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Annikii

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2026

Dunkle Vergangenheit, bittere Wahrheiten – ein intensiver Grenzkrimi mit starkem Thema

Nordlicht - Das fremde Gesicht
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Mit „Nordlicht – Das fremde Gesicht“ legt Anette Hinrichs einen düsteren, psychologisch geprägten Kriminalroman vor, der sich intensiv mit Schuld, Schweigen und den langfristigen Folgen von Mobbing auseinandersetzt. ...

Mit „Nordlicht – Das fremde Gesicht“ legt Anette Hinrichs einen düsteren, psychologisch geprägten Kriminalroman vor, der sich intensiv mit Schuld, Schweigen und den langfristigen Folgen von Mobbing auseinandersetzt. Bereits früh wird klar, dass die Mordserie weit in die Vergangenheit reicht – und genau dieser Aspekt verleiht dem Fall seine beklemmende Tiefe.

Der Einstieg gelingt mühelos, auch ohne Vorkenntnisse der Reihe. Zwei zunächst getrennte Mordfälle auf deutscher und dänischer Seite fügen sich nach und nach zu einem komplexen Gesamtbild zusammen. Die Inszenierung der Tatorte und die wiederkehrenden Details sorgen für eine konstante Spannung, ohne effekthascherisch zu wirken.

Besonders gelungen fand ich die Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit. Die Rückblenden in das Sommercamp vor zehn Jahren machen nachvollziehbar, wie aus einem tragischen Ereignis ein Netz aus Schuld, Vertuschung und Verdrängung entstehen konnte. Dass dabei nicht nur Täter, sondern auch Mitläufer und schweigende Erwachsene beleuchtet werden, verleiht der Geschichte eine erschreckende Realitätsnähe.

Die Ermittler Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg sind vielschichtige Figuren, gerade Rasmus bewegt sich jedoch zunehmend in einer moralischen Grauzone. Seine persönlichen Alleingänge sorgen zwar für zusätzliche Spannung, wirken stellenweise aber auch überzogen und haben mich nicht immer überzeugt. Gleichzeitig spiegelt seine Entwicklung gelungen das zentrale Motiv des Romans: Wie weit darf oder kann man gehen, wenn man Schuld sühnen oder Unrecht vergelten will?

Die Auflösung des Falls ist schlüssig und konsequent, auch wenn sie sich gegen Ende deutlich abzeichnete. Die Hintergründe sind tragisch und lassen einen nachdenklich zurück – einfache Antworten oder Sieger gibt es hier nicht. Der Epilog setzt schließlich einen starken, emotionalen Schlusspunkt und macht neugierig auf den nächsten Band der Reihe.

Insgesamt ist „Das fremde Gesicht“ ein atmosphärischer, thematisch anspruchsvoller Krimi, der weniger auf Überraschungseffekte als auf psychologische Nachvollziehbarkeit setzt. Kein reiner Pageturner, aber ein intensiver Roman, der lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Ein fantasievolles Abenteuer mit Herz – kleine Schwächen, großer Zauber

Heute fahren wir nach Anderswo
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„Heute fahren wir nach Anderswo“ ist ein Bilderbuch, das die Kraft der kindlichen Fantasie sehr liebevoll in den Mittelpunkt stellt. Die Geschichte beginnt mit Oscars Langeweile – ein alltäglicher Moment, ...

„Heute fahren wir nach Anderswo“ ist ein Bilderbuch, das die Kraft der kindlichen Fantasie sehr liebevoll in den Mittelpunkt stellt. Die Geschichte beginnt mit Oscars Langeweile – ein alltäglicher Moment, der sich schnell in ein buntes Abenteuer verwandelt, als Elfi mit ihrer „Elfenkreide“ auftaucht und ein rotes Kreideauto malt. Schon dieser Einstieg vermittelt viel Magie und Leichtigkeit.

