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Veröffentlicht am 30.03.2026

Starker Anfang, schwache Mitte, starkes Ende

Dire Bound
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Allgemeiner Eindruck

Direbound ist ein umfangreicher Fantasyroman mit rund 800 Seiten, der durch seinen detailreichen Weltenbau und eine intensive Atmosphäre überzeugt. Besonders positiv fällt auf, dass ...

Allgemeiner Eindruck

Direbound ist ein umfangreicher Fantasyroman mit rund 800 Seiten, der durch seinen detailreichen Weltenbau und eine intensive Atmosphäre überzeugt. Besonders positiv fällt auf, dass neben der eigentlichen Handlung auch ein Glossar sowie zusätzliche Informationen zu den verschiedenen Rudeln enthalten sind. Das erleichtert die Orientierung und verstärkt das Gefühl, in eine komplexe und durchdachte Welt einzutauchen.

Schreibstil & Einstieg

Der Einstieg in die Geschichte ist äußerst gelungen. Bereits das erste Kapitel überzeugt mit einem lockeren, zugänglichen Schreibstil und einem spannenden Beginn, der direkt ins Geschehen zieht. Das erste Kapitel sorgt für einen starken ersten Eindruck und weckt sofort Neugier. Im weiteren Verlauf bleibt der Schreibstil angenehm flüssig, auch wenn es gelegentlich durch sehr verschachtelte Sätze und viele Kommas zu kleinen Lesestolperern kommt. Insgesamt überwiegt jedoch der positive Eindruck deutlich. Auffällig sind zudem die vergleichsweise langen Kapitel mit etwa 20 Seiten, die sich jedoch überraschend angenehm lesen lassen. Trotz ihrer Länge wirken sie weder zu lang noch zu kurz, sondern genau richtig getaktet, sodass man mühelos durch die Geschichte getragen wird.

Atmosphäre & Worldbuilding

Ein großes Plus des Romans ist die dichte und lebendige Atmosphäre. Die Autorinnen nehmen sich viel Zeit für Beschreibungen von Schauplätzen, Kleidung und Figuren, wodurch die Welt sehr greifbar wirkt. Auch Nebenfiguren werden häufig benannt und erhalten zumindest kurze Einordnungen, was die Geschichte authentischer erscheinen lässt. Ein weiterer auffälliger Aspekt ist der teils sehr explizite Umgang mit Gewalt. Einige Szenen sind detailliert und intensiv beschrieben, sodass sie durchaus unangenehm wirken können. Gleichzeitig trägt genau diese Härte zur Authentizität der Welt bei und hebt die Geschichte von anderen Fantasywerken ab. Außerdem ist die Darstellung der unterschiedlichen Rudel und ihrer Eigenheiten gut gelungen.

Handlung & Spannungsverlauf

Der Roman startet stark und bleibt auch über die ersten rund 300 Seiten hinweg spannend und fesselnd. Danach zeigt sich jedoch eine deutliche Schwäche im Mittelteil (ca. Seite 300–500). In diesem Abschnitt verliert die Handlung spürbar an Dynamik, da sich Prüfungs- und Kampfszenen wiederholen und die eigentliche Story kaum voranschreitet. Hinzu kommen teilweise logische Unstimmigkeiten, insbesondere im Umgang mit der Entführung von Meryns Schwester, was das Geschehen stellenweise weniger nachvollziehbar wirken lässt. Gerade dadurch kann das Interesse merklich nachlassen, sodass ein Abbruch ohne äußeren Anstoß durchaus denkbar gewesen wäre.

Ab etwa Seite 500 gewinnt das Buch jedoch deutlich an Stärke zurück. Mysteriöse Elemente treten stärker in den Vordergrund, die Spannung steigt wieder und die Handlung nimmt eine interessante Wendung. Die letzten 250 Seiten sind schließlich äußerst packend und konnten die Geschichte insgesamt deutlich aufwerten.

