Ein Sog aus Sehnsucht und Schatten
Weavingshaw"Weavingshaw" hat mich von der ersten Seite an vollkommen in seinen Bann gezogen. Die Atmosphäre war dabei durchgehend dicht, spannend und wurde von einer leicht mystischen, gothischen Stimmung getragen, ...
"Weavingshaw" hat mich von der ersten Seite an vollkommen in seinen Bann gezogen. Die Atmosphäre war dabei durchgehend dicht, spannend und wurde von einer leicht mystischen, gothischen Stimmung getragen, die mich sofort gepackt hat. Obwohl die Handlung inhaltlich ganz anders gelagert ist, fühlte ich mich atmosphärisch immer wieder an Alchemised erinnert - ein Vergleich, der für mich nur Positives bedeutet.
Die Welt, die die Autorin Heba Al-Wasity erschaffen hat, ist rau, düster und stellenweise brutal, ohne dabei ins übermäßig-Blutrünstige abzudriften. Für mich war es genau die richtige Balance aus intensiv genug, um zu berühren, aber nie so erschlagend, dass es unangenehm wurde.
Im Zentrum der Handlung steht Leena, eine Protagonistin mit der Fähigkeit, Geister zu sehen. Aus der Not heraus lässt sie sich auf einen Deal mit dem Saint Silas ein, der ihre Fähigkeit zu seinem Vorteil (aus-)nutzen möchte. Zunächst war St. Silas für mich eine Figur, die kalt, abweisend und kaum greifbar wirkte, doch mit fortschreitender Geschichte erfuhr ich seine Motive und sah wie Leena sein wahres Ich durch die kühle Fassade blitzen. Die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren war wirklich eines der größten Highlights des Buches: ein echter Slow-Burn, der meisterhaft umgesetzt wurde. Von anfänglichem Hass und tiefer Abneigung entwickelte sich ihre Beziehung in winzigen, glaubwürdigen Schritten weiter. Jede noch so kleine Annäherung fühlte sich verdient an, und ich habe beim Lesen regelrecht darauf hingefiebert.
Besonders beeindruckt hat mich dabei die Figurenentwicklung. Sowohl Leena als auch St. Silas wurden vielschichtig angelegt und durchliefen spürbare Veränderungen. Gerade Silas entwickelte sich zu einem nahezu perfekten Book-Boyfriend, ohne dabei an Komplexität zu verlieren.
Zudem stand in "Weavingshaw" erfreulicherweise nicht die Romantik im Vordergrund, sondern der Fantasy-Plot selbst. Dieser entfaltete sich nach und nach und wurde von der Autorin geschickt und mit einem guten Gespür für Timing aufgebaut. Auch wenn viele Hintergründe erst nach und nach enthüllt wurden, entstand bei mir zu keinem Zeitpunkt Langeweile, denn die unterschwellige, lauernde Spannung zog sich konstant durch die Geschichte.
Den Schreibstil empfand ich dabei als ein weiteres großes Plus. Er war durchweg melodisch, atmosphärisch und dennoch nie überladen. Das Worldbuilding war zudem detailliert genug, um die Welt lebendig wirken zu lassen, aber nie so umfangreich, dass es meinen Lesefluss hemmte.
Auch die thematische Tiefe hat mich positiv überrascht. Aspekte wie Migration, Herkunft und Identität wurden subtil, aber wirkungsvoll in die Handlung integriert und verliehen der Geschichte zusätzliche Relevanz und Emotionalität.
Obwohl die Handlung nicht von permanenter Action lebte, blieb das Buch durchgehend fesselnd. Die leise, unterschwellige Spannung, gepaart mit intensiven Emotionen und inneren Konflikten hat mich nicht mehr losgelassen.
Nachdem ich nun die Figuren sehr ins Herz geschlossen habe, würde ich am liebsten sofort weiterlesen. Bisher gibt es leider keine Ankündigung für Band 2! Ich hoffe, ich muss nicht zu lange warten!