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Veröffentlicht am 02.03.2026

Schönheit ist Macht

The Belles 1: Schönheit regiert
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Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt und nur die Belles sind in der Lage, den Menschen Schönheit zu verleihen. Camelia ist eine von ihnen und fest entschlossen, am Königshof zur Favoritin ...

Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt und nur die Belles sind in der Lage, den Menschen Schönheit zu verleihen. Camelia ist eine von ihnen und fest entschlossen, am Königshof zur Favoritin zu werden. Doch hinter den schillernden Palastmauern verbergen sich dunkle Geheimnisse. Als Camelia erkennt, wie mächtig und gefährlich ihre Gabe wirklich ist, steht sie vor einer Entscheidung: Bewahrt sie die Tradition der Belles oder riskiert sie ihr eigenes Leben, um ihre Welt für immer zu verändern?
The Belles entführt in eine außergewöhnliche Welt, in der Schönheit nicht selbstverständlich ist, sondern von wenigen Auserwählten erschaffen wird und zugleich das mächtigste Machtinstrument darstellt. Der Schauplatz Orléans ist bewusst überzeichnet, dekadent und künstlich inszeniert. Besonders die düstere Atmosphäre am Königshof sowie die Grausamkeiten hinter der glitzernden Fassade zählen zu den stärksten Momenten der Geschichte.
Camelia ist ehrgeizig, stolz und stark auf Anerkennung fixiert. Diese Eigenschaften machen sie nicht unbedingt sympathisch, aber durchaus zu einer interessanten Protagonistin. Ihre Entwicklung von der perfekten Belle hin zu jemandem, der das bestehende System hinterfragt, ist grundsätzlich gelungen, wirkt jedoch stellenweise inkonsequent, vor allem aufgrund des unausgewogenen Erzähltempos.
Der Einstieg zieht sich unnötig in die Länge, verliert sich in Wiederholungen und ausführlichen Erklärungen. Im weiteren Verlauf überschlagen sich teilweise die Ereignisse und Wendungen und emotionale Entscheidungen folgen Schlag auf Schlag, ohne ausreichend vorbereitet zu sein. Einige Nebenfiguren und politische Aspekte der Welt hätten mehr Tiefe verdient, ebenso die magischen Regeln der Belles, die nicht immer klar nachvollziehbar sind und bei Bedarf scheinbar flexibel ausgelegt werden. Dadurch bleibt ein Teil des Potenzials ungenutzt und das Machtgefüge wirkt weniger bedrohlich.
Themen wie Schönheitswahn, Objektifizierung und Machtmissbrauch sind deutlich erkennbar und als Gesellschaftssatire grundsätzlich spannend angelegt. Allerdings werden sie häufig sehr plakativ vermittelt, anstatt subtil ausgearbeitet zu werden.
Insgesamt ist The Belles ein atmosphärischer Fantasyroman mit einer starken Grundidee, der sein Potenzial aufgrund unausgereiftem Worldbuilding, teilweise schwacher Figurenzeichnung und eines ungleichmäßigen Tempos jedoch nicht vollständig ausschöpft. Für LeserInnen, die extravagante Settings und düstere YA-Fantasy mit gesellschaftskritischen Ansätzen mögen, aber durchaus einen Blick wert.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Stimmungsvolle queere Fantasy

A Midsummer's Nightmare
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Auf der schottischen Insel Hilma steht den Studierenden der altehrwürdigen Elite-Universität ein außergewöhnlicher Sommer bevor: Wie jedes Jahr proben sie die Aufführung eines Stücks von Shakespeare. Doch ...

Auf der schottischen Insel Hilma steht den Studierenden der altehrwürdigen Elite-Universität ein außergewöhnlicher Sommer bevor: Wie jedes Jahr proben sie die Aufführung eines Stücks von Shakespeare. Doch dieses Mal entdecken vier Mitglieder der Theatergruppe ihre übernatürlichen Fähigkeiten – und den rachsüchtigen Geist eines Mädchens, der im Gemäuer der Universität gefangen ist.

„A Midsummer’s Nightmare” von Noah Stoffers ist ein Dark-Academia-Roman, gelesen von Magnus Rook. Die Geschichte spielt an einem alten Elite-College auf einer schottischen Insel. Die Kombination aus akademischem Setting, schottischer Inselkulisse, Theatervibes und Übernatürlichem schafft eine dichte, mystische Stimmung, die gerade im Hörbuch gut zur Geltung kommt. Magnus Rook verleiht den Figuren viel Leben und Dynamik. Allerdings zieht sich das Hörbuch über weite Strecken und wirkt insgesamt eher langweilig. Die Handlung ist recht verzweigt und besonders im ersten Drittel geht es vorrangig um Identität, Leistungsdruck und Collegealltag, sodass es dauert, bis die Spannung richtig greift. Auch die angekündigte Verbindung zu Shakespeare, die viel Atmosphäre und Tiefe hätte bringen können, spielt letztlich nur eine untergeordnete Rolle.