Die gemeinsame Reise der beiden Kinder durch eine gemalte Welt ist fantasievoll, abwechslungsreich und mit vielen kleinen Abenteuern gefüllt. Sie begegnen seltenen Tieren, einem Drachen und einem freundlichen Riesen – genug, um schon junge Zuhörer*innen zu fesseln. Besonders schön ist der visuelle Kontrast: realistisch gezeichnete Kinder bewegen sich in einer komplett gemalten Landschaft, was Kindern sehr zugutekommt, die selbst gerne malen und imaginieren.

Der zweite Teil der Geschichte – Oscars Zweifel, ob das Kreideauto auch ohne Elfi funktioniert, und der Regen, der alles verwischt – bringt eine leicht nachdenkliche Note hinein. Genau diese Mischung macht das Buch ausgewogen: Es ist nicht nur eine Abenteuergeschichte, sondern spricht auch Mut, Selbstvertrauen und Freundschaft an.

Kritisch anmerken lässt sich allerdings, dass manche Szenen recht schnell vorbeiziehen. Für ein Bilderbuch mit 36 Seiten ist das verständlich, aber die Fülle an Begegnungen und Erlebnissen wirkt stellenweise etwas gedrängt. Außerdem hätte der emotionale Konflikt am Ende – Oscars Unsicherheit – ein kleines bisschen mehr Raum verdient. Insgesamt bleibt die Botschaft aber klar und schön: Fantasie funktioniert nicht nur mit anderen, sondern auch in uns selbst.

Fazit: Ein warmherziges, kreativ illustriertes Bilderbuch, das Kindern ab vier Jahren eine wunderbare Fantasiereise bietet. Kleine erzählerische Hektik schmälert den Gesamteindruck nur leicht. Insgesamt ein sehr liebevolles Vorlesebuch.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Ein spannender, witziger und atmosphärischer dritter Band

Die Schiffsgeister (Band 3) – Der magische Kompass
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„Der magische Kompass“ knüpft direkt an die vorherigen Abenteuer der Schiffsgeister an und bietet wieder eine Mischung aus Spannung, Humor und nordischem Flair. Die Suche nach dem Kompass beginnt sofort ...

„Der magische Kompass“ knüpft direkt an die vorherigen Abenteuer der Schiffsgeister an und bietet wieder eine Mischung aus Spannung, Humor und nordischem Flair. Die Suche nach dem Kompass beginnt sofort mit einem Geheimnis – der rätselhaften Postkarte von Opa Hannes – und entwickelt sich schnell zu einer Schatzsuche voller kleiner Wendungen. Besonders schön fand ich die Reise zum Schloss an der irischen Küste, denn dieser Ortswechsel bringt eine neue, leicht mystische Stimmung in die Reihe.

Luna, Jonte, Fregaz und Faugaz sind erneut ein sympathisches Team. Die Geister sorgen mit ihren Eigenheiten für viele lustige Momente. Gleichzeitig wird es an mehreren Stellen richtig spannend, weil der Zauberkrake Octavolus den Kindern und Geistern dicht auf den Fersen ist. Für junge Leser*innen entsteht dadurch ein tolles Abenteuergefühl, das dennoch nie zu unheimlich wird.

Die Kombination aus Feenpfaden, Geheimverstecken und dem Schlossgespenst macht die Handlung abwechslungsreich. Alles bleibt leicht verständlich, sodass sich das Buch sehr gut für die Zielgruppe eignet. Auch sprachlich liest es sich angenehm flüssig und mit einem kindgerechten Humor.

Wer die ersten beiden Bände mochte, wird auch hier viel Freude haben. Der Band hat ein abgeschlossenes Abenteuer, fügt sich aber spürbar in die Gesamtgeschichte rund um die Schiffsgeister ein. Ein schönes, fantasievolles Kinderbuch mit Herz und Spaß.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Sommer, Selbstfindung und Lavendelduft – eine gefühlvolle Geschichte mit kleinen Schwächen

Fleur de Lavande (Band 1) - Wie du liebst
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„Fleur de Lavande – Wie du liebst“ hat mich mit seiner wunderschönen Provence-Atmosphäre sofort in den Bann gezogen. Gabriella Santos de Lima schreibt sehr bildhaft und detailreich – die Lavendelfelder, ...

