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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2026

verfluchtes Herrenhaus

Die Rache der Freundin
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Der Thriller überzeugt mit seiner Atmosphäre, indem die Abgeschiedenheit, die schlechten Wetterbedingungen, das alte, renovierungsbedürftige Herrenhaus mit Charakter und das Treffen der Freundesgruppe ...

Der Thriller überzeugt mit seiner Atmosphäre, indem die Abgeschiedenheit, die schlechten Wetterbedingungen, das alte, renovierungsbedürftige Herrenhaus mit Charakter und das Treffen der Freundesgruppe nach einigen Jahren erzeugen eine Stimmung, die durchgehend unheilvoll und spannungsgeladen ist. Da nur eine begrenzte Anzahl an Charakteren vorkommen, hat man als Leserin die Möglichkeit, diese im Zuge ihres Kurzurlaubes genauer kennenzulernen. Außerdem erfährt man nach und nach auch Geschichten und Hintergründe aus ihrer gemeinsamen Schulzeit und Kindheit. Am spannendsten finde ich persönlich die Tagebucheinträge von Clara, einer vorherigen Bewohnerin des Herrenhauses und ihre tragische Familiengeschichte. Man hat auch das Gefühl, dass sich gewisse Ereignisse wiederholen. Im aktuellen Geschehen ist Luna die Person, aus deren Perspektive die Schilderungen erzählt werden und die auch mit ihrer Kamera alles bildhaft dokumentiert. Zwischenzeitlich gab es ein paar Längen, indem Wiederholungen vorkamen und zusätzliche Schleifen in der Erzählung gedreht wurden, die nicht unbedingt erforderlich gewesen wären, ansonsten war es durchgehend spannend, mystisch und nervenaufreibend.

Veröffentlicht am 04.04.2026

das beste kommt zum Schluss

Teure Täuschung
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Der zwölfte Teil der Serie ist zugleich auch der Abschluss, was ich einerseits schade finde, aber auch die Beweggründe der Autorin nachvollziehen kann, dass es wieder Zeit für etwas Neues für sie ist. ...

Der zwölfte Teil der Serie ist zugleich auch der Abschluss, was ich einerseits schade finde, aber auch die Beweggründe der Autorin nachvollziehen kann, dass es wieder Zeit für etwas Neues für sie ist. In diesem Teil ist Bastian persönlich involviert, indem seine Ex-Frau Nora einen entscheidenden Part innehat, und somit wird er zum Teil vom Fall abgezogen, sodass Silja und Sven auf sich alleine gestellt sind. Generell ziehen sich die Ermittlungen in diesem Fall oder kommen gar nicht erst richtig in Schwung, habe ich das Gefühl. Stressen lassen sich die Ermittler*innen nicht, es bleibt immer noch Zeit für den alltäglichen Pizzeriabesuch zu Mittag, da merkt man, dass es auf der Insel gemütlicher zu geht und die Wasserleiche läuft ja nicht mehr davon. Ich finde es nicht gut, dass Bastian und Silja eine private und eine berufliche Beziehung haben, das merkt man auch deutlich, wenn sie private Probleme haben, wirkt sich dies auf das gesamte Team aus, ist menschlich, aber auch unprofessionell. Der Journalist Fred Hübner und seine Freundin die Staatsanwältin kommen auch wieder vor, wobei beide milder geworden sind und schon fast sympathisch wirken. Der Nachspann hat mir am besten gefallen, hier gibt die Autorin noch einen Ausblick, wie sich die Charaktere in Zukunft entwickeln werden und wie es in ihren Lebenssituationen weitergehen könnte.

Veröffentlicht am 30.03.2026

größer Denken

Noch fünf Tage
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Der Thriller handelt von den letzten fünf Tagen im Leben von Lis, einer Weltklasseköchin, die für die reiche Familie Haman als Privatköchin in deren Privatresidenz in der Schweiz arbeitet. Ein Silvestermenü, ...

Der Thriller handelt von den letzten fünf Tagen im Leben von Lis, einer Weltklasseköchin, die für die reiche Familie Haman als Privatköchin in deren Privatresidenz in der Schweiz arbeitet. Ein Silvestermenü, das mit einem tödlichen Gift versetzt war, tötet die gesamte Familie sofort und auch Lis ist infiziert und hat nur noch fünf Tage zu leben. Während ihrer „Wartezeit“, in der sie immer schwächer wird, versucht sie einen sinnvollen Abschluss für sich und vor allem für ihre Tochter Cosima zu finden und als Herausforderung hat sie sich zudem gesetzt, den Täter zu entlarven, bevor ihr die Zeit davonrennt. In ihren Monologen und auch in den immer intimer werdenden Gesprächen mit ihrer Krankenpflegerin resümiert Lis ihr bisheriges Leben und geht nochmals alle Schritte ihrer Karriere und vor allem in Bezug mit der Familie Haman durch, analysiert alle Personen und Handlungen und gibt so einen detaillierten und persönlichen Einblick in ihr Leben. Die Taktung in Tage und Unterteilung in Uhrzeiten lässt etwas Stress aufkommen, sodass man als Leser*in das Gefühl vermittelt bekommt, dass die Zeit kostbar und endlich ist. An Lis finde ich erstaunlich, dass sie auch im Krankenhaus an ihren Routinen festhält und wie sie durch Mahlzeiten und strukturierte Abläufe versucht, den Alltag aufrechtzuerhalten und somit das Gefühl der Selbstbestimmung nicht aufgeben möchte, bis zum Schluss. Die Geschichte wird in leisen Tönen erzählt, teilweise sprunghaft von einer Szene zur nächsten, nicht in chronologisch richtiger Reihenfolge und sie kommt mit wenig Action aus, lebt aber von der entstehenden Atmosphäre. Lis versucht alle Menschen in ihrem Umfeld auf Distanz zu halten und will die Beschäftigung mit dem Tod und dem baldigen Zeitpunkt von sich wegschieben, sie vermeidet die Konfrontation so lange wie möglich, dies lässt sie auch etwas emotionslos wirken. Im Gegenzug setzt sie sich sehr für die Aufklärung des Falles ein und sie möchte ihren Mörder selbst entlarven und somit auch ihr familiäres Umfeld schützen. Die Regelung des Sorgerechtes für ihre Tochter verlief mir etwas zu glatt und unkompliziert, hier hätte ich mir mehr Widerstand und emotionalere Verhandlungen gewünscht. Der Schluss hat mir persönlich nicht ganz so gut gefallen, er war etwas wirr, was auch das Fortschreiten der Vergiftung und der körperlichen und geistigen Reaktionen vermitteln sollte, aber dennoch für mich nicht ganz zufriedenstellend.

