und dramatische Liebesbeweise nur auf der Leinwand zum Lachen bringen. Denn wer will schon selbst die Hauptrolle in einer abgefuckten Slasher-Romance einnehmen?

„A Killer Crush“ ist ein … ungewöhnlicher, origineller Roman, in dem Shailee Thompson einen Mix aus konträren Genres hinlegt, der auf schräge Art funktioniert und trotz kritischer Anmerkungen meinerseits amüsante Stunden beschert.
Jedes Kapitel wird von einem verdrehten Zitat eingeleitet, das ebenso oft zum Schmunzeln bringt wie die im Verlauf aufgegriffenen Anspielungen zu klassischen Filmen, Jamies analytische Bewertungen einzelner Situationen und die Freundschaft zwischen ihr und Laurie, die im Übrigen bei mir Star-Status erreichte. Im Fokus steht jedoch ganz klar die Erzählerin, die nun lieber außen vor statt mittendrin wäre. Denn das Speed-Dating nimmt recht früh eine ungeahnte Wendung, die Blut bringt und Opfer, psychische Wunden und Traumata hinterlässt. Es folgen Stunden, in denen Jamie versucht, mit ihrem Wissen über die typischen Plotabläufe von Slashern und romantischen Komödien die restlichen TeilnehmerInnen und sich selbst am Leben zu halten. Aber nicht alle sind von ihrer Rolle und den Regeln – „Sag nie ‚Bin gleich wieder da‘“, „Renne niemals die Treppe nach oben!“, „Kein Sex!“, „Aufteilen ist eine ganz blöde Idee!“ – überzeugt. Zusätzlich spaltet Misstrauen die Gruppe, während das Fehlen von Handys, Schlüssel-Codes, Licht und waffentauglichen Gegenständen die Panik anschwellen lässt. Auch der labyrinthische Club, die Leichen, dunkelrotschimmernde Schlieren und Pfützen treiben die Hysterie konstant in die Höhe.

Shailee Thompson greift das Geschehen anschaulich auf, der Stil ist hierbei ziemlich locker, leider auch sehr ausschmückend, was Nonsens, verschachtelte Monologe und Anekdoten aus Jamies Leben betrifft. Heißt: Obgleich „A Killer Crush“ in einem ironischen, von Sarkasmus unterlegten Ton erzählt wird, Skurrilität und eine Art Komik nicht zu kurz kommen, driftet der Verlauf immer wieder in Längen und sich wiederholende, gar zur Stagnation tendierende Abläufe. Gleichzeitig weckt die Autorin aber recht schnell den Drang, mitzufiebern, gemeinsam mit den Übrigen darüber zu rätseln, wer und was hinter dem Massaker steckt. Und wie sie hier rauskommen.

Es kommt zu einigen überraschenden Wendungen, temporeichen Szenen, intelligenten Gesprächen und (Lösungs-)Versuchen, zu allerhand Verlusten und ja – selbst reichliches Schmachten, eine Prise Spice und ein Potpourri diverser Gefühle sind vorhanden. Gerade Angst, Verzweiflung und Geilheit dominieren diese Dating-Night, die wohl niemand jemals wieder vergessen wird.
Das Ende? Das ist stimmig. Die in der Auflösung liegende (psychopathische) Komplexität hatte ich zumindest SO nicht vermutet.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Konnte nicht überzeugen, schade.

Empire of Whispers and Shadows
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„Empire of Whispers and Shadows“ von Ursa Jaumann ist Band eins einer Dilogie, die uns in eine japanisch inspirierte, von einem Monarchen regierte und von Plagen heimgesuchte Welt entführt. Uns in gefährliche ...

„Empire of Whispers and Shadows“ von Ursa Jaumann ist Band eins einer Dilogie, die uns in eine japanisch inspirierte, von einem Monarchen regierte und von Plagen heimgesuchte Welt entführt. Uns in gefährliche Prüfungen und Intrigen, in eine Geschichte voller Tod und Leidenschaft trägt.
Seit die alten Götter vor knapp 200 Jahren ausgelöscht wurden, herrscht der Gottkaiser über das Reich, das nur noch dank ihm und seiner mystischen Kräfte existiert. Damit das Volk sicher bleibt, werden Gezeichnete eliminiert, bevor sie zu einer Bedrohung werden können, oder von seiner sorgsam erwählten Schattenarmee exekutiert. Denn, so heißt es, jene mit einem Sternenmal hätten Teile seiner Macht gestohlen …

Saya wird im Haus des Flüsterns und der Schatten zu einer Waffe ausgebildet – sieben Prüfungen trennen sie jetzt noch von der Chance, eine Assassine des Kaisers zu werden. Dann muss sie zehn Jahre überstehen, bis sie endlich frei sein, ihre eigenen Pläne verfolgen und Rache an all jenen nehmen kann, denen sie dieses Schicksal zu verdanken hat.
Dass ihr gerade Teno als Partner zugeteilt wird, um die letzten Aufgaben zu absolvieren, treibt die junge Kriegerin an die Grenzen ihrer Selbstbeherrschung, ist er doch der erste Name auf ihrer Todesliste. Teno, der ihre Zieheltern verraten hat. Teno, der ihren Weg aus Gewalt und Verlust, aus Schmerz und Einsamkeit geebnet hat …

