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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2019

Ein einzigartiges Buch, aber ob die Brücken tragfähig sind?

Die Evangelikalen
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Der 1952 geborene Theologe, Jürgen Mette, lädt in diesem Buch dazu ein, Christen anderer Denominationen anzunehmen. Er selbst ist in einem frommen Elternhaus aufgewachsen, und er ist dankbar für diese ...

Der 1952 geborene Theologe, Jürgen Mette, lädt in diesem Buch dazu ein, Christen anderer Denominationen anzunehmen. Er selbst ist in einem frommen Elternhaus aufgewachsen, und er ist dankbar für diese Prägung. Nach seinem Theologiestudium arbeitet er als Evangelist, in der Medienbranche und in der evangelischen Allianz.

In späteren Jahren erkrankt er an Parkinson, was für ihn ein starker Einschnitt ist. Vielleicht ist es vor allem dieses Erlebnis, und die Frage nach dem Leid, die ihn zum Nachdenken bringt. Er will sich verändern und wandeln und stets von anderen Christen korrigieren lassen. Manches, das er vorher nicht zu hinterfragen wagte, ist für ihn nun nicht mehr so klar.

Nach einem Einblick in seiner persönlichen Geschichte, wirft Jürgen Mette viele Fragen auf. Er will bibeltreue Christen dazu einladen einen historisch-kritischen Zugang zur Bibel nicht von vorne herein abzulehnen. Er wirbt für Verständnis, wenn es um sexualethische Fragen geht. Dabei gibt er keine Antworten, und der Leser kann seine Ansicht nur erahnen. Es geht ihm wohl auch nicht um Antworten, sondern um ein gnädiges Annehmen des Anderen.

Mit sprachlich pfiffigen und wunderbar anschaulichen Formulierungen („wer Schaum vor dem Mund hat, sollte sich lieber rasieren“) ist das Lesen größtenteils ein Genuss. Menschen, die in der Gemeinschaftsbewegung aufgewachsen sind, werden sich in seinen Kindheitserinnerungen wiederfinden.

Warum trotzdem nur drei Sterne? Das Thema Einheit ist in der Tat sehr wichtig. Nach Johannes 17 ist es Jesus ein großes Anliegen, dass seine Nachfolger sich lieben. Aber auch wenn Jürgen Mette das Problem durch seine Allianztätigkeiten kennt, bietet dieses Buch nicht wirklich eine Lösung an.

Er geht vor allem auf Bibelkritik und sexualethische Themen ein, dabei gibt es viele andere Fragen, die Gemeinden spalten. Welche Ämter dürfen von Frauen besetzt werden? Wann wird getauft? Welche Rolle spielen Geistesgaben?

Bei der Bibelkritik möchte der Autor dem Leser nahelegen, dass Bibellesen immer schon Kritik beinhaltet, denn beim Lesen überlegt man welche Aussagen zeitbedingt sind, und welche uns heute noch betreffen. Im Buch klingt es manchmal so, als sei das Studium der Theologie notwendig, um die Bibel wirklich zu verstehen. Die Geschichte der Kirche widerlegt das. Ob in der ersten Gemeinde oder heute unter verfolgten Christen; viele ungebildete Menschen verstehen weitaus mehr von der Bibel als studierte Theologen. Das liegt mit Sicherheit an der Mitwirkung des Heiligen Geistes beim Lesen, etwas, das keine Wissenschaft erklären kann.

Obwohl das Thema Homosexualität immer wieder aufgeführt wird, bleiben die Aussagen dazu sehr vage. Es scheint, dass der Autor weiterhin zu den bibeltreuen Evangelikalen gezählt werden möchte, aber vielleicht nicht so ganz. Als Leser bleibt man an einigen Stellen verwirrt zurück. Was wurde eigentlich über dieses Thema ausgesagt?

Erstaunlich sind die Aussage im Gespräch mit Wolfgang Bühne. Der Autor sagt an dieser Stelle, dass Pfarrer, die eine leibhaftige Auferstehung ablehnen eher seine Geschwister sind als Christen, die ihm die Bibeltreue abstreiten. Abgesehen davon, dass seiner Meinung nach die Leugnung einer leibhaftigen Auferstehung eine theologische Extravaganz ist, scheint diese Entgegnung sehr lieblos zu sein.

