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Veröffentlicht am 01.03.2026

Wenn Alltagsdinge plötzlich ihre Geheimnisse verraten

Geniales Innenleben
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Technik zum Aufklappen und plötzlich fühlt man sich wie ein kleiner Erfinder im Geheimlabor. Genau dieses Gefühl hat uns Geniales Innenleben von Peter Hinckley aus dem Knesebeck Verlag beschert, ein Sachbuch, ...

Technik zum Aufklappen und plötzlich fühlt man sich wie ein kleiner Erfinder im Geheimlabor. Genau dieses Gefühl hat uns Geniales Innenleben von Peter Hinckley aus dem Knesebeck Verlag beschert, ein Sachbuch, das nicht einfach erklärt, sondern aufschraubt.

Schon nach den ersten Seiten lagen wir bäuchlings auf dem Teppich, das Buch zwischen uns wie ein geheimer Bauplan. „Onkel, guck mal, da sind ja Zahnräder im Toaster!“ und zack, war das Frühstück Nebensache. Diese Querschnittsillustrationen von Olga Zakharova sind so detailliert, dass man fast das Brummen der Mikrowelle hört. Während ich noch versuche, halbwegs schlau zu nicken, erklärt er mir mit ernster Miene, warum der Kühlschrank eigentlich Wärme nach draußen schiebt. Buddyread-Moment deluxe.

Besonders gefeiert haben wir den Zauberwürfel. Seite aufgeschlagen, Köpfe zusammengesteckt. „Das ist ja wie ein Geheimkern!“ und plötzlich reden wir über Mechanik, Reibung und warum Technik eigentlich Magie mit Plan ist. Genau da spielt das Buch seine Stärke aus: Es nimmt Alltagsdinge, die man sonst achtlos benutzt, und zeigt, wie viel Tüftelei darin steckt. Kein trockenes Schulbuch-Gefühl, sondern Staunen mit Aha-Effekt.

Klar, manche Texte sind etwas kompakter, da musste ich ab und zu bremsen und wir haben Abschnitte gemeinsam entwirrt. Aber genau das machte unseren Buddyread so gut. Fragen, Lachen, nochmal zurückblättern. Und zwischendurch dieses ehrliche „Krass, das wusste ich nicht!“

Unterm Strich ein Sachbuch, das neugierig macht, ohne belehrend zu sein. Es weckt diesen inneren Forscherdrang – bei ihm sowieso, bei mir überraschenderweise auch wieder. Und ganz ehrlich: Seitdem sehe ich unseren Toaster mit ganz anderen Augen.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Wenn das Meer nach Freiheit schmeckt

KUNTH Bonjour Bretagne
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Wind im Gesicht, Salz auf den Lippen und dieses leise Ziehen im Herzen, wenn man merkt: Hier will ich bleiben. Bonjour Bretagne aus dem Kunth Verlag ist kein Bildband, den man mal eben durchblättert – ...

Wind im Gesicht, Salz auf den Lippen und dieses leise Ziehen im Herzen, wenn man merkt: Hier will ich bleiben. Bonjour Bretagne aus dem Kunth Verlag ist kein Bildband, den man mal eben durchblättert – das ist einer, bei dem man hängenbleibt. Und zwar mit voller Absicht.

Zwischen sturmgepeitschten Klippen, verwunschenen Inseln und kleinen Buchläden, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, zeigt Christa Pöppelmann eine Bretagne, die nicht geschniegelt für Touristen posiert, sondern einfach sie selbst ist. Rau, herzlich, echt. Während ich durch die Seiten blättere, denke ich: Genau so muss sich Freiheit anfühlen.

Die Fotos? Wuchtig, atmosphärisch, manchmal fast melancholisch. Man hört förmlich die Möwen kreischen und riecht die Crêpes vom Marktstand. Und dann diese kleinen Tipps... Cafés, Läden, Lieblingsorte. Keine 08/15-Reiseführer-Listen, sondern Empfehlungen mit Seele. Da steckt jemand dahinter, der wirklich da war. Und nicht nur für ein Wochenende.

Besonders gefeiert habe ich die Mischung aus Fernweh und Bodenständigkeit. Ein Rezept hier, ein stiller Küstenmoment dort, dazwischen dieses bretonische Savoir-vivre, das leise sagt: Entspann dich. Du bist genau richtig.

Klar, wer knallharte Reiserouten und To-do-Listen sucht, wird hier nicht fündig. Aber wer Atmosphäre will, Herz und echte Bilder der bekommt hier richtig was geboten. Für mich ist das mehr als ein Coffee-Table-Book. Das ist eine Einladung, den Horizont neu zu denken.

4,5 Sterne, weil Perfektion langweilig wäre. Und die Bretagne ist alles nur nicht langweilig.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Wenn Planeten plötzlich im Kinderzimmer schweben

Science & Kids – Unser Sonnensystem
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Zwischen funkelnden Sternen, staunenden Kinderaugen und raschelnden Bastelbögen entstand bei uns zu Hause ein ganz besonderes kleines Universum. Science & Kids – Unser Sonnensystem von Lauren Fairgrieve, ...

Zwischen funkelnden Sternen, staunenden Kinderaugen und raschelnden Bastelbögen entstand bei uns zu Hause ein ganz besonderes kleines Universum. Science & Kids – Unser Sonnensystem von Lauren Fairgrieve, übersetzt von Marcus Schenk und illustriert von Anja Sušanj, erschienen im arsEdition Verlag, hat uns nicht nur Wissen vermittelt, sondern echte Begeisterung entfacht.

