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Veröffentlicht am 28.06.2018

schönes Südfrankreichbuch

Das Strandcafé an der Riviera
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Rosie will ein neues Leben in Cannes anfangen und erfüllt sich ihren Traum von einem eigenen Café. GeeGee lebt von ihrem Job als Immobilienmaklerin mehr schlecht als recht und Emma und ihre Tochter Cammie ...

Rosie will ein neues Leben in Cannes anfangen und erfüllt sich ihren Traum von einem eigenen Café. GeeGee lebt von ihrem Job als Immobilienmaklerin mehr schlecht als recht und Emma und ihre Tochter Cammie leiden immer noch unter dem Tod des Ehemanns und Vaters.
In diesem Buch begleiten wir die vier einen Sommer lang und dürfen erleben, wie sich vieles zum Besseren wendet, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist.

Mir hat das Buch an sich gut gefallen. Die Charaktere waren liebenswert und die Beschreibungen der Landschaft in Südfrankreich farbenfroh und so gut, dass man sich die Gegend gut vorstellen konnte.

Trotzdem hat mir ein bisschen was gefehlt. Irgendwie wirkten die Geschichten um GeeGee und Emma ein wenig zu flach. Ich hätte gerne mehr über die beiden und ihre Wege erfahren.

Rosies Geschichte fand ich hingegen detailreich genug. Wir lernen ihre Familie kennen und ihre Vergangenheit. Auch das Wiederauftauchen des Vaters und seine Versuche, sich mit seiner Tochter auszusprechen fand ich gelungen.
Das sich mit ihrem Nachbarn Seb auch noch ein sympathischer Freund und Wegbegleiter einstellt ist natürlich besonders schön.

Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen jeder der drei Frauen ein eigenes Buch zu widmen. Dann hätte man GeeGees gescheiterte Beziehung und den Tod von Emmas Mann auch ausführlicher darstellen können. Ich mochte die beiden wirklich sehr.

Alles in allem war es ein gut zu lesendes und unterhaltsames Buch. Trotz der genannten Kritikpunkte war es wirklich schön zu lesen.

Von daher von mir durchaus eine Leseempfehlung

Veröffentlicht am 15.03.2018

Vergessene Geschichte

Das schweigende Klassenzimmer
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1956, in Ungarn wurde gerade der Aufstand von den Sowjets niedergeschlagen. Eine Abiturklasse der DDR beschließt spontan eine Schweigeminute einzulegen. Damit beginnt eine Geschichte die so wahr wie manchmal ...

1956, in Ungarn wurde gerade der Aufstand von den Sowjets niedergeschlagen. Eine Abiturklasse der DDR beschließt spontan eine Schweigeminute einzulegen. Damit beginnt eine Geschichte die so wahr wie manchmal auch traurig ist. Aus dieser Schweigeminute entsteht am Ende der Verdacht, dass das kapitalistische Ausland hier versucht hat die Jugend ideologisch zu vergiften und die DDR gezielt zu schwächen.

Dietrich Garstka erzählt seine Geschichte, die gleichzeitig auch die Geschichte seiner Klassenkameraden ist. Da die Klasse keinen Rädelsführer benennen will und kann, wird sie geschlossen vom Abitur ausgeschlossen. Daraufhin flüchtet der Großteil der Klasse in den Westen.


Diese Geschichte ist wahr, sie ist Dietrich Garstka und seinen Klassenkameraden so passiert. Das schlägt sich auch im Schreibstil nieder. Immer wieder werden diverse staatliche Protokolle zitiert was den Lesefluss gerade am Anfang ziemlich behindert. Trotzdem ist es spannend mitzuerleben, wie die Jugendlichen immer wieder drangsaliert, bedroht und ihre Familien beleidigt werden, bis es zum Ausschluss aus der Schule kommt. Die Flucht in den Westen ist durch die noch offenen Grenzen gerade im nahegelegenen Berlin noch relativ einfach möglich. erstaunt hat mich, dass die zurückgebliebenen Familien zwar Anfangs bedrängt wurden die Kinder zurück zu holen, aber ansonsten nicht viel gegen sie unternommen wurde. Das hat sich wohl erst nach dem Mauerbau deutlich verschärft.


