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Veröffentlicht am 15.02.2026

Nette Reihe mit kleineren Schwächen

The Morrisey Mysteries 2. Die geheime Treppe
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Erst kürzlich konnte Meg - mit der Hilfe ihrer Geisterfreundin Ripley - einen Mord in ihrem geliebten Wohngebäude, dem Morrisey, aufklären; da stolpert sie schon wieder über zwei Leichen im Keller, eine ...

Erst kürzlich konnte Meg - mit der Hilfe ihrer Geisterfreundin Ripley - einen Mord in ihrem geliebten Wohngebäude, dem Morrisey, aufklären; da stolpert sie schon wieder über zwei Leichen im Keller, eine davon aus den 1920ern. Und dann steht auch plötzlich Addison vor ihr, der Geist der vor knapp 100 Jahren verstorbenen jungen Frau. Um ihr zu helfen, muss Meg einfach wieder selbst ermitteln und erfährt so einiges über Seattle während der Prohibition, Flüsterkneipen und zwei verfeindete Familien.

„Die geheime Treppe“ ist bereits der zweite Band der gar nicht mal so gemütlichen Cozy Mystery-Reihe der US-amerikanischen Schriftstellerin Eryn Scott. Die deutsche Übersetzung verfasste Anne Rudelt. Der Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist weiterhin das Morrisey-Gebäude mit seinen liebenswerten, aber auch etwas verschrobenen Bewohnern. Die Reihe nimmt dabei deutliche Anleihen an die Serie „Only Murders in the Building“ und das Wohnhaus Arconia; in diesem Band ist es zum Beispiel das versteckte Casino, das sich im Untergeschoss des Morrisey befunden haben soll.

Die Protagonistin Meg sieht sich in dieser Geschichte gleich mehreren Schwierigkeiten gegenüber. Ihr bester Freund (und Schwarm) Laurie hält sich wegen seiner Arbeit gerade in Japan auf, so dass er sie nicht bei ihren Ermittlungen unterstützen kann. In der Barfrau und neuen Nachbarin Zoe findet sie zwar eine Freundin, das führt aber zu einem Streit mit Ripley, weil die Zoe absolut verdächtig findet. Meg jedoch spürt sofort eine Bindung zu ihr, denn beide haben ihren Vater nie kennengelernt.

Der Kriminalfall an sich gerät neben den ganzen persönlichen Verwicklungen etwas in den Hintergrund und ist, ehrlich gesagt, auch nicht besonders komplex gestrickt. Meg verdächtigt im Verlauf der Handlung eigentlich jeden mindestens ein Mal und kommt dann am Ende beinahe zufällig auf die Lösung – und ist trotzdem schneller als der leitende Detective. Dennoch finde ich die Idee einer Privatdetektivin, die mit Geistern kommunizieren kann, durchaus spannend und gelungen und bleibe daher noch etwas an der Reihe dran.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Schwarzer Humor mit einer Prise Nachdenklichkeit

Betreutes Morden
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Carol wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen, wo sie die letzten 35 Jahre als Serienmörderin eingesessen hat. Nun hat sie einen Platz in der Seniorenresidenz Sheldon Oaks gefunden und freut sich auf ...

Carol wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen, wo sie die letzten 35 Jahre als Serienmörderin eingesessen hat. Nun hat sie einen Platz in der Seniorenresidenz Sheldon Oaks gefunden und freut sich auf den Beginn eines neues Lebens. Schnell findet sie dort in Margaret, Catherine und Geoffrey neue Freunde. Doch dann geschieht ein Mord und sofort fällt der Verdacht auf Carol – wer sollte es denn sonst gewesen sein? Wenn sie also ihre Freunde und ihren Platz in der Seniorenresidenz behalten will, muss Carol den wahren Täter finden.

„Betreutes Morden“ ist der Debütroman des Schauspielers, Komikers und Fernsehautors Fergus Craig; die deutsche Übersetzung stammt von Julian Haefs. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Perspektive von Carol erzählt, was einen Einblick in ihre Gedankenwelt ermöglicht. Um andere Blickwinkel der Handlung zu beleuchten, wechselt der Erzähler aber auch zu Carols Freunden oder anderen Personen, die in dem Mordfall eine Rolle spielen. Die Anleihen an Richard Osmans „Donnerstagmordclub“ sind dabei deutlich; der Roman wird im Buch sogar erwähnt. Sie sind aber klar als Hommage gemeint und, abgesehen von den Grundstrukturen, unterscheiden sich beide Werke doch sehr.

