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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2026

Suche nach Ruhe – dicht erzählt

Mai Juni Juli
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In „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr ...

In „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr Restaurant ihren Mitarbeitern und reist nach Lappland. Dort hat sie vor 25 Jahren den letzten Urlaub mit ihren Eltern verbracht. Während ihr Vater arbeitete, war sie mit ihrer Mutter auf einer kleinen Insel in einem See – wenige Monate später war ihre Mutter tot. Nun hofft Linn, diese Insel wiederzufinden.

Zunächst mietet sie sich eine Wohnung in Arjeplog – ein Ort, an dem sie niemand kennt und sie einfach nur eine 38-Jährige ist, die sich Zeit für sich nimmt. Um unerkannt zu bleiben, gibt sie sich als Lehrerin aus Malmö aus und stellt sich unter dem Namen Linda, kurz Li, vor.

Der Roman lebt vor allem von seiner Atmosphäre. Neben der eindrücklich beschriebenen Landschaft Lapplands sind es insbesondere die Menschen, die die Geschichte prägen. Sie begegnen Linn unvoreingenommen und freundlich, nehmen sie selbstverständlich in ihren Kreis auf, interessieren sich für sie, ohne sie zu bedrängen.

Die Geschichte ist vergleichsweise dicht erzählt, und auf den wenigen Seiten geschieht viel. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass einzelne Ereignisse oder Wendungen mehr Raum bekommen.

Die Suche nach der Insel bleibt im Hintergrund und bildet den Rahmen für Linns Aufenthalt.

Zugleich wird deutlich, dass Linn nicht ohne Grund Abstand sucht. Ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Vergangenheit wirkt nach und prägt ihr Verhalten bis in die Gegenwart. Besonders interessant ist, wie sie ausgerechnet in dieser Auszeit mit Situationen konfrontiert wird, die sie eigentlich vermeiden möchte.

Auffällig ist dabei der Kontrast zwischen Thema und Erzählweise: Während Linn nach Ruhe sucht, ist die Geschichte recht dicht erzählt und entwickelt sich stellenweise schneller, als man es erwarten würde.

Mich hat das Buch von der ersten Seite an gefesselt – eigentlich wollte ich nur kurz hineinlesen und habe es dann in einem Zug beendet. Vielleicht ist es gerade dieser Kontrast, der den Reiz ausmacht und dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Insgesamt ein sehr lesenswerter Roman, der gerade durch seine Eigenheiten überzeugt.

Veröffentlicht am 06.04.2026

Nüchtern erzählt, aber mit besonderem Charme

Das Haus mit den sieben Gärten
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In „Das Haus mit den sieben Gärten“ erzählt Elsemarie Maletzke von Fleur, die eine Stelle als Gärtnerin in Frau Sylvests Villa annimmt. Sie weiß um Fleurs Vergangenheit, die auch einen Gefängnisaufenthalt ...

In „Das Haus mit den sieben Gärten“ erzählt Elsemarie Maletzke von Fleur, die eine Stelle als Gärtnerin in Frau Sylvests Villa annimmt. Sie weiß um Fleurs Vergangenheit, die auch einen Gefängnisaufenthalt einschließt, und gibt ihr dennoch eine Chance. In dem Haus begegnet Fleur unter anderem George Fox Evans, einem Schriftsteller, sowie weiteren Personen, die auf unterschiedliche Weise mit der Villa verbunden sind. Während sie sich in ihrem neuen Umfeld einrichtet, wird sie zugleich von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Der Roman lebt von seinen Figuren und der besonderen Atmosphäre rund um das Haus. Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven, die den Figuren nahekommen und Einblick in ihre Gedanken geben. Der Erzählstil bleibt dabei insgesamt eher nüchtern und zurückhaltend. Auffällig ist, dass der Ton vor allem bei Fleur und Fox Evans oft fast emotionslos und lakonisch wirkt. Gerade die Figur der Hausherrin, obwohl sie als zentrale Figur den Rahmen der Handlung bildet, bleibt dabei auffallend distanziert.

Frau Sylvest wirkt großzügig und gutgläubig, beinahe wie eine Mäzenin, die den anderen Raum gibt, sich zu entfalten.

In dieser zurückhaltenden Erzählweise liegt einerseits der Reiz des Buches, sie erschwert aber auch den Zugang. Trotzdem hat mich der Roman insgesamt sehr gut unterhalten. Die ungewöhnlichen Figuren und die besondere Stimmung machen seinen Charme aus, auch wenn er sich nicht sofort erschließt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

Ruhiger, nachdenklicher Roman über Veränderung

Vor uns die Zeit
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In „Vor uns die Zeit“ erzählt R. C. Sherriff von Mister Baldwin, der nach vierzig Jahren im Berufsleben in den Ruhestand geht. Plötzlich fehlt ihm die feste Struktur, und auch seine Frau Edith muss sich ...

