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Veröffentlicht am 15.03.2018

Man braucht starke Nerven

Eric
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"ERIC" ist das Debüt von Marco Monetha und ich hoffe sehr, dass noch viele Bücher von ihm folgen werden, denn dieses hier hat mich sofort gepackt, verschlungen und durchgerüttelt.

Das Buch startet "Holta ...

"ERIC" ist das Debüt von Marco Monetha und ich hoffe sehr, dass noch viele Bücher von ihm folgen werden, denn dieses hier hat mich sofort gepackt, verschlungen und durchgerüttelt.

Das Buch startet "Holta di Polta" - uff! Genau SO mag ich es!

Der Autor schubst uns direkt in einen Mordfall. Eine Frau wurde brutal in ihrem Schlafzimmer ermordet. Ihr Sohn glaubt den Täter zu kennen. Und so macht er sich auf die Suche nach ihm ...

Darum geht es: Der elfjährige Eric leidet unter seinem tyrannischen Stiefvater, der ihn quält, demütigt und misshandelt. Als Eric eines Tages von Zuhause fortläuft, begegnet er zufällig einem Nachbarn: Buck.

Der Junge erzählt ihm von seinem traurigen Leben, von seinem Stiefvater und der Hölle, in der er wohnt. Buck ist schockiert und außer sich vor Wut. Und so fragt er Eric schließlich: "Sag mir, kleiner Mann. Wie weit würdest du gehen, um diesen Kerl loszuwerden?"

Einige Jahre später: Erics Mutter wurde auf grausame Weise ermordet. Eric, mittlerweile Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma, glaubt den Täter zu kennen. Die enge Freundschaft zwischen ihm und Buck wird infolgedessen auf eine harte Probe gestellt. Plötzlich befinden sie sich in einem perfiden Katz-und-Maus-Spiel, das bis an ihre psychischen Grenzen geht.

Der Schreibstil ist direkt, schonungslos und erschreckend authentisch. Und zwar so, dass mir beim Lesen öfter mal die Luft wegblieb. Schnappatmung! Ich brauche diesen gewissen Adrenalin-Kick, wenn die Spannung ins Unermessliche steigt und man sich ärgert, weil man nicht noch schneller lesen kann als man es ohnehin schon tut. Gott sei Dank habe ich momentan sowieso kurze Fingernägel, sonst wären die jetzt unschön abgeknabbert ;)

Die Hauptprotagonisten Eric und Buck wirken überaus lebendig und gut durchdacht. Beide Charaktere sind - jeder auf seine Weise - sehr interessant. Vor allem, wenn man die Vergangenheit beider betrachtet, quasi ihre Rückblenden. Jeder hat seine Erfahrungen im Leben machen müssen, die ihn letztendlich geprägt und zu dem gemacht haben, was er heute ist.

Das Cover gefällt mir sehr gut. Ich mag es ja immer etwas dunkler ;)

Fazit: Blut, Gewalt und viiiiel Böses - man braucht starke Nerven hierfür! Es lohnt sich!

Veröffentlicht am 03.03.2018

Unglaublich spannend!

Unter pechschwarzen Sternen
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Gereon Krantz hat hier ein unglaubliches Debüt vorgelegt, das zu recht für den Friedrich-Glauser-Preis 2018 nominiert wurde.

Um was geht es? Berlin: Die Leiche einer jungen Frau wird in einer Unterführung ...

Gereon Krantz hat hier ein unglaubliches Debüt vorgelegt, das zu recht für den Friedrich-Glauser-Preis 2018 nominiert wurde.

Um was geht es? Berlin: Die Leiche einer jungen Frau wird in einer Unterführung aufgefunden. Sie ist nackt, lediglich in einen Umhang gehüllt und mit zahlreichen Messerstichen übersät. Ähnlich wie bei einem Hybrid- oder sogenannten Mischwesen (Chimära), befindet sich auf dem menschlichen enthaupteten Körper ein Tierkopf (in diesem Fall der eines Widders). Ein grausames und zugleich bizarres Szenenbild, welches auf einen Mord mit rituellem Hintergrund schließen lässt. Okkultismus? Schnell wird klar, dass man es offenbar mit einem Serientäter zu tun hat.

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Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein. Zuerst lernen wir Thomas Harder kennen. Einen alkoholabhängigen Polizisten mit suizidalen Gedanken, der wenig willensstark (labil), aber mit trockenem Humor ausgestattet ist und dabei äußerst sympathisch daherkommt. Gesetze und Regeln nimmt er nicht sehr genau. Er bewegt sich gern in einer selbstdefinierten Grauzone und bedient sich dabei recht unkonventionellen Maßnahmen. Verbissen auf die Lösung des Falles fokussiert, schlittert er von einem Malheur zum nächsten. Dass er infolgedessen überall aneckt, ist somit keine Überraschung und für ihn offenbar völlig in Ordnung. Vogt gegenüber zeigt er sich meistens renitent. Vor allem sein angeknackster Charakter fasziniert mich. Es ist interessant zu erfahren, was ihm noch wichtig erscheint und für was er sich aufrappeln kann. Ich habe mich sofort in ihn und seinen unverblümten (manchmal zynischen) Sarkasmus verliebt :)

Claudia Vogt verkörpert im Grunde vieles, was Harder nicht ist. Sie ist sich ihrer Position durchaus bewusst und strahlt eine leichte autoritäre Präsenz aus. Ihren Beruf nimmt sie sehr ernst. Auf mich wirkt sie idealistisch, pflichtbewusst, ehrgeizig und äußerst zielorientiert. Einerseits ist sie in bestimmten Momenten zurückhaltend, andererseits auch ziemlich selbstbewusst. Ihr Charakter ist regelrecht ambivalent. Dennoch kann sie mich für sich gewinnen. Ich mag ungeschliffene Rohdiamanten und bin gespannt, wie sie sich in den kommenden Teilen weiterentwicklen wird.

Beide Protagonisten bringen mich oft zum Schmunzeln. Ihre Dialoge dringen in die düstere Story ein wie Blitze in den Nachthimmel (sehr poetisch, ich weiß). Mir gefällt die psychologisch abgründige und zugleich humoristische Erzählweise.

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Der Schreibstil ist lebendig, flüssig und schonungslos. Hier wird nicht unnötig mit Ausschweifungen herumhantiert, sondern auf den Tisch gepackt, was unbedingt erzählt werden möchte. Der Autor liefert eine bildhafte, prägnante Sprache, die es schafft, den Lesefluss konstant voranzutreiben.

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Das Cover ist verkaufsentscheidend, sagt man. Zumindest in meinem Fall lässt sich diese Aussage bestätigen. Wenn mich ein Cover anspricht, sehe ich mir das Buch genauer an. Wäre mir dieses in der Buchhandlung aufgefallen? Definitv! Es besticht durch kontraststarke Akzente. In diesem Fall heben sich der Widderkopf und der Titel deutlich vom schwarzen Hintergrund ab und bringen somit den nötigen Wiedererkennungswert dar.

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Fazit: Fulminanter Auftakt einer neuen Lieblingsreihe!

Oder anders formuliert: Es gibt abgepackten Kuchen, den man sich fix und fertig im Discounter kaufen kann. Dann gibt es selbstgemachten Kuchen, mit viel Liebe und Zeit zubereitet. Und dann gibt es Kuchen vom Pâtissier, mit einem Boden aus Grillagemasse und einem Belag aus Nougatcreme, gerösteten Mandeln und Trüffel. Letzteres ist "Unter pechschwarzen Sternen" für mich.

Veröffentlicht am 13.03.2017

Brisant und spannend!

Schlaflied
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Zitate:

"Schlaf, du kleines Weidenkind, denn es ist noch Winter." (S. 60)

Sorin dachte einen Moment lang nach. Zum einen darüber, warum diese schwedischen Kollegen so viel Energie darauf verschwendeten, ...

Zitate:

"Schlaf, du kleines Weidenkind, denn es ist noch Winter." (S. 60)

Sorin dachte einen Moment lang nach. Zum einen darüber, warum diese schwedischen Kollegen so viel Energie darauf verschwendeten, das Schicksal eines elternlosen Kloakenkinds herauszubekommen. Sicher, der Junge war ermordet worden, aber Menschen werden am laufenden Band ermordet, selbst in Schweden. (S. 153)


Meinung:

Was für ein Wälzer! Und der hat es mächtig in sich.

