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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2019

Als Einsteigerlektüre geeignet

No More Bullshit
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Sexismus ist in unserem Alltag stets zu finden. Gerade Aussagen wie "Männer sind eben das stärkere Geschlecht" oder "Verstehst du keinen Spaß?", wenn Vorurteile in flapsigen Sprüchen über Frauen formuliert ...

Sexismus ist in unserem Alltag stets zu finden. Gerade Aussagen wie "Männer sind eben das stärkere Geschlecht" oder "Verstehst du keinen Spaß?", wenn Vorurteile in flapsigen Sprüchen über Frauen formuliert werden, sind keine Seltenheit.

Das Frauennetzwerk Sorority verfolgt mit der Veranstaltungsreihe "No more Bullshit!" das Ziel diesen Aussagen mit Gegenwind durch Fakten zu begegnen. Das Buch dazu soll die Leserschaft für die nächsten Stammtischparolen wappnen.
"No more Bullshit!" besteht aus zwei Teilen: Zunächst werden die Stammtischthematik beleuchtet, Parollen und entsprechende Phrasen identifiziert, die Diskussionen sprengen sollen, und Methoden und Kommunikationsstrategien aufgeführt, die als Gegenmittel anwendbar sind. Im zweiten Teil werden dann bekannte Aussagen beleuchtet.
Da die einzelnen Texte von unterschiedlichen Autoren und Autorinnen stammen, die in verschiedenen Fachgebieten ansässig sind und persönliche Interessen einfließen lassen, gaben mir einige mehr als andere. Generell ist zu sagen, dass jeder Text einen guten Impuls gibt und der Finger auf das (altbekannte) Problem zeigt. Dennoch bleibt es oft bei diesem Impuls, weil keine nennenswerten Statistiken oder Fakten an die Hand gegeben werden, die - wie von den Herausgeberinnen vorausgesagt - für derartige Diskussionen befähigen.
Vielmehr handelt es sich hier um ein gutes Einsteigerbuch für alle, die anfangen sich mit Feminismus auseinanderzusetzen. Das Buch gibt Impulse und vermittelt trotz provokanter, humoristischer und streitbarer Erzählmittel die wichtigen Gegenstände. Allerdings handelt es sich um Einführungen und um tatsächlich mit Wissen und Diskussionsmaterial gewappnet zu sein, muss sich darüber hinaus selbst weitergebildet und informiert werden.

Als Anleitung für Debatten nicht tiefgreifend genug, aber ein guter Impulsgeber!

Veröffentlicht am 10.07.2022

Irgendwie sperrig

Die Knochenleser
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Michael Digson, genannt Digger, sieht, wie ein kleiner Junge auf offener Straße umgebracht wird und gerät in den Fokus der Polizei. Da er mit seiner ausgezeichneten Beobachtungs- und Kombinationsgabe die ...

Michael Digson, genannt Digger, sieht, wie ein kleiner Junge auf offener Straße umgebracht wird und gerät in den Fokus der Polizei. Da er mit seiner ausgezeichneten Beobachtungs- und Kombinationsgabe die Täter ausmachen kann, nötigt Detective Superintendent Chilman ihn, sich einer Polizeitruppe anzuschließen und sich zum Forensiker ausbilden zu lassen. Da auf Camoha sehr viel Korruption, politische Widerstände und vor allem Gewalt gegen Frauen herschen, hat Digger es mit schwierigen Fällen und recht unkonventionellen Methoden zu tun. An seiner Seite kämpft mit ihm Chilmans Tochter, Miss Stanislaus.

Den Ausgangsplot fand ich sehr interessant und auch die Art, wie Digger in den Polizeidienst kommt und mit welchen persönlichen Widerständen er kämpfen muss, konnte mich fesseln. Und irgendwas an ihm und an Miss Stanislaus hat mich zum Weiterlesen bewogen, obwohl die Atmosphäre sehr düster, für mich irgendwie alles wenig greifbar und distanziert blieb. Den Schreibstil fand ich recht abgehackt und ungewöhnlich, gerade was die Satzstruktur und die Satzenden angeht, weshalb mein Lesefluss weniger schnell war als gewöhnlich.

Auch wenn ich "Die Knochenleser" nicht unbedingt empfehlen würde, emfpand ich die Lektüre als außergewöhnlich und abwechslungsreich, auch wenn ich bis zum Schluss nicht richtig warm damit geworden bin.

Veröffentlicht am 11.09.2019

Unterm Strich zu traumhaft

Work Play Love
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Nathan arbeitet als Cartoon-Zeichner bei Sketch Republic und ist seit dem ersten Tag von Brooke hingerissen. Als sie dann endlich auf ihn aufmerksam wird und die beiden Zeit zusammen verbringen, verliebt ...

Nathan arbeitet als Cartoon-Zeichner bei Sketch Republic und ist seit dem ersten Tag von Brooke hingerissen. Als sie dann endlich auf ihn aufmerksam wird und die beiden Zeit zusammen verbringen, verliebt er sich immer mehr in sie, und sie will ihn in Liebesdingen verbessern ohne zu wissen, dass sie die Frau seines Herzens ist.

Der Schreibstil von Ruth Camplett ist sehr flüssig und leicht, sodass sich das Buch sehr gut lesen ließ. Die einzelnen Zitate vor jedem Kapitel waren sehr passend ausgewählt - obwohl ich die Quellen in der Regel nicht kannte. Da ich mich in der Cartoon- und Comic-Welt absolut nicht auskenne, konnte ich aus dem vermittelten Wissen und den Referenzen nichts ziehen, sondern mein Fokus lag auf Nathan, Brooke und ihrer Beziehung.

