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Veröffentlicht am 28.07.2018

Ein Roman zu den olympischen Spielen in London

Gold
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Der Brite Chris Cleave hat hier ein passendes Buch zum englischen Großereignis des Jahres 2012 verfasst: zu den olympischen Spielen in London - und zwar einen mitreißenden Roman rund um den Radsport.

Es ...

Der Brite Chris Cleave hat hier ein passendes Buch zum englischen Großereignis des Jahres 2012 verfasst: zu den olympischen Spielen in London - und zwar einen mitreißenden Roman rund um den Radsport.

Es geht hier um das Leben und Wirken der beiden Freundinnen Kate und Zoe, zwischen denen ein Mann und ein Kind - Kates Mann Jack - ebenfalls ein erfolgreicher Radsportler - und die gemeinsame schwerkranke Tochter Sophie stehen. Zudem wetteifern sie seit Jahren in ihrer Disziplin - wobei Zoe mit der Goldmedaille 2004 in Athen bereits einen namhaften Erfolg vorzuweisen hat - Kate blieb bei der schwerkranken Tochter. Der Sport fungiert hier quasi als Darstellung einer Leidenschaft - obwohl man quasi beiläufig Detailliertes und Wissenswertes über den Radsport erfährt, hätte es auch durch etwas anderes ersetzt werden können.

Ein schicksalhafter Roman mit dramatischen Entwicklungen und einem für mich überraschenden Ende, wobei ich teilweise das Gefühl hatte, dass der Autor merkwürdige Vorstellungen von einer Frauenfreundschaft hat- die Handlungen, Beweggründe und Motivationen der beiden Protagonistinnen waren für mich nicht immer nachzuvollziehen. Aber wer weiß - die Charaktere sind unterschiedlich.

Ein positiver Aspekt, den ich noch benennen möchte, ist die wie immer gelungene Übersetzung von Susanne Goga-Klinkenberg, einer Meisterin ihres Faches - normalerweise sind eher Krimis bzw. Spannungsliteratur im weitesten Sinne ihr Metier, doch auch hier schlägt sie sich bravurös.

Ich kann mir vorstellen, dass Leser, die offener als ich für Schicksalsdramen sind, diesem Buch mehr Begeisterung entgegenbringen werden - doch auch so garantiert es solide Unterhaltung rund um ein zeitgeschichtliches Großereignis, an das sich viele noch bildhalft erinnern.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Einen interessanten Schülerjob

Zeitenzauber - Die goldene Brücke
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hat die Abiturientin Anna - sie ist nämlich Zeitwächterin, reist im Auftrag des entsprechenden Geheimbundes in die Vergangenheit - meist zusammen mit ihrer großen Liebe Sebastiano - und rettet dort die ...

hat die Abiturientin Anna - sie ist nämlich Zeitwächterin, reist im Auftrag des entsprechenden Geheimbundes in die Vergangenheit - meist zusammen mit ihrer großen Liebe Sebastiano - und rettet dort die ein oder andere Seele, die ansonsten verloren gehen könnte, so gleich zu Beginn des Buches Giacomo Casanova aus dem Gefängnis, der ansonsten seine ganzen Liebesabenteuer nicht hätte erleben und vor allem hätte er nicht die darauf basierenden Geschichten, die die Nachwelt noch bis heute erfreuen, schreiben können! Die Bezahlung dieser Jobs ist allerdings meist eher mies

Aber es besteht auch Gefahr, in der früheren Zeit steckenzubleiben und genau das droht Sebastiano in Paris - Anna wird also gleich nach einer besonders ätzenden Matheklausur dorthin gerufen, um ihn rauszuholen, er ist nämlich mitten im 17. Jahrhundert, hält sich für einen Musketier und denkt nicht im Traum daran, wieder ins wahre Leben zurückzukehren.

Und damit nehmen die Wirren ihren Lauf...

Lesen Sie selbst, denn zu viel sollte man von dieser spannenden, actionreichen Geschichte nicht im Vorfeld verraten. Für mich ein wenig zu wirr, zu actionreich - ich mag eher Bücher, in denen die Sprache und die Erzählkunst im Vordergrund stehen - dagegen ist dies eher ein praller, manchmal überfüllter Film. Für Freunde unterhaltsamer Jugendbücher mit Zeitreisethemen und Fantasy-Elementen also genau das Richtige und aufgrund des durchaus lehrreichen reellen historischen Hintergrunds auch als nachhaltige Lektüre für Jugendliche durchaus zu empfehlen! Optisch aufgepeppt wird der Band durch die bezaubernde Seitengestaltung - jede Seitezahl ist liebevoll in eine historische Laterne "gehüllt", stimmungsvolle Zeichnungen führen in jeden Teil des Romans ein.

