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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2026

Nicht überzeugend

Bachelorette Party
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Sechs Frauen feiern auf einer einsamen Schäreninsel vor Stockholm den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Anneliese in einem neu erbauten, kurz vor der Eröffnung stehenden Wellnesshotel. Was aber nur ...

Sechs Frauen feiern auf einer einsamen Schäreninsel vor Stockholm den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Anneliese in einem neu erbauten, kurz vor der Eröffnung stehenden Wellnesshotel. Was aber nur eine von ihnen, die True Crime Podcasterin Tessa, weiß, hier verschwanden vermutlich vor genau zehn Jahren vier Frauen spurlos. Genau das ist auch der Antrieb, warum Tessa überhaupt an der Party teilnimmt. Nachdem ihr Leben und ihre Karriere durch eine unbedachte Podcastfolge in Scherben liegt, hofft sie durch die spektakuläre Aufklärung dieses Cold Case wieder erfolgreich zurückzukehren. Doch dann ist eine der Teilnehmerinnen plötzlich tot, brutal ermordert.

Der Thriller bewegt sich auf zwei Zeitebenen, dem aktuellen Junggesellinnenabschied und dem Cold Case, was an und für sich erstmal gute Spannung verspricht. Aber diverse Kapitel spielen auch in der Zeit davor und dazwischen, im Zeitablauf ungeordnet, was mehr für Verwirrung als Spannung sorgt. Der erste Teil der Geschichte fokussiert sich überwiegend auf die diversen Protagonistinnen und ihre mehr oder weniger vorhandenen Beziehungen zueinander, da bleibt aber vieles zu sehr an der Oberfläche und im Unklaren. Ausser Tessa, die als Ich-Erzählerin tief in ihre Gefühlswelt blicken lässt. Ich empfand ihr permanentes Selbstmitleid und ihre Selbstzweifel aber im Vergleich zu den schwach ausgearbeiteten anderen Charakteren zu überzogen. Zumal ich mich gefragt habe, ob ihr beruflicher Fauxpas in der heutigen Welt von Social Media wirklich so einen Absturz verursacht hätte.
In der zweiten Hälfte nimmt der Plot dann Fahrt auf, der Schreibstil der Autorin sorgt durchaus für Spannung. Leider wird die bis dato eher subtil beklemmende Stimmung dann durch extrem offene, brutale Gewalt abgelöst, die mir persönlich zuviel war.

Insgesamt für mich eher ein mittelmäßiger Thriller mit diversen Unstimmigkeiten, einiges zu konstruiert, aus der guten Grundidee hätte die Autorin mehr herausholen können.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Den Zwängen den Kampf ansagen

Nimm den Zwängen die Macht
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In ihrem Ratgeber "Nimm den Zwängen die Macht" klären die Autoren Ulrich Voderholzer, Rebecca Schennach und Stefan Koch zum Thema Zwangshandlungen und Zwangsgedanken auf.

Dabei orientieren sich die Autoren ...

In ihrem Ratgeber "Nimm den Zwängen die Macht" klären die Autoren Ulrich Voderholzer, Rebecca Schennach und Stefan Koch zum Thema Zwangshandlungen und Zwangsgedanken auf.

Dabei orientieren sich die Autoren an den aktuellen wissenschaftlichen Standards, erklären detailliert, wie und wodurch Zwänge entstehen, zeigen anhand vieler Fallbeispiele wie solche Zwänge sich darstellen und wie sie die Betroffenen, aber auch ihr Umfeld beeinflussen und ihr Leben einschränken. Anhand der z.Zt. erfolgreichsten Behandlungsmethode, der sog. Exposition, werden den Lesenden Strategien an die Hand gegeben, aus dem Teufelskreis auszusteigen. Mit Hilfe von konkreten Übungen und Handlungsvorschlägen sollen Betroffene in die Lage versetzt werden, auch in Eigenregie ohne professionelle Unterstützung, ihre Zwänge zu bekämpfen und im Bestfall wieder ein lebenswertes, erfülltes Leben zu führen.