Veröffentlicht am 27.03.2026

eine tolle Gelegenheit?

The Factory – Es gibt kein Entkommen
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„The Factory“ ist der erste Teil der Action-Dystopie, in dem Actionelemente und eine Coming-of-Age Story verbunden werden. Altersmäßig passt das Buch sehr gut für Jugendliche, da auch Asher, der Hauptcharakter, ...

„The Factory“ ist der erste Teil der Action-Dystopie, in dem Actionelemente und eine Coming-of-Age Story verbunden werden. Altersmäßig passt das Buch sehr gut für Jugendliche, da auch Asher, der Hauptcharakter, 13 Jahre alt ist, empfohlen wird es ab 12 Jahren, passt aber auch für jung gebliebene Erwachsene. Die Grundideen des Experiments in der Factory finde ich spannend ausgewählt, von Klimawandel über totale Überwachung und Machtmissbrauch; bei Asher geht es zusätzlich noch um den hohen Geldbetrag, den seine Familie dringend benötigt. Wie er sich die Teilnahme am Experiment vorgestellt hat und wie es tatsächlich abläuft, sind allerdings zwei unterschiedliche Ansichten. Schon bald lernt er dort neue Freundinnen kennen und auch sein eigener Vater scheint involviert zu sein. Man ist als Leserin sehr schnell mitten im Geschehen und dann entwickelt sich die Geschichte auch schon in raschem Tempo. Der Cliffhanger am Ende des Buches macht neugierig auf den zweiten Teil und lässt noch einige Fragen offen.

Veröffentlicht am 27.03.2026

das Leben schaukeln

Der Sommer, der uns blieb
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„Wahrscheinlich hat die Vergangenheit auch ihren Sinn.“ – Rund um diese Aussage dreht sich der Debütroman, der mich als Leserin mit auf eine Reise von Pia, Martin und Britta zwischen Vergangenheit und ...

„Wahrscheinlich hat die Vergangenheit auch ihren Sinn.“ – Rund um diese Aussage dreht sich der Debütroman, der mich als Leserin mit auf eine Reise von Pia, Martin und Britta zwischen Vergangenheit und Gegenwart genommen hat. Die optische Aufmachung finde ich sehr gelungen, vor allem das Symbol der Schaukel kommt am Cover und auch inhaltlich immer wieder vor. Man erfährt als Leser*in aus der Sichtweise der drei Jugendlichen, die in der Gegenwart 20 Jahre älter sind, immer häppchenweise Informationen, was damals passiert ist und wie es zu einer Entfremdung und dem kompletten Kontaktverlust gekommen ist. Aktuell versuchen sie dies mühevoll wieder zu kitten, und in kleinen Schritten ihre Freundschaft mit dem wackeligen Fundament wieder aufzubauen. Dies alles muss schnell gelingen, denn Pia ist an Krebs erkrankt und ihr bleibt nicht mehr viel Zeit.
Ich finde den Umgang mit Pias Krankheit und auch die Beschreibung der Demenzerkrankung von Brittas Vater, vor allem aus Brittas Sicht und auch im Hinblick auf ihre Hingabe und ihre Lebenssituation, die sich von einem Moment auf den anderen komplett ändert, stark. Britta hat sich seit ihrer Jugendzeit am meisten verändert. Auch bei Pia und Martin finde ich es spannend mitzuverfolgen, wie sie sich im Laufe der Zeit und anhand von Schicksalsschlägen mit dem Leben arrangiert und charakterlich verändert haben. Das Thema Tod und Verlustangst hängt immer über der Geschichte der Freundesgruppe, damals wie auch heute wieder, nur der Umgang damit hat sich verändert. Man kann die emotionalen Spannungen beim Lesen sehr gut nachvollziehen und aktiv spüren, obwohl die Erzählweise unaufgeregt und meistens leise ist. Schön finde ich auch, dass am Ende die Kraft der Freundschaft und die auch noch nach Jahren der Entfremdung wieder neu entfachte tiefe Verbundenheit siegt.