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Veröffentlicht am 11.05.2021

"Stolz und Vorurteil" 2.0

Die Rebellinnen von Oxford - Verwegen
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Annabelle gehört zu einer der ersten Frauen, denen es erlaubt ist, im Jahr 1879 in Oxford zu studieren. Dies wird ihr durch ein Stipendium der Frauenbewegung ermöglicht. Während ihrer Arbeit für die Suffragistinnen ...

Annabelle gehört zu einer der ersten Frauen, denen es erlaubt ist, im Jahr 1879 in Oxford zu studieren. Dies wird ihr durch ein Stipendium der Frauenbewegung ermöglicht. Während ihrer Arbeit für die Suffragistinnen trifft sie auf Sebastian. Ein distanzierter Herzog, der als Wahlkampfberater der konservativen Tory Partei für alles steht, wogegen Annabelle kämpft. Die beiden Protagonisten sind hin- und hergerissen zwischen den gesellschaftlichen Regeln und der Anziehungskraft zueinander.
„Die Rebellinnen von Oxford – Verwegen“ ist am 30.04.2021 im LYX Verlag erschienen. Hierbei handelt es sich um das Debüt der Autorin Evie Dunmore und den Auftakt der „Die Rebellinnen von Oxford“ Trilogie.
Das Buch beginnt mit mehreren Zeitsprüngen und jeweils kurzen Einblicken in das Geschehen: Annabelles bisheriges Leben, der Beginn ihres Studiums, die erste Versammlung der Suffragistinnen, das Zusammentreffen von Annabelle und Sebastian. Der Schreibstil der Autorin ermöglicht einen leichten Einstieg. Besonders die Verwendung von „altertümlichen“ Worten und Redewendungen hat dazu beigetragen, dass man sofort im 19. Jahrhundert angekommen ist.
Besonders als Frau kann man sich mit der Protagonistin meiner Meinung nach sehr gut identifizieren. Wir können von Glück sprechen, dass es Frauen wie Annabelle und ihre Freundinnen gab, die sich für die Rechte der Frauen eingesetzt haben. Ohne sie wären wir heute nicht da wo wir jetzt stehen. Sebastian wirkt zu Anfang kühl, distanziert und sagen wir mal „sich seiner Stellung in der Gesellschaft bewusst“. Er mag zunächst unnahbar wirken, doch lässt sich schon erahnen, dass man bald einen Blick hinter seine harte Fassade werfen darf.
Neben der Beziehung zwischen Annabelle und Sebastian folgt man auch gerne der Nebengeschichte: ihre Freundinnen Hattie, Catriona und Lucie in der Frauenbewegung, die Beziehung zwischen Sebastian und seinem Bruder, Annabelles Professor, die Arbeit für die Frauenbewegung, der Einfluss der Queen, der Wahlkampf. Mir fehlte lediglich ein tieferer Einblick in Annabelles Studium. Evie Dunmore wechselt immer wieder die Erzählperspektive zwischen den Protagonisten. Der Leser kann so die jeweiligen Handlungen, Gefühle und Gedanken unglaublich gut nachvollziehen.
Jeder hat wahrscheinlich die Vermutung bzw. Hoffnung, wie das Buch am Ende ausgeht. Dennoch fiebert man mit, grübelt, wie man sich verhalten würde und überlegt, wie sich wohl die Protagonisten entscheiden werden. Bis zu den letzten Seiten bleibt offen, ob es letztendlich ein Happy End gibt.
Für mich hat „Die Rebellinnen von Oxford – Verwegen“ ein bisschen was von „Stolz und Vorurteil“. Die Anziehung, die zwischen Annabelle und Sebastian herrscht, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sowohl der Schreibstil, die Hauptprotagonisten als auch die Nebendarsteller sind von Evie Dunmore sehr gut gewählt. Lediglich Annabelles Studium ist mir deutlich zu kurz gekommen. Dennoch freue ich mich auf die nächsten Bände, in denen dann jeweils eine von Annabelles Freundinnen die Hauptrolle spielen wird. Ich kann das Buch jedem empfehlen, den historische Liebesromane begeistern!

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Ein Krimi mit (zu) langem Anlauf

Tief im Schatten
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Viveca Sten beweist auch im zweiten Band ihrer neuen Reihe, dass sie die Atmosphäre der schwedischen Bergwelt meisterhaft einfangen kann.