Fazit: Einzigartig geschrieben, mit einer fesselnde Schreibweise und einigen interessanten Denkansätzen, ist es jedoch fraglich, ob der Inhalt tatsächlich hilft Brücken zwischen Christen zu bauen, oder Gräben vertieft.

Veröffentlicht am 31.03.2019

Manches Top, anderes Flop

Finger weg! Nur für Mädels
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Die Zeit der Pubertät ist schwierig. Nicht nur der Körper verändert sich, Gefühle und Gedanken sind oft in Aufruhr, und die Beziehung zu den Eltern verändert sich. Mädchen haben jede Menge Fragen, aber ...

Die Zeit der Pubertät ist schwierig. Nicht nur der Körper verändert sich, Gefühle und Gedanken sind oft in Aufruhr, und die Beziehung zu den Eltern verändert sich. Mädchen haben jede Menge Fragen, aber diese Fragen sind zum Teil so persönlich und intim, dass sie nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Da kann dieses Buch eine Hilfe sein.

Die Themenauswahl umfasst die wichtigsten Fragen in diesem Alter. Es geht um den Körper und Selbstwert, das Thema Sexualität wird sehr ausführlich behandelt, und daneben geht es in kürzeren Kapiteln um Freundschaften und Mobbing, Süchte und die Berufswahl.

Die einzelnen Themen werden mit dem Tagebucheintrag eines 15jährigen Mädchens eingeleitet, die sich in ihrem veränderten Körper nicht wohlfühlt, sich verliebt, und sich Gedanken über Mobbing und Schule macht. Nach dieser Einleitung kommen jeweils sachliche Erklärungen. Dazwischen wird der Text immer wieder durch Einschübe aufgelockert, zum Beispiel Checklisten, Handynachrichten oder zum Thema passende Tipps.

Sehr schön und hilfreich sind die Gedanken zur Selbstannahme, und auch die wichtige Warnung vor Ess-Störungen. So schreibt die Autorin, „… echte Schönheit kommt von innen. Deine Einstellung, dein Umgang mit dir selbst und mit anderen ist das, was dich wirklich schön macht.“

Dieses Buch ist in einem christlichen Verlag erschienen. Der nichtchristliche Leser wird sich vielleicht auf die selbstverständlichen Hinweise auf Gott stören. Christliche Eltern hingegen werden teilweise den ethischen Maßstäben, die hier vorgestellt werden, nicht zustimmen. Auch wenn die Autorin empfiehlt mit dem Sex bis zur Ehe zu warten, ist sie der Meinung, dass das nicht unbedingt von der Bibel her klar ist, und letztlich jedem selbst überlassen bleibt.

Auch Selbstbefriedigung sei in Ordnung, solange es nicht ausartet. „Für den späteren Sex zu zweit kann es sogar sehr hilfreich sein, wenn man seinen Körper schon kennt, und weiß, was sich gut anfühlt und wie man sich auf erotisches Empfinden einlassen kann.“ Es ist die Frage, ob Sex allein wirklich eine gute oder gar notwendige Voraussetzung für eine Partnerschaft ist. Außerdem wird dieses Buch ab elf Jahren empfohlen, ein Alter in dem die meisten Mädchen mit Sicherheit nicht auf die Idee kommen würden sich selbst zu befriedigen. Da könnten diese Erklärungen eine ungesunde Neugierde erwecken.

Bei Teenager Schwangerschaften gibt es Alternativen zur Abtreibung, meint die Autorin, aber auch das müsse jeder selbst wissen. Und entgegen der Aussage der Autorin, sagen Experten, dass die Pille danach ein Embryo, also Leben, abtreiben kann. Auch auf das Thema Homosexualität geht die Autorin ein. Hier empfiehlt sie sich nicht voreilig festzulegen, wenn gelegentlich homoerotische Gefühle da sind, aber auch da sind ihrer Meinung nach die biblischen Aussagen nicht maßgeblich, da sie auf dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit verstanden werden müssen.

