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Veröffentlicht am 16.02.2026

Farben der Erinnerung

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Ihren 14. Geburtstag verbringt Marlen in der Schublade einer Kommode in einem alten Forsthaus in Güstrow, in die sie Wilma aus Angst vor den vorrückenden Russen im Mai 1945 versteckt hatte. Dort kauernd ...

Ihren 14. Geburtstag verbringt Marlen in der Schublade einer Kommode in einem alten Forsthaus in Güstrow, in die sie Wilma aus Angst vor den vorrückenden Russen im Mai 1945 versteckt hatte. Dort kauernd entdeckt sie eine Unebenheit, an der sie aus Nervosität ständig herumkratzt. Als sie sich nach Stunden befreit stellt sie fest, es war ein kleines Bild, das nun leicht beschädigt ist und das sie später einmal reparieren will. Unten im Forsthaus entdeckt sie die bewusstlose Wilma. Sie bringt sie zurück ins Leben und beide beschließen, zusammen zu bleiben. Jahre später wird Marlen für die Malerin Wilma unentbehrlich. Sie erweist sich als sehr begabt und kann ihr helfen, ihr auftretendes Handicap geschickt zu verbergen. Nun ist Wilma von Marlen abhängig, doch diese hat sich verliebt und hat eigene Pläne …

2023 lebt die 34jährige Hannah in Berlin in einer Lebensgemeinschaft mit ihrer Freundin Rubi. Als diese plötzlich schwanger ist und mit dem Vater des Kindes aufs Land zieht, gerät Hannahs Leben durcheinander. Die Lücke wird zunächst durch Justus, den Neffen einer Arbeitskollegin, gefüllt, der dringend eine Bleibe braucht. Als sich dann noch plötzlich Hannahs leiblicher Vater meldet, von dem sie bisher vollständig ignoriert wurde, ist sie vollkommen verwirrt. Soll sie wirklich ihren Vater und seine neue Familie kennen lernen? …

Vorwort und Epilog des Buches handeln 1990 in Berlin und gehen nahtlos ineinander über.

Alena Schröder, geb. 1979, ist eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin. Nach ihrem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Lateinamerikanistik in Berlin und San Diego arbeitete sie einige Jahre in der >Brigitte<-Redaktion. Heute ist sie freie Kolumnistin und lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Berlin. „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“' (2026) ist der Abschluss ihrer Familien-Trilogie, die in den 1920er Jahren beginnt, bis in die Gegenwart reicht, vier Generationen umfasst und autobiografische Anteile aufweist.

Es war das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe. Es gibt hier zwei Erzählebenen, die nur lose zusammenhängen. Eine Verbindung der beiden Frauenschicksale erschloss sich mir erst nach dem Lesen des Vorworts und des Epilogs. Vermutlich hätte ich die Geschichte besser verstanden, wenn ich die beiden vorausgegangenen Bücher zuerst gelesen hätte. Dennoch habe ich es sehr gerne gelesen und war begeistert. Den Schreibstil der Autorin fand ich sehr ansprechend und die Art und Weise, über zwei verschiedene Frauenschicksale zu verschiedenen Zeiten abwechselnd zu berichten, gut gelungen. Die Stärke der Frauen und ihre gleichzeitige Verletzlichkeit sind gut herausgearbeitet, berühren tief und stimmen nachdenklich, ihre Suche nach Familienzugehörigkeit ist überzeugend und plausibel geschildert.

Fazit:* Guter einfühlsamer Schreibstil und interessante Schicksale ergeben einen wunderbaren Roman. Dennoch würde ich empfehlen, zum besseren Verständnis die beiden vorausgegangenen Bücher zuerst zu lesen.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Acht junge Frauen auf der Suche nach ihrem Weg im Leben

Was vor uns liegt
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Sie studierten in Rom im Jahr 1934 und wohnten im Grimaldi-Konvikt, wo sie sich kennen gelernt und Freundschaft geschlossen hatten: Anna, Augusta, Emanuela, Milly, Silvia, Valentina, Vinca und Xenia, acht ...

Sie studierten in Rom im Jahr 1934 und wohnten im Grimaldi-Konvikt, wo sie sich kennen gelernt und Freundschaft geschlossen hatten: Anna, Augusta, Emanuela, Milly, Silvia, Valentina, Vinca und Xenia, acht junge Frauen die von der Zukunft träumten. Abends sitzen sie beisammen, lernen gemeinsam und erzählen sich Geschichten aus ihrem Leben - aber dennoch hat jede ihr eigenes Geheimnis, das sie sorgfältig vor den Freundinnen verborgen hält. Gemeinsam sehnen sie sich nach Selbstbestimmung und Freiheit, raus aus den Zwängen des Konvikts, in dem die Nonnen um 22 Uhr das Licht löschen. Werden ihre Hoffnungen und Träume in Erfüllung gehen, oder was hält die Zukunft für die jungen Frauen bereit?