Nach einem interessanten Prolog verfolgen wir die Handlung aus wechselnder Perspektive, was uns die gegenwärtige Situation sowie die sich im Verlauf wandelnden Gefühle, gewonnenen Erkenntnisse und individuellen Ziele näherbringt. Teno, der seine Ausbildung absolvieren will, um zu bekommen, was ihm zusteht, ist von der Aussicht, mit einer zierlichen Frau, die ihn hasst, zusammenarbeiten zu müssen, nicht begeistert. Aber sie loszuwerden ist gegen die Regeln … Und schon bald wird beiden klar, dass ihnen nicht nur die Zeit im Nacken sitzt …
Wir erhalten einen vorstellbaren Eindruck von Mingoku – Hauptstadt und Sitz des Gottkaisers. Jaumann bedient sich japanischer Begrifflichkeiten und Gebaren, lässt die Straßen genauso detailliert aufleben wie die etlichen Kampf- und Fluchtszenen. Dennoch konnte mich der Assassinen-Aspekt nicht überzeugen. Saya, die sich Gewissen und Mitgefühl, ihren Glauben, bewahrt hat, agiert mehrfach impulsiv und zögernd, unbedacht. Im Verlauf werden ihre Vergangenheit und ihr persönlicher Umgang mit ihren Taten zwar feinfühlig aufgegriffen, bestärken jedoch den Eindruck, dass sie zu gelähmt für dieses Dasein ist. Tenos Präzision und Kalkül hingegen werden relativ schnell von den Gefühlen zu seiner Mitstreiterin torpediert. Nichtsdestotrotz unterhält die Rivals-to-Lovers-Romance mit spritzigen Schlagabtauschen, einer knisternden, wenn auch vorhersehbaren Anziehung und offenen Gesprächen.

Zugegeben: Wirklich viel Gutes kommt nicht mehr. Meiner Meinung nach verliert sich die Story viel zu oft in Nebensächlichkeiten, in Monologen, Abwägen und Lücken, was Interesse und Spannung vehement erstickt. Das komplette Worldbuilding bleibt flach – sowohl den fantastischen, den politischen als auch den mythologischen Aspekt betreffend. Auch Nebenfiguren fungieren lediglich als Schemen. Ebenso enttäuschend und wirr: die Aufgaben, die Saya und Teno von ihren MeisterInnen zugespielt bekommen (sollten). Hierzu erhaschen wir knappe Erwähnungen, manchmal eine unkoordinierte Suche nach Hinweisen und abrupte Zeitsprünge, die es schwer machen, (in diesem Bereich) den Überblick zu behalten.
Leider muss ich auch sagen, dass ich „Empire of Whispers and Shadows“ insgesamt nicht fesselnd oder atmosphärisch geschrieben fand. Der Stil war sehr einfach gehalten und abgesehen von den Details, die das Setting hervorhoben, fehlte es mir an Relevanz, Fokus, Struktur und Klarheit. Viele Worte, die kaum etwas preisgeben. Selbst die kleinen Spannungsspitzen, zarte Überraschungsmomente oder der Hauch von Misstrauen täuschen nicht über Langatmigkeit und Längen hinweg.
Eine Geschichte, die ohne Frage auf einer interessanten Idee basiert, jedoch nicht überzeugen konnte.

Außerdem empfehle ich dem Verlag eine zweite Korrekturrunde, um fehlende oder doppelte/falsche Worte auszumerzen.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Kurzweilig, seicht – vorhersehbare YA-Romantasy

Wicked Souls (Bd. 1)
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Auf Carolyn Smythe wartet ein neuer Lebensabschnitt: Mit dem Adeptenjahr will sie sich einen Studienplatz am Institut für Moderne Magie sichern. Unter Euphorie und Vorfreude mischt sich jedoch auch Unbehagen ...