Auch in anderen Kapiteln gibt es Aussagen, die unter Umständen nicht den Erwartungen christlicher Eltern entsprechen. So wird zwar auf Gottes Hilfe hingewiesen, aber auch empfohlen sich einen inneren Helfer vorzustellen, der in Schwierigkeiten bei einem ist und hilft. Das mag Sicherheit geben, ist aber letztlich eine Phantasiegestalt. Hoffentlich erweckt das nicht den Eindruck Gottes Hilfe wäre auch eine seelische Krücke, um besser mit dem Leben zurechtzukommen. Zu der Frage, warum es Leid gibt, wird eine fragwürdige Theorie vorgestellt. Gottes Allmacht bedeute vielleicht nur „extrem mächtig“. Vielleicht gibt es manches, das er nicht tun kann, und darum gibt es Leid in der Welt. Leid, das Gott gerne beseitigen würde, wenn er die Macht dazu hätte. Das ist weder in theologischer noch in seelsorgerischer Hinsicht hilfreich.

Fazit: Dieses Buch enthält wunderbare Aussagen über Körperannahme und Selbstwert, aber wenn es um theologische und ethische Fragen geht, scheinen die Aussagen einen Spagat darzustellen, vielleicht um sowohl christliche als auch nichtchristliche Leser zufriedenzustellen. Das gelingt in diesem Buch definitiv nicht. Wenn christliche Eltern ihren Töchtern dieses Buch geben, sollten sie es unbedingt zuerst selbst lesen, und kritische Aussagen mit ihren Töchtern besprechen.

Veröffentlicht am 06.10.2018

Menschen mit einem tieferen Glauben heranziehen

Tiefgänger
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Der Autor, Gordon MacDonald, ist in diesem Roman Pastor einer fiktiven Gemeinde im Nordosten Amerikas. Er und seine Frau stehen kurz vor dem Ruhestand. Ausgelöst durch die Frage eines Nachbarn, der kein ...

Der Autor, Gordon MacDonald, ist in diesem Roman Pastor einer fiktiven Gemeinde im Nordosten Amerikas. Er und seine Frau stehen kurz vor dem Ruhestand. Ausgelöst durch die Frage eines Nachbarn, der kein Kirchgänger ist, überlegt sich Gordon was seine Gemeinde auszeichnet, und inwieweit es Strukturen gibt, um die Ideale seiner Gemeinde umzusetzen. Im Laufe von mehreren Monaten entwickelt er eine Idee, die er als revolutionär empfindet. Er möchte einen Kurs anbieten, in dem ausgewählte Gemeindeglieder ein Jahr lang lernen ihren Glauben zu vertiefen. Auf diese Weise möchte er seine Lebenserfahrungen der jüngeren Generation weitergeben, und dafür sorgen, dass es auch nach seinem Weggang Mitarbeiter gibt, die mit ganzem Herzen dabei sind und Verantwortung übernehmen. Solche Menschen nennt er „Tiefgänger“.

Was genau sind aber Tiefgänger? An einer Stelle des Buchs werden sie so beschrieben: „Sie stehen Jesus anbetend und ehrfürchtig gegenüber. Außerdem spürt man ihnen ab, dass sie sich um andere kümmern – innerhalb und außerhalb der Gemeinde. Sie strahlen eine gewisse Ruhe und Sicherheit aus, wenn sie schwierige Zeiten erleben. Ihnen ist es nicht peinlich, über Gottes Gnade und Segen in ihrem Leben zu sprechen. Sie führen ein lebendiges Gebetsleben und haben einen großen Glauben und große Zuversicht in Gottes Wirken. Und auf die eine oder andere Art haben sie Einfluss auf andere. Leute kommen zu ihnen, wenn sie Inspiration, Ratschläge und Zuspruch brauchen.“

Es gibt viel Vorarbeit, bevor das Programm endlich beginnen kann. Anregungen aus der Geschäftswelt werden ebenso eingebunden, wie das jüdische Prinzip von Rabbi und Nachfolger. Nach einer einjährigen Vorbereitungszeit, geht es endlich los. Beim Auswahlprozess sind einige Gemeindeglieder enttäuscht, dass sie nicht Teil dieser besonderen Gruppe sein dürfen.