Charaktere & Dynamik

Die Figuren wirken lebendig und greifbar, was vor allem daran liegt, dass auch weniger relevante Charaktere nicht einfach als Statisten behandelt werden. Besonders innerhalb der Rudel entstehen interessante Dynamiken, die teilweise auch humorvolle oder warme Momente bieten. Die Beziehung zwischen Meryn und ihrem Love Interest entwickelt sich nachvollziehbar, auch wenn der Einstieg durch eine sehr frühe intime Szene zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirkt. Dennoch gelingt es den Autorinnen, die emotionale Verbindung glaubhaft darzustellen.

Spice-Anteil

Der Roman enthält mehrere spicy Szenen, die grundsätzlich gut geschrieben sind. Allerdings wirkt deren Häufigkeit stellenweise etwas überladen. Weniger Szenen hätten der Handlung vermutlich nicht geschadet, sondern sie sogar gestrafft. Zudem gab es Momente, in denen die bildliche Vorstellung dieser Szenen schwerfiel.

Fazit

Direbound ist ein Fantasyroman mit einem sehr starken Anfang und einem noch stärkeren Ende, der jedoch im Mittelteil spürbar schwächelt. Die intensive Atmosphäre, der detailreiche Weltenbau und die lebendigen Charaktere machen das Buch dennoch zu einem lohnenswerten Leseerlebnis.

Gerade im Hinblick auf die Handlung zeigt sich jedoch deutliches Ausbaupotenzial: Vor allem im Mittelteil verliert die Story an Fokus, wiederholt sich und wirkt stellenweise zu langatmig, was den Lesefluss bremst. Bestimmte Entscheidungen und Entwicklungen erscheinen nicht immer ganz stimmig, was das Eintauchen in die Geschichte stellenweise beeinträchtigt. Selbst im starken letzten Drittel werden einige interessante Motive erst spät eingeführt und können ihr Potenzial daher nicht vollständig entfalten.

Nichtsdestotrotz überzeugt das Buch durch seine Atmosphäre, den fesselnden Schreibstil und die gelungenen Figurenkonstellationen. Besonders das Ende zeigt, welches Potenzial in der Geschichte steckt, und macht Hoffnung, dass der zweite Band genau an dieser Stärke anknüpfen und von Beginn an ein höheres Spannungsniveau halten kann.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Starke Atmosphäre, aber zu viel Distanz zu den Figuren

Les Bouttiers – Wir sind jetzt
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Der Roman „Les Bouttiers - Wir sind jetzt“ hat mich insgesamt gut unterhalten, auch wenn er für mich kein Highlight war.

Besonders positiv aufgefallen ist mir die Erzählweise. Die Geschichte wird aus ...

Der Roman „Les Bouttiers - Wir sind jetzt“ hat mich insgesamt gut unterhalten, auch wenn er für mich kein Highlight war.

Besonders positiv aufgefallen ist mir die Erzählweise. Die Geschichte wird aus der Sicht von drei verschiedenen Figuren erzählt, was mir sehr gut gefallen hat. Dadurch erhält man unterschiedliche Einblicke in die Handlung und vor allem in die Gefühlswelt der Charaktere. Diese Perspektivwechsel bringen viel Abwechslung in die Geschichte und sorgen dafür, dass man verschiedene Blickwinkel auf die Ereignisse bekommt.

Ein weiterer Punkt, der mir gut gefallen hat, war der Schreibstil des Romans. Dieser ist insgesamt sehr flüssig und angenehm zu lesen beziehungsweise zu hören. Die Sprache ist klar und nachvollziehbar, sodass man der Handlung gut folgen kann. Gleichzeitig nimmt sich die Geschichte zwischendurch auch nicht immer ganz ernst. Es gibt immer wieder kleinere humorvolle Szenen oder Dialoge, die mich zum Schmunzeln gebracht haben und die das Ganze etwas auflockern. Besonders interessant fand ich auch, dass der Stil zum Ende hin teilweise fast poetische Züge annimmt. An einigen Stellen tauchen sogar Reime auf, was ich sehr originell fand

