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Veröffentlicht am 27.02.2026

Nicht sein bester Thriller

Kill for Me
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Kennt ihr das Buch oder die Verfilmung zu „Der Fremde im Zug“?

Steve Cavanagh zählt dank seiner cleveren Justizthriller um Eddie Flynn zu jenen wenigen Autoren, von denen ich jedes Buch lesen muss. So ...

Kennt ihr das Buch oder die Verfilmung zu „Der Fremde im Zug“?

Steve Cavanagh zählt dank seiner cleveren Justizthriller um Eddie Flynn zu jenen wenigen Autoren, von denen ich jedes Buch lesen muss. So war ich unheimlich auf „Kill for Me“ gespannt, konnte mich Cavanagh mit seinen temporeichen und ausgeklügelten Plots, dem trockenen Humor und der Tiefe, die seinen Storys zugrunde liegt, bisher stets überzeugen.

Aber auch jetzt?

Stell dir vor, du verlierst alles, was du liebst, bleibst alleine zurück, traumatisiert und in Schmerz gefangen. Gerechtigkeit? Gibt es nicht. Denn wie so oft versagt das System. Jenes, das die Menschen doch eigentlich schützen, ihnen helfen, sie sehen soll.

Als Amanda Wendy kennenlernte, hatte sie bereits Pläne geschmiedet, um den Mörder ihrer Tochter auszuschalten, war so kurz davor, den Grund für den Tod ihres Mannes zu eliminieren. Mit dem Gefühl, auf sich alleine gestellt zu sein, dem Wunsch, ihre Liebsten unter allen Umständen rächen zu müssen, andere Eltern vor diesem Schrecken zu schützen, ist Amanda verletzlich, verzweifelt und ein leichtes Ziel …

Ruth hat den Angriff eines Serienkillers knapp überlebt – während ihre körperlichen Wunden zu Narben werden, bekommen die seelischen nie die Chance, zu verheilen. Nicht, solange der Täter frei herumirrt. Ruth isoliert sich, wird von Panikattacken und Alpträumen geplagt. Selbst Scott kann ihr Leid nicht lindern, kann ihr ihre Unsicherheiten und Ängste nicht nehmen …

​Eine weitere, wenn auch selten zu Wort kommende Perspektive ist Andrew Farrow, der mit seiner Partnerin Karen Hernandez in beiden Fällen ermittelt. Wir treffen hier auf einen engagierten Detective, auf Mitgefühl und die Bereitschaft, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Monster zu fassen. Doch auch er weiß, dass die Mühlen der Justiz nicht die schnellsten sind und wenig für die Opfer übrig haben.

Steve Cavanagh lässt uns an dem Alltag, der Geschichte, den Gedanken verschiedener Persönlichkeiten teilhaben und spinnt so ein weitreichendes Netz aus – oftmals unspektakulär erscheinenden – Ereignissen und Vermutungen. Nur langsam entsteht ein greifbares und dynamisches Geschehen um die einzelnen Figuren, ihre Konflikte, Probleme und Motivationen. Aber Verständnis, das gab's von Anfang an: Ich konnte Amandas Ziel, ihren Wunsch, ihre Bereitschaft, Vergeltung zu erzwingen, verstehen. Ihren Schmerz fühlen. Selbstjustiz ist keine Lösung? Ist rechtswidrig? Erzähl das einem Menschen, dem das Liebste auf brutalste Weise genommen wurde.

Aufgrund der recht kurzen Kapitel und der damit einhergehenden Perspektivwechsel sind eine durchgängige Entwicklung und ein flottes Vorankommen gegeben. Von Seite zu Seite kommen wir diversen, sich zuspitzenden Situationen und Abgründen, unsichtbaren Verbindungen näher. Wie schon bekannt, konzipierte der Autor weder einen eindimensionalen Plot noch farblose Charaktere. Die im Fokus stehenden Frauen wurden mit Hintergrund und nachvollziehbaren Zügen gezeichnet, mit ambivalenten Empfindungen, Trauer, Trauma und Hass. Es war aufregend, ihre Wege zu verfolgen, herauszufinden, was sie tun würden und werden. Und gleichzeitig schwang eine beklemmende Nuance mit, eine Sicherheit, die trügerisch schien. Obgleich hier die psychologische Spannung dominiert, wartet die eine oder andere blutige Angelegenheit auf uns, überraschende Wendungen und logisch abgestimmte Wahrheiten samt einiger unvorhergesehener Twists. Tatsächlich sind es die letzten 25 %, bevor „Kill for Me“ zu einem runden Abschluss kommt, in denen der Autor mit Tempo und Zeitdruck kräftig punktet.