Auf die Suche nach der verlorenen Zeit brauchen sich also Anna und Sebastiano frei nach Proust nicht zu begeben, da sie diese immer wieder finden: mal da, mal dort - mal im 17., mal im 18. Jahrhundert und der Leser darf gespannt sein, wohin der noch ausstehende dritte Band sie führen wird!

Veröffentlicht am 28.07.2018

Eine geraubte Kindheit

Du verreckst schon nicht!
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muss Jana Koch-Krawczak erleiden, in der Schläge und Strafen durch die Eltern - vor allem durch die Mutter, der Vater ist irgendwann nicht mehr präsent - sich abwechseln mit Nichtbeachtung und Ignoranz. ...

muss Jana Koch-Krawczak erleiden, in der Schläge und Strafen durch die Eltern - vor allem durch die Mutter, der Vater ist irgendwann nicht mehr präsent - sich abwechseln mit Nichtbeachtung und Ignoranz. Selbstverständlich hat dies fatale Folgen für ihr weiteres Leben, das sich in einem Milieu von Kriminalität und Prostitution abspielt, bis sie die Kraft hat, dort hinauszufindet.

Ohne Zweifel ein ausgesprochen erschütternder Lebensbericht, doch mit Sicherheit nicht einzigartig. Wer sich hier eindrucksvolle, sich jahrelang ins Gedächtnis einbrennende Schilderungen im Stil von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" von Christiane F. oder "Tiger,Tiger" von Margaux Fragoso erwartet, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wie ich enttäuscht sein. Leider krankt dieser Tatsachenbericht sehr am Stil, der nicht lebendig genug rüberkommt, das Geschehene, Erlittene nicht eindringlich transportiert. Es mag zwar unpassend klingen, das bei einem Buch dieser Art anzuführen, doch ist auch hier die Qualität des Schreibstils wesentlich, sie trägt zur Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit der vermittelten Inhalte bei - im vorliegenden Buch ist sie - da nicht vorhanden - diesen in hohem Maße abträglich.

So bleibt dieses Schicksal eines von vielen: Jana wird von ihren Eltern schlecht behandelt und hat ein schweres, ja tragisches Leben und berappelt sich aus eigener Kraft wieder, was sehr bewunderswert ist. Aber es gibt wesentlich ergreifendere und eindringlicher geschilderte Lebensberichte in Buchform - dieser bleibt leider einer von vielen, den man rasch wieder vergisst. Das hat ein Buch mit solchen Botschaften nicht verdient, aber mir bleibt hier - leider, leider - der überhaupt nicht gehässig gemeinte Kommentar: selbst schuld!

Veröffentlicht am 28.07.2018

Ein unerhörtes Leben mit so mancher Länge und ohne den finalen Kick

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat
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Ein eher merkwürdiger bzw. eigentümlicher Junge, dem zunächst etwas Absurdes widerfährt, der dann über sich hinauswächst und Ungewöhnliches leistet - alles schon gehabt? Ja, richtig! Und so ganz neu war ...

