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Veröffentlicht am 04.03.2019

graue Zukunftsaussicht

Die Mauer
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John Lanchester beschreibt in seinem neuen Roman eine dystophische Welt. Rund um eine große Insel – vermutlich England – wurde eine hohe für Menschen unüberwindliche Mauer aus Beton gezogen. Auf der patrouillieren ...

John Lanchester beschreibt in seinem neuen Roman eine dystophische Welt. Rund um eine große Insel – vermutlich England – wurde eine hohe für Menschen unüberwindliche Mauer aus Beton gezogen. Auf der patrouillieren die zum Mauerdienst eingezogenen Rekruten in langen Tages- und Nachtschichten. Sie sollen verhindern, dass die Anderen über die Mauer kommen.

Aus der Ich-Perspektive erzählt Joseph Kavanagh von seinem ersten Tag und wie er danach Stunde für Stunde seine zweijährige Dienstzeit abarbeitet. Militärische Disziplin, Furcht vor Angriffen aber auch vor den Vorgesetzten und ihrer Willkür, bestimmen den Alltag ebenso wie Eintönigkeit und die Frage nach dem Sinn der Mauer und der Bewachung.

Lanchester nimmt sich viel Zeit für dafür, den Leser in diese düstere und graue Welt einzuführen. Dabei legt er sich aber weder fest, wo seine Geschichte angesiedelt ist noch was genau zu dieser Abschottung geführt hat. Er belässt es bei Andeutungen. Das war auch der größte Kritikpunkt an „der Mauer“, denn für mich wurden ziemlich viele Fragen aufgeworfen, die bis zum Ende nur unzureichend erklärt wurden. Allerdings hatte ich deutlich das Gefühl, dass dies Absicht war, denn der Schwerpunkt lag wohl vielmehr auf dem menschlichen Aspekt. Wie geht der Einzelne und das System mit einer Bedrohung um, wie mit der Entmenschlichung und der Militarisierung, wenn alles Fremde als feindlich eingestuft wird.

Ein bedrückendes Buch welches Versatzstück der Gegenwart – Flüchtlingskrise, Mauerbau in den USA, Brexit – aufgreift und daraus einen deprimierenden Ausblick auf eine mögliche Zukunft gibt.

Veröffentlicht am 01.03.2019

Das Leben der Dietrich

Marlene und die Suche nach Liebe
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C.W. Gortner wagt sich in seinem Buch „Marlene und die Suche nach Liebe“ an eine der großen Schauspielerikonen Deutschlands. Marlene Dietrich war viele Jahrzehnte eine berühmte Frau. Ein Sinnbild für Schönheit, ...

C.W. Gortner wagt sich in seinem Buch „Marlene und die Suche nach Liebe“ an eine der großen Schauspielerikonen Deutschlands. Marlene Dietrich war viele Jahrzehnte eine berühmte Frau. Ein Sinnbild für Schönheit, ein Vamp, scheinbar immer im Zentrum der Öffentlichkeit aber auch voller Geheimnissen. Ihr Leben war aufregend und spannend, ein Wechselbad von Hochs und Tiefs. Gortner versucht hinter die Fassade zu schauen und wagt sich mit seiner Interpretation mutig ganz nah an die private Dietrich. Die, die viele Männer und Frauen liebte, die den Nazis einen Korb und Hollywood ihren Körper gab. Die für ihre Leidenschaft und ihre Arbeit lebte und doch ständig auf der Suche nach mehr war, nach mehr Intensität, mehr Liebe, mehr Nähe.

Gortner bedient sich einer sehr kraftvollen und deutlichen Sprache. Schnörkellos und sehr modern. Marlene wird bei ihm lebendig und in jeder Zeile der Geschichte spürbar. Vor dem inneren Auge sieht man diese Diva der Leinwand mit ihrer kühlen Präsenz aber auch mit der inneren Sehnsucht, die sie immer weitergetrieben hat. Durch die Ich-Perspektive wird eine Intimität suggeriert, die gut zur Story passt. Manchmal wünschte ich mir vielleicht einen Blick von außen und etwas Abstand, da es sich ja um keine Autobiographie handelt und ich die dritte Person lieber mag bei solchen Romanen.

Sehr unterhaltsam ist natürlich, dass viele Personen des öffentlichen Lebens, Schauspieler, Regisseure, Politiker usw. hier ihren Auftritt haben. Ein Buch, welches sich schnell lesen lässt und Marlene Dietrichs Leben gut widergibt. Ob alles genau so gewesen ist, bedürfte genauerer Recherche. Ich vertraue hier Gortner und seiner Intention.

Veröffentlicht am 19.02.2019

happy-ending-book

Nächte, in denen Sturm aufzieht
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Mit diesem Buch hat der Verlag fast alles richtig gemacht.

Mein größter Kritikpunkt ist die Werbestrategie, ein Buch mit einem neuen kongenialen Cover und einem sehr schönen Titel herauszubringen OHNE ...

Mit diesem Buch hat der Verlag fast alles richtig gemacht.

Mein größter Kritikpunkt ist die Werbestrategie, ein Buch mit einem neuen kongenialen Cover und einem sehr schönen Titel herauszubringen OHNE explizit darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Geschichte handelt, die bereits vor 10 Jahren geschrieben und veröffentlich wurde. Damit tut man weder der Autorin noch dem geneigten Leser einen Gefallen. Ich hatte das Glück, das Buch noch nicht zu kennen und durfte es in einer Leserunde für mich entdecken.