Trotz der positiven Aspekte gab es für mich auch Enttäuschendes: Dieses Mal kam mir Cavanaghs Stil sehr, sehr einfach vor. Unelegant, regelrecht plump. Zusätzlich finden sich zahlreiche Längen mit irrelevanten Informationen – bspw. Anekdoten aus den verschiedenen Leben oder bis ins Kleinste festgehaltene Beschreibungen von Tätigkeiten und Umgebungen. Was wahrscheinlich der Atmosphäre und dem Einfinden zugutekommen soll, brachte lediglich die Handlung ins Stocken und bremste dabei die Spannung aus. Dabei basiert das Geschehen auf einer intelligenten, merklich durchdachten Idee, auf Themen und Situationen, die zum Nachdenken anregen. Steve Cavanagh animiert die LeserInnen konstant dazu, Zusammenhänge zu suchen, mitzurätseln und aufmerksam zu bleiben, bevor er sie vollkommen aus der Bahn wirft.

Nicht der beste, aber ein lesenswerter Thriller.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Nette RomCom

Josh and Hazel's Guide to Not Dating
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Jahre sind vergangen, seit sich
Hazel und Josh während ihrer Collegezeiten kennengelernt haben. Nun haben die beiden Lehrkräfte die Chance, um Freunde zu werden. Und gerade Josh kann gerade dringend eine ...

Jahre sind vergangen, seit sich
Hazel und Josh während ihrer Collegezeiten kennengelernt haben. Nun haben die beiden Lehrkräfte die Chance, um Freunde zu werden. Und gerade Josh kann gerade dringend eine Freundin gebrauchen, setzt ihn doch eine kürzliche Trennung stark zu.
Hazel – Dauersingle – überredet ihren attraktiven und überaus charmanten Kumpel dazu, mit ihr auf „Blind Double Dates“ zu gehen. Was könnte einen Menschen schneller von Herzschmerz ablenken, als gemeinsam mit der besten Freundin ein wenig im Singlepool zu tauchen?
Nur, dass jedes Date im Chaos endet, nichts und niemand passt – außer die beiden zueinander.

Christina Lauren erzählen ihre romantische Komödie in einem lockeren, leichten Stil, ohne an Gefühl zu sparen.
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, wobei Hazel – ein Wirbelwind, laut, unbeholfen, bunt und extrovertiert – den Hauptpart mimt. Im Gegensatz zu ihr ist Josh strukturiert und aufgeräumt, ordentlich und setzt auf leise Töne.
Während die beiden mal mehr, mal weniger ambitioniert versuchen, den Partner/die Partnerin für sich zu finden, wird ihre Beziehung intensiv und intim. Viel mehr als für eine rein platonische Freundschaft üblich ist. Josh und Hazel kommen sich immer näher – auch aufgrund der die Handlung dominierenden offenen und ehrlichen Gespräche, sowie dem beidseitigen Selbstbewusstsein, Fehler zu machen und einander jede Seite zu zeigen.

Es war herrlich, dieses Miteinander zu verfolgen, den verschiedenen, wenn auch etwas im Hintergrund verlaufenden Dates beizuwohnen und die Protagonisten – ihre Wesenszüge, ihre Zweifel und Wünsche, ihre Verletzlichkeiten – kennenzulernen. Dass die Nebenfiguren blasse Schemen bleiben tut der Romance, die mit einer passenden Portion Spice samt schräger Situationskomik unterlegt ist, hierbei keinen Abbruch.
Jedoch war es schade, dass die softe, unterhaltsame Gemütlichkeit der ersten Hälfte im fortschreitenden Verlauf durch die Fokussierung auf Körperliches abgelöst wird und Klischees die Storyline vereinnahmen. Ebenso wirkte das Ende und die vorherigen, abrupten Entwicklungen übereilt.

