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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2019

26 Kantone und Felix ist mit Sophie mittendrin

Mit Felix durch die Schweiz
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Als Fans vom Hasen Felix waren wir natürlich sehr gespannt auf die neue Reise durch die Schweiz! Wie immer ist das gelungene Bilderbuch sehr toll bebildert von Constanza Droop. Mit detailreichen Abbildungen ...

Als Fans vom Hasen Felix waren wir natürlich sehr gespannt auf die neue Reise durch die Schweiz! Wie immer ist das gelungene Bilderbuch sehr toll bebildert von Constanza Droop. Mit detailreichen Abbildungen – es gibt immer wieder neues, anderes zu entdecken beim Vorlesen oder Selbstblättern.
Was aber macht die Felix-Bilderbücher so beliebt? Natürlich die Briefe!!! Auch wenn das Medium Brief in unserer heutigen Gegenwart leider ein seltenes privates Kommunikationsmittel geworden ist, erfreut es die Kinder sehr, wenn wieder mal ein Brief an der Reihe ist.
Neben den Briefen lernt man fast nebenbei sehr viel über die Ziele, die Felix und seine Besitzerin Sophie haben. „Mit Felix durch die Schweiz“ bringt uns natürlich die Schweiz näher, meine beiden Kinder (6 Jahre alt) fanden besonders beeindruckend, dass es 4 Sprachen in diesem einen Land gibt! Mein Sohn studiert mit Vorliebe die Wappen auf den Einschlagseiten.
Und wieder eines der unschlagbaren Argumente für die tolle Felix-Reihe, es ist eine Reihe für sehr viele Altersstufen. Ab 3 Jahren vorlesbar und bis in die erste Klasse spannend. Natürlich mit anderem Fokus. Der 3jährige lauscht eher dem Verlauf und schaut die Bilder an, die 6jährigen nehmen eher das Wissen auf. Der Text ist recht lang, aber Annette Langen findet wieder einmal genau die richtigen Worte und Satzlänge um die Kleinen nicht zu überfordern, aber auch die Spannung zu halten und Wissen zu vermitteln.
Einzige Anmerkung gilt den Themenübergängen, die sind an mancher Stelle nicht so rund wie in den Vorgängerbänden geworden. Aber tut dem Lesespaß keinen Abbruch.
Fazit: Wer eine Reise in die Schweiz plant mit den Lütten kann hier die ersten Grundlagen schaffen. Wer nicht in die Schweiz reist, wird es nach dieser Lektüre eventuell mit den Kindern machen wollen!

Veröffentlicht am 22.02.2019

Sommerabend

Seide
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Eine Geschichte der Liebe, die verzaubert und wie ein Märchen erscheint, obwohl das Ende bittersüß ist. Sehr schön zu lesen an einem Sommerabend...

Eine Geschichte der Liebe, die verzaubert und wie ein Märchen erscheint, obwohl das Ende bittersüß ist. Sehr schön zu lesen an einem Sommerabend...

Veröffentlicht am 17.08.2018

Lesenswert für alle klassischen Krimifreunde!

Wintertod
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Ein alter Friedhof irgendwo im Norden Berlins auf dem zufällig Anfang November eine Leiche gefunden wird. Eine Frau, die man zunächst nicht identifizieren kann. Zugleich taucht man in den nicht allzu schönen ...

