Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2026

Sehr schön zum Vorlesen!

Gespensterjäger auf eisiger Spur
0

Inhalt: Als Tom Orangensaft aus dem Keller holt, begegnet ihm Schauriges: Ein wahrhaftiges Gespenst schaut ihn mit giftgrünen Augen an und will ihn mit seinen Eisfingern packen. Blitzschnell nimmt Tom ...

Inhalt: Als Tom Orangensaft aus dem Keller holt, begegnet ihm Schauriges: Ein wahrhaftiges Gespenst schaut ihn mit giftgrünen Augen an und will ihn mit seinen Eisfingern packen. Blitzschnell nimmt Tom Reißaus - und hat nun ein handfestes Problem: Wie soll er jemals wieder den Keller betreten, wenn dort ein Gespenst haust? Wie gut, dass es Hedwig Kümmelsaft - eine Freundin seiner Oma und selbsternannte Geisterjägerin - gibt…

Persönliche Meinung: “Gespensterjäger auf eisiger Spur” ist ein Kinderbuchklassiker von Cornelia Funke. Es handelt sich um den ersten Band der “Gespensterjäger”-Reihe. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der meist in die Perspektive von Tom schlüpft, der das Alter der intendierten Zielgruppe (ca. 10 Jahre) hat. Die Handlung folgt derjenigen eines Abenteuerromans: Tom versucht gemeinsam mit Frau Kümmelsaft das Kellergespenst zu verjagen, wobei sich schnell herausstellt, dass Hugo (so heißt das Gespenst), eher harmlos ist: Hugo hat im Keller Zuflucht gesucht, da sein bisheriger Spukort von einem sog. UEG (= unheimlich ekelhaftes Gespenst) besetzt was - was natürlich ungleich schwieriger zu verjagen ist als Hugo. Sehr hat mir auch die Atmosphäre des Romans gefallen: Cornelia Funke erzählt bildhaft und dicht, sodass ein schauerlicher Hauch durch den Roman weht, ohne dass es allzu gruselig wird. Für Lacher sorgt dabei die eigenwillige Wortwahl/Aussprache der Gespensterwesen. Hugo beispielsweise benutzt statt i-Lauten ü-Laute, wodurch seine Aussprache breit und gedehnt ist (was beim Vorlesen sowohl bei Lesenden als auch bei Zuhörenden für einige Lacher sorgt). In “Gespensterjäger auf eisiger Spur” finden sich zudem zahlreiche schwarz-weiß Illustrationen der Autorin. Insgesamt ist “Gespensterjäger auf eisiger Spur” ein atmosphärisches Kinderbuch, das auch über 30 Jahre nach Veröffentlichung die Zielgruppe zu begeistern weiß. Sehr schön zum Vorlesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2026

Eine schöne Mischung aus Romantik und Spannung

Emma Bell
0

Inhalt. London, 1846. Die junge Ruth Thomas ist noch unverheiratet - für ihre Mutter ein Dorn im Auge. Doch Emma interessiert sich nicht für Männer; insgeheim ist sie in ihr Hausmädchen verliebt. Als die ...

Inhalt. London, 1846. Die junge Ruth Thomas ist noch unverheiratet - für ihre Mutter ein Dorn im Auge. Doch Emma interessiert sich nicht für Männer; insgeheim ist sie in ihr Hausmädchen verliebt. Als die beiden sich näher kommen und sich schließlich küssen, passiert das Schlimmstmögliche: Ruths Mutter ertappt sie, entlässt das Hausmädchen und schickt Ruth aufs Land zu ihrem Onkel. Dort begegnet sie der geheimnisvollen Emma, der Ehefrau ihres Mannes, zu der sie sich sofort angezogen fühlt…

Persönliche Meinung: “Emma Bell” ist ein viktorianischer Thriller von Josephine Ashford (aka Josephine Katharina Groß). Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der personalen Perspektive von Ruth, einer einfühlsamen jungen Frau, die in der Welt, in der sie lebt, nicht akzeptiert wird und sich daher in sich zurückgezogen hat. Ähnlich erging es nach eigenem Bekunden der zweiten Protagonistin: der titelgebenden Emma. In einer kurzen Binnenerzählung beschreibt Emma, wie sie - nach dem Tod ihres Vaters - von Stiefmutter und -bruder heftig drangsaliert wurde (diese Szenen werden von Josephine Ashford sehr eindrücklich und intensiv geschildert, sodass man unweigerlich mit Emma fühlt). Die Handlung von “Emma Bell” lässt sich in zwei Teile gliedern. Die erste Hälfte des Romans dreht sich um das Kennenlernen von Ruth und Emma: Gemeinsam machen sie Ausflüge, erleben Weihnachten und offenbaren sich ihre tiefsten Geheimnisse, aus Freundschaft entwickelt sich eine zarte Liebe. Zur zweiten Hälfte des Romans möchte ich wegen großer Spoilergefahr gar nicht zu viel sagen. Nur: Sie beginnt mit einem überraschenden Twist und die Dramatik der Handlung steigt stark. Der Schreibstil von Josephine Ashford ist anschaulich und lässt sich sehr flüssig lesen. Eine weitere Besonderheit von “Emma Bell” ist, dass der Roman umfangreich illustriert ist: Es finden sich sehr viele detaillierte Zeichnungen der Autorin, die die Handlung schön bebildern. Insgesamt ist “Emma Bell” ein queerer Roman im viktorianischen Gewand mit einer schönen Mischung aus Romantik und Spannung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2026