Nathan ist gerade zu Beginn des Buches sehr sympathisch, wird mit seinen Macken und Nerd-Allüren sehr treffend und bildreich dargestellt. Brooke konnte ich seit Beginn nicht so sehr greifen, was wohl auch daran lag, dass aus Nathans Sicht erzählt wird. Das hat mir gut gefallen und ist vor allem in diesem Genre eher selten zu finden.
Was die Handlung angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits ging es für mich viel zu langsam voran, ich hatte das Gefühl, dass sich viel wiederholt wird, gerade was Brookes tolle Figur, Nathans Unsicherheit und seine brennende Liebe für Brooke angeht. Andererseits ging plötzlich alles ganz flott, gepaart mit unrealistischen Entwicklungen: Plötzlich sieht Nathan gar nicht mehr wie ein Nerd aus, weil er einen Armani-Anzug und einen neuen Haarschnitt trägt. Eben noch völlig unerfahren, ist er nun eine wilde, talentierte Bestie im Bett. Überzeugen konnte mich das nicht, auch wenn das sicherlich zur erotischen Atmosphäre beitragen sollte.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass "Work. Play. Love" ein seichter Liebesroman mit vielen erotischen Szenen für zwischendurch war und mir nette Lesestunden beschert hat, mich die Story und die Figurenentwicklung jedoch nicht völlig überzeugen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Gefühl/Erotik
Veröffentlicht am 31.03.2019

Mehr Theorie als Ratgeber für die Praxis

Wer tut dir gut?
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Wer mit Gabriel Palacios' Buch "Wer tut dir gut?" einen praktischen Ratgeber für den Alltag sucht mit Übungen und Strategien, wird sicher nicht sehr glücklich.

Palacios klassifiziert zunächst Menschen ...

Wer mit Gabriel Palacios' Buch "Wer tut dir gut?" einen praktischen Ratgeber für den Alltag sucht mit Übungen und Strategien, wird sicher nicht sehr glücklich.

Palacios klassifiziert zunächst Menschen in Typen. Dabei unterscheidet er zwischen verschiedenen Tiertypen und Farbtypen, denen er jeweils bestimmte Eigenschaften und Charakterzüge zuschreibt. Er räumt selbst ein, dass es Mischformen gibt. Im anschließenden Selbsttest, welcher Tier- und Farbtyp man ist, wird dies ebenso deutlich wie bei der Lektüre selbst: Obwohl ich bei einigen Beschreibungen ganz klare Menschen aus meinem Umfeld vor Augen hatte, passten manche nirgends hinein. Außerdem wechselten die einzelnen Klassifizierungen und Typen von Begegnungen und Situationen.

Der Titel täuscht meines Erachtens in Verbindung mit den Erwartungen, die der Klappentext sicher bei vielen hervorruft. Der Hypnosetherapeut erzählt nicht nur viel über seinen Lebenslauf und seine Kindheitserlebnisse, sondern reißt immer mal wieder Patientengeschichten an, die eher oberflächlich wirken oder im Sande verlaufen, weil sie in Verbindung mit zuvor Gesagtem keinen sich schließenden Kreis bilden.

Das Buch enthält wichtige Erkenntnisse und Anregungen für die Kompetenz der Menschenkenntnis und der Einschätzung verschiedener Menschentypen. Palacios setzt Menschenkenntnis und Empathie für mein Verständnis mit Gedankenlesen gleich. Wer sich bereits mit Spiritualität, negativen und positiven Energien und Empathie auseinandersetzt, bekommt hier nicht viel neues Wissen geliefert. Trotzdem gibt es wenige interessante Impulse und Gedanken, die als take-home-messages aus der Lektüre mitgenommen werden können.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Egomanie und (Selbst)inszenierung als Verwerflichkeit?

#EGOLAND
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Michael Nast prangert in Egoland die Generation der etwa 20- bis End-30-Jährigen an. Aspekte wie Social Media, Dating-Plattformen und Pornos schreibt er der Schnelllebigkeit, des Egoismus und der Selbstinszenierung ...

Michael Nast prangert in

Egoland die Generation der etwa 20- bis End-30-Jährigen an. Aspekte wie Social Media, Dating-Plattformen und Pornos schreibt er der Schnelllebigkeit, des Egoismus und der Selbstinszenierung vor.

Nast bekommt ein bruchstückhaftes Mansukript des Schriftsteller-Kollegen Andreas Landwehr in die Hände, der sich umgebracht hat. Michael Nast entdeckt, dass es sich hierbei um Notizen über wahre Begebenheiten handelt und verarbeitet Landwehrs Manipulation dreier Menschen als Anregung für seinen neuen Roman zu seinem eigenen.
Was Nast an der bestehenden online-Generation kritisiert, setzt er selbst gut um: Die Protagonisten wirken unnahbar, hoppen von Event zu Event, von Liebschaft zu Liebschaft, tragen selbstzerstörerische Züge in sich und inszenieren sich, wo sie nur können. So ist in jeder sich bietenden Gelegenheit der Verweis auf Nasts erschienenes Buch "Generation Beziehungsunfähigkeit" zu finden.

Der Roman zieht sich, die Protagonisten nerven sich selbst und den Leser, die Eskapaden schocken irgendwann nicht mehr. Und doch lässt sich

Egoland sehr schnell lesen, spiegelt die Gesellschaft ganz gut wider. Ansätze zur Kritik sind zu erkennen, nachvollziehbar und dennoch spiel Nast nach genau den Regeln, die er hier an den Pranger stellt. Ob er wohl so von Twitter, Tinder und Co. abgelenkt war, dass sich so viele Fehler ins Buch geschlichen haben?