Ein großer Pluspunkt war für mich außerdem die Atmosphäre des Buches. Die Handlung spielt in Paris und bewegt sich stark in der Welt der Mode: Modeimperien, Fashion Weeks und der Konkurrenzkampf zwischen großen Modefirmen stehen im Mittelpunkt. Diese Kulisse fand ich sehr spannend und unterhaltsam. Immer wieder werden französische Wörter eingebaut, was das Gefühl verstärkt, wirklich in dieser Welt zu sein und sich von der Geschichte ein wenig treiben zu lassen. Zusätzlich gibt es im Verlauf des Buches immer wieder eingestreute Kapitel in Form von Pressemitteilungen. Diese Perspektive fand ich ebenfalls sehr spannend, weil sie die Ereignisse aus einem anderen Blickwinkel zeigen.

Die Handlung selbst hat mich teilweise überrascht. Zu Beginn hätte ich nicht unbedingt erwartet, dass sich die Geschichte in diese Richtung entwickelt. Insgesamt hat mir der Verlauf der Handlung gefallen, besonders die Themen rund um Mode, Konkurrenz und familiäre Konflikte. Allerdings hatte ich nicht immer einen emotionalen Zugang zu den Figuren. In manchen Situationen konnte ich mich den Charakteren nicht so nahe fühlen, wie ich es mir gewünscht hätte. Interessanterweise hat das bei den Perspektiven unterschiedlich funktioniert: Zu einem der männlichen Erzähler konnte ich die Dynamiken mit anderen Figuren deutlich besser nachvollziehen und habe diese Szenen auch emotional stärker empfunden als bei den anderen.

Zum Ende hin war ich teilweise etwas unsicher, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde. Besonders im letzten Teil wusste ich zeitweise nicht genau, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Dennoch fand ich das Ende letztlich gelungen, da es neugierig auf den zweiten Band macht. Ein weiterer Punkt, der mir manchmal Schwierigkeiten bereitet hat, war die große Anzahl an Figuren. Einerseits macht das die Welt der Geschichte lebendig, andererseits war es für mich stellenweise etwas überfordernd. Gerade durch die vielen französischen Namen fiel es mir manchmal schwer, den Überblick zu behalten. Gegen Ende passiert zudem sehr viel mit verschiedenen Figuren gleichzeitig, sodass ich einige Stellen sogar noch einmal lesen musste, um alles richtig zu verstehen.

Fazit

Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten. Besonders die Atmosphäre rund um die Modewelt, Paris und die Fashion Weeks hat mir sehr gefallen. Auch die Handlung in diesem Umfeld fand ich spannend. Trotzdem war es für mich kein besonders starker Auftakt, vor allem weil mir der emotionale Zugang zu den Figuren gefehlt hat. Viele von ihnen blieben für mich etwas auf Distanz. Das Ende macht jedoch neugierig auf den zweiten Band, den ich auf jeden Fall noch lesen möchte.

Insgesamt würde ich dem Buch etwa 3,5 bis 4 Sterne geben – hauptsächlich wegen der Atmosphäre und der Modewelt, weniger wegen der Figuren.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Verdacht. Verwirrung. Wahrheit?

Station 22. Wo bist du sicher?
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Unvoreingenommener Einstieg – und positiv überrascht

Ohne vorher auf Bewertungen oder Rezensionen zu achten, habe ich mich allein vom Klappentext leiten lassen und wurde im Großen und Ganzen absolut überzeugt. ...

Unvoreingenommener Einstieg – und positiv überrascht

Ohne vorher auf Bewertungen oder Rezensionen zu achten, habe ich mich allein vom Klappentext leiten lassen und wurde im Großen und Ganzen absolut überzeugt. Ich wollte einen spannenden Psychothriller lesen, habe auch mit bestimmten Elementen gerechnet, aber das Buch hat mich auf einer anderen Ebene noch einmal deutlich mehr abgeholt als erwartet.

