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Veröffentlicht am 15.02.2026

Søren Sveistrup liefert wieder ab!

Der Kuckucksjunge
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Mit „Der Kuckucksjunge“ legt Søren Sveistrup erneut einen hochspannenden Thriller vor, der tief in menschliche Abgründe blickt. Bekannt wurde er u. a. durch die Serie „ Kommissarin Lund – Das Verbrechen" ...

Mit „Der Kuckucksjunge“ legt Søren Sveistrup erneut einen hochspannenden Thriller vor, der tief in menschliche Abgründe blickt. Bekannt wurde er u. a. durch die Serie „ Kommissarin Lund – Das Verbrechen" sowie seinen Roman „ Der Kastanienmann". Auch diesmal ermittelt Kommissarin Naia Thulin an der Seite von Mark Hess in Kopenhagen.

Ausgangspunkt ist die rätselhafte Nachricht „Hab dich“, die eine verschwundene Mutter kurz vor ihrem Verschwinden erhält, exakt dieselbe Botschaft, die bereits einer ermordeten 19-Jährigen geschickt wurde. Schnell verdichten sich die Hinweise, dass ein:e Serien­täter:in am Werk ist, während weitere Menschen spurlos verschwinden.

Meine Meinung

Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass ein neues Buch von Sveistrup erscheint. Auf ihn aufmerksam geworden bin ich tatsächlich erst Ende 2025 durch die Verfilmung (als Serie) von „Der Kastanienmann“. Das Buch hab ich nicht gelesen gehabt aber für mich war nach der Serie klar: Das nächste lese ich auf jeden Fall.

Und was soll ich sagen? Auch das neue Buch hier hat mich von Beginn an gepackt. Schon die ersten Seiten erzeugen eine beklemmende Atmosphäre angefangen damit, dass eines der Opfer zuhause ist und Nachrichten von einem Stalker bekommt bis sich herausstellt, dass der Stalker sie von im Haus drinnen beobachtet... und schlussendlich auch zuschlägt. Ich sag es euch, hab die Luft angehalten weil so gruselig. Und diese latente Bedrohung zieht sich durch den gesamten Roman. Die Sprache an sich ist klar, schnörkellos, fast kühl, genauso, wie ich persönlich es bei Krimis/Thrillern gerne mag.

Trotz der knapp 700 Seiten habe ich das Buch in zwei Tagen durchgesuchtet (inklusive Nachtschichten :D). Sveistrup arbeitet mit vielen Perspektiven und Figuren, was stellenweise Konzentration verlangt. Wahrscheinlich auch, um die Leser:innen auf eine falsche Spur zu locken. Manchmal waren es fast zu viele Namen und Verbindungen, die man im Blick behalten musste. Es ist kein Thriller, der die Auflösung aus dem Nichts zaubert, die Hinweise sind da. Und dieses Miträtseln lieb ich ja. So hatte ich dann wenige Seiten vor der Auflösung einen konkreten Verdacht und lag richtig (kommt nicht sooo oft vor, deshalb war die Freude groß). Diese Balance zwischen Mitdenken und Spannung hat für mich perfekt funktioniert, grad weil ich nicht schon am Anfang wusste, wer der/die Täter:in ist, aber dennoch selbst draufgekommen bin.

Was mir persönlich aufgefallen ist: Es wird nicht gegendert. Das ist ein Detail, aber eines, das mir persönlich wichtig ist und ich mir anders gewünscht hätte.

Fazit

„Der Kuckucksjunge“ ist ein atmosphärisch dichter, aber leicht zu lesender Thriller, der definitiv Spannung liefert. Ein Buch für alle, die skandinavische Krimis mit psychologischer Tiefe lieben und gern miträtseln. Weniger für Leser:innen von cozy crime.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Wenn Mutterschaft zur Kampfzone wird

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Mit „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ legt Dita Zipfel einen kraftvollen Gegenwartsroman vor, erschienen im Insel Verlag. Erzählt wird von zwei Paaren, die gemeinsam Urlaub an der Côte d’Azur ...

Mit „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ legt Dita Zipfel einen kraftvollen Gegenwartsroman vor, erschienen im Insel Verlag. Erzählt wird von zwei Paaren, die gemeinsam Urlaub an der Côte d’Azur machen und von zwei Frauen, deren Leben unterschiedlicher kaum sein könnten. Linn steht kurz vor einer weiteren IVF-Behandlung, Eva ist bereits Mutter zweier Kinder. Zwischen Sommerhitze, Gesprächen am Strand und unterschwelligen Spannungen entfaltet sich ein Roman über Mutterschaft, Körper, Klassenunterschiede und weibliche Selbstbestimmung.