Wer Jojo Moyes Bücher schätzt, wird sie auch in diesem Roman mit ihrer einfühlsamen und warmen Sprache wiederfinden. Das Setting in Australien und der Dreh-und Angelpunkt „Lebensraum Meer“ sind hervorragend gewählt und haben mir gut gefallen. Wer mag es nicht, wenn Wale und Delphine durch eine Geschichte schwimmen. Durch starke Nebenfiguren, die den Hauptdarstellern ab und zu glatt den Rang ablaufen, wird die Story lebhaft und abwechslungsreich.

Nicht verschweigen will ich, dass die Handlung ziemlich vorhersehbar ist und keine großen Überraschungen bereithält, bis auf eine, die für mein Gefühl nicht wirklich glaubwürdig und deshalb fast zu viel war. Und Freundinnen des Happy-End-Feelings kommen voll auf ihre Kosten. Dennoch fühlte ich mich wohl mit der Lektüre und habe das Buch sehr gerne gelesen.

Für ein Frühwerk von Moyes immer noch eine Leseempfehlung wert. Gefühlvoll und mit einer Ahnung, wie ihre weiteren Romane mich erfreuen werden.

Veröffentlicht am 04.02.2019

unterhaltsam

Der Klang der Täuschung
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Mary E. Pearson gewährt ihrer treuen Leserschaft einen erneuten Blick in die bekannte Welt aus „Chroniken der Verbliebenen“. Alle Fans wird es freuen aber auch Quereinsteiger werden ihren Spaß haben.

Kazimirah ...

Mary E. Pearson gewährt ihrer treuen Leserschaft einen erneuten Blick in die bekannte Welt aus „Chroniken der Verbliebenen“. Alle Fans wird es freuen aber auch Quereinsteiger werden ihren Spaß haben.

Kazimirah ist eine Rahtan, eine königliche Kämpferin. Sie begibt sich mit zwei Gefährtinnen an den Hof der Familie Ballenger um dort einen Spion zu entlarven. Durch eine Entführung wird sie schicksalshaft an den neuen Herrscher Jase gekettet und die beiden können nur gemeinsam ihre Flucht überleben. In diesen aufregenden Tagen sind die beiden sich schnell näher gekommen und haben Gefühle füreinander entwickelt. Gerettet und zurückgekehrt müssen die beiden aber erkennen, dass sie weder ganz ehrlich zueinander waren noch eine Rahtan und ein Ballenger bei all den politischen Wirren einfach so eine Verbindung eingehen könnten.

Man merkt, dass die Autorin diesmal schneller zur Sache kommen möchte. Der Spannungsbogen ist stark ansteigend und obwohl es natürlich auch das typische Liebes-Hin-und-Her gibt, schreitet die Handlung stringent voran. Für Leser, die es nicht so mit langen Serien und grausamen Cliffhangern haben; die kann ich beruhigen. Das Finale ist rundrum eine abgeschlossene Sache und die Aussichten für Band zwei und die losen Enden sind moderat gehalten.

Kazi und Jase sind ein nettes Paar. Vor allem zusammen funktionieren sie sehr gut. Man erfährt auch einiges über die Geschichte des Landes und bekommt eine Idee, dass es sich bei dieser ganzen Serie vielleicht gar nicht um Fantasy sondern sogar um eine Art SF handeln könnte. Eine interessante Idee, die ich im nächsten Band im Auge behalten werde.

Solide Story und für junge und junggebliebene Leser eine schöne Geschichte.

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Veröffentlicht am 24.01.2019

Meller die Zweite

Blutacker
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Durch die spektakuläre Aufklärung des Angstmörderfalles hat sich der Rechtsanwalt Nicholas Meller einen Namen gemacht. Als ein Paketbote ermordet wird, der an ihn ein Päckchen hätte liefern sollen, wird ...

Durch die spektakuläre Aufklärung des Angstmörderfalles hat sich der Rechtsanwalt Nicholas Meller einen Namen gemacht. Als ein Paketbote ermordet wird, der an ihn ein Päckchen hätte liefern sollen, wird nicht nur die Polizei auf ihn aufmerksam. Was war in dem Paket? Wer wollte die Auslieferung verhindern und worin ist Nicholas verwickelt. Der hofft erst mal, das Ganze wäre nur ein Irrtum. Er kann sich keinen Reim darauf machen und ist auch weit mehr damit beschäftigt, neue, prominente, zahlungskräftige Kunden an Land zu ziehen und sich in der High Society zu etablieren.

Nina, Nicholas Freundin, steckt beziehungstechnisch und auch mit ihrem Studium in einer Sinnkrise. Außerdem hat sie immer noch an den schrecklichen Ereignissen mit dem Angstmörder zu knabbern.

„Blutacker“ ist der zweite Band dieser Reihe und es ist ein knappes Jahr vergangen seit den Ereignissen aus dem ersten Teil. Die Hauptdarsteller haben sich in dieser Zeit weiterentwickelt und man muss sie als Leser tatsächlich ein bisschen neu kennen lernen. Nicholas kommt dabei erst mal nicht ganz so gut weg, da er sich von dem Geld, welches er inzwischen verdient und den Mandanten, die ihn beauftragen, blenden lässt. Erst als er anfängt nachzuforschen, was denn hinter dem Mord stecken könnte und ihm bewusst wird, dass nicht nur er sondern auch Nina in unmittelbarer Gefahr sein könnten, da kommt der alte Nicholas wieder zum Vorschein.

Lorenz Stassen erzählt mit Tempo und Witz und schafft es, den Leser zu fesseln und ihm doch nicht zu viel zu verraten, und so bis zum Schluss noch Überraschungen bereit zu halten. Beim Showdown wird es für Nicholas wieder richtig gefährlich.