In erster Linie ist „Betreutes Morden“ natürlich ein Kriminalroman mit Amateurdetektiven, auch wenn das vielleicht nur die halbe Wahrheit ist. Denn Margaret war früher einmal Innenministerin, Catherine Pathologin und Geoffrey Kriminalpolizist. Diese Berufe und die damit verbundenen Fähigkeiten spielen bei der Ermittlung natürlich eine große Rolle. Noch wichtiger ist aber das Thema der Resozialisierung. Es ist furchtbar, was Carol getan hat, aber hat nicht jeder Mensch im Leben eine zweite Chance verdient?

Eines ist der Roman jedoch auf jeden Fall: witzig! Carols Gedanken und Aussagen über ihre Zeit als Serienmörderin sind herrlich skurril. Früher, da hätte man sich noch gegenseitig ausgeholfen, wenn man sich beim Vergraben einer Leiche begegnet wäre! Und auch ihre Freunde weiß sie mit schwarzem Humor aufzuziehen. Das Ende kommt überraschend und gibt der Geschichte zwischen all dem Humor eine nachdenkliche Seite.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Nette Weihnachtsromance mit Schwächen

Good Spirits
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Nolan Callahan sucht als Geist der vergangenen Weihnacht schreckliche Menschen heim, um diese dazu zu bringen, ihr Leben zu verändern. Als er in das Antiquariat von Harriet York geschickt wird, sind beide ...

Nolan Callahan sucht als Geist der vergangenen Weihnacht schreckliche Menschen heim, um diese dazu zu bringen, ihr Leben zu verändern. Als er in das Antiquariat von Harriet York geschickt wird, sind beide ratlos. Ja, Harriet mag seltsame Angewohnheiten haben, aber sie ist ein herzlicher Mensch und versucht, es allen recht zu machen. Gemeinsam reisen Nolan und sie in Harriets Vergangenheit, um dort herauszufinden, was sie beide verbindet. Doch dann kommt auf einmal alles anders und Nolans Leben steht stattdessen im Fokus.

„Good Spirits“ ist der erste Band einer neuen Reihe der Autorin B.K. Borison, in der sie dieses Mal den Boden der Tatsachen verlässt; die deutsche Übersetzung verfasste Michaela Link. Erzählt wird die Handlung abwechselnd aus der Perspektive von Harriet und Nolan, so dass wir einerseits erfahren, wie Harriet sich mit dem Weihnachtsspuk fühlt und auf der anderen Seite mit Nolan einen Blick hinter die Kulissen der Abteilung “Weihnachtsgeister“ werfen können.

Zunächst ist der Roman sicherlich eine Liebesgeschichte, die sich – wenig überraschend – zwischen einem Geist und einem Menschen entwickelt. Doch im Zentrum steht auch Harriets schwierige Beziehung zu ihrer Familie und der Wunsch, von ihnen geliebt und akzeptiert zu werden, egal für welchen Lebensweg man sich entscheidet. Mit Nolans Hilfe lernt Harriet, sich abzugrenzen und stolz auf sich selbst zu sein – was mir gut gefallen hat. Nolan selbst kämpft mit der Einsamkeit, die sein Dasein mit sich bringt und kann sich zudem kaum an sein vorheriges Leben erinnern.

Die eigentliche Liebesgeschichte konnte mich nicht völlig überzeugen. Die plötzliche Anziehung zwischen den beiden wird auf recht bequeme Weise erklärt und manches ist nicht konsequent durchdacht. Nolan ist vor mehr als 100 Jahren gestorben und kennt viele moderne Errungenschaften nicht, die „Muppets Weihnachtsgeschichte“ dann aber doch? Zudem störte mich sein ständiges „Aye“ – aber natürlich muss ein irischer Fischer so sprechen, oder? Fazit: Eine nette Weihnachtsromance, aber B.K. Borisons Lovelight-Reihe gefällt mir deutlich besser.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Endlich eine Fortsetzung

Die Katze, die unsere Bücher rettete
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Die 13-jährige Nanami verbringt ihre Zeit am liebsten in der Bibliothek. Ihr alleinerziehender Vater vergräbt sich nur in der Arbeit und ist selten zuhause. Zudem ist Nanami Asthmatikerin und wird daher ...