Ein alter Friedhof irgendwo im Norden Berlins auf dem zufällig Anfang November eine Leiche gefunden wird. Eine Frau, die man zunächst nicht identifizieren kann. Zugleich taucht man in den nicht allzu schönen Alltag einer Berliner Grundschule ab und wundert sich sehr über die Gewalt an dieser Schule. So beginnt der Krimi Wintertod von Thomas Nommensen.
Für alle Reihenfreunde gleich vorab, dies ist bereits der 2. Fall für Arne Larsen, der erste Fall spielt in Norddeutschland und heißt „Ein dunkler Sommer" (mir selbst noch unbekannt). Wer keinen gesteigerten Wert auf Reihenfolgen legt, kann diesen Krimi auch gut alleinstehen lesen und braucht kein Vorwissen. Mir erschien es beim Lesen so als ob die Entscheidung eine Reihe aus Arne Larsen fortzuspinnen sich erst nach dem 1. Fall ergeben hat, aber hier kann ich natürlich auch falsch liegen.
Arne Larsen, der Protagonist und neuer Kommissar im LKA Berlin wird der türkischstämmigen Kollegin Mayla Aslan zugeteilt und sofort startet der neue Alltag für ihn in Berlin mit dieser gefunden Leiche in Berlin Buch. Das Kommissaren-Duo hat Ecken und Kanten und war mir sehr sympathisch, natürlich kommt auch das Privatleben der beiden ins Spiel. Es macht sie menschlich und auch interessant.
Dieser Krimi ist wenig blutig und verschreibt sich eher dem klassischen whodunit. Es gibt eine Leiche und die beiden Kommissare beginnen die Ermittlungen. Man erfährt alle neuen Informationen mit ihnen und kann so wunderbar „mit raten". Wie schon erwähnt nicht blutig, aber nicht minder grausam. Die Geschichte hat mich gepackt und mitgenommen, denn psychologisch geht es in Tiefe ohne „laut und blutig" zu werden. Eine sehr interessante Art und definitiv unterhaltsam. Ich lag übrigens während des Lesens nicht richtig mit meinem Raten, ein echter Pluspunkt! Mir persönlich war das Ende zu offen, da man im Grunde genommen nur die vage Idee zum Schluss erfährt. Mindert aber meine Empfehlung nicht!
Ich werde Thomas Nommensen im Auge behalten und sicherlich den 3. Fall lesen, sobald er erscheint!
Fazit: Lesenswert für alle klassischen Krimifreunde! Ein unterhaltsamer Krimi der sich super für die dunkle Jahreszeit eignet.

Veröffentlicht am 17.08.2018

Für Literaturliebhaber

Geteiltes Vergnügen
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Würde ich nur den Buchumschlag in der Buchhandlung sehen und die Autorin nicht kennen, ich hätte den Roman nicht zur Hand genommen. Hätte ich trotz des Covers, den Klappentext gelesen und die Autorin nicht ...

Würde ich nur den Buchumschlag in der Buchhandlung sehen und die Autorin nicht kennen, ich hätte den Roman nicht zur Hand genommen. Hätte ich trotz des Covers, den Klappentext gelesen und die Autorin nicht gekannt, ich hätte das Buch nicht gekauft.
Mein Glück ist, dass ich Johanna Adorján kenne und ihr Debüt ‚Eine exklusive Liebe‘ als Bereicherung empfand und aktiv ‚Geteiltes Vergnügen‘ auswählte. Und wieder bin ich um eine literarischen Schatz reicher!

‚Geteiltes Vergnügen‘ ist ein Roman in dem es in der Tat kondensiert und ausschließlich um eine zwischenmenschliche Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann geht. Auch passiert im engeren Sinne nicht viel. Aber Johanna Adorján beschreibt es so intensiv, real und mitfühlend ohne dramatisch oder melancholisch zu sein, dass es Spaß macht diesen Roman zu lesen.
Beispielsweise auf Seite 16: "Allein und unglücklich in Paris, das sich nirgends so sehr vermissen lässt wie in Paris." Wobei ich hier auch sagen muss, dass nicht einzelne herausragende Sätze den Roman so stilistisch hervorheben sondern der Roman als Gesamtkonstrukt.

Fazit: Für Literaturliebhaber, die gerne die Nuancen zwischen den Zeilen wahrnehmen und sich mit den großen Fragen des Lebens geschäftigen.

Veröffentlicht am 07.03.2026

Kann Liebe mit 65 noch einmal ganz von vorne beginnen?

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
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Man sitzt mit Erika in diesem Restaurant in Triest – letzter Abend im Urlaub, warmes Licht, vielleicht ein Glas Wein auf dem Tisch. Und dann sagt Jan diesen einen Satz, der alles verschiebt. Ab da fühlt ...

Man sitzt mit Erika in diesem Restaurant in Triest – letzter Abend im Urlaub, warmes Licht, vielleicht ein Glas Wein auf dem Tisch. Und dann sagt Jan diesen einen Satz, der alles verschiebt. Ab da fühlt sich dieser Roman an wie ein inneres Beben, das nicht mehr aufhört.

In Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? von Wencke Mühleisen geht es nicht um eine klassische Affärenstory. Eigentlich geht es um etwas viel Intimeres: um Fragen, die man sich stellt, wenn ein langes gemeinsames Leben plötzlich Risse bekommt – und wenn der eigene Körper, die Zeit und die Liebe sich verändern.

Erika und Jan sind seit Jahrzehnten ein Paar. Sie haben gemeinsam gelebt, gestritten, geliebt, einen Sohn großgezogen. Doch körperliche Nähe gibt es schon lange nicht mehr – zumindest nicht zwischen ihnen. Während Erika sich immer noch nach Berührung und Sinnlichkeit sehnt, gesteht Jan, dass er seit längerer Zeit eine Beziehung zu einer jüngeren Frau hat. Und plötzlich steht Erika auf der anderen Seite der Geschichte: dort, wo Schmerz, Wut und eine ganze Flut von Fragen warten.

Was diesen Roman so besonders macht, ist der Blick nach innen. Die Geschichte wird komplett aus Erikas Perspektive erzählt – und man ist wirklich in ihrem Kopf. Ihre Gedanken springen, zweifeln, erinnern sich, drehen sich im Kreis, gehen zurück zum Anfang der Beziehung, zu ihrem eigenen Seitensprung vor vielen Jahren, zu all dem, was zwischen ihnen passiert ist. Das Buch fühlt sich dadurch weniger wie ein klassischer Roman an, sondern eher wie ein ehrliches Nachdenken über Liebe, Verletzung, Alter und Selbstwert.

Der Schreibstil ist dabei erstaunlich offen und direkt. Mühleisen scheut sich nicht, über Sexualität, Körperlichkeit und Begehren im Alter zu schreiben – und das manchmal sogar mit einer leichten, fast humorvollen Note. Gerade diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und trockenem Witz macht den Text lebendig. Es gibt Stellen, die sehr schonungslos sind, besonders wenn Erika sich vorstellt, wie Jan mit der anderen Frau intim war. Und dann wieder Passagen, in denen man schmunzeln muss, weil die Beobachtungen so klug und menschlich sind.

Sprachlich ist der Roman ruhig, aber emotional dicht. Die relativ kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man immer weiterliest – fast wie bei einem Gedankenstrom, der nicht abbrechen will. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich schnell durch die knapp 200 Seiten geflogen. Es ist kein großes, dramatisches Erzählen, sondern eher ein feines, genaues Sezieren einer Beziehung.

Und trotzdem: leicht ist dieses Buch nicht. Es stellt unangenehme Fragen. Zum Beispiel: Was bleibt von einer Beziehung nach Jahrzehnten? Und wer bin ich noch, wenn der Mensch, der mich lange begleitet hat, plötzlich woanders hinschaut? Besonders berührend fand ich, wie stark hier auch das Thema Alter mitschwingt – diese leise Angst, vielleicht nicht mehr begehrenswert zu sein, und gleichzeitig der Wunsch nach Nähe, der überhaupt nicht verschwunden ist.

Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, dass viele Menschen sich in Erika wiederfinden könnten – nicht unbedingt in der gleichen Situation, aber in diesen Gedanken über Liebe, Zweifel und Lebenswege. Es ist kein Roman, der große Lösungen präsentiert. Eher einer, der Raum gibt zum Nachdenken.

Für mich war das eine kluge, ehrliche und überraschend unterhaltsame Lektüre über Beziehungen jenseits der typischen Liebesroman-Klischees. Vielleicht kein Buch, das komplett neue Erkenntnisse liefert – aber eines, das einen sehr still und nachhaltig zum eigenen Leben zurückschauen lässt. Und manchmal ist genau das ja das Wertvollste.

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