Meine Meinung

Ich wollte dieses Buch zuerst nicht lesen. Nicht noch ein Roman über (unerfüllte) Mutterschaft, dachte ich. Nicht weil das Thema nicht wichtig ist oder es nicht super Bücher dazu gibt ("Im Leben nebenan", "Eva" und "Der Schlaf der anderen" - I am looking at you), aber weil ich in letzter Zeit einfach viel zu dem Thema gelesen hab. Tja...und dann hat mich doch etwas gereizt. Was soll ich sagen: Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Zipfels Text macht es einem leicht und gleichzeitig schwer, wegzuschauen.

Formal lebt der Roman von kurzen Kapiteln, wechselnden Perspektiven (Linn, Eva, Matze, Felix, Latifa), vielen unausgesprochenen Konflikten und einer großen inneren Spannung. Es hat mich vom Schreibstil her sehr an "Blaues Wunder" von Anne Freytag erinnert, auch wenns thematisch ganz anders ist. Besonders gelungen finde ich, wie präzise Zipfel soziale Unterschiede und Klassenbewusstsein beobachtet, etwa in scheinbar beiläufigen Momenten: „Vielleicht ist es ein Privileg der Reichen, vom Interieur in Ruhe gelassen zu werden.“ (S. 8)

Inhaltlich geht es natürlich um Kinderwunsch und Mutterschaft aber eben nicht nur. Es geht um weibliche Körper als Projektionsflächen, um Schuld, Angst und Kontrolle. Um Männer, die Raum einnehmen, ohne ihn zu hinterfragen. Und um Frauen, die lernen, sich zu verbünden.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich die Orientierung: Die Perspektivwechsel sind raffiniert, aber nicht immer klar gekennzeichnet. Kapitelüberschriften mit Namen hätten mir stellenweise geholfen. Trotzdem: Die psychologische Tiefe der Figuren und der kammerspielartige Aufbau tragen den Roman souverän.

Fazit

"Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" ist ein wütender, stringent erzählter und sehr gegenwärtiger Roman über Mutterschaft, Macht und weibliche Solidarität. Für alle, die feministische Gegenwartsliteratur, psychologisch dichte Texte und Sally-Rooney-eske Kammerspiele mögen. Kein Wohlfühlbuch, aber eins das man nicht weglegen kann. Danke an Vorablesen.de und den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Vegan (nicht nur) durch die Weihnachtszeit

Weihnachtlich vegan
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Mit „Weihnachtlich vegan – 60 festliche Rezepte für die schönste Zeit des Jahres“ legt Anja Sagon (Romaniszyn), bekannt von byanjushka.com, ein Kochbuch vor, das ganz auf pflanzlichen Genuss in der Advents- ...

Mit „Weihnachtlich vegan – 60 festliche Rezepte für die schönste Zeit des Jahres“ legt Anja Sagon (Romaniszyn), bekannt von byanjushka.com, ein Kochbuch vor, das ganz auf pflanzlichen Genuss in der Advents- und Weihnachtszeit setzt. Erschienen ist das Buch am 5. November 2025 bei ZS – ein Verlag der Edel Verlagsgruppe und umfasst 160 Seiten. Enthalten sind über 60 Rezepte – von Weihnachtsklassikern bis hin zu festlichen Hauptgerichten – ergänzt durch Tipps, Menüvorschläge und persönliche Einblicke.

Meine Meinung

Ich folge Anja schon seit längerer Zeit auf Instagram und habe bereits einige ihrer Rezepte nachgekocht, entsprechend neugierig war ich auf dieses Buch. Positiv vorweg: Die Rezepte funktionieren. Ich habe bereits mehrere Plätzchen ausprobiert, und die waren durchweg sehr lecker. Die Zutaten sind größtenteils gut erhältlich, und viele traditionelle Weihnachtsrezepte wurden sinnvoll „veganisiert“, ohne dabei an Charme oder Geschmack zu verlieren.

Besonders gelungen finde ich die bereits zusammengestellten Menüvorschläge am Ende des Buches. Gerade in der oft stressigen Weihnachtszeit nimmt das viel Planungsarbeit ab und macht das Buch sehr praktisch. Auch die Fotos sind durchweg ansprechend, appetitlich und hochwertig. Hier merkt man definitiv die Erfahrung aus der Foodblog-Welt.

