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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.12.2018

Wunderbar einfühlsamer Roman über eine furchtbare Zeit

Jahre aus Seide
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In dem Buch " Jahre aus Seide", erschienen im Aufbauverlag, beschreibt die Autorin Ulrike Renk das Schicksal der jüdischen Familie Meyer in den Jahren 1926 - 1938 in der Seidenstadt Krefeld. Das Buch ...

In dem Buch " Jahre aus Seide", erschienen im Aufbauverlag, beschreibt die Autorin Ulrike Renk das Schicksal der jüdischen Familie Meyer in den Jahren 1926 - 1938 in der Seidenstadt Krefeld. Das Buch ist der 1. Teil der auf 3 Bände ausgelegten Seidenstadt - Saga.

Aus Sicht von Ruth Meyer, ältester Tochter von Karl und Martha Meyer, erfährt der Leser von der glücklichen und behüteten Kindheit des aufgeweckten Mädchen und erlebt ihr Heranwachsen zum Backfisch, zur jungen Frau. Der Vater, der als Handelvertreter gut verdient, ermöglicht der Familie ein sorgenfreies und previligiertes Leben mit einem eigenen Haus und Personal.

Schleichend verändert sich das politische Klima in Deutschland, bis hin zur Machtergreifung Hitlers.Damit ändern sich auch nach und nach die Lebensumstände der Meyers und aller anderen Juden. Zunächst hatte die Familie immer noch darauf gehofft, dass die NSDAP und Hitler wieder von der Bildfläche verschwinden würden, ein Trugschluss, der die Familie viel zu spät die Pläne einer möglichen Auswanderung vorantreiben lässt.

Ulrike Renk ist ein berührender Roman gelungen, der wahre Begebenheiten mit fiktiven Elementen verknüpft. Mehr dazu erfährt man in einem sehr interessanten Nachwort.

Die Protagonistin Ruth war mir direkt sehr sympathisch. Dieses lebensfrohe, selbstbewusste Mädchen hatte das Herz am rechten Fleck und war ihrer Familie immer eine große Stütze. Auch die anderen Familienmitglieder, sowie Freunde und auch Personal der Meyers mochte ich sehr. Nun ja die Großmutter Emilie war ein bisschen schwierig und fand immer das Haar in der Suppe. Aber so eine Person gibt es wohl in jeder Familie. Mir hat sehr gefallen, das die Meyers ihr Personal immer auf Augenhöhe behandelt haben, so dass aus Mitarbeitern im Laufe der Jahre echte Freunde wurden.

Dieser Roman besticht durch seine leisen Töne. So richtig dramatisch wird es erst am Ende und wie ich vermute in den Folgebänden.Leider sind in der jetzigen Auflage einige grammatikalische Fehler zu finden. Das ist schade.

Ich mochte das Buch aber sehr und warte mit Ungeduld auf die Fortsetzung. Es war sehr spannend für mich mehr über dieses dunkle Kapitel aus meiner Geburtsstadt zu erfahren.

Veröffentlicht am 06.12.2018

Märchenhafte Geschichte von einer jungen Frau, die anderen Menschen in die Seele blickt und sich selbst noch nicht gefunden hat

Juli verteilt das Glück und findet die Liebe
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Juli Mahlo ist nicht ganz von dieser Welt. Sie liebt es, inmitten vertrauter Dinge zu sein, besonders in ihrem Blumenladen, eingehüllt von tausenderlei Farben und Düften. Und sie fürchtet das Schweigen ...


Juli Mahlo ist nicht ganz von dieser Welt. Sie liebt es, inmitten vertrauter Dinge zu sein, besonders in ihrem Blumenladen, eingehüllt von tausenderlei Farben und Düften. Und sie fürchtet das Schweigen nicht, das sie umgibt. So still sie selbst ist, so groß ist ihre Gabe, andere zum Sprechen zu bringen. So gelingt es ihr immer wieder, Menschen von einer dunklen Erinnerung zu befreien. Nur ihrem eigenen Glück steht Juli im Weg. Dann lernt sie Oskar kennen, der so schön ist wie Gregory Peck. Bei ihm fühlt sie sich geborgen, und es scheinst, als wäre für Juli die Zeit des Alleinseins endlich vorbei. Doch sie ahnt nicht, dass die Liebe sie zu einem Geheimnis aus ihrer eigenen Familie führen wird.

Schon der Klappentext gibt dem Leser einen Hinweis wie die Autorin mit der Sprache zu spielen versteht. Die Art wie diese Geschichte erzählt wird ist eine ganz Besondere. Es schwingt bei ihrer Hauptfigur Juli immer eine gewisse Unschuld mit, die für eine erwachsene Frau doch recht ungewöhnlich ist. Juli ist eine sehr ungewöhnliche aber ausgesprochen liebenswerte Person, die die Gabe hat ihren Mitmenschen in die Seele zu schauen. Man hat den Eindruck, wenn sie Menschen begegnet, nimmt sie auch deren leiseste Schwingungen wahr und ist eine meisterhafte Zuhörerin. Und sie tut noch mehr als einfach zuzuhören, sie versucht ihren Begegnungen in ihren Nöten zu helfen. Das ist wirklich anrührend.

Diese Gabe mit Menschen umzugehen muss ihr entweder schon in die Wiege gelegt worden sein, oder sie hat es gelernt in den Jahren, in denen sie zu Hause Mutter und Großmutter gepflegt hat. Viel Kontakt zu anderen Menschen hat sie nämlich nie gehabt. Sie lebt recht abgeschirmt in den alten Möbeln noch mit Wählscheibentelefon und ganz ohne Internet und trifft höchstens mal den Briefträger. Sie hat ein paar liebenswerte Macken, die so gar nicht erwachsen sind, wie das Führen eines Angstalmanachs und das Schnüffeln an Mutters Keksdose um traurige Gedanken zu vertreiben.

Das Buch lebt aber auch von den Lebensbeichten die Juli anvertraut werden, nachdem sie sich endlich heraustraut in die Welt. Aber erst am Ende des Buches und durch ein Familiengeheimnis das sie persönlich betrifft, trifft sie endlich ihre eigenen erwachsenen Entscheidungen und stellt sich ihren Ängsten.

Dieses Buch hat mir ehrlich gesagt zum Ende immer besser gefallen. Vielleicht muss man sich an diese besondere Person Juli Mahlo auch erst ein bisschen gewöhnen. Das Buch ist für mich ein modernes Märchen, das auf jeden Fall auch sehr gut in die Weihnachtszeit passt. Und wenn man sich einmal auf die Protagonistin eingelassen hat, fühlt und fiebert man mit ihr mit.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Eine Drohne namens Elanus

Elanus
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Mit Jona hat sich die Autorin nicht gerade den sympathischsten Protagonisten einfallen lassen, aber das war ganz sicher ihre Absicht. Der 17jährige ist hochbegabt und kommt zumindest am Anfang reichlich ...

Mit Jona hat sich die Autorin nicht gerade den sympathischsten Protagonisten einfallen lassen, aber das war ganz sicher ihre Absicht. Der 17jährige ist hochbegabt und kommt zumindest am Anfang reichlich überheblich rüber, als er gleich am ersten Tag meint dem Professor im Vorlesungssaal demonstrieren zu müssen, wie schlau er ist. Nicht ohne Grund haben seine Eltern darauf bestanden, dass er bei einer Familie unterkommt und erst mit 18 in ein Studentenwohnheim umziehen darf. Seine Sozialkompetenz ist deutlich ausbaufähig.

Auf Zurückweisung reagiert Jona dann auch erwartungsgemäß beleidigt und lässt sich zu einem kindischen Streich hinreißen, der ordentlich nach hinten losgeht. Als genau der Professor bei dessen Vorlesung er gestört hat am nächsten Tag tot ist, hat er ein schlechtes Gewissen und will herausfinden, was passiert ist, denn irgendetwas stimmt mit dieser Uni nicht und mit seiner Gastfamilie auch nicht.