Ruhiger Beginn mit starker Atmosphäre

Der Thriller startet zunächst sehr ruhig. Erzählt wird aus der Perspektive von Ida, einer Krankenschwester auf der psychiatrischen Station 22. Zu Beginn lernen wir ihren Alltag, die Klinik und vor allem ihre Gedankenwelt kennen. Die Spannung baut sich langsam auf – fast schleichend.

Erst als die ersten Figuren verschwinden, beginnt sich die Geschichte enger zuzuziehen. Die Verstrickungen zwischen den verschiedenen Personen sind dabei sehr gelungen konstruiert. Nach und nach entfaltet sich ein komplexes Netz aus Beziehungen, Geheimnissen und Andeutungen.

Der Schreibstil – fordernd, aber wirkungsvoll

Der Schreibstil ist stark gedankengeprägt und teilweise sehr sprunghaft. Ida reflektiert viel, stellt sich selbst Fragen, verliert sich in Gedankenspiralen. Diese Gedankenfetzen werden oft direkt und ohne große Übergänge eingebunden. Viele Leserinnen und Leser hatten offenbar Schwierigkeiten damit, ich persönlich empfand diesen Stil jedoch als sehr passend.

Gerade im Hörbuch wurde dieser innere Monolog hervorragend umgesetzt. Man bekommt das Gefühl, direkt in Idas Kopf zu sein: ihre Angst, ihre Wut, ihre Unsicherheit und ihr Gedankenkarussell sind intensiv spürbar. Das hat für mich enorm zur Atmosphäre beigetragen.

Natürlich gibt es Szenen, die sehr abrupt wechseln: von einer Krankenhaus-Szene direkt in eine völlig andere Situation, etwa in eine Bar, ohne klare Übergänge oder Kapitelmarkierungen. Das kann herausfordernd sein und verlangt Aufmerksamkeit. Doch genau dieses Stilmittel verstärkt die zentrale Frage des Buches:
Was ist real – und was nicht?

Amnesie, Hypnose und wachsende Spannung

Ein zentrales Element ist Idas Amnesie. Sie versucht verzweifelt, ihre verlorenen Erinnerungen zurückzuerlangen. Mit Beginn von Hypnosesitzungen nimmt die Spannung deutlich zu.

Ab diesem Punkt wird es wirklich fesselnd. Als Leser oder Zuhörer schwankt man ständig zwischen verschiedenen Theorien. Kaum glaubt man, eine Ahnung zu haben, wird diese wieder erschüttert. Verdächtigungen wechseln, neue Hinweise tauchen auf, alte Vermutungen werden wieder verworfen. Dieses permanente Hin- und Her hat mir sehr gefallen, es hält die Spannung konstant hoch.

Die Auflösung und Fazit

Das Finale war überraschend und hat mich emotional gepackt. Dennoch bleiben zwei Kritikpunkte: Die Auflösung wirkte stellenweise etwas zu überhastet und ließ für meinen Geschmack ein paar Fragen offen. Einige Aspekte hätten etwas ausführlicher erklärt werden können. Der Schreibstil ist fordernd und nicht für jeden geeignet, entfaltet aber besonders im Hörbuch... eine starke Wirkung.

Das Buch ist ein atmosphärischer, psychologisch intensiver Thriller, der sich Zeit nimmt, seine Figuren und deren innere Konflikte aufzubauen. Trotz kleiner Schwächen in der Auflösung bleibt die Geschichte im Kopf. Sie hat mich gepackt, überrascht und begeistert.

Abschließend würde ich für „Station 22 – Wo bist du sicher?“ tatsächlich eher eine Hörempfehlung aussprechen. Der gedankensprunghafte, fragmentarische Schreibstil kann beim Lesen stellenweise herausfordernd sein und verlangt viel Aufmerksamkeit.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Verdacht. Verwirrung. Wahrheit?