Gemeinsam mit meiner Nichte habe ich Seite für Seite die Planeten erkundet, ihre Eigenheiten bestaunt und mich selbst dabei ertappt, wie sehr mich Saturns Ringe und die gewaltigen Stürme auf Jupiter noch immer faszinieren. Die Texte sind klar, verständlich und dennoch gehaltvoll, sodass auch ich Neues mitgenommen habe. Die Illustrationen wirken freundlich und lebendig, ohne überladen zu sein – genau richtig für neugierige Kinder ab zehn Jahren.

Das absolute Highlight war jedoch das Bastelprojekt am Ende. Mit erstaunlich stabilen, vorgestanzten Bögen entstand Stück für Stück unser eigenes 3D-Sonnensystem. Kein Kleber, kein Frust – nur konzentriertes Werkeln, Lachen und dieses stolze Strahlen, als das Mobile schließlich über dem Schreibtisch meiner Nichte schwebte.

Wissen und Kreativität greifen hier wunderbar ineinander. Insgesamt ist dieses Buch ein liebevoll gestaltetes Gesamtpaket, das Lernen zu einem echten Erlebnis macht.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Wenn drei Zeilen mehr sagen als 300 Seiten

Das Buch der klassischen Haiku. Japanische Dreizeiler
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Zwischen Kirschblüte und Frostknistern liegt manchmal nur ein Atemzug – und genau den fängt dieses Buch ein. Fast 1000 Haiku, sortiert nach Jahreszeiten, und plötzlich sitzt man nicht mehr auf dem Sofa, ...

Zwischen Kirschblüte und Frostknistern liegt manchmal nur ein Atemzug – und genau den fängt dieses Buch ein. Fast 1000 Haiku, sortiert nach Jahreszeiten, und plötzlich sitzt man nicht mehr auf dem Sofa, sondern mitten im Frühling, hört Sommerzirpen oder spürt diese stille, klare Winterluft, die alles ein bisschen ehrlicher macht.

Was für eine Wucht in drei Zeilen passt, ist ehrlich gesagt fast unverschämt. Bashō, Buson, Issa – diese alten Meister hauen dir mit wenigen Silben mehr Gefühl um die Ohren als so mancher 400-Seiten-Roman. Und während ich lese, merke ich, wie laut mein Kopf sonst ist. Hier wird er leise. Sehr leise.

Jan Ulenbrook hat da kein trockenes Literaturdenkmal gebaut, sondern eine Sammlung, die lebt. Seine Übersetzungen wirken klar, ungekünstelt, manchmal fast überraschend modern. Kein Staub, kein akademisches Geklapper – nur Momentaufnahmen, die sitzen. Und plötzlich ertappe ich mich dabei, wie ich beim Spaziergang eine Pfütze anstarre und denke: Das ist jetzt mein Haiku-Moment.

Natürlich ist so eine Anthologie nichts für schnelle Konsumenten. Man liest nicht 200 Stück am Stück, sonst rauscht alles vorbei. Dieses Buch will genossen werden wie ein guter Schluck Sake – langsam, bewusst, mit einem leichten Lächeln. Manchmal auch mit einem Stich im Herzen.

Unterm Strich ist Das Buch der klassischen Haiku aus dem Reclam Verlag ein Schatz für alle, die Sprache lieben und Stille aushalten. Kein lautes Spektakel, sondern feine Kunst in Reinform. Und ja, ein bisschen fühlt man sich danach wirklich wie dieses drei Fuß große Kind, von dem Bashō sprach.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Showdown im Netz der Götter

Otherland. Band 4
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Ein Finale, das nicht leise geht, sondern mit einem digitalen Donnerschlag alles niederreißt, was sich ihm in den Weg stellt. Otherland Band 4 ist kein gemütlicher Abschluss, sondern ein Showdown mit brennenden ...

Ein Finale, das nicht leise geht, sondern mit einem digitalen Donnerschlag alles niederreißt, was sich ihm in den Weg stellt. Otherland Band 4 ist kein gemütlicher Abschluss, sondern ein Showdown mit brennenden Sicherungen – und genau so muss das sein.

Tad Williams dreht hier noch einmal komplett auf. Die Gralsbruderschaft zieht die Schrauben an, Dread läuft Amok wie ein schlecht programmierter Albtraum mit Gottkomplex, und irgendwo dazwischen kämpfen Figuren, die mir über vier Bände hinweg verdammt ans Herz gewachsen sind. Dieses Gefühl, wenn man merkt: Gleich ist es vorbei. Gleich verlässt man diese Welt. Und man will eigentlich noch nicht.

Was Williams kann, ist Atmosphäre. Dieses Netz aus virtuellen Realitäten fühlt sich an wie ein fiebriger Traum zwischen Cyberpunk, Mythologie und bitterer Gesellschaftskritik. Man spürt die Bedrohung, die Verzweiflung, aber auch diese trotzige Hoffnung. Und ja, manchmal ist es komplex, manchmal verliert man fast den Überblick – aber genau das passt zu einer Welt, die selbst kurz vor dem Kollaps steht.

Dread als Gegenspieler? Pures Chaos. Unberechenbar, irre, erschreckend plausibel. Der Gedanke, dass die reale Welt vielleicht einfach abgeschaltet wird, jagt einem beim Lesen einen kalten Schauer über den Rücken.

Nicht jede Szene trifft mit maximaler Wucht, ein paar Passagen ziehen sich minimal – deshalb keine glatten fünf Sterne. Aber das hier ist großes Science-Fiction-Kino. Episch, klug, emotional. Und als ich die letzte Seite zugeschlagen habe, war da dieses leise Gefühl von Abschiedsschmerz.

Otherland endet nicht einfach. Es brennt sich ein.

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