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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.03.2026

Ein stiller Blick hinter die Kulissen

Letzter Akt
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„Letzter Akt“ von Andreas Schäfer ist ein nachdenklicher Roman, der sich Zeit für seine Figuren nimmt. Schon das Cover – ein abstraktes Gemälde – passt richtig gut zum Inhalt des Buches und zur künstlerischen ...

„Letzter Akt“ von Andreas Schäfer ist ein nachdenklicher Roman, der sich Zeit für seine Figuren nimmt. Schon das Cover – ein abstraktes Gemälde – passt richtig gut zum Inhalt des Buches und zur künstlerischen Atmosphäre der Geschichte.

Im Mittelpunkt steht Dora, eine Schauspielerin Anfang vierzig, die nach vielen Jahren beim Film wieder auf der Theaterbühne steht. Nach einer Premiere lernt sie in einer Bar den Maler Victor kennen. In ihrer Begegnung sieht Dora auch eine Möglichkeit, sich ein Stück weit vor ihrem eigenen Leben zu verstecken: vor der ständig anrufenden Mutter aus Frankfurt, der ehrgeizigen Agentin und einem unangenehmen Kollegen.

Der Roman ist in drei Akte gegliedert und entfaltet seine Geschichte eher leise. Besonders gelungen fand ich die emotionale Tiefe der Figuren. Nach und nach erfahren wir mehr über Doras Jugend in den 1980er-Jahren – eine Zeit voller verdrängter Erinnerungen und alter Wunden. Victors Porträt von ihr wird dabei zu einer Art Spiegel ihrer Seele und verbindet Kunst und Vergangenheit auf spannende Weise.

Allerdings ist das Tempo sehr ruhig. Gerade im Mittelteil musste ich mich manchmal etwas motivieren weiterzulesen, weil wenig Handlung passiert. Gegen Ende gewinnt die Geschichte aber wieder an Intensität, und die Rückblicke wirken plötzlich wie ein starker Schnitt im Leben der Protagonistin.

Insgesamt ein sensibler Roman über Schuld, Erinnerung und ein Künstlerleben zwischen Erfolg, Selbstzweifeln und Befreiung. Kein Pageturner, aber ein Buch, das nachwirkt.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Magisch, nachdenklich und voller Fantasie

Flora Brimble und der verlorene Frühling
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Im englischen Küstenort Rye scheint der Winter einfach kein Ende nehmen zu wollen. Alles wirkt grau und ein bisschen trostlos – und genau so fühlt sich auch Flora Brimble. Zu ihrem 13. Geburtstag kauft ...

Im englischen Küstenort Rye scheint der Winter einfach kein Ende nehmen zu wollen. Alles wirkt grau und ein bisschen trostlos – und genau so fühlt sich auch Flora Brimble. Zu ihrem 13. Geburtstag kauft sie sich eine besondere Tinte, und damit nimmt eine Reihe seltsamer Ereignisse ihren Lauf. Auf ihrer Suche nach dem Frühling trifft sie die unterschiedlichsten Kreaturen und viele Abenteuer entstehen.

Sprachlich schlägt Marcus Raffel eher leise, stimmungsvolle Töne an. Die Atmosphäre ist oft ein wenig melancholisch, und viele Passagen sind fast schon poetisch formuliert. Manche Kapitel wirken wie kleine, verwunschene Märchen. Dazwischen sorgen Floras ungewöhnliche Weggefährten immer wieder für ein paar lockerere Momente. Besonders das redselige Eichhörnchen und der etwas kauzige Kobold bringen gelegentlich Humor hinein – auch wenn die Geschichte insgesamt eher nachdenklich bleibt.

Inhaltlich geht es dabei sehr fantasievoll zu. Figuren verschwinden in Wandteppichen, springen in Brunnen, die einfach auf dem Boden stehen, und landen in einer Welt voller skurriler Einfälle.

Die Illustrationen von Maximilian Meinzold fügen sich wunderbar in die märchenhafte Stimmung ein. Zusammen mit dem Farbschnitt wird das Buch damit auch äußerlich zu einem echten Schmuckstück.

Fazit: Eine magische, fantasievolle Geschichte für ältere Kinder.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Zurückgespultes Leben

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Der Roman „You and Me – Die zweite erste Liebe“ von Josie Lloyd und Emlyn Rees ist eine romantische Komödie mit Tiefgang, die mich überraschend emotional abgeholt hat – und deshalb von mir verdiente 4 ...

Der Roman „You and Me – Die zweite erste Liebe“ von Josie Lloyd und Emlyn Rees ist eine romantische Komödie mit Tiefgang, die mich überraschend emotional abgeholt hat – und deshalb von mir verdiente 4 Sterne bekommt.

Die Grundidee mit der Zeitreise hat mich sofort neugierig gemacht: Was würden wir in der Vergangenheit verändern, um heute glücklicher zu sein? Würden kleine Änderungen zu einem anderen Leben führen?

Als Adam und Jules sich kennenlernen ist es für beide die große Liebe. Doch 35 Jahre später sieht die Realität anders aus: Alltagstrott, Kinder, Jobs, Verpflichtungen haben die damaligen Glücksgefühle abflauen lassen.

Mithilfe eines alten Kassettenrecorders gelingt es ihnen nach einem heftigen Streit, in die Anfangszeit ihrer Beziehung zurückzureisen. Hier ist es ihnen sogar möglich, die Vergangenheit zu ändern, was natürlich Folgen hat.