Ein eher merkwürdiger bzw. eigentümlicher Junge, dem zunächst etwas Absurdes widerfährt, der dann über sich hinauswächst und Ungewöhnliches leistet - alles schon gehabt? Ja, richtig! Und so ganz neu war auch vieles andere hier nicht - trotzdem: ich habe das Buch gern gelesen, es ist in einem charmanten Stil geschrieben und trotz arg vieler Längen mangelt es ihm nicht an Charme und Witz. Woran es dem Werk aber vor allen Dingen NICHT mangelt, ist ein intelligenter Autor, der sich auf Anspielungen und Ableitungen versteht und damit einiges wieder wettmacht. Zudem macht er Lust auf mehr: der vergleichsweise junge Gavin Extence hat mit "Das unerhörte Leben des Alex Woods" mit Sicherheit noch kein Meisterwerk abgeliefert, mit der Betonung auf NOCH nicht. Ein offener und optimistischer Rezipient vermag hier nämlich durchaus Potential zu erkennen - es bleibt also zu hoffen, dass Extence in den kommenden Jahren für eine literarische Bombe verantwortlich zeichnen wird.
Ich denke an das Buch als an ein quasi zweiteiliges Leseerlebnis zurück: den ersten Teil muss man überwinden, um zum interessanteren, aber nicht unbedingt originelleren 2. Teil zu kommen, in dem die Geschichte ordentlich Fahrt aufnimmt und durchaus tiefsinnige moralische Fragestellungen aufwirft - trotz oder gerade deswegen hätte der Autor mit seinen Botschaften, die durchaus vorhanden sind, einiges mehr bewirken können.
Fazit: erinnert doch sehr an "Ein ganzes halbes Jahr" in anderem Gewand (wobei mich dieses eher noch weniger überzeugte), wobei es mit Sicherheit nicht als ein Abklatsch zu verstehen ist, dazu differiert das Umfeld doch zu stark, was sich mit Sicherheit auf die mögliche Zielgruppe auswirkt. Aber aus meiner Sicht befindet sich Gavin Extence hier mit der Autorin Jojo Moyes dahingehend in einem Boot, als dass sie - zudem in mehr als ähnlichen thematischen Schwerpunkten - lediglich einen Rohentwurf bieten, der seine ganze Kraft und Wirkung noch nicht voll entfalten kann. Wer im Gegensatz zu mir von "Ein ganzes halbes Jahr" völlig hin und weg ist, dem empfehle ich das Buch allerdings wärmstens, genauso wie es die etwas jüngere Leserschaft, gern auch als "Junge Erwachsene" bezeichnet, ansprechen dürfte.
Ich selbst habe das Leseerlebnis überhaupt nicht bereut, konnte aber mit den gelegentlich etwas leblos scheinenden Protagonisten weder lachen noch weinen - hier fehlte mir irgendwie der finale Kick.

Veröffentlicht am 28.07.2018

It's a very, very nerd world

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
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oder ist es doch "a Mad World", wie sie einst Roland Orzabal von "Tears for Fears" besang? Ich würde mal sagen, dieses Buch beinhaltet auf jeden Fall beides!

Ein wunderschönes Cover, das das Buch eines ...

oder ist es doch "a Mad World", wie sie einst Roland Orzabal von "Tears for Fears" besang? Ich würde mal sagen, dieses Buch beinhaltet auf jeden Fall beides!

Ein wunderschönes Cover, das das Buch eines jeden Bibliophilen höher schlagen lässt, eine kleine, verwunschene Buchhandlung mit einem überaus verschrobenen Buchhändler - das schien überaus vielversprechend, ich konnte mich der Magie dieser Versprechungen nicht entziehen. Und fiel - sinnbildlich gesehen - so ziemlich auf die Nase. ich hätte nämlich dem ebenfalls auf dem Cover abgebildeten, sich im Bücherregal befindlichen Monitor mehr Bedeutung beimessen sollen - für meinen Geschmack sind in diesem Buch nämlich eindeutig zu viele Nerds unterwegs, die mit ihren Methoden dem alles überlagerndem Geheimnis auf den Grund zu rücken versuchen.

Was passiert? Ein arbeitslos gewordener Nerd, nämlich Clay Jannon, findet einen neuen Job in einem Buchladen - und in was für einem! Mr. Penumbras Laden mitten in San Francisco ist ein Traum für Bibliophile mit besonderen, ungewöhnlichen Wünschen - wie ungewöhnlich die Wünsche wie auch die Bibliophilen sind, dies offenbart sich erst nach und nach. Und alles zielt auf ein uraltes Geheimnis, dem Penumbra mitsamt den ungewöhnlichen Kunden auf der Spur ist. Clay und seine Freunde - ja, auch ein Nerd hat welche und es gibt auch mal eine Nerd-Romanze zwischendurch - sind bald mittendrin auf einer Jagd durch die Staaten. Diese ist leider nicht verwegen, sondern ziemlich langweilig und fungiert zudem als Werbeträger für Firmen wie Google - die man fast schon als eine der relevantesten Player im ganzen Buch bezeichnen kann, aber auch Kindle und ipads werden erwähnt.

Am Ende versammelt Clay alles seine Lieblingsmenschen in einem Raum und dies ist genauso pathetisch, wie es klingt. Sequenzen wie "Mats Vorhaben ist total größenwahnsinnig, zwanghaft und vermutlich unmöglich. Mit anderen Worten: genau das Richtige für diesen Laden." (S.264) ließen mich lange auf den besonderen Clou hoffen, der sich aber leider in Langatmigkeit und Langeweile verlor. Schade.