Dennoch ist „Josh and Hazel's Guide to Not Dating“ eine kurzweilige, humorvolle RomCom mit Wohlfühl-Charme und Gefühl.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Neuauflage Rezension

Von Blut & Magie
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So viel habe ich von Melanie Lanes „Anderswelt-Serie“ gehört, dass ich jetzt, wo die Neuauflage erschienen ist, selbst einen Blick wagen musste.



Lilly ist eine attraktive, introvertierte Kellnerin – ...

So viel habe ich von Melanie Lanes „Anderswelt-Serie“ gehört, dass ich jetzt, wo die Neuauflage erschienen ist, selbst einen Blick wagen musste.



Lilly ist eine attraktive, introvertierte Kellnerin – und allein. Schon immer hat sich die Mittzwanzigerin eine Familie gewünscht, gab es doch immer nur sie und ihre Mum, die eher einer Freundin gleichkam.

Als sie eines Nachts plötzlich von zwei Männern entführt wird, in einem luxuriösen Zimmer erwacht und einer der Übeltäter gar nicht so fremd ist, kann sie nicht glauben, was diese von sich geben: Sie soll Lillianna Callahan sein? Thronfolgerin Alliandoans und der sieben Welten? Herrscherin über ein Paralleluniversum, das es eigentlich nur in Büchern gibt? Tz … (Un-)Glücklicherweise sind die Beweise hierfür beängstigend real. Das Knistern von Magie in der Luft, blaue Flammen, die auf ihrer Haut tanzen, die Verbundenheit zu Nickolas, der ihr Bruder ist, und die überirdisch attraktiven Unsterblichen um sie herum. Vor allem Lucan Vale, der zwar nicht das Haupt vor ihr senkt, sie aber stetig mit einem herablassenden, intensiven Blick mustert, und seine dunkle Kriegerschar ziehen Lilly in ihren Bann.

Je mehr die vermeintlich „einfache Sterbliche“ über ihre Herkunft und die tragische Geschichte der Anderswelt erfährt, umso sicherer ist sich die Prinzessin, dass sie hier richtig ist, dass das ihre Bestimmung, ihr Platz ist. Denn sie sieht, was jenen, die schon immer in einem System aus Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt gefangen sind, nicht sehen. Fokussiert nicht ihre eigenen Vorteile, Annehmlichkeiten und den Prunk, sondern gräbt in Abgründen, in Sklavenhandel, in Hass und Niedertracht. Hinterfragt altbackene, ideologische Gedankenmuster, archaische Strukturen und eine Regentschaft, die sich bereichert, alles hat und nichts gibt. Dass es gerade der Engelsadel, ihre Spezies, ist, der an der Spitze der Unsterblichen steht, hält Lillianna nicht davon ab, ihre Wut zu zeigen, sich Gehör zu verschaffen und die Veränderungen einzuleiten – schon bald werden die ersten Bündnisse geschlossen, Buße getan, Opfer befreit. Lilly wirbelt mit ihrer taffen Art und dem frischen Blick, mithilfe von neuen FreundInnen und Kriegern, die Anderswelt auf. Sehr zum Verdruss der snobistischen Minister. Aber weder die Vorbehalte aus dem engsten Kreis, Feinde, die nicht einzig aus dämonischen Reihen stammen, noch die Anschläge auf ihr Leben, halten den Halbengel davon ab, verstehen zu wollen und nach Lösungen zu suchen.

Während die Magie Lilly noch im Stich lässt, widmet sich die junge Frau mit Euphorie und Tatendrang ihrem körperlichen Training, lebt sich in die Politik der Reiche und in ihre Verantwortung ein. Immer an ihrer Seite, immer in ihrem Kopf: Lucan Vale – König der Assassinen, der gefürchtetste und geächtetste Mann der Anderswelt. Gefährlich für ihr Herz.



„Von Blut & Magie“ ist Band 1 einer sechsteiligen Urban-/High-Fantasy-Serie und der Beginn eines komplexen, aufregenden Abenteuers. Die Geschichte geht sofort los und bleibt in großen Teilen bis zum Schluss unterhaltsam und interessant. Mir persönlich fehlte es aber stellenweise an Ereignissen und Abwechslung. Viele ausführliche (oder sich wiederholende) Monologe, Beobachtungen und Zweifel der Protagonistin sowie Stillstand ziehen die Story in die Länge. Zudem geschehen etliche zwischenmenschliche Entwicklungen im Off, sodass es schwierig war, Resultate – wie Freundschaften oder romantische Gefühle – wirklich nachzuvollziehen. Zwar wirkt Lilly – abgesehen von ihren politischen Ambitionen und ihrem Verständnis – nicht immer wie die 27-Jährige, die sie ist, schafft es aber dennoch, mit Mut, Stärke und Schlagfertigkeit einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Denn Alliandoans Thronfolgerin hat Feuer, bietet dem Adel die Stirn, ist sich der Vorurteile und Gegenwinde bewusst und schreckt trotzdem nicht davor zurück, Altes auszuhebeln und für sich und die unterdrückten Unsterblichen einzustehen.