Ich muss ehrlich zugeben, dass mich dieser Ratgeber stark gefordert hat. Die Thematik geht sehr ins Detail, eigentlich gut, aber durch die permanente Wiederholung bereits erklärter Sachverhalte, werden die Kapitel unnötig in die Länge gezogen und ich habe immer wieder die Lust am Weiterlesen verloren. Manche Themenbereiche (z. B. Medikation, Gesprächsführung) waren für mein Empfinden insgesamt zu ausufernd, da hätte man auch auf weiterführende Literatur verweisen können. Auch die diversen Schaubilder und Übersichtstafeln waren im laufenden Text oftmals schlecht platziert und haben meinen Lesefluss gestört.
Das Zwangshandlungen und Zwangsgedanken eine schwerwiegende psychische Erkrankung ist, wird sehr schnell klar. Auch der hohe Leidensdruck mit dem die Betroffenen und ihr Umfeld tagtäglich zu kämpfen haben wird eindrucksvoll geschildert. Daher finde ich es etwas verwunderlich das mehrfach darauf hingewiesen wird, dass die Exposition auch selbstständig durchgeführt werden kann und durchaus soll. Das dazu viel Selbstdisziplin und Kraft notwendig ist, wird zwar immer wieder betont, aber ich denke ohne professionelle Hilfe dürfte das sehr schwer bis unmöglich sein. Auch die Einbindung von Familie/Vertrauenspersonen wird mir zu stark in den Focus gerückt, da halte ich die Ressourcen für wesentlich begrenzter.

Für Betroffene kann das Buch eine Hilfe sein zu erkennen, dass es einen Weg aus dem Leiden gibt. Dieser Weg ist hart und steinig, aber am Ende kann er sich lohnen. Einen Versuch ist es definitiv wert.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

"Roadtrip" der Gefühle

Katzen, die wir auf unserem Weg trafen
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Der Roman hat mich etwas ratlos zurückgelassen.

Bei "Katzen, die wir auf unserem Weg trafen" von Nadia Mikail soll es sich lt. Klappentext um einen Roadtrip durch Malaysia handeln, mit dem Zweck die ...

Der Roman hat mich etwas ratlos zurückgelassen.

Bei "Katzen, die wir auf unserem Weg trafen" von Nadia Mikail soll es sich lt. Klappentext um einen Roadtrip durch Malaysia handeln, mit dem Zweck die verschollene Tochter/Schwester zu finden. Ausgelöst durch die nahende Apokalypse - ein Meteorit wird in einigen Monaten die Erde zerstören - machen sich Aisha und ihre Mutter gemeinsam mit Aishas Freund und dessen Eltern auf die Suche, begleitet von Flohsack, einem Straßenkater, der ihnen kurz vorher zugelaufen ist.

Der Roadtrip ist aber tatsächlich nur ein kleiner Teil der Geschichte, zumindest der physische, Flohsack die einzige Katze die vorkommt und auch keine wirkliche Rolle spielt.

Letztendlich geht es in der Geschichte um Verluste, die nicht verarbeitet wurden, um unterdrückte Gefühle und zwischenmenschliche Sprachlosigkeit. Dadurch entstanden Wunden, die nie richtig verheilt sind.

Die Geschichte mäandert permanent von der Gegenwart in die Vergangenheit und in eine imaginäre Zukunft. Vor allem Aishas Gedanken und Gefühle wiederholen sich häufig, die Geschichte plätschert ohne jeglichen Spannungsbogen dahin, das Ende bleibt offen.

Das dies ein Jugendroman ab 12 Jahren sein soll kann ich nicht nachvollziehen, dafür ist meiner Meinung nach das Thema zu schwermütig und komplex.

Highlight des Buches waren für mich die hübschen Zeichnungen von Nate Ng.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Blutiges Neapel

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Ausgerechnet am Festtag von San Gennaro, seines Zeichens Heiliger und Stadtpatron von Neapel, taucht ein Mann namens Ianus Capuano in der Questura auf, der sich seit geraumer Zeit bedroht fühlt. Er landet ...

Ausgerechnet am Festtag von San Gennaro, seines Zeichens Heiliger und Stadtpatron von Neapel, taucht ein Mann namens Ianus Capuano in der Questura auf, der sich seit geraumer Zeit bedroht fühlt. Er landet im Büro von Commissario Gaetano und schildert diesem eine sehr krude und unglaubwürdige Story. Trotz des zu erwartenden Chaos wegen des anstehenden "Blutwunders" und dass es sich bei dem Mann um einen extrem unsympathischen Norditaliener aus Turin handelt, erklärt sich Gaetano widerwillig bereit am Abend kurz bei dessen Wohnung vorbeizugehen und nach dem Rechten zu schauen. Der Commissario beauftragt dann jedoch einen Kollegen, dies für ihn zu übernehmen. Als dieser in der Wohnung eintrifft findet er Capuano tot auf, geköpft wie sein Namensvetter San Gennaro.

