Suche nach Ruhe – dicht erzählt
Mai Juni JuliIn „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr ...
In „Mai Juni Juli“ erzählt Hiltrud Baier von Linn, einer Sterneköchin mit eigener erfolgreicher Kochshow im schwedischen Fernsehen. Eines Tages beschließt sie, dass sie eine Pause braucht, überlässt ihr Restaurant ihren Mitarbeitern und reist nach Lappland. Dort hat sie vor 25 Jahren den letzten Urlaub mit ihren Eltern verbracht. Während ihr Vater arbeitete, war sie mit ihrer Mutter auf einer kleinen Insel in einem See – wenige Monate später war ihre Mutter tot. Nun hofft Linn, diese Insel wiederzufinden.
Zunächst mietet sie sich eine Wohnung in Arjeplog – ein Ort, an dem sie niemand kennt und sie einfach nur eine 38-Jährige ist, die sich Zeit für sich nimmt. Um unerkannt zu bleiben, gibt sie sich als Lehrerin aus Malmö aus und stellt sich unter dem Namen Linda, kurz Li, vor.
Der Roman lebt vor allem von seiner Atmosphäre. Neben der eindrücklich beschriebenen Landschaft Lapplands sind es insbesondere die Menschen, die die Geschichte prägen. Sie begegnen Linn unvoreingenommen und freundlich, nehmen sie selbstverständlich in ihren Kreis auf, interessieren sich für sie, ohne sie zu bedrängen.
Die Geschichte ist vergleichsweise dicht erzählt, und auf den wenigen Seiten geschieht viel. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass einzelne Ereignisse oder Wendungen mehr Raum bekommen.
Die Suche nach der Insel bleibt im Hintergrund und bildet den Rahmen für Linns Aufenthalt.
Zugleich wird deutlich, dass Linn nicht ohne Grund Abstand sucht. Ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Vergangenheit wirkt nach und prägt ihr Verhalten bis in die Gegenwart. Besonders interessant ist, wie sie ausgerechnet in dieser Auszeit mit Situationen konfrontiert wird, die sie eigentlich vermeiden möchte.
Auffällig ist dabei der Kontrast zwischen Thema und Erzählweise: Während Linn nach Ruhe sucht, ist die Geschichte recht dicht erzählt und entwickelt sich stellenweise schneller, als man es erwarten würde.
Mich hat das Buch von der ersten Seite an gefesselt – eigentlich wollte ich nur kurz hineinlesen und habe es dann in einem Zug beendet. Vielleicht ist es gerade dieser Kontrast, der den Reiz ausmacht und dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.
Insgesamt ein sehr lesenswerter Roman, der gerade durch seine Eigenheiten überzeugt.