Ein anschaulich zu lesender Klassiker der Romantik, hier sehr stimmig mit ausdrucksstarken Bildern illustriert

E.T.A. Hoffmann: Die Bergwerke zu Falun
0

Inhalt: Der junge Seemann Elis Fröbom ist gerade von einer Ostindienfahrt nach Göthaborg zurückgekehrt - doch Freude will nicht aufkommen: Seine Mutter ist während seiner Abwesenheit verstorben. Als Elis ...

Inhalt: Der junge Seemann Elis Fröbom ist gerade von einer Ostindienfahrt nach Göthaborg zurückgekehrt - doch Freude will nicht aufkommen: Seine Mutter ist während seiner Abwesenheit verstorben. Als Elis sich von den Festivitäten rund um die Heimkehr der Matrosen zurückzieht, spricht ihn plötzlich ein älterer Bergmann an. Er kommt aus Falun, schwärmt von den dortigen Bergwerken und schlägt Elis vor, er solle dort sein Glück versuchen…

Persönliche Meinung: “Die Bergwerke zu Falun” ist eine phantastische Erzählung von E.T.A Hoffmann. Die vorliegende Ausgabe wurde von Kat Menschik illustriert (und ist als dritter Band in der Reihe “Illustrierte Lieblingsbücher” erschienen). “Die Bergwerke zu Falun” ist eine typische Erzählung der Romantik: Nach dem schwärmerischen Bericht des Bergmannes und einem Traum mit prognostischer Wirkung entwickelt sich Falun zu einem Sehnsuchtsort für Elis; die Bergwerke, die mit einer schaurigen Note atmosphärisch beschrieben werden, mutieren zur phantastischen Anderswelt, in der ein Berggeist haust. Mehr und mehr nehmen die Bergwerke Elis ein, sodass sich bei ihm wahnhafte Züge offenbaren (wodurch “Die Bergwerke zu Falun” zu einem kleinen romantischen Psychogramm wird). Zudem findet sich in der Erzählung eine Liebesgeschichte mit äußerst tragischen Elementen. Die Stimmung der Erzählung wird von Kat Menschik perfekt eingefangen: Zu Beginn der Handlung - bevor es unter Tage geht - dominieren in den Illustrationen helle, farbenfrohe Töne; Elis Träume werden in eisigen Blautönen eingefangen, die den unwirklichen Charakter dieser unterstreichen; unter Tage überwiegen mit erdige Farben. Insgesamt ist “Die Bergwerke zu Falun” ein anschaulich zu lesender Klassiker der Romantik, hier sehr stimmig mit ausdrucksstarken Bildern illustriert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2026

Eine stimmige, schön ausgestaltete Fortsetzung

Die Muschelmagier
0

Vorab: “Die Muschelmagier” ist der zweite Band der Wellenläufer-Trilogie. Da die Handlung von Band 2 direkt an den ersten Band “Die Wellenläufer” anschließt, ist ein chronologisches Lesen sinnvoll. In ...

Vorab: “Die Muschelmagier” ist der zweite Band der Wellenläufer-Trilogie. Da die Handlung von Band 2 direkt an den ersten Band “Die Wellenläufer” anschließt, ist ein chronologisches Lesen sinnvoll. In der folgenden Rezension finden sich deshalb auch leichte Spoiler für Band 1.

Inhalt: Nachdem Jolly und Griffin bei einer Seeschlacht über Bord der “Carfax” gingen, wurden sie von dem Brückenbaumeister Agostini aufgelesen. Dieser hat mit seiner Mannschaft eine gigantische Brücke über einen Meeresarm hin zur Nachbarinsel gebaut. Die genaue Funktion der Brücke liegt für Jolly im Dunkeln, doch die Brücke scheint wichtig zu sein. Denn: Kurz nach der Fertigstellung - just in dem Moment, als Jolly und Griffin die Brücke betreten - erscheint eine Horde Klabauter, die die Brücke einreißen will. Gleichzeitig tauchen alte Freunde von Jolly und Griffin auf, die die beiden in letzter Sekunde vor den Klabautern retten können - und zur sagenhaften Stadt Aelenium führen…