Erst im letzten Viertel des Buchs wird über den Ablauf die Abende berichtet. Die Teilnehmer lernen in Gemeinschaft zu beten, welche Persönlichkeitskomponente sie haben, wie man einen biblischen Text liest, und wie Glaubensvorbilder gelebt haben. Eingeladene Gäste erzählen aus ihrem Leben, und alle Teilnehmer müssen selbst ihren persönlichen Lebensweg aufschreiben und mit der Gruppe teilen. Nach diesem Jahr haben sich nicht nur die Teilnehmer weiterentwickelt, die Co-Leiter sind bereit die Arbeit im kommenden Jahr ganz zu übernehmen.

Obwohl dieses Buch ein Roman sein soll, wirkt es eher wie ein Sachbuch. Die Einträge beginnen oft mit einem kurzen Mailwechsel oder Tagebucheintrag, anschließend berichtet der Autor über Gespräche oder Überlegungen zum Projekt. Im Laufe von zwei Jahren erhält der Leser Streiflichter aus dem Alltag des Pastors, von der ersten Idee bis zum Abschluss des Kurses. Stellenweise, vor allem am Anfang, verliert sich der Bericht zu sehr in Details und ist dadurch langatmig. Auch der Stil kann nicht überzeugen. Die Gedankenanregungen sind teilweise gut und wichtig, aber als Sachbuch wäre es leichter die Ideen umzusetzen. In dieser Form fällt es schwer konkrete Impulse zu entnehmen.

Auch wenn die erwartete Verbindlichkeit der Gruppe vorbildlich ist, fragt man sich beim Lesen, ob es im Sinne des Evangeliums ist einzelne Gemeindeglieder auszuwählen und zu einer Elite-Gruppe auszubilden. Schöner wäre es, wenn das Bewusstsein in Gemeinden wachsen würde, aus allen Kirchenbesuchern Jünger zu machen.

Ausgehend von Lukas 9, 57-62 begründet der Autor das Auswahlprinzip damit, dass Jesus auch drei Menschen weggeschickt hat, die ihm nachfolgen wollten, aber das steht nicht in diesem Text. Jesus macht lediglich auf den Preis der Nachfolge aufmerksam, wie die Jünger sich entschieden haben, bleibt offen.

Fazit: Gute Impulse, aber sowohl das gewählte Genre als auch der Inhalt überzeugen stellenweise nicht.

Veröffentlicht am 17.09.2018

Die Suche führt zu einem anderen Ziel

Der Abgrund in dir
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Das Buch beginnt mit einer dramatischen Szene auf einem Boot, in der Rachel ihren Mann erschießt. Im letzten Moment sieht sie, wie er sie liebevoll anschaut. Was hat sie nur getan?

Nach dieser erschütternden ...

Das Buch beginnt mit einer dramatischen Szene auf einem Boot, in der Rachel ihren Mann erschießt. Im letzten Moment sieht sie, wie er sie liebevoll anschaut. Was hat sie nur getan?

Nach dieser erschütternden Szene wird Rachels Leben aufgerollt, von Kindheit an. Sie wächst allein mit ihrer Mutter auf, einer herrschsüchtigen, kalten Frau. Rachel möchte nichts lieber als einfach wissen, wer ihr Vater ist, aber ihre Mutter nimmt ihr Geheimnis mit ins Grab.

Rachel entdeckt im Nachlass ihrer Mutter einige Fotos. Könnte hier ein Hinweis auf ihren Vater zu finden sein? Sie beauftragt einen Privatdetektiv, der ihr offen sagt, dass diese wenigen Hinweise nicht reichen, um ihren Vater zu finden.

Ein geheimnisvolles Band verbindet sie mit diesem Detektiv, auch wenn sie sich bald danach aus den Augen verlieren. Rachel heiratet, und arbeitet erfolgreich als Journalistin. Doch nach einem Einsatz auf Haiti ist nichts mehr wie davor. Nach einem peinlichen Zusammenbruch bei einem Dreh, wagt sie sich nicht mehr unter Menschen. Ihre Ehe scheitert, aber schon bald entdeckt sie ihren Retter. Aber irgendwann weiß sie nicht mehr, was stimmt. Ist dieser Mann wirklich ihr Retter? Oder benutzt er sie nur als Schachfigur in einem krankhaften Spiel?