Das eiskalte Åre ist der perfekte Schauplatz. Die Kälte ist fast ...

Viveca Sten beweist auch im zweiten Band ihrer neuen Reihe, dass sie die Atmosphäre der schwedischen Bergwelt meisterhaft einfangen kann.

Das eiskalte Åre ist der perfekte Schauplatz. Die Kälte ist fast körperlich spürbar und verstärkt das Gefühl der Bedrohung. Wer skandinavische Krimis wegen ihres Settings liebt, kommt hier voll auf seine Kosten.

Dieser Band ist deutlich düsterer als der Auftakt. Das Thema religiöser Fanatismus und die psychologischen Abhängigkeiten innerhalb einer geschlossenen Gemeinschaft sind beklemmend, aber sehr spannend aufgearbeitet. Es gibt dem Krimi eine Tiefe, die über eine reine Mördersuche hinausgeht.

Es ist schön zu sehen, wie Hanna und Daniel als Team zusammenwachsen. Beide haben ihr Päckchen zu tragen – Daniel mit dem Stress als frischgebackener Vater und Hanna mit ihrer beruflichen Unsicherheit. Diese privaten Einblicke machen die Protagonisten sehr menschlich und greifbar.

Die Geschichte wird in mehreren Erzählsträngen aufgebaut, die am Ende geschickt zusammenlaufen. Das Pacing ist typisch skandinavisch: eher ruhig startend, aber mit einem stetig steigenden Sog. Ich muss ehrlich sagen: Der Einstieg war für mich etwas zu langsam. Über weite Strecken plätscherte die Handlung vor sich hin, und das dringende Bedürfnis, die Nacht durchzulesen, wollte sich einfach nicht einstellen.

Dennoch ein guter zweiter Band! Viveca Sten verwebt aktuelle gesellschaftliche Themen mit klassischer Ermittlungsarbeit vor einer grandiosen Kulisse.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Zäh und ereignisarm

The Fallen and the Kiss of Dusk (Crowns of Nyaxia 4)
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Nachdem Band 3 für mich bereits hinter der Brillanz der ersten beiden Bände zurückgeblieben war, hatte ich gehofft, dass die Geschichte um Mische und Asar in diesem Teil endlich an Fahrt aufnimmt. Leider ...

Nachdem Band 3 für mich bereits hinter der Brillanz der ersten beiden Bände zurückgeblieben war, hatte ich gehofft, dass die Geschichte um Mische und Asar in diesem Teil endlich an Fahrt aufnimmt. Leider muss ich sagen, dass meine Kritikpunkte bestehen bleiben und sich teilweise sogar verstärkt haben.

Mein größtes Problem bei diesem Band war das Tempo. Die Handlung schreitet nur sehr langsam voran, und über weite Strecken passiert eigentlich erschreckend wenig. Es fühlt sich oft so an, als würde die Geschichte auf der Stelle treten, anstatt die Spannung konsequent aufzubauen. Für ein Buch dieses Umfangs hätte ich mir deutlich mehr Fortschritt im Plot und weniger ausschweifende Passagen gewünscht, die die eigentliche Erzählung nicht wirklich voranbringen.

Wie schon im Vorgängerband wird man auch hier wieder mit einer schieren Masse an verschiedenen Wesen, Göttern und komplexer Lore konfrontiert. Was in den ersten zwei Bänden der Reihe durch Atmosphäre und eine klare Linie bestach, wirkt hier oft überfrachtet. Die vielen neuen Elemente fühlen sich nicht organisch an, sondern machen es eher schwer, der eigentlichen Geschichte zu folgen und eine echte Verbindung zur Welt aufzubauen.

Die Messlatte, die durch Oraya und Raihn so hoch gelegt wurde, wird auch hier nicht erreicht. Der Bezug zu den Anfängen der Reihe ist kaum noch spürbar. Während Asar als Charakter durchaus seine sympathischen und interessanten Seiten hat, kann er für mich die strukturellen Schwächen der Erzählung – insbesondere die geringe Handlungsdichte – nicht allein auffangen.