Die Szenen aus dem Familienalltag haben sich für mich sehr authentisch angefühlt – mit all den kleinen Spannungen, unausgesprochenen Erwartungen und dieser leisen Sehnsucht nach dem Gefühl von damals. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Dadurch bekommt man ein rundes Bild von ihrer Beziehung und versteht beide Seiten.

Natürlich ist das Zeitreise-Element ein bisschen verspielt und sorgt für einige turbulente Momente, vor allem als Gegenwart und Vergangenheit zunehmend durcheinandergeraten. Aber gerade diese Mischung aus Romantik, Humor und einer Prise Chaos macht den Charme des Buches aus.

Was mich am meisten berührt hat: die Erkenntnis, wie schnell Zeit vergeht. Dass wir oft erst im Rückblick verstehen, wie glücklich wir eigentlich waren. Und dass man manche Momente nicht konservieren oder wiederholen kann – egal wie sehr man es sich wünscht.

Der Roman ist stellenweise sehr bewegend und mit einer schönen Botschaft über zweite Chancen – nicht nur in der Liebe, sondern auch im Blick auf das eigene Leben.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Italienische Lebenswege im Wandel der Zeit

Villa Rivolta
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Der Autor, Daniel Speck entführt uns ins Italien der goldenen Sechziger, zwischen Dolce Vita, wirtschaftlichem Aufbruch und gesellschaftlichem Umbruch, und verwebt private Schicksale geschickt mit historischer ...

Der Autor, Daniel Speck entführt uns ins Italien der goldenen Sechziger, zwischen Dolce Vita, wirtschaftlichem Aufbruch und gesellschaftlichem Umbruch, und verwebt private Schicksale geschickt mit historischer Realität.

Im Mittelpunkt stehen Piero, der Sohn eines reichen Automobilunternehmers, und Valeria, die Tochter des Dienstmädchens – zwei Kinder aus unterschiedlichen Welten, die sich ewige Freundschaft versprechen. Ihre Beziehung, voller Nähe, unausgesprochener Gefühle und innerer Konflikte, fand ich besonders spannend.

Speck erzählt in wechselnden Perspektiven und Zeitebenen, was die Geschichte lebendig und spannend macht. Sein Stil ist angenehm flüssig, die Figuren wirken greifbar und emotional, und man fühlt sich schnell in die Atmosphäre Mailands hineingezogen. Besonders gelungen ist, wie beiläufig historisches Wissen – etwa zur italienischen Autogeschichte und zum gesellschaftlichen Wandel – vermittelt wird.

Ein kleiner Wermutstropfen für mich war das Ende: Es kam recht abrupt, einige Entwicklungen wurden schnell abgehandelt, und ein paar Fragen blieben offen, bei denen ich mir mehr Raum oder Klarheit gewünscht hätte. Trotzdem bleibt die Geschichte im Kopf – gerade wegen ihres Themas von Nähe und Abschied, von Lebenswegen, die sich trennen, obwohl eine tiefe Verbundenheit bleibt.

Insgesamt ein atmosphärischer, vielschichtiger Roman, der Fans von Familiengeschichten und Italienliebhaber:innen gleichermaßen begeistern dürfte.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2026

Italienische Lebenswege im Wandel der Zeit

Villa Rivolta
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Der Autor, Daniel Speck entführt uns ins Italien der goldenen Sechziger, zwischen Dolce Vita, wirtschaftlichem Aufbruch und gesellschaftlichem Umbruch, und verwebt private Schicksale geschickt mit historischer ...

Der Autor, Daniel Speck entführt uns ins Italien der goldenen Sechziger, zwischen Dolce Vita, wirtschaftlichem Aufbruch und gesellschaftlichem Umbruch, und verwebt private Schicksale geschickt mit historischer Realität.

Im Mittelpunkt stehen Piero, der Sohn eines reichen Automobilunternehmers, und Valeria, die Tochter des Dienstmädchens – zwei Kinder aus unterschiedlichen Welten, die sich ewige Freundschaft versprechen. Ihre Beziehung, voller Nähe, unausgesprochener Gefühle und innerer Konflikte, fand ich besonders spannend.

Speck erzählt in wechselnden Perspektiven und Zeitebenen, was die Geschichte lebendig und spannend macht. Sein Stil ist angenehm flüssig, die Figuren wirken greifbar und emotional, und man fühlt sich schnell in die Atmosphäre Mailands hineingezogen. Besonders gelungen ist, wie beiläufig historisches Wissen – etwa zur italienischen Autogeschichte und zum gesellschaftlichen Wandel – vermittelt wird.

Ein kleiner Wermutstropfen für mich war das Ende: Es kam recht abrupt, einige Entwicklungen wurden schnell abgehandelt, und ein paar Fragen blieben offen, bei denen ich mir mehr Raum oder Klarheit gewünscht hätte. Trotzdem bleibt die Geschichte im Kopf – gerade wegen ihres Themas von Nähe und Abschied, von Lebenswegen, die sich trennen, obwohl eine tiefe Verbundenheit bleibt.

Insgesamt ein atmosphärischer, vielschichtiger Roman, der Fans von Familiengeschichten und Italienliebhaber:innen gleichermaßen begeistern dürfte.

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