In „Vor uns die Zeit“ erzählt R. C. Sherriff von Mister Baldwin, der nach vierzig Jahren im Berufsleben in den Ruhestand geht. Plötzlich fehlt ihm die feste Struktur, und auch seine Frau Edith muss sich mit der neuen Situation arrangieren. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach einem neuen Lebensinhalt und unternehmen einen Ausflug ins Weldental, der neue Perspektiven eröffnet.

Der Roman nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und ihre Gedanken und entfaltet sich in einem ruhigen Tempo. Dabei steht weniger die Handlung als vielmehr die Frage im Mittelpunkt, wie sich ein Leben im Umbruch anfühlt.

Mr und Mrs Baldwin wirken dabei stellenweise etwas einfältig gezeichnet, was vermutlich auch dem historischen Kontext des Romans geschuldet ist. Gerade das verleiht ihnen aber eine gewisse Liebenswürdigkeit und lässt die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr greifbar werden.

Insgesamt ist „Vor uns die Zeit“ ein ruhiger, nachdenklicher Roman über Veränderung, Neubeginn und die Frage, wie man mit neuen Chancen umgeht – leise erzählt und angenehm zu lesen.

Veröffentlicht am 22.03.2026

Eine Geschichte, die sich nach und nach entfaltet

Madame Lazare
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n „Madame Lazare“ erzählt Tadhg Mac Dhonnagáin von Levana, die stolz auf ihre jüdische Herkunft ist und deren Großmutter zeitlebens über ihre Vergangenheit geschwiegen hat. Als diese zunehmend verwirrt ...

n „Madame Lazare“ erzählt Tadhg Mac Dhonnagáin von Levana, die stolz auf ihre jüdische Herkunft ist und deren Großmutter zeitlebens über ihre Vergangenheit geschwiegen hat. Als diese zunehmend verwirrt wirkt und plötzlich in einer fremden Sprache spricht, beginnt Levana, sich näher mit ihrem Leben zu beschäftigen. Ihre Suche führt sie von Paris über Brüssel bis auf eine kleine irländische Insel.

„Madame Lazare“ ist ein ruhig erzählter, aber eindringlicher Roman, der vor allem von seiner dichten und besonderen Atmosphäre lebt.

Besonders prägend sind die Rückblenden, die die Erzählung tragen. Sie verleihen der Geschichte ihre eigentliche Tiefe und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden.

Vor allem die Passagen auf der Insel vor der rauen irischen Küste sind so anschaulich beschrieben, dass sie beim Lesen sofort vor dem inneren Auge entstehen.

Insgesamt hat mich „Madame Lazare“ sehr überzeugt – besonders durch die Erzählweise und die Art, wie sich die Geschichte nach und nach entfaltet.

Veröffentlicht am 14.03.2026

Sehr unterhaltsam

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz ist fachlich über jeden Zweifel erhaben – doch soziale Kompetenz fehlt ihr völlig. Als Vorgesetzte ist sie entsprechend eine Katastrophe – zumindest für ihre Mitarbeiter:innen. Keine guten ...

Marlene Buchholz ist fachlich über jeden Zweifel erhaben – doch soziale Kompetenz fehlt ihr völlig. Als Vorgesetzte ist sie entsprechend eine Katastrophe – zumindest für ihre Mitarbeiter:innen. Keine guten Voraussetzungen, um Vorstandsvorsitzende des Aviola-Konzerns zu werden. Deshalb soll sie ein Coaching besuchen. Da ihr keine andere Wahl bleibt, fährt sie zu einem Schloss in Brandenburg, wo sich die Academy von Alex Grow – einem der besten Coaches Deutschlands – befindet.

Maxim Leo hat mich bereits mit "Wir werden jung sein" begeistert, deshalb war ich sehr gespannt auf "Einatmen. Ausatmen.". Auch hier erzählt er mit viel trockenem Humor und einem guten Blick für menschliche Schwächen. Der Roman liest sich sehr flott und hat mich von der ersten Seite an gepackt – ich habe ihn fast in einem Rutsch durchgelesen.

Marlene ist bewusst etwas überzeichnet dargestellt – und genau das braucht die Geschichte auch. Zwar folgt die Handlung stellenweise einem vertrauten Muster rund um Coaching, Erwartungen und zwischenmenschliche Situationen, in denen Marlene gefordert wird. Trotzdem funktioniert das überraschend gut. Nur manchmal hätte ich mir gewünscht, dass einige Entwicklungen etwas mehr Raum bekommen.

Dennoch ist "Einatmen. Ausatmen." ein sehr unterhaltsamer Roman über Selbstoptimierung, Karriere und die Erwartungen, die wir an uns selbst und andere stellen. Ich habe das Buch sehr gern gelesen.