The Fallen and the Kiss of Dusk ist leider eine eher zähe Fortsetzung. Die langsame Entwicklung und das überladene Worldbuilding verhindern, dass der Funke wirklich überspringt. Wer die Reihe wegen der packenden Dynamik der ersten Bände liebt, wird hier Geduld brauchen. Das Ende von Band 4 ist so gestaltet, dass es auf einen weiteren Band hindeutet. Doch nach diesen zwei eher schwachen Büchern (Band 3 und 4) bin ich mir aktuell sehr unschlüssig, ob ich die Reihe überhaupt noch weiterverfolgen werde. Der Funke will einfach nicht mehr so recht überspringen, und die langsame Entwicklung raubt mir die Vorfreude auf ein mögliches Finale.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Okay

Hilf den Tierkindern
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Mit "Hilf den Tierkindern" ist ein weiteres Buch in der bekannten Reihe "Schüttel den Apfelbaum" von Nico Sternbaum erschienen, womit es es jetzt auch ein Mitmachbuch für die Kleinsten ab 18 Monaten gibt.
Die ...

Mit "Hilf den Tierkindern" ist ein weiteres Buch in der bekannten Reihe "Schüttel den Apfelbaum" von Nico Sternbaum erschienen, womit es es jetzt auch ein Mitmachbuch für die Kleinsten ab 18 Monaten gibt.
Die Gestaltung ist wie gewohnt einfach, aber schön und dem Alter der Zielgruppe entsprechend. Die Kinder sollen durch zeigen, schütteln, Laute machen oder streicheln den Tierkindern helfen - kein neues Konzept, aber es kommt gut an!
Mir gefällt nicht so gut, dass es keine zusammenhängende Geschichte ist. Auf jeder Seite muss man einem anderen Tier helfen und auf der nächsten Seite gibt es dann die entsprechende Auflösung dazu.
Teilweise finde ich die Texte auf den Seiten etwas lang. Dafür hat das Buch allerdings relativ wenige Seiten und die Kinder haben es sehr schnell durchgeschaut. Das ist mit 1,5 Jahren vermutlich noch nicht so schlimm, jedoch kann ich mir vorstellen, dass etwas ältere Kinder schnell das Interesse verlieren. Ich finde es immer schade, wenn die Bücher nur für eine kurze Zeit-/Altersspanne sind.

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Veröffentlicht am 23.11.2023

Lügen um jeden Preis

Die kleinen Lügen der Ivy Lin
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Ivy Lin wird als kleines Mädchen von ihren Eltern, die nach Amerika auswandern, bei ihrer Groß-mutter in China zurückgelassen. Erst ein paar Jahre später holen sie Ivy und schließlich auch die Großmutter ...

Ivy Lin wird als kleines Mädchen von ihren Eltern, die nach Amerika auswandern, bei ihrer Groß-mutter in China zurückgelassen. Erst ein paar Jahre später holen sie Ivy und schließlich auch die Großmutter nach Amerika. Ivy hat eine sehr strenge Erziehung durch ihre Mutter und Großmutter erhalten. Diese richtete sich danach aus, eine gute Bildung und Reichtum zu erhalten. Belohnun-gen gab es erst nach Bestrafungen. Vor allem die Großmutter hat einen großen Einfluss auf ihre Enkelin und motiviert sie schließlich zu ihren ersten kleinen Diebstählen.
Den Schreibstil fand ich zunächst gewöhnungsbedürftig, vor allem in den ersten beiden der ins-gesamt fünf Teile der Geschichte. Ich hatte das Gefühl ich würde auf Distanz gehalten, so wie Ivy ihre Mitmenschen auf Distanz hält.
Wer ein Buch lesen möchte, bei dem er Sympathie mit den Protagonisten empfinden kann, ist hier definitiv an der falschen Adresse. Über die ganze Geschichte hinweg waren mir alle Charak-tere durchweg unsympathisch. Die Immigration der Familie Lin und die Einblicke in chinesisches Denken und Leben war für mich noch der spannendste Part.
Es gab aus meiner Sicht keinen nennenswerten Spannungsbogen und das Ende wurde relativ schnell abgehandelt. Den Plot Twist am Ende habe ich zwar nicht kommen sehen, trotzdem konnte er mich nicht überzeugen.
Wer auf ein Happy End wartet und dass sich die Geschichte nochmal zum Guten wendet, der wartet vergebens. In diesem Buch ist bis zum Ende rein gar nichts schön. Die ganze beschriebe-ne Welt in diesem Roman ist ein negativer Ort mit schlechten Menschen und einer großen Kluft zwischen Arm und Reich.

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