Persönliche Meinung: “Die Muschelmagier” ist ein phantastischer Jugendroman von Kai Meyer. Im Vergleich zum ersten Band, der noch eher in einer Welt spielt, die unserer näher ist, geht es hier deutlicher ins Phantastische: Wir lernen Aelenium kennen, ein großer bewohnter Seestern, der mit einem Anker fixiert ist und dessen Bewohner auf Seepferdchen und fliegenden Rochen reiten. Auch tauchen wir tiefer in die Herkunft der Muschelmagie sowie den Ursprung des Mahlstroms ein. Daneben dreht sich die Handlung insbesondere um die Entwicklung der Protagonisten: Jolly übt sich intensiv in der Muschelmagie und macht eine lebensverändernde Entdeckung. Munk, der im Vergleich zum ersten Band kaum auftritt, spielt hier eher in der zweiten Reihe - wenngleich seine Entwicklung, die in eine andere Richtung als Jollys geht, folgenreicher ist (gerade die Entwicklung von Munk fand ich stark beschrieben, da ich ihn in Band 1 sehr mochte, nun aber schwerer greifen kann). Anstelle von Munk erhalten in “Die Muschelmagier” Griffin und die Prinzessin Soledad PoV-Kapitel, sodass sie sich mehr und mehr zu Hauptfiguren mausern - mit jeweils spannenden Handlungssträngen, die ich hier aber nicht spoilern möchte. Auch der im ersten Band angeteaserte Konflikt der Liebeshandlung wird hier weiter entfaltet, wobei ich sehr gespannt bin, wie er im finalen Band weitergeführt wird. Der Schreibstil von Kai Meyer ist gewohnt bildgewaltig, farbenfroh und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Die Muschelmagier” eine stimmige, schön ausgestaltete Fortsetzung von “Die Wellenläufer”, die mir sogar noch ein bisschen mehr gefallen hat als der erste Band.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.02.2026

Eine kurzweilige literarische Reise zur Vor- und Nachbereitung der eigenen Rheinreise

Der Rhein
0

“Der Rhein” ist ein Sachbuch von Karl-Heinz Göttert, in dem der Fluss aus zweifacher Sicht als literarischer Ort betrachtet wird: einerseits als Ort, den Autor*innen aufsuchten, andererseits als Handlungsort ...

“Der Rhein” ist ein Sachbuch von Karl-Heinz Göttert, in dem der Fluss aus zweifacher Sicht als literarischer Ort betrachtet wird: einerseits als Ort, den Autor*innen aufsuchten, andererseits als Handlungsort von literarischen Werken. Göttert folgt dabei der Fließrichtung des Rhein - vom Alpenrhein, Bodensee und Hochrhein über den Ober- und Mittelrhein hin zum Niederrhein und (niederländischen) Deltagebiet. Auf der Reise werden eine Vielzahl kleinerer und größerer Orte längs des Rhein besucht, in denen sich Literarisches zugetragen hat. So finden sich 95 sehr eingängig lesbare Artikel (ca. 3 Seiten lang, ergänzt mit farbigen Abbildungen), die die Orte aus Sicht der Literaturwissenschaft näher einordnen. In diesem Sinne begegnen wir dem Rhein zu Beginn unserer Reise bei Tacitus und Caesar als Grenzfluss von “Barbaren”, sehen den Rhein aus der lyrischen Perspektive Friedrich Hölderlins, besuchen die Klosterbibliothek St. Gallen und setzen uns mit Marcel Reich-Ranickis Verriss zu Martin Walsers in Wasserburg (Bodensee) spielenden “Ein springender Brunnen” auseinander. Man merkt schon: In “Der Rhein” werden mehrere Epochen berührt, auch wenn der Schwerpunkt auf der Neuzeit liegt. Einzelnen Autoren begegnen wir auf unserer Reise mehrfach: So treffen wir auf Friedrich Hölderlin nicht nur am Ursprung des Rheins, auch in Speyer, wo er den Dom in Augenschein nahm, lugt er ums Eck; Johann Wolfgang von Goethe taucht gleich mehrfach auf: u.a. am Rheinfall in Schaffhausen, den er plastisch beschrieb, im Angesicht des Straßburger Münsters und in Bingen beim Rochusfest. Örtlich stehen im Fokus von “Der Rhein” natürlich die längs des Rheins befindlichen Großstädte (allein Köln hat 9 Artikel erhalten, in denen bspw. Albertus Magnus’ Vorlesung “De animalibus”, Georg Forsters Ansichten des Kölner Doms und das “Kölnbild” Heinrich Bölls betrachtet werden) oder touristische Hotspots wie die Loreley, die wir bei Clemens von Brentano, Heinrich Heine und Erich Kästner finden. Daneben werden aber auch immer wieder Abstecher in kleinere Orte unternommen. So z. B. nach Winkel (Heimatort des Hochstaplers Felix Krull (Thomas Mann)), nach Bacharach (Handlungsort der fragmentarischen Erzählung “Der Rabbi von Bacherach” (Heinrich Heine)) oder nach Kleve (als Schwanenritter-/Lohengrinstadt). Von all diesen Orten und (literarischen) Geschichten berichtet Göttert fesselnd und kurzweilig, wobei sich wissenschaftliche Kurzanalysen mit literarhistorisch Anekdotischem schön die Waage halten. Insgesamt ist “Der Rhein” eine kurzweilige literarische Reise, mit der man nachhaltig seine eigene Rheinreise vor- oder nachbereiten kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere