Ein Leben zwischen zwei Welten
Der Prinz des Nachtreichs 1. Midnight SpyIch habe mich für das Buch entschieden, weil mich die Idee rund um die Geschichte des Erlkönigs sofort angesprochen hat. Diese Mischung aus realem Alltag und einer geheimnisvollen, anderen Welt fand ich ...
Ich habe mich für das Buch entschieden, weil mich die Idee rund um die Geschichte des Erlkönigs sofort angesprochen hat. Diese Mischung aus realem Alltag und einer geheimnisvollen, anderen Welt fand ich von Anfang an total reizvoll.
Letty lebt tagsüber ein ganz normales Leben, während sie nachts in das Reich des Erlkönigs reist, um dort Zeit mit Will – dem Sohn des Erlkönigs – zu verbringen und Aufträge für seinen Vater auszuführen.
Letty und Will sind mir schnell ans Herz gewachsen. Letty war für mich stellenweise ein bisschen anstrengend mit ihrer „Ich will nicht erwachsen werden“-Einstellung – aber gleichzeitig ist genau das auch wieder total nachvollziehbar. Sie ist ein Teenager, und diese Unsicherheit, dieses Festhalten wollen an dem, was man kennt, passt einfach sehr gut zu ihr. Gerade für ein Young-Adult-Buch wirkt das alles sehr authentisch.
Will hingegen bringt eine ganz andere, ruhigere Seite mit. Obwohl er schon so viele Jahrhunderte gelebt hat, sehnt er sich einfach nur nach einem normalen Leben – fern von seiner Rolle als Nachtmahr, der den Menschen ihre Träume raubt und sie dadruch unglücklich macht. Das hat ihn für mich sehr greifbar gemacht.
Auch die Nebenfiguren, sowohl Lettys Freundeskreis als auch Wills Geschwister, fügen sich schön ins Gesamtbild ein und wirken nicht einfach nur als wären sie dazu da, die Geschichte voranzutreiben, sondern wirklich durchdacht.
Das Reich des Erlkönigs, Annwn, ist atmosphärisch beschrieben. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, in eine andere Zeit einzutauchen, irgendwie ruhiger, fast wie vor der industriellen Revolution. Im Kontrast dazu steht Lettys Alltag, der sich sehr real und vertraut anfühlt.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, flüssig und bildhaft. Besonders gut gefallen hat mir der Wechsel der Perspektiven zwischen Letty und Will, weil man so ihre Gedanken und Gefühle besser verstehen konnte und beiden Figuren näherkommt.
Was mich allerdings ein wenig enttäuscht hat, war der Einstieg. Der erste Teil zieht sich für mein Empfinden etwas, weil lange nicht wirklich viel passiert. Es fühlt sich eher wie ein Dahinplätschern des Alltags an, ohne große Überraschungen oder Wendungen. Ich habe mir da ein bisschen mehr Spannung oder zumindest mehr "Funkenflug" zwischen Letty und Will erhofft.
Im zweiten Teil wird es dann deutlich intensiver, die Geschichte gewinnt an Tempo und auch die Beziehung zwischen Letty und Will entwickelt sich spürbar weiter. Umso mehr hat es mich dann gestört, dass das Ende recht abrupt kam – ich hätte mir gewünscht, noch ein bisschen mehr über die aktuelle Situation zu erfahren. Ich habe kein Problem mit Cliffhanger, aber hier wars mir "zu wenig"
Trotzdem ist es für mich eine schöne Geschichte für zwischendurch, mit einer tollen Grundidee und Figuren, die einem im Kopf bleiben. Ich bin auf jeden Fall neugierig genug, um auch den zweiten Teil lesen zu wollen.