Station 22. Wo bist du sicher?
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Unvoreingenommener Einstieg – und positiv überrascht

Ohne vorher auf Bewertungen oder Rezensionen zu achten, habe ich mich allein vom Klappentext leiten lassen – und wurde im Großen und Ganzen absolut ...

Unvoreingenommener Einstieg – und positiv überrascht

Ohne vorher auf Bewertungen oder Rezensionen zu achten, habe ich mich allein vom Klappentext leiten lassen – und wurde im Großen und Ganzen absolut überzeugt. Ich wollte einen spannenden Psychothriller lesen, habe auch mit bestimmten Elementen gerechnet, aber das Buch hat mich auf einer anderen Ebene noch einmal deutlich mehr abgeholt als erwartet.

Das Hörbuch – großartig gesprochen

Ein besonderes Lob geht an Sprecherin Sarah Dorsel. Sie hat Idas Gedankenwelt grandios transportiert, mit feinen Nuancen, Betonungen, Pausen und emotionaler Tiefe. Gerade bei einem so gedankenlastigen Stil ist eine gute Sprecherin entscheidend und hier wurde das wirklich hervorragend umgesetzt.

Ruhiger Beginn mit starker Atmosphäre

Der Thriller startet zunächst sehr ruhig. Erzählt wird aus der Perspektive von Ida, einer Krankenschwester auf der psychiatrischen Station 22. Zu Beginn lernen wir ihren Alltag, die Klinik und vor allem ihre Gedankenwelt kennen. Die Spannung baut sich langsam auf – fast schleichend.

Erst als die ersten Figuren verschwinden, beginnt sich die Geschichte enger zuzuziehen. Die Verstrickungen zwischen den verschiedenen Personen sind dabei sehr gelungen konstruiert. Nach und nach entfaltet sich ein komplexes Netz aus Beziehungen, Geheimnissen und Andeutungen.

Der Schreibstil – fordernd, aber wirkungsvoll

Der Schreibstil ist stark gedankengeprägt und teilweise sehr sprunghaft. Ida reflektiert viel, stellt sich selbst Fragen, verliert sich in Gedankenspiralen. Diese Gedankenfetzen werden oft direkt und ohne große Übergänge eingebunden. Viele Leserinnen und Leser hatten offenbar Schwierigkeiten damit, ich persönlich empfand diesen Stil jedoch als sehr passend.

Gerade im Hörbuch wurde dieser innere Monolog hervorragend umgesetzt. Man bekommt das Gefühl, direkt in Idas Kopf zu sein: ihre Angst, ihre Wut, ihre Unsicherheit und ihr Gedankenkarussell sind intensiv spürbar. Das hat für mich enorm zur Atmosphäre beigetragen.

Natürlich gibt es Szenen, die sehr abrupt wechseln: von einer Krankenhaus-Szene direkt in eine völlig andere Situation, etwa in eine Bar, ohne klare Übergänge oder Kapitelmarkierungen. Das kann herausfordernd sein und verlangt Aufmerksamkeit. Doch genau dieses Stilmittel verstärkt die zentrale Frage des Buches:
Was ist real – und was nicht?

Amnesie, Hypnose und wachsende Spannung

Ein zentrales Element ist Idas Amnesie. Sie versucht verzweifelt, ihre verlorenen Erinnerungen zurückzuerlangen. Mit Beginn von Hypnosesitzungen nimmt die Spannung deutlich zu.

Ab diesem Punkt wird es wirklich fesselnd. Als Leser oder Zuhörer schwankt man ständig zwischen verschiedenen Theorien. Kaum glaubt man, eine Ahnung zu haben, wird diese wieder erschüttert. Verdächtigungen wechseln, neue Hinweise tauchen auf, alte Vermutungen werden wieder verworfen. Dieses permanente Hin- und Her hat mir sehr gefallen, es hält die Spannung konstant hoch.

