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Veröffentlicht am 12.02.2026

Eine Kommissarin mit dissoziativer Amnesie nach einem Unfall ermittelt

Die Tote von Nazaré
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Das Cover mit den typischen blauen Kacheln deutet passend auf das südländische Flair des darunter befindlichen Küstenortes hin. Der Touristenort Nazaré, an der stürmischen Atlantikküste in Portugal gelegen, ...

Das Cover mit den typischen blauen Kacheln deutet passend auf das südländische Flair des darunter befindlichen Küstenortes hin. Der Touristenort Nazaré, an der stürmischen Atlantikküste in Portugal gelegen, sollte für die Hauptkommissarin Maren Berger aus Köln der Erholungsort nach monatelanger Rekonvaleszenz nach Schussverletzung am Kopf bei einem dortigen Banküberfall sein. Ihr Erinnerungsvermögen an diesen bisher unaufgeklärten Kölner Fall ist sehr bruchstückhaft und lässt sie mit vielen Selbstzweifeln im Januar in diesem windigen Ort kaum zur Ruhe kommen. Ihre seelische und körperliche Konstitution lässt sich gut nachempfinden, auch als sie auf die erste Leiche trifft. Mit dem sympathischen João Ferreira, Inspektor von der Polícia Judiciária in Leiria, an ihrer Seite entwickelt sich ein interessanter Plot zwischen deutscher und portugiesischer Polizei. Bei der gesamten Ermittlungsarbeit bei weiteren Morden passt die dynamische, effektive Zusammenarbeit zwischen diesen Hauptfiguren. Häufigere Einbeziehung der landschaftlichen Schönheit und Besonderheit hätten mehr Ambiente heraufbeschwören können. Die finale Aufklärung und Überführung der Täter wirkt sehr konstruiert und wirft Fragen zu unschlüssigen Details auf. Die Nebenfiguren wirken daher etwas unglaubwürdig. Angerissen werden historische Daten wie die Schlacht von Aljubarrota, sowie die typische portugiesische Musik des Fado – dieser Mischung aus Klagelied und Seemannssong - gepaart mit Saudade.
Ein unterhaltsamer Krimi!

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Nicht voll überzeugend!

Spielverderberin
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Gegensätze zwischen Bauernschaft mit bodenständigem Realismus, Klatsch und Großstadtleben unter Akademikern sowie zwischen der Schulzeit-Vergangenheit vier Jahre früher und der Gegenwart mit Romys Verschwinden, ...

Gegensätze zwischen Bauernschaft mit bodenständigem Realismus, Klatsch und Großstadtleben unter Akademikern sowie zwischen der Schulzeit-Vergangenheit vier Jahre früher und der Gegenwart mit Romys Verschwinden, all das bildet den Rahmen dieser Dreierfreundschaft, belastet mit Lügen, Schuld und Obsession. Durch sich verändernde Zweierkonstellationen rund um Romy entwickeln sich problematische Beziehungen, alles andere als eine vertrauenswürdige, verlässliche Freundschaft zu dritt. Sophie, die Ich-Erzählerin voller Minderwertigkeitskomplexe, deutet anfangs schlimme Schuldgefühle Lotte gegenüber an, aber auch ihre zwiespältige Einstellung zu Romy voller Neid bzw. Obsession zeigen ihre Unsicherheit an. Über zwei Zeitebenen nähert man sich der nicht ganz nachvollziehbaren Wahrheit wegen fehlenden Details. Interessant ist die Zusammenstellung der Charaktere: Lotte eher unsicher, ängstlich und scheinbar passiv, Romy dagegen selbstsicher, selbstgefällig, weltmännisch und schließlich Sophie schuldbeladen, ambivalent gegenüber Romy, in ihr mehr als nur Halt suchend. Die Szenerie wirkt zu jeder Zeit angespannt, eher belastet durch stille Eifersucht statt ausgeglichen durch vertrauenswürdige, herzliche Freundschaft. Leider wird das vergangene Ereignis um Lotte zu wenig thematisiert, während die finale Einbeziehung von Milan am Baggerloch verwirrt.
Veränderungen in Freundschaftsbeziehungen junger Menschen – hier eher ein Jugendroman?

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Sexueller Machtmissbrauch – ein ernstes Thema ohne genügend Tiefe

Hazel sagt Nein
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In vier Teilen geht es um die jüdische Akademikerfamilie Blum, die vom pulsierenden Brooklyn ins beschauliche Riverburg in Maine umziehen. Deren achtzehnjähriger Tochter Hazel, Hauptfigur dieses Romans, ...