Alba de Céspedes, geb. 1911 in Rom, gest. 1997 in Paris, war eine der erfolgreichsten Autorinnen Italiens. Sie arbeitete als Radio- und Fernsehjournalistin und schrieb Prosa, Lyrik und Theatertexte. Während des II. Weltkrieges war sie im aktiven Widerstand und wurde zweimal inhaftiert. Ihre Romane wurden zu internationalen Bestsellern und werden derzeit wiederentdeckt. Warum die Originalausgabe des Romans „Was vor uns liegt“„Nessuno torna indietro“ aus dem Jahr 1938 seinerzeit der Zensur zum Opfer fiel, ist für mich aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar.

Der Autorin ist ein interessanter Roman gelungen, der die Gedanken und Gefühle junger Frauen, ihren Mut zur Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zur damaligen Zeit sehr gut wiedergibt. Der Schreibstil ist dabei sehr angenehm, präzise und auf das Wesentliche konzentriert. Man erfährt Ereignisse aus der Kindheit der jungen Frauen, ihrer Herkunft und ihrem Elternhaus. Dabei vermeidet Alba de Céspedes strikt politische Andeutungen, im Vordergrund stehen Sehnsucht nach Liebe, Freiheit und der Wunsch nach einer eigenen Familie – alles Themen, die auch heute noch mehr oder weniger aktuell sind.

Fazit: Ein wieder entdeckter Roman, dessen Inhalt auch heute noch seine Gültigkeit hat und den ich sehr gerne empfehle!

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Eine Tragödie bahnt sich an

Dann schlaf auch du
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Als die Mutter nach Hause kommt, sind ihre beiden Kinder tot und die Nanny liegt schwer verletzt im Koma. Was war geschehen, wie konnte es zu dieser Tragödie kommen? --- Um wieder in ihrem Beruf als Juristin ...

Als die Mutter nach Hause kommt, sind ihre beiden Kinder tot und die Nanny liegt schwer verletzt im Koma. Was war geschehen, wie konnte es zu dieser Tragödie kommen? --- Um wieder in ihrem Beruf als Juristin arbeiten zu können, beschließen Myriam und Paul für ihre beiden kleinen Kinder eine Nanny einzustellen. Louise erweist sich dabei als vermeintlicher Glücksfall. Liebevoll versorgt sie die beiden Kleinen, kocht für die Familie und hält auch ganz nebenbei noch den Haushalt in Schuss. Bald ist sie unentbehrlich, kommt immer früher und geht abends später, so dass Myriam bedenkenlos ihre Karriere vorantreiben kann. Sie behandeln Louise als willkommenes Familienmitglied, kümmern sich aber nicht um ihr Privatleben, um ihre Einsamkeit, ihre finanzielle Notlage und ihre heimlichen Sorgen --- bis es zur Tragödie kommt.

Leila Slimani, geb. 1981 in Rabat/Marokko, ist eine französische Schriftstellerin und Journalistin mit marokkanischen Wurzeln. „Dann schlaf auch du“, 2019 Luchterhand, („Chanson douce“ 2016 Éditions Gallimard) ist ihr zweiter Roman, für den sie den 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. 2021 zog die Autorin mit ihrer Familie nach Lissabon, um dort in Ruhe an ihrer Romantrilogie „Das Land der Anderen“ zu arbeiten. Im Jahr 2025 wurde sie beim 78. Filmfestival von Cannes als Jurymitglied ausgewählt.

Weil der Roman mit dem Ende beginnt, ahnen wir bereits, wer die beiden Kinder ermordet hat. Das erzeugt hohe Spannung weil man wissen will, wie es dazu kommen konnte. In flüssigem Schreibstil und in eher nüchternen Worten, ohne psychologische Ausschweifungen, lässt die Autorin chronologisch die Ereignisse Revue passieren. Die Perspektive wechselt stetig zwischen den Eltern, der Nanny und einigen Nebenfiguren. Dabei kommen auch etliche gesellschaftskritische Themen zur Sprache, z.B. wie sich Beruf und Kinderbetreuung vereinbaren lassen und ob es gerechtfertigt ist, einer Angestellten so zu vertrauen und sie als Familienmitglied zu behandeln. Karrierestreben und Klassenunterschiede sind weitere, für das Geschehen relevante, Motive.

Fazit: Kein klassischer Krimi sondern eher eine Analyse, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Meine Empfehlung!

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Wo sind die Träume der Kindheit geblieben?

Drei Tage im Schnee
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Um vom Stress und der Hektik ihres Jobs als Führungskraft abzuschalten, mietet sich Hannah für ein Wochenende ein kleines, einsam gelegenes Häuschen am See, inmitten der tief verschneiten Winterlandschaft. ...