Irritiert hat mich die Erzählperspektive. Es handelt sich zwar um einen Ich-Erzähler, der über sich selbst aber in der dritten Person berichtet. So kam es mir manchmal so vor als wäre der Erzähler ein unbenannter Mitschüler. Am Anfang habe ich es nicht wirklich durchblickt und habe mich mehrmals gefragt, ob es wohl mehr als einen Dietrich in der Klasse gegeben hat. Durch diese schwebende Perspektive kann Garstka auch über die Ereignisse berichten, die er selbst nicht erlebt hat, weil er schon im Westen war. Trotzdem hätte ich mir hier eine andere Lösung gewünscht, ich fand das recht verwirrend.


Obwohl ich mehr einen Roman statt einem Erlebnisbericht erwartet hatte, fand ich das Buch durchaus interessant, zeigt es doch, wie der unsicher Staatsapparat der DDR schon bei kleinsten Unregelmäßigkeiten war. Und wie dann mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde.

Für Geschichtsinteressierte sicher ein interessantes Buch.

Veröffentlicht am 01.02.2018

Nett für zwischendurch

Zweimal heißt für immer
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Josies Vater hat einen schweren Schlaganfall und wird deshalb ins Krankenhaus eingeliefert. Das ist der Grund, warum Josie nach 10 Jahren in ihre Heimatstadt zurückkehrt.
Dieser den Rücken gekehrt hatte ...

Josies Vater hat einen schweren Schlaganfall und wird deshalb ins Krankenhaus eingeliefert. Das ist der Grund, warum Josie nach 10 Jahren in ihre Heimatstadt zurückkehrt.
Dieser den Rücken gekehrt hatte sie, als nach einer schwierigen Kindheit und einem Schicksalsschlag auch die Zukunft plötzlich nicht mehr so aussah, wie Josie sie sich das vorgestellt hatte.
Zu dieser Zukunft gehörte auch Ethan, der nun den Freizeitpark ihres Vaters alleine leiten muss. Josie hat nun die Gelegenheit herauszufinden, ob es nicht doch noch eine Zukunft fürsie in ihrer Heimat gibt.
Das Buch hat mir insgesamt gut gefallen. Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten hinein zu kommen, da die Hintergründe nur langsam in Rückblenden aufgedeckt werden. Deshalb war das Verhalten der Protagonisten teilweise nur schwer nachzuvollziehen.
Das hat sich aber im Laufe des Buches wieder gegeben und dann hatte ich viel Spaß daran. Weitere Bücher der Autorin würde ich durchaus auch lesen wollen. Da es wohl der Auftakt einer Serie ist, werden wir dann hoffentlich auch alte Bekannte wieder treffen.
Alles in allem ist es ein schönes und unterhaltsames Buch. Herzlichen Dank an NetGalley und den Verlag, dass ich es lesen durfte.

Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein bisschen zu viel, ein bisschen zu wenig

Mathilde und Marie
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Marie ist auf der Flucht vor ihrem Leben in Paris, als sie im Zug Jonina kennenlernt. Die bietet ihr an, mit nach Redu zu kommen, einem Ort, in dem Zeit nicht der Feind ist. Hier kommt Marie zur Ruhe und ...

Marie ist auf der Flucht vor ihrem Leben in Paris, als sie im Zug Jonina kennenlernt. Die bietet ihr an, mit nach Redu zu kommen, einem Ort, in dem Zeit nicht der Feind ist. Hier kommt Marie zur Ruhe und kann entscheiden, was ihr wirklich wichtig im Leben ist.

Torsten Woywod beschert uns mit diesem Roman ein Plädoyer für die Entschleunigung. In Redu gibt es kein Handynetz, Zugang zum Internet nur an einer Stunde am Tag. So bleibt mehr Zeit sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen und Dingen auch beim Werden zuzusehen. Genau das ist schön beschrieben, es gibt hier keine Hektik. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob es mir nicht zu ruhig wäre, um dort dauerhaft zu leben.