Kritischer sehe ich die Gestaltung: Das Cover wirkt auf mich etwas altbacken und unruhig, und auch das insgesamt sehr weihnachtliche Layout ist nicht ganz mein persönlicher Geschmack. Inhaltlich gibt es zudem ein Kapitel zum Thema Achtsamkeit, das ist nett gemeint und passt zu Anjas Arbeit, hätte ich in einem Kochbuch aber nicht unbedingt gebraucht.

Sehr schön finde ich hingegen, dass Anja immer wieder eigene familiäre Weihnachtstraditionen aufgreift und ihnen Raum gibt. Das verleiht dem Buch eine persönliche Note und macht deutlich, dass veganes Kochen hier nicht als Verzicht, sondern als selbstverständlicher Teil von Familienkultur gedacht ist.

Fazit

„Weihnachtlich vegan“ ist ein sehr solides, praxisnahes Weihnachtskochbuch, das zeigt, wie vielfältig und genussvoll ein veganes Fest sein kann. Optisch nicht ganz mein Favorit, inhaltlich aber überzeugend und liebevoll umgesetzt. Empfehlenswert für alle, die ein veganes Weihnachtsmenü planen, gern backen und Wert auf erprobte Rezepte legen. Weniger für Menschen, die sehr viel Wert auf das Design legen, was bei einem Kochbuch jetzt nicht sooooo wichtig ist (meine Meinung :D).

Danke an netgalle.de & ZS – ein Verlag der Edel Verlagsgruppe für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Wo hört Menschsein auf?

Carnivora
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Caroline Stadsbjerg, Jahrgang 1994, hat Psychologie studiert und mit Carnivora (übersetzt von Justus Carl, erschienen bei Edition W Verlag) ein bemerkenswertes Debüt vorgelegt. Die dänische Autorin verbindet ...

Caroline Stadsbjerg, Jahrgang 1994, hat Psychologie studiert und mit Carnivora (übersetzt von Justus Carl, erschienen bei Edition W Verlag) ein bemerkenswertes Debüt vorgelegt. Die dänische Autorin verbindet psychologische Präzision mit dystopischer Vision und das Ergebnis ist ebenso beunruhigend wie faszinierend.

Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft, in der alle Tiere ausgestorben sind. Fleisch gibt es trotzdem, gezüchtet aus Homo cibus, einer menschenähnlichen Spezies. Hannah, Sekretärin an einer Schule, gerät durch einen charismatischen Lehrer in eine moralische Abwärtsspirale: Wo endet Menschlichkeit? Und wer entscheidet, welches Leben lebenswert ist?

Meine Meinung

Schon nach wenigen Seiten war ich völlig gefesselt und ehrlich gesagt auch verstört. Ich wollte das Buch mehrfach weglegen, konnte aber nicht. Als Veganerin hat mich diese Geschichte auf einer tiefen Ebene berührt, weil sie so klug den Spiegel vorhält: „›Homo cibus ist ein Konzept, das wir geschaffen haben, um die Menschen zu dehumanisieren, die wir essen‹“ (S. 40). Die psychologische Raffinesse zeigt sich in Hannahs zunehmender Zerrissenheit. „Ich war die Sklaventreiberin, die Vergewaltigerin, die Mörderin.“ (S. 40).

Besonders stark fand ich die Passagen, die das sogenannte „Fleischparadox“ thematisieren: Wie wir Tiere lieben und gleichzeitig verdrängen, dass unser Konsum Leid verursacht. „Unwissenheit ist eine Entscheidung.“ (S. 47),prägnanter lässt sich unsere Gegenwart kaum zusammenfassen. Der Roman stellt die unbequeme Frage: Wenn man leben kann, ohne jemanden umzubringen, warum tut man es dann nicht?

Gegen Ende hat Carnivora mich ein wenig verloren. Trotzdem hallt die Geschichte nach. Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen, weil dieses Thema zu groß ist, um hier zu enden und das Ende für mich persönlich noch zu offen ist :D

Fazit
Ein einzigartiges Buch, wie ich es noch nie gelesen habe, kompromisslos, mutig und zutiefst verstörend. Für Leser:innen, die Dystopien mit philosophischer Tiefe und ethischer Relevanz lieben. Nichts für Zartbesaitete, aber ein Muss für alle, die bereit sind, unbequeme Fragen zu stellen.