Die 13-jährige Nanami verbringt ihre Zeit am liebsten in der Bibliothek. Ihr alleinerziehender Vater vergräbt sich nur in der Arbeit und ist selten zuhause. Zudem ist Nanami Asthmatikerin und wird daher von beinahe allen um sie herum in Watte gepackt. Nur ihre beste Freundin Itsuka nimmt sie für voll und traut ihr Dinge zu. Als Nanami dann eines Tages feststellt, dass aus der Bibliothek Bücher verschwinden, muss sie einfach etwas unternehmen, auch wenn ihr niemand glauben will. Gemeinsam mit einem seltsamen Kater macht sie sich auf den Weg, die Bücher zu retten.

Mit „Die Katze, die unsere Bücher rettete“ setzt Sosuke Natsukawa seine Reihe um den magischen Kater endlich fort. Die deutsche Übersetzung verfassten Sabine Mangold und Yukiko Luginbühl. Die Handlung spielt dabei ziemlich genau 10 Jahre nach den Ereignissen des ersten Bandes und wir treffen somit auch Rintaro, den damaligen Protagonisten, wieder und erfahren, was aus ihm und Klassenkameradin Sayo geworden ist.

Auch in diesem Band braucht der mysteriöse Kater wieder die Hilfe eines jungen Menschen, um die Bücher vor dem Verschwinden zu retten. Mehrmals muss Nanako dabei durch die Bibliothek in eine andere Welt reisen, um einen bösen Herrscher davon zu überzeugen, die Literatur nicht auszulöschen. Diese empfindet er nämlich als gefährlich, weil sie die Menschen dazu anregt, eigene Gedanken und Vorstellungen zu entwickeln. Nanako hält stets an ihrer Liebe zu Büchern fest und beweist, dass sie stärker ist, als alle um sie herum annehmen.

„Die Katze, die unsere Bücher rettete“ hat etwas Märchenhaftes an sich: eine Heldin, die über sich hinauswächst, eine geheime Welt und einen tierischen Begleiter. Allerdings werden Konflikte hier eher durch Worte und eine bestimmte Haltung gelöst, als durch Tat oder gar Kampf, was mir gut gefallen hat. Im Prinzip kann dieser Band unabhängig vom ersten gelesen werden, wer aber den Vorgänger kennt, freut sich über ein Wiedersehen mit dem erwachsenen Rintaro, der nun zum Mentor für jemand anderen werden kann. Mit seiner Unterstützung beginnt auch für Nanako ein anderes Leben, in dem sie sich mehr zutraut.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Loyalitätskonflikt

Schwanentage
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Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ...

Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ein unabhängiges Leben führen zu können. Alles kommt jedoch ganz anders: aus dem Radio erfährt sie, dass Großvater des Jungen wegen Korruption verhaftet wurde und den restlichen Familienmitgliedern dasselbe Schicksal droht. Yu Ling muss sich entscheiden, wo ihre Loyalität liegt und was sie bereit ist, für ihren Job und ihren Schützling aufzugeben.

Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und gehört zu den wichtigsten Stimmen junger Literatur. „Schwanentage“ ist ihre erste Übersetzung ins Deutsche, verfasst wurde sie von Karin Betz. Der Titel bezieht sich auf die gemeinsame Zeit von Yu Ling, Kuan Kuan und einer Gans, die der Kleine unbedingt freikaufen wollte. So wie er diese Gans als einen Schwan wahrnimmt und von seinem Kindermädchen dabei nicht korrigiert wird, so bewegt er sich auch völlig ahnungslos durch diese schwierige Zeit. Für ihn ist, dank Yu Ling, alles ein einziges Spiel und Abenteuer.

Der Roman macht die Diskrepanz zwischen den beinahe mittellosen, wenig geschätzten Hausangestellten und dem Reichtum, von dem sie umgeben sind, deutlich. So ist es an sich nicht verwunderlich, dass Yu Ling für ihre Treue gerne ein Stück des großen Kuchens abhaben möchte, vor allem ihr neuer Freund Chen Donghu bestärkt sie immer wieder in diesen Gedanken. Während Yu Ling jedoch Gewissensbisse hat, handelt eine weitere Angestellte sofort, als die Vorwürfe gegen die Familie lautwerden und verschwindet mit Schmuck und einem Teil der Einrichtung.

Auch wenn das Thema ein wichtiges ist, plätschert der Roman die meiste Zeit leider nur vor sich hin und beschreibt ausführlich, was Yu Ling kocht und was Kuan Kuan so anstellt. Das Ende jedoch hat es in sich und zeigt noch einmal umso deutlicher, welchem Konflikt Yu Ling ausgesetzt ist und welche folgenschweren Entscheidungen sie treffen muss. Hier ist „Schwanentage“ wirklich stark – die Hinleitung hätte aber kürzer sein dürfen!

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