Auf Carolyn Smythe wartet ein neuer Lebensabschnitt: Mit dem Adeptenjahr will sie sich einen Studienplatz am Institut für Moderne Magie sichern. Unter Euphorie und Vorfreude mischt sich jedoch auch Unbehagen – immerhin war es ihr bisher nur bei ihrer bunt gemischten Familie möglich, sie selbst zu sein. Zudem ist Lyn davon überzeugt, dass jedeR an der Universität ihren Namen kennt … und damit liegt sie gar nicht so falsch.
Zum Glück findet die Junghexe ruckzuck Anschluss, freundet sich mit ihrer Mitbewohnerin an, lebt sich in den Korridoren der Einrichtung ein und kann sogar ihr Traumpraktikum in der magischen Auffangstation antreten! Jetzt muss Lyn nur noch ihren vermaledeiten Fluch loswerden.
Dass sie dafür gleich zwei potenzielle, äußerlich nahezu identische, charakterlich komplett verschiedene Anwärter im Visier hat, macht die Situation um einiges komplizierter. Denn jedes Herzflattern und Schmetterlingskribbeln endet in einer mehr oder weniger peinlichen Katastrophe. Und nur der Kuss der wahren Liebe kann den Bann, geboren aus einem Missverständnis, gesprochen aus Eifersucht, brechen.
Neben Pauken, Arbeit, Festivitäten und Jungs hat Lyn eigentlich keine Zeit, sich zusätzlich über die mysteriösen Einbrüche im Institut den Kopf zu zerbrechen. Aber auch die liebgewonnene Auffangstation – Schutz und Raum für zahlreiche verletzte, bedürftige und seltene Wesen – ist von den Vorkommnissen betroffen …

„Verhexte Prophezeiungen“ ist der Auftakt der romantischen Young-Adult-Fantasy-Dilogie „Wicked Souls“. Wer die zweiteilige Serie „Hunting Souls“ gelesen hat, kennt Katrinas zauberhafte Schwester Carolyn, um die sich hier alles dreht, bereits. Wichtig ist, dass diese beiden Storys nicht aufeinander aufbauen, sondern unabhängig voneinander lesbar sind.

Erzählt wird hauptsächlich aus der Sicht der Hexe, durch die wir in den Alltag der Schule und in die Welt der Magie eingeführt werden. Gerade zu Beginn geben diese Informationen der Handlung Kontur, wobei das Worldbuilding insgesamt eher oberflächlich bleibt. Recht schnell wird klar, dass Lyns Unsicherheiten nicht einzig auf ihr neues Umfeld zurückzuführen sind, sondern sie seit einem gravierenden Ereignis mit sich und ihren Kräften hadert – on top nun der nervige Fluch. Diese Details sowie Einblicke in ihr Aufwachsen sorgen dafür, dass Carolyns Verhalten und ihr Wunsch, zumindest in Sachen Liebe normal zu sein, greifbar wird.
Im späteren Verlauf lässt uns Gabriel hin und wieder an seinen Gedanken und Empfindungen teilhaben – seine Kindheit, seine Familie, so ganz anders als Lyns. Gabriels Perspektiven machen deutlich, dass der vermeintlich desinteressierte und gleichgültige Zwilling ganz anders ist, als er alle glauben machen will. Während ihrer gemeinsamen Arbeit bei Dr. Harper, zwischen hitzigen Diskussionen und lockeren Neckereien, kommen sich Gabriel und Carolyn näher. Und obwohl sich die Hexe vehement dagegen sperrt, sie felsenfest an Sebastian und sich glaubt, schiebt sich immer öfter das Bild des „falschen Bruders“ vor ihr inneres Auge …

Tina Köpkes Stil ist einfach und leicht. Vorstellbar kamen Setting und die verschiedenen Szenarien, die größtenteils eher seicht inszeniert waren, zur Geltung. Die Autorin fokussiert sich vornehmlich auf Lyn, den Fluch und die Lovestory(s), hingegen werden die Einbrüche lediglich sporadisch erwähnt, bis sie gegen Ende wirklich Beachtung samt einer schlüssigen – jedoch nicht überraschenden – Auflösung erhalten. Die Spannungskomponente und die romantische Entwicklung waren sehr vorhersehbar und ziemlich flach. Ebenfalls störend: Dass sich Lyn vegan ernährt, haben die LeserInnen wahrscheinlich nach zwei Erwähnungen begriffen. Außerdem mangelte es einigen Vorbehalten (bspw. gegenüber Gabriel) und Gefühlsregungen (bspw. für Sebastian) an einer Basis, an Gründen. Woher kam die Überzeugung für, woher die harsche Abneigung gegen einen der Brüder?
Dafür bindet Köpke wichtige Themen ein, wie die grenzenlose Ausbeutung von Tieren/Artensterben oder das systematische Einstampfen von nachhaltigen/sozialen Projekten/Forschungen. Besonders gefielen mir die Augenblicke in der Auffangstation, jene, in denen die Smythes integriert waren, Gabriels Fähigkeiten und die Freundschaften, die sich knüpften. Um Alice und Saskia wiederzutreffen, werde ich auch Band 2 der Dilogie lesen, wobei die Story theoretisch rund abgeschlossen war. Wären da nicht die letzten Sätze, die neue Probleme ankündigen …

„Verhexte Prophezeiungen“ ist kurzweilig, süß und bietet nette, wenn auch unspektakuläre Unterhaltung. Im Vergleich zur „Hunting Souls“-Dilogie fehlte es dieser Geschichte meiner Meinung nach an Schwung, Spannung und Witz.

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