Die Auflösung und Fazit

Das Finale war überraschend und hat mich emotional gepackt. Dennoch bleiben zwei Kritikpunkte: Die Auflösung wirkte stellenweise etwas zu überhastet und ließ für meinen Geschmack ein paar Fragen offen. Einige Aspekte hätten etwas ausführlicher erklärt werden können. Der Schreibstil ist fordernd und nicht für jeden geeignet, entfaltet aber besonders im Hörbuch... eine starke Wirkung.

„Station 22 – Wo bist du sicher?“ ist ein atmosphärischer, psychologisch intensiver Thriller, der sich Zeit nimmt, seine Figuren und deren innere Konflikte aufzubauen. Trotz kleiner Schwächen in der Auflösung bleibt die Geschichte im Kopf. Sie hat mich gepackt, überrascht und begeistert.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Eine märchenhafte Fantasy für zwischendurch

Eventyr-Saga 1: Tochter des Nebelwalds
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Tochter des Nebelwalds ist ein märchenhaftes, atmosphärisches Fantasy-Buch über Hexen, Armut, Geheimnisse und den Zusammenhalt von Familie und Gemeinschaft. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines ...

Tochter des Nebelwalds ist ein märchenhaftes, atmosphärisches Fantasy-Buch über Hexen, Armut, Geheimnisse und den Zusammenhalt von Familie und Gemeinschaft. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines Erzählers geschildert, der uns von Ava und Lynn berichtet; zwei Schwestern, die inmitten eines geheimnisvollen Waldes aufwachsen, in einer Welt voller Hunger, Kälte und Magie.

Schon früh verlieren die beiden ihre Mutter und wachsen fortan allein mit ihrem Vater auf. Das Leben ist hart, Essen ist knapp, und die Welt außerhalb des Waldes wirkt ebenso bedrohlich wie rätselhaft. Besonders gelungen fand ich die geheimnisvolle Atmosphäre rund um den Wald und die Vergangenheit der Familie. Stück für Stück werden kleine Mysterien aufgebaut, man rätselt mit, hinterfragt Motive anderer Figuren und fragt sich immer wieder: Wer ist hier eigentlich gut? Wer verfolgt eigene Ziele? Schwarz-Weiß-Denken gibt es in dieser Geschichte nicht und genau das macht sie so spannend.

Ein großes Highlight war für mich das originelle Magiesystem. Zwar greift das Buch klassische Hexenmotive auf, schlägt dabei aber einen frischen, eigenen Weg ein. Die Magie fühlt sich anders an als in vielen anderen Fantasy-Geschichten vertraut und doch neu interpretiert. Das hat der Geschichte eine besondere Note verliehen.

Besonders eindrucksvoll ist Avas Innenleben dargestellt. Man bekommt tiefe Einblicke in ihre Gedanken, Zweifel und Entscheidungen. Der zentrale thematische Kern: Zusammenhalt zwischen Schwestern, Familie, Freunden und letztlich auch einer Gemeinschaft aus Straßenkindern und Bettlern wird ruhig und harmonisch erzählt. Es sind keine epischen Schlachten oder gewaltigen Wendungen, sondern kleine, bedeutungsvolle Handlungen, die zeigen, wie wichtig Solidarität und Mitgefühl sind. Gerade dieser Fokus auf Gemeinschaft verleiht Ava als Protagonistin einen starken, glaubwürdigen Charakter.


Zwar könnte man es grundsätzlich auch einer jüngeren Zielgruppe empfehlen, allerdings spielen Themen wie Hunger, Armut, Tod und Verlust eine wichtige Rolle. Diese werden zwar sensibel und in einem magisch-verklärten Setting behandelt, sind aber dennoch ernst präsent.

Für mich ist Tochter des Nebelwalds eine ruhige, atmosphärische Geschichte über ein junges Mädchen, das zu sich selbst findet, schwierige Entscheidungen trifft und gemeinsam mit anderen Kindern versucht, das Richtige zu tun.

Ich vergebe 3,5 bis 4 Sterne – besonders empfehlenswert für alle, die eine märchenhafte, etwas leisere Fantasygeschichte mit Herz und Geheimnissen suchen.

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