Das Buch ist an sich schön geschrieben, auch wenn die Dialoge manchmal etwas sperrig sind. Wer setzt denn heute noch ein „meine Liebe“ ans Ende eines Satzes. Das kam mir gerade bei Marie oft genug zu gestelzt vor. Was mich gegen Ende dann sehr genervt hat, war die ständige Wiederholung der Erkenntnis, wie sehr man in Redu doch entschleunigen kann und wie wunderbar das doch ist.

Was mir außerdem gefehlt hat, war die Dorfgemeinschaft, die im Buch eigentlich gar nicht stattgefunden hat. Neben den beiden namensgebenden Frauen treten nur noch 4 weitere Personen auf. Alle anderen 390 Dorfbewohner tauchen über die Geschichte hinweg, wenn dann nur als Schemen auf. Das fand ich schade, da ich bei den Umständen erwartet hatte, dass es ein reges Dorfleben in Redu gibt. Irgendwie hat das der Geschichte auch die Lebendigkeit entzogen.

So interessant die Geschichte war, am Ende war ich froh, das Buch beendet zu haben. Die Redundanzen haben mich am Schluss wirklich sehr genervt, vor allem da sie die Handlung irgendwann auch nicht mehr vorangebracht haben.

Von mir daher eine begrenzte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Die Frau der Stunde

Die Frau der Stunde
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Catharina, Suzanne und Azadeh sind Freundinnen seit der gemeinsamen Internatszeit. Azadeh ist iranische Filmemacherin, Suzanne belgische Journalistin und Catharina deutsche Politikerin. Vor allem Catharinas ...

Catharina, Suzanne und Azadeh sind Freundinnen seit der gemeinsamen Internatszeit. Azadeh ist iranische Filmemacherin, Suzanne belgische Journalistin und Catharina deutsche Politikerin. Vor allem Catharinas Weg steht im Fokus dieses Buches, sie ist die Frau der Stunde. Als sich ihr Parteikollege in einem privaten Skandal verstrickt wird sie die erste deutsche Außenministerin und das Ende der siebziger Jahre.

So begleiten wir sie durch die ersten Monate ihrer Amtszeit und nebenbei auch die iranische Revolution, wenn wir Azadeh in ihr Heimatland begleiten. Hier wird besonders die Rolle der Frauen in der Revolution beleuchtet und auch der Beginn ihrer sofortigen Unterdrückung nach der Flucht des Shahs.

Mir hat das Buch an sich recht gut gefallen. Anfangs war es etwas schwierig ins Buch zu kommen, aber wenn man alle Beteiligten kennengelernt hat, war es schön sie zu begleiten. Die Autorin schildert die gesellschaftliche Situation und gerade die Stellung der Frau in dieser Zeit wirklich gut. Auch insgesamt spürt man das, was die siebziger Jahre so ausmacht. Pril Blumen, Ernte 23 und dauerrauchende Menschen, sowie die abschätzige Behandlung von Frauen in der Politik sind hier Themen.

Allerdings gab es auch einige Störpunkte für mich. Einige Nebencharaktere wurden ausführlich eingeführt, um dann mehr oder weniger im Nichts zu verschwinden. Die Einführung lässt auf einen bedeutenden Einfluss auf den Plot hoffen, was dann aber oft einfach gefehlt hat. So hätte ich mir mehr von Catharinas Mutter sowie der Assistentin Juliane Birkel und ihrer Freundin Doris Bock erwartet.

Auch das Ende hat mich leider unzufrieden zurückgelassen. Gefühlt bleiben alle Handlungsstränge offen. Natürlich kann man als Leser*in die Geschehnisse weiterspinnen, allerdings war mir hier vieles einfach zu unabgeschlossen. Damit war mir das Ende zu offen und es ist auch keine Fortsetzung angekündigt. Auch hat mir ein persönliches Statement der Autorin, sei es als Vor- oder Nachwort, gefehlt.

Wer sich nicht an sehr offenen Enden stört ist hier sicher richtig. Das Buch ist gut recherchiert und transportiert ein Gefühl für die Zeit. Für mich hat aber einiges gefehlt.

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