Schönheit ist Macht
The Belles 1: Schönheit regiertDie Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt und nur die Belles sind in der Lage, den Menschen Schönheit zu verleihen. Camelia ist eine von ihnen und fest entschlossen, am Königshof zur Favoritin ...
Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt und nur die Belles sind in der Lage, den Menschen Schönheit zu verleihen. Camelia ist eine von ihnen und fest entschlossen, am Königshof zur Favoritin zu werden. Doch hinter den schillernden Palastmauern verbergen sich dunkle Geheimnisse. Als Camelia erkennt, wie mächtig und gefährlich ihre Gabe wirklich ist, steht sie vor einer Entscheidung: Bewahrt sie die Tradition der Belles oder riskiert sie ihr eigenes Leben, um ihre Welt für immer zu verändern?
The Belles entführt in eine außergewöhnliche Welt, in der Schönheit nicht selbstverständlich ist, sondern von wenigen Auserwählten erschaffen wird und zugleich das mächtigste Machtinstrument darstellt. Der Schauplatz Orléans ist bewusst überzeichnet, dekadent und künstlich inszeniert. Besonders die düstere Atmosphäre am Königshof sowie die Grausamkeiten hinter der glitzernden Fassade zählen zu den stärksten Momenten der Geschichte.
Camelia ist ehrgeizig, stolz und stark auf Anerkennung fixiert. Diese Eigenschaften machen sie nicht unbedingt sympathisch, aber durchaus zu einer interessanten Protagonistin. Ihre Entwicklung von der perfekten Belle hin zu jemandem, der das bestehende System hinterfragt, ist grundsätzlich gelungen, wirkt jedoch stellenweise inkonsequent, vor allem aufgrund des unausgewogenen Erzähltempos.
Der Einstieg zieht sich unnötig in die Länge, verliert sich in Wiederholungen und ausführlichen Erklärungen. Im weiteren Verlauf überschlagen sich teilweise die Ereignisse und Wendungen und emotionale Entscheidungen folgen Schlag auf Schlag, ohne ausreichend vorbereitet zu sein. Einige Nebenfiguren und politische Aspekte der Welt hätten mehr Tiefe verdient, ebenso die magischen Regeln der Belles, die nicht immer klar nachvollziehbar sind und bei Bedarf scheinbar flexibel ausgelegt werden. Dadurch bleibt ein Teil des Potenzials ungenutzt und das Machtgefüge wirkt weniger bedrohlich.
Themen wie Schönheitswahn, Objektifizierung und Machtmissbrauch sind deutlich erkennbar und als Gesellschaftssatire grundsätzlich spannend angelegt. Allerdings werden sie häufig sehr plakativ vermittelt, anstatt subtil ausgearbeitet zu werden.
Insgesamt ist The Belles ein atmosphärischer Fantasyroman mit einer starken Grundidee, der sein Potenzial aufgrund unausgereiftem Worldbuilding, teilweise schwacher Figurenzeichnung und eines ungleichmäßigen Tempos jedoch nicht vollständig ausschöpft. Für LeserInnen, die extravagante Settings und düstere YA-Fantasy mit gesellschaftskritischen Ansätzen mögen, aber durchaus einen Blick wert.