Am Anfang des Buchs scheint die Suche nach dem Vater das Hauptthema des Buchs zu sein. Aber schon bald führt diese Suche in eine andere Richtung. Die Auflösung dieser Suche ist dann schließlich recht belanglos im großen Ganzen des Buchs.

Obwohl die Erzählung größtenteils spannend ist, sind die aufgeschriebenen Gedanken Rachels manchmal zu lang und wiederholen sich. Dadurch verliert die Geschichte an Spannung. Die Innenwelt Rachels ist zwar wichtig für die Geschichte, aber weniger hätte auch gereicht. Das Ende ist etwas enttäuschend; einige lose Enden bleiben offen, und das Ergebnis lässt den Leser unbefriedigt zurück.

Fazit: Eine teilweise sehr gut erzählte und spannende Gesichte, die aber an einigen Stellen besser sein könnte.

Veröffentlicht am 11.09.2018

Eine Familie überdenkt ihren Glauben

Wie Opas schwarze Seele mit einem blauen Opel gen Himmel fuhr
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Fünf Personen, drei Generationen, ein Haus. Als Annikas Vater Witwer wird, lädt sie ihn ein bei ihnen in einer Einliegerwohnung zu leben. Ihre Kinder haben zuerst Bedenken. Sie kennen ihren Opa kaum, haben ...

Fünf Personen, drei Generationen, ein Haus. Als Annikas Vater Witwer wird, lädt sie ihn ein bei ihnen in einer Einliegerwohnung zu leben. Ihre Kinder haben zuerst Bedenken. Sie kennen ihren Opa kaum, haben aber gehört, dass er einige merkwürdige Gewohnheiten hat.

Der Vater der drei Kinder ist vor zwei Jahren gestorben. Der älteste Sohn studiert Theologie, die Tochter ist Schulanfängerin. Die Geschichte wird hauptsächlich von Rene, dem mittleren Kind, erzählt, einem ganz normalen 11jährigen, der sich viele Gedanken über Gott und die Welt macht.

Für die kleine Familie ist der Glaube ein selbstverständlicher Teil des Lebens. Umso verstörender ist es, dass der Großvater ihre Gewohnheiten und Überzeugungen hinterfragt. Annika und die zwei Söhne reagieren darauf unterschiedlich. Während die Mutter die Fragen ihres Vaters vor allem als Bedrohung auffasst, ist der größere Sohn sich sicher die besseren Argumente zu haben. Rene ist es nicht gewohnt, dass jemand den Glauben seiner Familie in Frage stellt. Er passt gut auf, wenn sein großer Bruder und Opa streiten, und versucht seinen eigenen Standpunkt zu finden.

Opa bringt Aufruhr mit sich; ob es sein Besuch in der Gemeinde ist, oder sein Interesse an der hübschen Witwe nebenan. Dazu gibt es ein Rätsel, das die Kinder gerne lösen wollen. Warum sammelt Opa Zeitungsausschnitte mit skurrilen Geschichten? Und am Ende steht die Frage, was nach dem Tod kommt.

Die Geschichte ist gut erzählt, die sympathische Familie wechselt sich beim Erzählen der Erlebnisse mit Opa ab. Die Gedanken und Erfahrungen wirken sehr authentisch. Das Hinterfragen von übernommenen Denkmuster ist gut und wichtig. Die Lösungsansätze des Autors überzeugen allerdings nicht.

Im Laufe der Erzählung werden hin und wieder ethische und religiöse Fragen aufgeworfen. Ist für Christen Sex außerhalb der Ehe erlaubt? Wie vertragen sich Glaube und Wissenschaft? Stimmt der biblische Schöpfungsbericht? Kommen Menschen, die sich zu Lebzeiten gegen den Glauben entscheiden, in die Hölle? Die Antworten, die Rene und seine Familie finden, sind allerdings zweifelhaft. So wird die Vorstellung, dass Menschen nach dem Tod noch eine Möglichkeit der Läuterung haben, mit einer Vision des Inders Sundar Singh begründet. Das ist sicher eine angenehmere Vorstellung als ein endgültiges Gericht, aber ohne überzeugende biblische Begründung reicht diese Erklärung nicht aus.

Fazit: Eine gut erzählte, unterhaltsame Geschichte, die aber theologisch nicht überzeugen kann.