Danke an Edition W Verlag & an netgalley.de für das Rezensionsexemplar und an Caroline Stadsbjerg für dieses Debüt, das unter die Haut geht.

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Veröffentlicht am 23.12.2025

Ein Roman, in dem man sich zu Hause fühlt

Es könnte so einfach sein
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Ein Roman über das Schreiben, die Liebe und den Mut von Frauen, die ihren Platz in der Welt suchen. Anne Handorf ist das Pseudonym von Carla Grosch und Volker Jarck, die beide in der Buchbranche tätig ...

Ein Roman über das Schreiben, die Liebe und den Mut von Frauen, die ihren Platz in der Welt suchen. Anne Handorf ist das Pseudonym von Carla Grosch und Volker Jarck, die beide in der Buchbranche tätig sind. Ihr gemeinsames Debüt entstand über 564 Kilometer Entfernung hinweg.

Worum geht’s genau?

September 2005: Noch vier Wochen bis zur Wahl der ersten Kanzlerin, und Bestsellerautorin Vera Albach will ihr letztes Buch beenden – ein Versprechen an ihren Mann Leo. In Rückblenden erfahren wir, wie sie in den 1960er-Jahren als junge Frau in einer männerdominierten Verlagswelt Fuß fasst, mit Heftromanen beginnt und sich langsam einen Namen macht. Es ist eine Geschichte über das Altern, über Liebe auf Augenhöhe und über eine Frau, die schreibt. Unbeirrt, unermüdlich, getragen von Humor, Disziplin und dem unerschütterlichen Glauben an sich selbst.

Meine Meinung

Dieses Buch hat mich wirklich überrascht, im allerbesten Sinn. Ich habe die Lektüre erst ein wenig vor mir hergeschoben, dann hat sie mich völlig gepackt. „Es könnte so einfach sein“ ist ein Roman, in dem man sich sofort zu Hause fühlt: warm, leise und gleichzeitig voller Leben.

Mit feinem Humor, aber auch mit melancholischen Zwischentönen, zeichnet Handorf das Bild einer Zeit, in der Frauen zwar unentbehrlich waren, aber kaum eigene Stimmen hatten. Die Rückständigkeit einer Welt, die nach dem Krieg wieder von Männern besetzt wurde, wird mit spürbarer Sanftheit, aber großer Klarheit beschrieben. Besonders stark fand ich die Szenen, in denen Vera sich gegen männliche Verleger behaupten muss: „Der Leser da draußen verlangt nicht nach Büchern von Frauen. Ende der Diskussion.“ (S. 84) Und trotzdem schreibt sie weiter, Schritt für Schritt, bis sie ihren eigenen Namen auf einem Buchcover sieht.

Die wechselnden Zeitebenen zwischen Vergangenheit und Gegenwart geben der Geschichte Tiefe und Leichtigkeit zugleich. Ich mochte, wie sich beide Zeitschienen am Ende berühren und zeigen, dass das Ringen um Selbstbestimmung nie aufhört. Themen wie Familienbande, Geschwisterbeziehungen, Freundschaft, Altern und weibliche Selbstverwirklichung verweben sich zu einem fein gezeichneten Generationenporträt.

„Frauen können, wollen und sollen alles sein dürfen, was sie sich wünschen.“ (S. 240), dieser Satz bringt die Essenz des Romans auf den Punkt. Es geht nicht um Rebellion, sondern um Gleichberechtigung im Kleinen: um Respekt, Vertrauen und das Recht, Entscheidungen zu treffen, sei es im Beruf, der Ehe oder den Wunsch nach (oder gegen) Kinder.

Der Schreibstil ist flüssig und sehr zugänglich. Besonders gefallen hat mir der liebevolle Dialogwitz zwischen Vera und Leo. Man spürt, dass hier zwei Autor:innen schreiben, die Menschen verstehen. Die Mischung aus Ernst, Leichtigkeit und Zeitkolorit erinnert an gute alte Familienromane, aber mit einem modernen, feministischen Blick.

Fazit

Ein feinfühliger, lebenskluger Roman über Frauen, die schreiben, lieben und ihren Weg gehen. Perfekt für alle, die Geschichten mit Herz, Haltung und historischem Tiefgang mögen. Wer nach lautem Feminismus sucht, wird hier eher leise überrascht, aber genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Danke an lovelybooks.de, netgalley.de und den C.Bertelsmann Verlag für das Rezensionsexemplar.

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