Die Queerness bereichert die Handlung, doch die Hauptfigur bleibt unsympathisch und schwer zugänglich, sodass es schwerfällt, emotional mitzufiebern und Entscheidungen nachzuvollziehen.

Trotz der ansprechenden Atmosphäre, einiger interessanter Ansätze und der gelungenen Sprecherleistung vermag das Hörbuch nicht sonderlich zu fesseln und ist vor allem für Leserinnen und Leser empfehlenswert, die die Kombination aus Urban Fantasy mit Mystery-Elementen und Dark-Academia-Stimmung mögen.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Eine rachsüchtige Diebin & ein stummer Prinz

Kingdom of crystal Hearts
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Auf dem Kontinent Brillant lebt der Adel dank der Edelsteinmagie in Wohlstand. Elodie hat hingegen ihre ganze Familie in den Minen verloren und schlägt sich als Diebin durch. Als auf einem Turnier des ...

Auf dem Kontinent Brillant lebt der Adel dank der Edelsteinmagie in Wohlstand. Elodie hat hingegen ihre ganze Familie in den Minen verloren und schlägt sich als Diebin durch. Als auf einem Turnier des Königshofes ungeahnte Magie in ihr erwacht, zwingt die grausame Königin sie, ihre neuen Kräfte als die des magielosen Prinzen Rafe auszugeben.

„Kingdom of Crystal Hearts” entführt die LeserInnen in eine fantasievolle Welt, in der magische Edelsteine Macht, Reichtum und gesellschaftlichen Status verleihen. Die Zweiklassengesellschaft, der Unmut des einfachen Volkes, das in den Minen schuften muss, sowie eine rebellische Diebin, eine grausame Königin und ein stummer Prinz bieten viel erzählerisches Potenzial. Leider bleibt die Geschichte insgesamt hinter den Erwartungen zurück, da einige Aspekte zu oberflächlich erzählt werden. Die politischen Strukturen, die gesellschaftlichen Gegensätze und die Konflikte sind zu grob gezeichnet, um eine nachhaltige Wirkung zu entfalten, sodass einen die Geschehnisse nicht sonderlich mitreißen. Auch die emotionale Entwicklung zwischen Elodie und Rafe wirkt blass und wenig greifbar; echte Nähe oder spürbare Spannung entsteht kaum.

Das Magiesystem ist faszinierend, doch obwohl Edelsteine für die Handlung und das Machtgefüge zentral sind, bleiben die Regeln, Grenzen und Konsequenzen unklar. Magie scheint oft genau dann zu funktionieren, wenn es die Handlung erfordert, ohne dass eine nachvollziehbare Logik erkennbar ist.

Abgesehen von einigen verschachtelten Sätzen ist Sina Brings Schreibstil anschaulich und gut lesbar. Das Erzähltempo ist hingegen etwas schwankend: Nach einem spannenden Beginn verlangsamen längere Passagen mit inneren Monologen und Reflexionen den Fortgang der Handlung und das Ende wirkt sehr überhastet.

Insgesamt ist „Kingdom of Crystal Hearts” ein Fantasy-Abenteuer voller Intrigen und Konflikte mit einem interessanten Magiesystem, einer düsteren Atmosphäre und einer sich langsam entwickelnden Liebesgeschichte. Allerdings mangelt es der Geschichte an Tiefe und erzählerischer Ausarbeitung, wodurch die Spannung oftmals auf der Strecke bleibt.

Wer gerne Fantasy ohne große Komplexität liest, könnte von der Geschichte aufgrund der interessanten Ideen und der leicht düsteren Romantik zwischen Misstrauen und langsamer Zuneigung dennoch gut unterhalten werden.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Düstere Fantasy mit Schönheitsfehlern

To Kill A Shadow (Die verfluchten Lande, Band 1)
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Seit die Sonnengöttin und mit ihr die Sonne aus dem Königreich Asidia verschwunden sind, umgibt ein tödlicher Nebel das Land. Die 18-jährige Kiara kennt daher nur die Dunkelheit. Als sie von Kommandant ...