Schon in diesem Band vollzieht die Protagonistin eine deutliche Entwicklung. Wir dürfen also gespannt sein, womit uns Lillianna Callahan in den weiteren Büchern überrascht.


Lucan ist der geheimnisvolle Bad-Boy – kühl, harsch und abweisend. Obgleich ich ihn als mysteriösen Loveinterest anziehend fand, blieb er lange ein nicht zur Gänze einschätzbares Hintergrundrauschen, ebenso konturlos wie Lillys aufkeimende Empfindungen für ihn. Nur stückchenweise entsteht aus heimlichen Informationen, harten Wahrheiten, kleinen Gesten, Fürsorge und Rückhalt ein konturiertes Bild dieses Mannes. Eines, das sein Verhalten, seine Distanz erklärt und ihn gleichzeitig zugänglicher und weicher macht.


Was mich besonders faszinierte, war das ausgefeilte, aufwendige Worldbuilding; der Fokus deutlich auf den Missständen, die gleichzusetzen sind mit denen, die wir in unserer Welt finden. Melanie Lane beschäftigt sich in ihrer Serie viel mit Politik, dem Patriarchat und mit der Ausgrenzung von „Minderheiten“, von Wesen, deren Wert ihnen von der herrschenden Rasse abgesprochen wird. Allein dieser ernste und detailreich ausgearbeitete Aspekt und die Botschaft, die die Autorin durch das Handeln ihrer Protagonistin ausdrückt, heben die Story auf ein komplett anderes Level. Denn manchmal braucht es nur einen anderen Blickwinkel, nur eine Person, um Veränderungen zu generieren. Weil Stillstand nie besser ist als Wandel. Weil „das war schon immer so“ selten „gut“ ist. Dementsprechend ereilen uns in „Von Blut & Magie“ zahlreiche Informationen über die Anderswelt, um die Strukturen – und Lillys Zorn, ihr Bestreben – zu verstehen. Einige Reiche lernen wir in diesem Band bereits genauer kennen – und es war ein Erlebnis, die Thronfolgerin bei ihren Erkundungstouren zu begleiten; mächtigen Gelehrten, Ausgestoßenen, Dämonen und Harpyien, Ghoulen und Formwandlern zu begegnen.

Lane lässt uns bildreich in die Welten eintauchen, die Wunder samt den Flecken hinter dem glänzenden Schein sehen, Wut und die Faszination fühlen. Abgesehen von diesen Ortswechseln, den königlichen Verpflichtungen und Lillys Einfinden in ihre neue Rolle sind es die Nebenfiguren, die Abwechslung bringen, für Leben sorgen, Vielfalt symbolisieren. Vor allem ins Herz geschlossen habe ich Duncan, aber auch King, Alina, Malik, Olli und Nick sind stets an der Seite der zukünftigen Regentin und wurden mit Feinheiten gezeichnet, mit Tiefe und Entwicklung. Gerade Nick, festgefahren und glatt, wächst durch Lillys Sichtweise. Und Cora, Drake und Odile? Die wirbelten die Handlung mit Individualität und Direktheit gehörig auf.