Der Neapel-Krimi "Commissario Gaetano und der lügende Fisch" startet sehr fulminant. Schon das Cover mit Blick über Neapels Dächer zum Vesuv als auch die blumigen Beschreibungen der Stadt lassen schnell ein Gefühl für den Schauplatz entstehen. Geschuldet ist dies sicherlich auch dem Fakt, dass der Autor Fabio Nola, ein deutscher Historiker, einige Jahre in Neapel gelebt hat.

Leider nehmen diese blumigen Beschreibungen im Laufe der Geschichte viel Platz ein. Besonders die olfaktorischen Ergüsse, die gefühlt auf jeder zweiten Seite zu finden sind, nerven und suggerieren, das Neapel ein stinkendes Dreckloch ist. Auch die Neapolitaner kommen da nicht besonders gut weg.
Mit der Figur des Commissario Gaetano wurde ich zu keiner Zeit warm, von Feinfühligkeit, wie im Klappentext beschrieben, keine Spur.
Ganz im Gegenteil poltert der Hauptprotagonist sowohl dienstlich als auch privat halbherzig, unkonzentriert, oftmals unbeholfen aber auch immer wieder sexistisch durch das Geschehen. Entscheidungen trifft er situativ nach eigenem Gusto, Recht und Gesetz sind da eher hinderlich. Die weiteren Charaktere bleiben entweder sehr blaß oder sind komplett überzeichnet, allen voran der hinzugezogene Psychologe/Profiler. Dessen Geschwafel über Menstruation hätte sich der Autor sparen können.
Der Plot an sich ist eigentlich recht spannend und hat mich, trotz der vielen langatmigen Ausflüge auf Nebenschauplätze und der manchmal sehr seltsamen Dialoge (so abgehoben spricht doch kein Mensch), bis zum Ende durchhalten lassen, welches dann auch irgendwie zum Charakter des Commissario passt.

Wer Krimis mit viel Lokalkolorit und verschrobenen Figuren mag, dem sei dieses Buch empfohlen. Wer mehr Krimi im Krimi haben möchte, sollte eher nicht zugreifen.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Verschenktes Potenzial

The Stars are Dying
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Das absolute Highlight des Buches ist definitiv seine Gestaltung.
Sowohl der Bucheinband als auch der Schutzumschlag und der farbige Buchschnitt sind eine Augenweide. Im Inneren des Buches setzt sich dies ...

Das absolute Highlight des Buches ist definitiv seine Gestaltung.
Sowohl der Bucheinband als auch der Schutzumschlag und der farbige Buchschnitt sind eine Augenweide. Im Inneren des Buches setzt sich dies durch die wunderschönen Zeichnungen fort.

Die Geschichte spielt im Reich Solanis, bestehend aus den fünf Reichen der Menschen und dem Königreich Vesitire das über sie herrscht.
Neben den Menschen leben dort verschiedene magische Völker, u.a. auch bösartige Vampire die sich vom Blut oder den Seelen der Menschen ernähren.
Alle 100 Jahre veranstaltet der König von Vesitire einen Wettkampf zu dem jedes der fünf Menschenreiche eine/n Auserwählte/n entsendet. Das Reich, welches den Sieg in diversen Prüfungen davonträgt erhält für die nächsten 100 Jahre Schutz vor den gefährlichen Vampiren.
Für das Reich Alisus stellt sich ungeplant Astraea den Prüfungen, eine junge Frau, deren Vergangenheit im Dunkeln liegt und die spürt, dass die Prüfungen ihr Aufschluss über ihre Herkunft geben könnten. Unterstützung erhält sie von Nyte, einem geheimnisvollen Vampir, der sich immer massiver in ihre Gedanken einnistet.

Meine Meinung:
Das Buch beginnt spannend und die ersten Kapitel lesen sich gut weg.
Leider verliert die Geschichte im Verlauf zunehmend an Fahrt, man verliert immer wieder den Faden, es bleibt oft unklar ob gerade nur ein paar Minuten, Stunden oder gar Tage zwischen den Handlungen vergangen sind. Die Handlungsstränge wirken oft abgehackt und nicht richtig auserzählt.
Auch die Charaktere bleiben weitestgehend blass und an der Oberfläche, im Besonderen Astraea, die sich kaum weiterentwickelt und deren Naivität immer nerviger wird. Ebenso wie die seichten Dialoge zwischen Astraea und Nyte, die sich in epischer Breite immer wieder in fast identischer Aussage über viele Seiten erstrecken. Da hätte sich die Autorin besser auf ein intensiveres Worldbuilding konzentriert. Auch der Plot ist schon früh voraussehbar und bleibt letztendlich enttäuschend.
Ob das Lust auf den zweiten Teil machen soll? Bei mir wohl eher nicht.

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