„Fleur de Lavande – Wie du liebst“ hat mich mit seiner wunderschönen Provence-Atmosphäre sofort in den Bann gezogen. Gabriella Santos de Lima schreibt sehr bildhaft und detailreich – die Lavendelfelder, das Licht, die Gerüche, alles wirkt so lebendig, dass man meint, mitten in Südfrankreich zu stehen.

Viola fand ich als Hauptfigur authentisch. Ihre Unsicherheit am Anfang hat mich manchmal etwas ungeduldig gemacht, aber gerade deshalb war ihre Entwicklung hin zu mehr Selbstbewusstsein glaubwürdig und bewegend. Luc hat mit seinen Ecken und Kanten ebenfalls überzeugt, auch wenn mir das späte Aufgreifen wichtiger Themen und die schnelle Auflösung am Ende etwas zu knapp erschienen.

Die Nebenfiguren haben gemischte Gefühle bei mir hinterlassen: Während die Beziehung zwischen Viola und ihrer Schwester für mich ein Highlight war, blieb Ines für mich eher blass und schwer zugänglich.

Alles in allem ist es eine emotionale, sommerliche Geschichte über Mut, Selbstfindung und die Liebe – mit einem Schreibstil, der einen träumen lässt. Kleine Schwächen im Tempo und bei einzelnen Figuren verhindern für mich die volle Punktzahl, aber ich habe das Buch sehr gern gelesen.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Stille Heldinnen – lauter Widerstand

Wir dachten, das Leben kommt noch
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„Wir dachten, das Leben kommt noch“ ist ein bewegender historischer Roman, der jenseits bekannter Kriegserzählungen jene Frauen in den Mittelpunkt rückt, die in der Besatzungszeit geheime Botschaften übermittelten, ...

„Wir dachten, das Leben kommt noch“ ist ein bewegender historischer Roman, der jenseits bekannter Kriegserzählungen jene Frauen in den Mittelpunkt rückt, die in der Besatzungszeit geheime Botschaften übermittelten, Sabotageakte planten und im Schatten agierten.

Die Hauptfigur Pat wird von einer BBC-Moderatorin aufgesucht, die Licht auf ihre Vergangenheit werfen will. In dieser Suche nach Wahrheit entfaltet sich eine Geschichte voller Mut, Erinnerung und Verdrängung.

Sandmann gelingt es, historische Detailtreue mit literarischem Erzählfluss zu verbinden. Die Figuren wirken glaubwürdig und vielschichtig: Pat trägt ihre Geheimnisse mit Würde, zugleich spürt man die Last, die Jahre des Schweigens hinterlassen haben. Der Roman zeigt eindrücklich, wie widersprüchlich und entbehrungsreich das Leben im Widerstand war – und wie wenig Anerkennung diese Frauen oft bekamen.

Besonders gelungen ist die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart: Erinnerung wird nicht nur rekonstruiert, sie wird erlebt. Der Leser spürt den Druck, die Gefahr, das Versteckspiel – und gleichzeitig den inneren Frieden, der erst nach Jahrzehnten möglich wird. Die Sprache ist klar, bildhaft und mit einem Feingefühl für Atmosphären. Einige Szenen sind so intensiv, dass man kurz innehält.

Ein kleiner Kritikpunkt: Der breite Zeitraum und die vielen Zeitebenen machen das Lesen an manchen Stellen herausfordernd – mir hätten ein paar ruhigere Momente mehr gefallen, um tiefer in einzelne Lebensgeschichten einzutauchen. Doch das schmälert nicht den Gesamteindruck: Das Buch bleibt fesselnd und beeindruckend.

Fazit:Ein Roman, der leise Geschichten laut erzählt. Erzählt von Frauen, die nicht ins Rampenlicht wollten — und dennoch Geschichte schrieben. Wer historische Romane mit starken Charakteren und moralischem Tiefgang schätzt, findet hier eine außergewöhnliche Lektüre.

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