Seine selbstgebaute Drohne Elanus ist ihm bei seiner Recherche eine große Hilfe. Man kann allerdings auch Mädchen damit hinterher spionieren und hat dann plötzlich ein zusätzliches Problem.

Gerade die Verbindung von technischen Neuheiten und spannender Geschichte finde ich immer wieder klasse bei der Autorin.



Auch dieses Jugendbuch war wieder sehr nett und unterhaltsam, so wie ich es von Ursula Poznanski gewohnt bin. Ich hatte eine gut Zeit mit dem Buch, und es war für zwischendurch genau das Richtige.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Coaching oder Umerziehungslager

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz ist eine erfolgreiche Managerin, die dem Unternehmen schwarze Zahlen beschert, deren Führungstil von ihren Mitarbeitern aber nett formuliert als ausbaufähig beschrieben wird. Dennoch, ...

Marlene Buchholz ist eine erfolgreiche Managerin, die dem Unternehmen schwarze Zahlen beschert, deren Führungstil von ihren Mitarbeitern aber nett formuliert als ausbaufähig beschrieben wird. Dennoch, sie soll demnächst als CEO die Führung des Konzerns übernehmen und wird zur Steigerung ihrer Empathiefähigkeiten auf ein Achtsamkeitsseminar geschickt. Marlene ist alles andere als begeistert, aber was bleibt ihr übrig, sie will die Beförderung unbedingt.

Mit viel Humor und einem locker, leichtem Schreibstil entwickelt Maxim Leo eine Geschichte, deren Ende man zwar ein bisschen vorausahnt, die aber dennoch einige unerwartete Wendungen hat. Es macht einfach Spaß der taffen Managerin bei ihrer Wandlung zu folgen . Der ewig positive Coach Alex kämpft in seinem Inneren dann auch mit Selbstzweifeln und kann die Strategien, die er unterrichtet so gar nicht auf sich selbst anwenden.

Manches Klischee wird gestreift doch das verzeiht man gerne, da die Geschichte äußerst unterhaltsam erzählt wird. Ich hatte das Hörbuch vorliegen, welchen hervorragend von Vera Teltz eingesprochen wurde. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich die Geschichte durchgehört.

Mein Fazit: sehr kurzweilig und unterhaltsam

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Atmosphärisch - gelungener Reihenauftakt

Die weiße Nacht
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Wir tauchen ein in den Hungerwinter 1946. Der Krieg ist zwar vorbei, aber das Land liegt in Schutt und Asche und die Menschen versuchen irgendwie zu überleben. Das letzte Hab und Gut wird gegen etwas ...


Wir tauchen ein in den Hungerwinter 1946. Der Krieg ist zwar vorbei, aber das Land liegt in Schutt und Asche und die Menschen versuchen irgendwie zu überleben. Das letzte Hab und Gut wird gegen etwas Essbares eingetauscht. Glücklich sind die, die Verbindungen haben.

Auch Lou versucht sich und ihren Mitbewohner Bruno am Leben zu halten. Mit ihrer Leica macht sie Fotos, die sie bestenfalls an ein Magazin verkaufen kann. Sie entdeckt in den Ruinen eine Frauenleiche und fotografiert sie. Kommissar König übernimmt den Fall und wird dieses Bild beschlagnahmen. Er hat ein Auge im Krieg verloren, war in Gefangenschaft, weil er einen Befehl verweigert hat, doch er ist nicht zum Unmenschen geworden, und das ist viel wert.

Dieser historische Krimi hat ein sehr langsames Erzähltempo aber dafür taucht man ganz tief in diese Nachkriegswelt ein. Die Leiche bleibt nicht die Einzige, und trotz widrigster Umstände erschließen sich dem Kommissar und der Fotografin die Zusammenhänge der Taten nach und nach.

Lou und Kommissar König werden in den Folgebänden sicherlich zu einem perfekten Team. Ich mochte die Sprache dieses Romans und auch die Figurenzeichnung ist Anne Stern gut gelungen.. Die Symbiose zwischen Krimi und historischem Roman hat mich überzeugen können . Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen und hoffe es dauert nicht zu lange bis Teil 2 erscheint.

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