Nachdem ich bereits die ersten drei Teile verschlungen habe, war die Erwartungshaltung beim vierten natürlich dementsprechend hoch. Sehr hoch. Was soll ich sagen? Eines Abends lag ich auf dem Sofa, wollte nur ein paar Seiten lesen - wie das so ist ;) - und schwuppsdiwupps war ich schon bei der Mitte angelangt. Leider! Ihr wisst, was ein Pageturner ist? ;)

In "Schlaflied" widmet sich das Autoren-Paar ua. einem aktuellen und recht brisanten Thema: Flüchtlinge.

Die Ermittlerin Olivia Rönning engagiert sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich am Stockholmer Hauptbahnhof. Durch die massive Flüchtingswelle herrscht dort ein chaotisches Treiben. Unter den Hilfesuchenden befindet sich das nigerianische Mädchen Folami, das Schutz bei der Obdachlosen Muriel findet. So machen sich beide gemeinsam auf den Weg in eine Hütte auf dem Land, umringt von den dunklen Wäldern Smalands.

Parallel dazu wird die Leiche eines Jungen gefunden, welche schon durch verschiedene Tiere angenagt wurde (pfui). Die erste Spur führt zu einem Pädophilenring.

Was die einzelnen Erzählstränge miteinander verbindet, erfährt man erst ganz am Schluss.

Bewertung:

Die Charaktere selbst kommen trotz der Vielzahl an Thematiken nicht zu kurz. Man darf ihre Weiterentwicklung mitverfolgen und sie in den unterschiedlichsten Situationen erleben, die allesamt authentisch und bildlich rüberkommen.

Der Schreibstil ist wie gewohnt, jedoch nicht gewöhnlich ;) Manchmal frage ich mich, wie das wohl geht, wenn zwei Autoren an einem Buch arbeiten. Jeder hat vermutlich seinen eigenen Stil, und doch bekomme ich als Leserin wenig davon mit. Alles in allem fliegt man nur so über die Sätze hinweg.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und setzt sich nach und nach zusammen. Man könnte meinen, dass das den Leser verwirrt, so ist es aber nicht. Man weiß immer ganz genau, wo man sich gerade befindet.

Das Cover wirkt bedrohlich und zieht mich als Krimi/Thriller-Fan magisch an. Leider gibt es das Buch nicht, wie die anderen zuvor, als Hardcover. Das sieht im Bücherregal nicht SOOO toll aus, aber das werde ich überleben :)

Fazit: Ein äußerst komplexer und spannungsgeladener Kriminalroman! Die vorherigen Teile muss man nicht gelesen haben, empfehle ich dennoch jedem Leser. Man lernt dadurch die einzelnen Charaktere viel besser kennen.

Veröffentlicht am 24.04.2026

Dunkel, geheimnisvoll, kriechend

Enigma – Wahrheit, Begehren, Dunkelheit
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Nach außen wirkt diese altehrwürdige Elite-Uni wie der perfekte Ort für Privilegien, Macht und glänzende Zukunftspläne. Aber je tiefer ich gemeinsam mit Salem in diese Geschichte eingetaucht bin, desto ...

Nach außen wirkt diese altehrwürdige Elite-Uni wie der perfekte Ort für Privilegien, Macht und glänzende Zukunftspläne. Aber je tiefer ich gemeinsam mit Salem in diese Geschichte eingetaucht bin, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass hinter diesen Mauern etwas lauert, das besser niemals ans Licht kommen sollte.

Salem selbst war für mich dabei ein unglaublich spannender Charakter. Dieses Gefühl, immer am Rand zu stehen, nie wirklich dazuzugehören und trotzdem als Einzige zu merken, dass hier etwas komplett falsch läuft, war beim Lesen fast greifbar. Und genau dieser Drang, nicht einfach wegzusehen, zieht einen immer tiefer in dieses düstere Geflecht hinein.

Und dann ist da noch Caz. Kein typischer Bookboyfriend zum sofortigen Verlieben, sondern eher jemand, bei dem man von Anfang an weiß: Der trägt seine ganz eigenen Abgründe mit sich herum. Zwischen den beiden knistert es nicht auf eine leichte, romantische Art. Es ist eher ein gefährliches gegenseitiges Umkreisen, voller Misstrauen, Spannung und dieser unterschwelligen Frage, wer hier eigentlich mit wem spielt.