Um vom Stress und der Hektik ihres Jobs als Führungskraft abzuschalten, mietet sich Hannah für ein Wochenende ein kleines, einsam gelegenes Häuschen am See, inmitten der tief verschneiten Winterlandschaft. Dort trifft sie ein kleines Mädchen namens Sophie, das einen roten Schneeanzug trägt und Hannah an ihre eigene Kindheit und ihre damaligen Träume erinnert. Sie freunden sich an, trinken zusammen weiße Schokolade, machen Schneeengel und bauen Schneetiere und Iglus. Dabei merkt Hannah, dass sie bisher vieles in ihrem Leben falsch gemacht hat und beschließt, anstatt ständig zu hetzen und es allen recht zu machen, mehr an sich selbst zu denken und die kleinen Freuden des Lebens zu genießen …

Ina Bhatter studierte in Leipzig und Paris Journalistik und Romanistik. Bevor sie beim Radio und in den Pressestellen diverser Unternehmen arbeitete reiste sie ein Jahr um die Welt, um andere Kulturen kennen zu lernen und zu erfahren, was Menschen wirklich glücklich macht. „Drei Tage im Schnee“, erschienen am 09.10.2025 bei Kiepenheuer & Witsch, ist ihr erstes Buch. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Berlin.

Eine ruhige, stimmungsvolle Geschichte, ideal zum entspannen und auf sich selbst besinnen. Die verschneite Winterlandschaft und die Ruhe der Natur sind so wunderbar beschrieben, dass man als Leserin das Gefühl hat, selbst dabei zu sein. Der klare Schreibstil, die beiden liebenswerten Charaktere und die friedliche Atmosphäre laden zum Durchatmen und zur Selbstbesinnung ein: Lebe ich wirklich so, wie ich es mir einst erträumt hatte oder bestimmen Stress und Hektik mein Leben? Wie kann ich mich neu orientieren?

Fazit:* Keine große Literatur, jedoch ein schöner kleiner Roman, bei der man die Hektik des Alltags vergessen kann.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Aufstieg und Fall

Aufsteiger
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Auf dem Seziertisch liegt eine Leiche, über deren Tod Kommissar Fallner ermittelt. Wer ist es? Felix Licht, Journalist bei einem angesagten Magazin, ist es nicht. Er ist glücklich, denn heute soll er endlich ...

Auf dem Seziertisch liegt eine Leiche, über deren Tod Kommissar Fallner ermittelt. Wer ist es? Felix Licht, Journalist bei einem angesagten Magazin, ist es nicht. Er ist glücklich, denn heute soll er endlich den Posten des Chefredakteurs bekommen, auf den er so lange hingearbeitet hat. Doch dann ist die Enttäuschung groß, den begehrten Posten bekommt die junge Farbige Zoe Rauch, die er einst ausgebildet hat, mit der er damals sehr eng befreundet war und an die er noch oft, vielleicht zu oft, denken muss. Mit dieser Schmach kann Felix nicht umgehen. Er lässt seinen Frust zu Hause bei Frau und Kind aus und muss daraufhin ins Hotel ziehen. Der windige Rechtsanwalt Cornelius Sentheim, Spezialist für solche Fälle, wird auf ihn aufmerksam und rät ihm zur Klage gegen die Eigentümer des Magazins wegen Diskriminierung. Inzwischen hat sich Felix jedoch mit Zoe getroffen und die alte Liebe zu ihr ist wieder erwacht …

Peter Huth, geb. 1969 in Kleve, ist ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Musikverleger. Als Chefredakteur bei namhaften Verlagen und Unternehmenssprecher bei Axel Springer hat er bereits mehrere Sachbücher und Romane veröffentlicht. „Aufsteiger“ (2025, Verlag Droemer Knaur GmbH.) ist sein dritter Roman. Peter Huth ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Dass sich der Autor in der Medienbranche gut auskennt, merkt man beim Lesen. Ehrgeiz und Rivalität sind sehr gut heraus gearbeitet und wirken glaubwürdig. Es werden viele aktuelle Themen behandelt, wie die Probleme mit den Klimaklebern, das Transgender-Thema und die Verbreitung von Fake News, um nur einige zu nennen. Spannung wird hauptsächlich dadurch erzeugt, dass Huth die Geschichte wie ein Krimi beginnt: Eine unbenannte Leiche, über deren Tod ein Kommissar ermittelt und deren Identität man erst zum Schluss erfährt. Ein angenehmer, gut lesbarer Schreibstil sowie die authentisch und lebensecht als individuelle Personen beschriebenen Charaktere machen das Lesen interessant und bieten reichlich Stoff zum Nachdenken.

Fazit: Ein gut gelungener Roman der viele Themen behandelt, die die Menschen heute beschäftigen. Meine Empfehlung!

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