Durch Misstrauen, allerhand Fragen und die erwarteten Bedrohungen ist der Verlauf oft angespannt. Hingegen sind spritzige Geplänkel, wagemutige Pläne, Trotz und offene Gespräche der Leichtigkeit zuträglich, während die Schlagabtausche und Flirts zwischen Lilly und Lucan eine gewisse Reibung bringen. Es warten actionreiche Szenen, bewegende Momente, erschütternde Offenbarungen und einiges an Humor, wunderschöne Freundschaften und nötige Konflikte. Aufgrund des authentischen, direkten und klaren Stils von Melanie ist es unproblematisch, sich in die Story einzufinden und alles zu verstehen. Lillys Ängste und Verzweiflung, ihren Schmerz und ihre Enttäuschung zu spüren. In den letzten Kapiteln nehmen Tempo und Spannung nochmal Fahrt auf, Entdeckungen und Ereignisse überschlagen sich und münden in einem Ende, dem unbedingt weiter nachgegangen werden muss. Aber auch die Neugier auf die übrigen Teile der Anderswelt, die scheinbar aussichtslose Romance und Lilliannas Pläne animieren dazu, diese Geschichte weiterzuverfolgen.


Kritisch anmerken möchte ich die Fehlerzahl, die in der überarbeiteten Neuauflage zu finden ist. Und den nicht durchweg optimalen Buchsatz.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Romantasy mit märchenhaftem Flair und dunklen Tönen

A Beauty for the Beast
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Für den geächteten Prinzen, der sein Volk mit harter Hand regiert, läuft langsam die Zeit ab – der Moment, der ihn wahrhaftig und unwiderruflich in ein Monster verwandeln wird, naht. Nur die Liebe, echt ...

Für den geächteten Prinzen, der sein Volk mit harter Hand regiert, läuft langsam die Zeit ab – der Moment, der ihn wahrhaftig und unwiderruflich in ein Monster verwandeln wird, naht. Nur die Liebe, echt und aufrichtig, kann ihn retten … Als sich ein Fremder Zutritt zu seinem Schloss verschafft, von Hunger und Kälte getrieben, bietet er dem Bettler einen Deal an, denn Varek sieht seine Chance, den Fluch, der auf ihm lastet, endlich zu brechen: Er will für ein Jahr die Tochter des Eindringlings. Und plötzlich findet sich Isabell in prächtigen Gemächern wieder, ihrer Freiheit beraubt. Doch statt vor dem Hochmut des Prinzen in die Knie zu gehen, bietet Bell ihm die Stirn. Und schneller als gedacht entbrennen zwischen der Schönen und dem Biest Gefühle, die über Verlangen und Leidenschaft hinausgehen …

In „A Beauty for the Beast“ adaptiert Liz Rosen den französischen Klassiker „La Belle et la Bête“ und schenkt dem Bekannten mit bildreichen Worten „frische“ Nuancen, überraschende Wendungen und dunkle Töne. Die Autorin schuf ein vorstellbares, märchenhaftes Setting, lässt uns an Bells Seite die Kälte des mystischen Schlosses durchdringen. Mitten hinein in furchteinflößende Schatten, hallende Einsamkeit, einst dekadente Säle. Schmerzhafte Geheimnisse.

Aufgrund der Kürze der Dark-Romantasy ist nicht mit allzu viel Tiefe innerhalb der Storyline zu rechnen. Hier und da wirkten die (romantischen) Entwicklungen und auch der Stil sehr einfach. Nichtsdestotrotz waren Isabell und Varek, die aus wechselnder Perspektive erzählen, interessante Figuren mit Eigenheiten, Hintergründen und einer Geschichte. Gerade das „Biest“ überzeugt mit seinem – unberechenbaren, wankelmütigen – Wesen, das aus seiner Vergangenheit und dem Fluch geboren, von Einsamkeit, Schuld und (Selbst)Hass gezeichnet ist. Auch Bell hinterlässt Eindruck, beweist sie mehrfach Stärke und Mut, wächst im Heim ihres vermeintlichen Wärters über sich hinaus. Die Dynamik der beiden wandelt sich von distanziert und argwöhnisch, von Misstrauen bei jeder Begegnung, zu einer, in der Achtsamkeit und Respekt dominieren, Verlangen in jedem Blick.
Im Verlauf werden wir mit actionreichen Szenen und einer vor allem zu Beginn düsteren Atmosphäre konfrontiert, mit schlagfertigen, offenen Gesprächen und den verschiedensten Gefühlen. Rose würzt ihr dunkles Märchen mit ausreichend (und direktem) Spice, der sich stimmig in die Handlung fügt.
Wichtiger sind jedoch die Erkenntnisse und Erinnerungen, die „A Beauty for the Beast“ bereithält: Jeder Mensch ist mehr als sein Äußeres, als der Schein; besteht aus einem Sammelsurium aus Facetten. Und die größte Liebesgeschichte ist immer die, die wir mit uns selbst schreiben.