In vier Teilen geht es um die jüdische Akademikerfamilie Blum, die vom pulsierenden Brooklyn ins beschauliche Riverburg in Maine umziehen. Deren achtzehnjähriger Tochter Hazel, Hauptfigur dieses Romans, passiert in der dortigen Senior-Highschool-Abschlussklasse als Neuzugang ein ernst zu nehmender sexueller Machtmissbrauch durch den Schuldirektor. Am ersten Schultag eröffnet er ihr grenzüberschreitend in seinem Büro: Jedes Jahr suche ich mir eine Schülerin aus, mit der ich Sex habe. Dieses Jahr nehme ich dich. Und Hazel sagt: NEIN.
Die Familienmitglieder werden im ersten Teil vorgestellt: Hazels Vater, Professor für Amerikanistik am College in Riverburg, dessen Stelle mit einer sehr benötigten Studienbeihilfe für Hazel verbunden ist. Ihre Mutter Claire vertieft sich vor allem in Shopping, Vintage-Bekleidung favorisierend. Hazels 11-jähriger Bruder Wolf mit ADHS-Syndrom und unterdurchschnittlicher Sozialkompetenz wird zu verzerrt und nicht altersgerecht dargestellt. Überhaupt nehmen die Nebenschauplätze wie die Cancel-Story in der Vorlesung des Vaters, das langweilige Hausfrauendasein der Mutter oder Hazels Kontakt zum Studenten Noah zu viel ablenkenden Raum ein. Im Kern geht es doch um eine junge Frau mit starkem Wunsch, erfolgreiche Schriftstellerin zu werden und dies trotz ausgrenzender, gesellschaftlicher Widrigkeiten und sogar hautnah spürbarem Rassismus aufgrund ihrer mutigen Entscheidung. Zwischen den angerissenen Themen wie Machtmissbrauch, Antisemitismus, dynamische Medienmechanismen nebst Feminismus verlieren sich die Ängste und Unsicherheiten in Hazels Leben. Ihr überlegter Weg, wieder die notwendige Kontrolle über ihr Leben zurück zu erlangen, ist kein rebellischer Umgang des Opfers mit der traumatischen Erfahrung und mag jüngeren Frauen auch vom Schreibstil her gefallen. Dass natürlich auch alle Familienmitglieder und das zerrissene Umfeld in der Kleinstadt auf die mehrfachen Äußerungen des Schuldirektors White verschieden reagieren, wird berücksichtigt. Während er, der Täter, zum großen Teil Randfigur bleibt, verläuft Hazels Umgang mit eigener innerer Zerrissenheit und Schuldzuweisung vergleichsweise zu oberflächlich, emotional schlecht greifbar.
Mehr Tiefgang beim Thema sexueller Belästigung, mehr Konzentration auf die emotionale Komponente bei der jungen Hauptfigur, mehr Gewicht auf einen sensiblen Schreibstil hätte man sich gewünscht.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Teils pseudo-wissenschaftlich, teils dystopisch!

Schleifen
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Dreidimensional kommen die orange-farbigen Linien auf schwarzem Grund auf dem Cover daher. Der Buchtitel Schleifen bezieht sich im Buch auf Möbiusschleifen, die entstehen, wenn man die Enden eines Papierstreifens, ...