Was mich aber am meisten gepackt hat, war die Atmosphäre. Dieses Buch fühlt sich an wie kalte Flure, flackerndes Licht und das konstante Gefühl, beobachtet zu werden. Geheimnisse, Intrigen und dunkle Machtspiele ziehen sich durch jede Seite und sorgen für herrlich-schaurige Vibes.

Allerdings muss ich auch sagen: So stark mich der Weg dorthin mitgerissen hat, so ein kleines bisschen mehr Wucht hätte ich mir beim Ende gewünscht. Die Antworten waren da, aber emotional hätte mich das Finale gern noch härter treffen dürfen.

Fazit: Enigma ist vielleicht nicht perfekt, aber definitiv eines dieser Bücher, die sich leise in den Kopf schleichen und dort noch eine ganze Weile bleiben. Dunkel, geheimnisvoll und mit einer Spannung, die eher unter die Haut kriecht, als laut zu explodieren. Genau das macht den Reiz für mich aus.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Eine Welt, in die man vollkommen eintauchen kann

My Darkest Revenge (Demons of New York 1)
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Ein Hauch von Rauch liegt in der Luft, Geheimnisse flüstern aus den Schatten, und ehe man sich versieht, ist man mitten in einer Welt gelandet, in der Rache, Magie und dunkle Verlockungen miteinander tanzen. ...

Ein Hauch von Rauch liegt in der Luft, Geheimnisse flüstern aus den Schatten, und ehe man sich versieht, ist man mitten in einer Welt gelandet, in der Rache, Magie und dunkle Verlockungen miteinander tanzen. Genau so fühlt sich "My Darkest Revenge" von Stefanie Hasse an: wie ein Sog, der einen von der ersten Seite an mitreißt und bis tief in die Nacht nicht mehr loslässt.

Mit ihrem bildhaften, lebendigen Schreibstil erschafft die Autorin eine düstere Urban-Fantasy-Welt, in der Dämonen, geheimnisvolle Unsterbliche und seelenraubende Schattenwesen ganz selbstverständlich zwischen den Lichtern und Abgründen von New York existieren. Die Seiten fliegen nur so dahin; kaum hat man begonnen, ist man bereits hoffnungslos gefangen in Intrigen, Gefahren und einer Geschichte, die immer wieder neue Überraschungen bereithält.

Im Zentrum steht Alexis de Silvers: stark, entschlossen und von einem Verlust gezeichnet, der ihr Herz in kalte Entschlossenheit gehüllt hat. Sie bewegt sich geschickt zwischen High Society und der dunklen Unterwelt. Stets auf der Spur der Monster, die ihr alles genommen haben. Doch dann tritt Corin in ihr Leben: ein ebenso gefährlicher wie faszinierender Daimon, arrogant, voller Geheimnisse und mit einem Talent dafür, ihre Pläne komplett auf den Kopf zu stellen.

Zwischen den beiden knistert es von der ersten Begegnung an. Misstrauen, scharfzüngige Wortgefechte und eine unterschwellige Anziehung sorgen für eine explosive Dynamik, die unglaublich unterhaltsam ist. Aus Feinden werden widerwillige Verbündete. Doch in einer Welt voller Täuschungen und dunkler Wahrheiten ist Vertrauen ein gefährliches Spiel.

Die Geschichte verbindet Action, Humor, Emotionen und eine prickelnde Enemies-to-Lovers-Romance zu einer fesselnden Mischung. Dabei entfaltet sich das Worldbuilding Stück für Stück: Geheimnisse über Daimonen, die rätselhaften Grays und die bedrohlichen Nebuli tauchen wie Puzzleteile auf und lassen das Gesamtbild immer größer und düsterer werden.

Besonders packend ist dabei die Atmosphäre: roh, geheimnisvoll und manchmal fast märchenhaft dunkel, als würde man durch eine Stadt wandern, in deren Schatten uralte Geschichten lauern.

Fazit: "My Darkest Revenge" ist ein spannender, emotionaler Auftakt voller überraschender Wendungen, faszinierender Figuren und einer Welt, in die man vollkommen eintauchen kann. Und spätestens mit dem Cliffhanger am Ende bleibt nur ein Gedanke zurück: Man will sofort wissen, wie diese düstere Reise weitergeht.

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