»Es ging nie darum, geliebt zu werden – es ging darum, lieben zu können. Mich selbst. Andere. Das Leben.«

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Kurzweilige Romantasy

Legenden aus dem Wunderland - Fluch der Herzkönigin
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„Der Fluch der Herzkönigin“ ist die erste Geschichte, die uns in die Reihe um die „Legenden aus dem Wunderland“, in eine Welt aus Magie, Verrat und Intrigen, führt.

Als amtierende Herzkönigin wird Nyxia ...

„Der Fluch der Herzkönigin“ ist die erste Geschichte, die uns in die Reihe um die „Legenden aus dem Wunderland“, in eine Welt aus Magie, Verrat und Intrigen, führt.

Als amtierende Herzkönigin wird Nyxia allseits gefürchtet. Zu grausam regierten ihre Vorfahrinnen. Was kaum einer weiß: seit Jahrhunderten hat Nyxia den Thron nicht verlassen, denn ein Fluch hält sie fest. Gebunden an diesen, ist sie gezwungen, Könige zu wählen und Herzen zu opfern, um die dunkle Hexe zufriedenzustellen und sich nicht in dem Wahnsinn, der in ihr ruht, zu verlieren. Bei der diesjährigen Auswahlprozedur trifft die Regentin der Schlag, denn einer der Kandidaten ist Elion, der Junge, der ihr einst das Leben rettete. Nyxia versucht alles, um ihn loszuwerden, doch das Wunderbiest kämpft – für Nyxia und ihr Herz. Wohl wissend, sein eigenes zu verlieren …

Lasst uns kurz einen Blick auf die Aufmachung der Romantasy werfen: Dieses Buch ist erneut unglaublich schön geworden! Auch stilistisch führt uns B. E. Pfeiffer in dem gewohnt bildreichen Ton durch die Handlung, lässt uns Teil von Nyxias innerem ringen, den bedrohlichen Gesprächen mit der Hexe und der überkochenden Verrücktheit werden. Gerade Letzteres gibt der Handlung Skurrilität und Crazy-Vibes, während Misstrauen durch die Seiten fließt. Denn die Wahl des Königs hält Überraschungen und Angriffe bereit. Nur Elion bildet eine Konstante, die Nyxia hoffen lässt, die sie unerwartet erdet. Trotz der Sticheleien der zischenden Stimme in ihrem Kopf, fasst die baldige Königin vertrauen …

Pfeiffers Protagonistin wankt – zwischen dem, was sie nicht kontrollieren kann, dem, was sich ihrer bemächtigt, einer grausamen Seite, die Leben nimmt, und dem, was sie so dringend will: Freiheit. Elion hingegen scheint voller Zuversicht, akzeptiert Nyxias Dunkelheit ebenso wie sie seinen vermeintlichen Makel. Dass beide noch weitere Geheimnisse voreinander verbergen, könnte ihren Plan zum Scheitern verurteilen und beide alles, gar ihre Leben, kosten … Obgleich ich keine wirkliche Wunderlandnote vernommen habe, das Worldbuilding recht flach war und es mir an Tiefe und Zeit in der Entwicklung der romantischen Komponente fehlte, fand ich „Der Fluch der Herzkönigin“ unterhaltsam, kurzweilig und schön zu lesen. Schade ist, dass wir die Ereignisse nur aus einer Perspektive verfolgen und die Nebenfiguren Schatten bleiben, während ich es positiv bewerte, dass Pfeiffer auf überzogenes Drama und Spice verzichtete. Spannende Sequenzen und Intrigen, schockierende, alles aus den Fugen bringende Wendungen und rollende Köpfe sowie die Schübe aus Wahnsinn und der aus diesen resultierenden Unberechenbarkeit Nyxias entfalten eine Sogwirkung, der es sich kaum entziehen lässt. Das Ende war gefühlvoll und stimmig. Ich werde die Geschichte von der Herzkönigin und dem Wunderbiest auf jeden Fall weiterverfolgen.

„Die Rache der Herzkönigin“ erscheint im Februar als dritter Teil der Reihe um die „Legenden aus dem Wunderland“. Zuvor wartet ein neues Paar darauf, bei ihrer Reise begleitet zu werden.

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