Dreidimensional kommen die orange-farbigen Linien auf schwarzem Grund auf dem Cover daher. Der Buchtitel Schleifen bezieht sich im Buch auf Möbiusschleifen, die entstehen, wenn man die Enden eines Papierstreifens, um 180 Grad verdreht, miteinander zusammenklebt. Cover und Buchtitel überzeugen. In drei Teilen geht es um das Bemühen, eine vom Menschen künstlich erschaffene Universalsprache zu schaffen, eine universelle philosophische und wissenschaftliche Sprache. Wird in Teil 1 zunächst die babylonische Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel erwähnt, dann mit dem Logiker Kurt Gödel, dem Physiker Moritz Schlick oder dem Philosophen Ludwig Wittgenstein an den Wiener Kreis erinnert mit ihren Plansprachen-Ideen mit Bezug auf John Wilkins erster Vision einer universalen Sprache. Spielt die Szenerie mit der kindlichen Hauptfigur Franziska Denk in Wien um 1930, erfolgt während der NSDAP-Zeit ein Wegzug vieler Mitglieder dieses Kreises. Das junge Mädchen reagiert auf sprachliche Äußerungen, als wären sie real. Erfährt sie z.B. Einzelheiten über eine Pesterkrankung, beginnt Franziskas Haut schwarze Blasen zu werfen. Auch nach dem Umzug nach Rhode Island leidet sie aufgrund dieser Kondition an Sozialkontakten, bringt sich selbständig mehrere Sprachen bei, desensibilisiert sich schließlich selbst mit ausgestorbenen Begriffen, quasi mit einem Impfstoff aus toten Wörtern. Mit dem tragischen Ableben der Eltern wird sie den Behörden überlassen mit 17 Jahren. Durch den jahrelangen Briefkontakt ab Herbst 1948 mit dem 14-jährigen Otto Mandl, der in England bei seiner Tante in Sicherheit vor Hitlers Schergen ist, verändert sich auch Franziskas Leben. Durch seinen Vater ist Otto mit Wissenschaft aufgewachsen und sein Traum ist es, die gesamte Wissenschaft auf einen neuen philosophischen Boden zu stellen. Zum Studium in Berlin ziehen sie zusammen, sie inskribiert für Sprachwissenschaften und Germanistik, er für Mathematik. Beide entwickeln eine dynamische Plansprache namens Litæ mit Orientierung an der Struktur der tatsächlich gesprochenen Sprache, sie bleibt lebendig und wandelbar. Der bisherige pseudo-wissenschaftliche Charakter im Roman verliert sich mehr und mehr. Anstatt den festgeschriebenen Regeln der Wörterbücher zu folgen, endet deren gemeinsames Projekt in einer komplizierten Objektsprache. Man entwickelt diese Sprache mit dem Ziel, die Welt in all ihren Details akkurat abzubilden, und nicht, um sie praktisch in Alltagssituationen einsetzen zu können. Ab den Gesprächen beim jährlich stattfindenden Objektsprache-Kongress entwickelt der Roman Kafkaeske Züge. Der zunehmende Eindruck, dass Franziska dem Wahnsinn verfällt und sich nicht nur in einer neuen Sprachwelt aufhält, verstärkt sich im zweiten Teil in Wodot, einem Staat bei Rom. Utopische Ideen werden hier lebendig, während Otto sich in Japan nach einem Kongress in einem großen Kreisverkehr verliert. Im dritten Teil expandiert das einst durch Sprache hervorgerufene Chaos weltweit, weit ab vom Normalen. Kafkas Welt mit seinem Werk Der Prozess wird eingeflochten in die Arbeit des Literaturarchivs in Marbach. Nachdem sich viele Begriffe auflösen, hat dies einen überzeugenden Effekt auf die allgemeine Weltlage. Der Autor regt mit seinen Metaphern, Allegorien und utopischen Bildern sicher an, über den Stellenwert von Sprache nachzudenken.
Nicht ganz leicht zu schluckender Lesestoff.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Eine spicy Weihnachtsgeschichte – sicher nicht ideal für jeden Buchnerd.

He Sees You When You´re Sleeping
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Das Cover verspricht auf dunklem Grund reichlich weihnachtliches Flair, mittig eine filigrane, rote Augenmaske platziert – sehr geschmackvoll. Diese ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte spielt im verschneiten ...

Das Cover verspricht auf dunklem Grund reichlich weihnachtliches Flair, mittig eine filigrane, rote Augenmaske platziert – sehr geschmackvoll. Diese ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte spielt im verschneiten New York. Die junge, sympathische Hauptfigur Chloe Hallman, Influencerin und Markenbotschafterin für Modeschmuck, führt ein düsteres Doppelleben über ihren Account von Dark Secrets. Dieses zunächst weihnachtliche, unschuldige Ambiente entwickelt sich durch die heimlichen Aktionen der zweiten Hauptperson Jack, einem gut aussehenden Feuerwehrmann, jedoch zwanghaftem Stalker, zu einem spannungsgeladenen Plot mit romantischen Szenen. Dieses Spiel aus Obsession, Verlangen, Selbstbefriedigung, Voyeurismus, Stalking und Angst wird in sehr detailliertem Schreibstil beschrieben. Beide verhalten sich mit ihren sexuellen Perversionen eher außerhalb gesellschaftlicher Normen. Die Handlung wird wechselnd aus der Sicht dieser Protagonisten getragen.
Die Nebenfiguren wie z.B. der achtzig jährige, warmherzige Mr. Haven verleiht dem dortigen Alltagsleben mehr Normalität und Mitmenschlichkeit, während Chloes Vorgesetzter Mr. Tyler höchstens als zusätzlicher Spannungsfaktor eingeplant scheint.
Eigentlich kein weihnachtliches Wohlfühlbuch aufgrund moralischer Grenzwertigkeit.

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