Seit die Sonnengöttin und mit ihr die Sonne aus dem Königreich Asidia verschwunden sind, umgibt ein tödlicher Nebel das Land. Die 18-jährige Kiara kennt daher nur die Dunkelheit. Als sie von Kommandant Jude Maddox für eine gefährliche Mission rekrutiert wird, muss sie schon bald im Nebel ums Überleben kämpfen ...

„To kill a shadow” ist eine Geschichte voller Dunkelheit, Geheimnisse und Gefahren, die leider hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ein Königreich in Dunkelheit, ein Kampf gegen Schatten und tödlicher Nebel suggerieren ein spannendes Fantasy-Abenteuer. Katherine Quinn hat jedoch zu viel Zeit darauf verwendet, eine düstere Atmosphäre zu kreieren und dabei Weltenbau und Charakterentwicklung vernachlässigt. Für eine High-Fantasy-Geschichte fehlen definitiv Informationen zur Welt. Schon nach den ersten Seiten fragt man sich, wie Menschen und Natur in völliger Dunkelheit überhaupt überleben, und dieses Gefühl, dass einem grundlegendes Wissen fehlt, begleitet einen durch die gesamte Geschichte. Auch die Charaktere sind zu oberflächlich gezeichnet. Kiara ist kämpferisch und durchsetzungsstark, allerdings wirkt sie zu perfekt, ein paar Ecken und Kanten hätten sie weitaus sympathischer gemacht. Jude erscheint kaltherzig und unnahbar. Seine Verschlossenheit und tragische Vergangenheit hätten ihn zu einer interessanten Figur und einem Sympathieträger machen können. Doch auch hier verschenkt Quinn Möglichkeiten, denn die Figur wirkt in ihren Handlungen nicht authentisch. Dadurch erscheint auch die recht vorhersehbare Liebesbeziehung, die ohnehin zu viel Raum in der Geschichte einnimmt, wenig stimmig.

Alles in allem ist es eine Geschichte mit interessanter Welt und spannender Idee, die jedoch aufgrund einer oberflächlichen Ausgestaltung, wenig Charaktertiefe und einem unausgeglichenen Erzähltempo viel Potenzial verschenkt und trotz aller Geheimnisse, Gefahren und Konflikte nur bedingt zu fesseln vermag.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Düstere Fantasy mit Schwächen

Kingdom of Lies
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Als ihr Land vom Untergang bedroht war, schlossen die Menschen einen Pakt mit den Göttern. Diese beschützen sie vor den Fae, im Gegenzug wird allen Bewohnern nach der Geburt die Magie entzogen. Doch Prisca ...

Als ihr Land vom Untergang bedroht war, schlossen die Menschen einen Pakt mit den Göttern. Diese beschützen sie vor den Fae, im Gegenzug wird allen Bewohnern nach der Geburt die Magie entzogen. Doch Prisca ist immer noch im Besitz der Magie, was sie und ihre Familie in tödliche Gefahr bringt...
Kingdom of Lies beginnt düster und mitreißend mit einer überstürzten und gefährlichen Flucht, doch im weiteren Verlauf der Geschichte stellt sich schnell Ernüchterung ein, denn abgesehen von Priscas Magie ist die Handlung wenig originell. Darüber könnte man hinwegsehen, wenn die Geschichte spannend und glaubwürdig wäre, aber das Erzähltempo ist ziemlich unausgewogen, es gibt einige Handlungssprünge und Logikbrüche und entschieden zu viele Nebenfiguren, die im weiteren Verlauf der Handlung keine besondere Rolle spielen. Prisca ist eine durchaus sympathische Protagonistin. Allerdings wird sie mit zu wenigen Herausforderungen konfrontiert und vieles geht ihr zu leicht von der Hand. Das größte Manko der Geschichte ist jedoch Lorian, dessen Charakter entschieden zu dominant und besitzergreifend ist, wodurch die Liebesgeschichte unglaubwürdig und oft befremdlich wirkt. Auch die Textpassagen aus seiner Sicht tragen nicht dazu bei, ihn sympathischer zu machen, sondern nehmen eher noch mehr Spannung aus der Geschichte, da sie die überraschende Wendung am Ende des ersten Teils erahnen lassen.
Alles in allem ein eher durchwachsenes Leseerlebnis, da die Geschichte zwar alle gängigen Tropen vereint, diese aber oft nicht gut ausgearbeitet sind, so dass man nicht wirklich in die Handlung eintauchen kann. Auch das unausgewogene Erzähltempo und die teilweise unsympathischen Charaktere tragen nicht gerade dazu bei, dass man von der Geschichte gefesselt wird.

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