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Veröffentlicht am 16.10.2016

Locker zu lesen mit ernstem Hintergrund

Lass uns fliegen
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Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Oetinger Taschenbuch (27. Mai 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3841504166
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 – 16 Jahre
Preis: 12,99€
auch als E-Book erhältlich

Locker ...

Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Oetinger Taschenbuch (27. Mai 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3841504166
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 – 16 Jahre
Preis: 12,99€
auch als E-Book erhältlich

Locker zu lesen mit ernstem Hintergrund

Inhalt:

Paulina und Vincent sehen sich in der Schule jeden Tag, und doch trennen sie Welten. Paulina ist eine Musterschülerin, sie ist ehrgeizig, hat ihre coole Clique. Vincent ist mit dem schulbekannten Kiffer Hendrik befreundet und eher ein Außenseiter. Dabei hat jeder sein Päckchen – um nicht zu sagen sein Paket – zu tragen. Beide leben nicht mehr in der heilen Welt. Erst durch eine Schreib-AG lernen sie sich besser kennen und verlieben sich schließlich sogar.

Meine Meinung:
Ich finde diesen Jugendroman sehr gelungen und rundum ansprechend. Einerseits ist er locker zu lesen, andererseits werden viele Dinge angesprochen, die Jugendliche bewegen und unter denen sie leiden können. Es geht um Drogen, Alkohol, Tabletten, Verlust, Trauer, Freundschaft und Verliebtsein.

Dabei liegt der Focus der Erzählung aber weniger auf den Problemen an sich, sondern viel mehr darauf, wie Paulina und Vincent damit umgehen, wie sie sich fühlen und was sie denken. So kommt man ganz nah an die Protagonisten heran und begleitet sie auf ihrem Weg durch die Geschichte. Die Erzählperspektive wechselt dabei immer wieder zwischen Paulina und Vincent. Beide erzählen in der Ich-Form. Da die Abschnitte mit den entsprechenden Namen überschrieben sind, weiß man immer genau, wer gerade an der Reihe ist.

Gut gefallen hat mir, dass manche Szenen so von beiden Seiten beleuchtet wurden. So konnte man genau erkennen, wie manchmal Missverständnisse entstehen und wie wichtig es ist, offen und ehrlich miteinander zu reden.

Katrin Bongard hat sich schwieriger Themen angenommen und es geschafft, sie in einer hoffnungsvollen Handlung unterzubringen. Dabei ist ihr auch die Gratwanderung zwischen tiefgründig und schwermütig einerseits und oberflächlich und locker andererseits hervorragend gelungen. Der Roman kommt ganz ohne Kitsch aus, das Verlieben geht ganz langsam und absolut nachvollziehbar vor sich und wird einfach sehr schön beschrieben. Da hatte sogar ich als Leserin Schmetterlinge im Bauch.

Fazit:
Ein wunderbares Jugendbuch, das den Leser für verschiedene schwierige Themen sensibilisiert und auch immer wieder Hoffnung macht. Sehr realitätsnah und emotional.

★★★★★

Veröffentlicht am 14.10.2016

Eine mitreißende Geschichte über Höhen und Tiefen des Lebens

Flugstunden
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Broschiert: 496 Seiten
Verlag: Kindler (11. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3463400853
Originaltitel: Love may fail
Preis: 16,99 €
auch als E-Book erhältlich

Eine mitreißende Geschichte über ...

Broschiert: 496 Seiten
Verlag: Kindler (11. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3463400853
Originaltitel: Love may fail
Preis: 16,99 €
auch als E-Book erhältlich

Eine mitreißende Geschichte über Höhen und Tiefen des Lebens

Inhalt:

Portia Kane ist vierzig und mit einem reichen Mann verheiratet. Sie lebt in einer tollen Villa und besitzt an Materiellem alles, was man sich nur wünschen kann. Da verlässt sie ihren Mann Hals über Kopf, wenn auch nicht ohne guten Grund, und geht in das Elend ihrer Kindheit und Jugend zurück zu ihrer Mutter. Hier erfährt sie vom Schicksal ihres Lieblingslehrers auf der Highschool. Nach dem brutalen Übergriff eines Schülers hat er seinen Beruf aufgegeben und sich zurückgezogen. Dabei war genau er es, der seinen Schülerin damals Mut gemacht hat, ihr Leben in die Hand zu nehmen und sich nicht von anderen in eine Schublade pressen zu lassen. Er hat sie aufgefordert, Außergewöhnliches zu leisten und zu erreichen. Nun ist es Portias erklärtes Ziel, Mr. Vernon wieder aus seinem Tief herauszuholen. Doch das ist gar nicht so einfach …

Meine Meinung:
Ich habe bereits „Silver Linings“ und „Die Sache mit dem Glück“ von Matthew Quick gelesen. Beide Romane haben mir gut gefallen, aber „Flugstunden“ konnte mich sogar noch mehr mitreißen. Möglicherweise liegt es an der Seitenzahl, die bei „Flugstunden“ etwa eineinhalb Mal so groß ist wie bei den vorherigen Büchern. Dadurch kann man natürlich eine komplexere Geschichte erzählen und sie langsam und detailliert entwickeln, so wie der Autor dies hier getan hat.

Das Erzähltempo ist nicht besonders schnell, dafür kann man sich nach und nach richtig gut mit den Protagonisten anfreunden und sich in sie hineinversetzen. Das hat mir wirklich gut gefallen. Dazu trägt auch bei, dass der Roman in vier Teile geteilt ist, in denen jeweils verschiedene Charaktere als Ich-Erzähler zu Wort kommen, nämlich Portia Kane, Nate Vernon, Schwester Maeve und Chuck Bass, bevor Portia das Ganze dann mit dem Epilog abschließt. So werden manche Szenen bzw. Themen von verschiedenen Seiten beleuchtet, andere bekommen wir nur aus der Perspektive eines einzelnen Erzählers zu lesen.

Ich fand die verschiedenen Personen absolut faszinierend, jede auf ihre Art. Matthew Quick zeigt uns Menschen, die jeder für sich wirklich einzigartig sind, ob es sich nun um einen leidenschaftlichen Lehrer, eine Nonne, die sich erst spät von Gott berufen fühlte, eine Mutter, die sich hinter Müll versteckt, einen ehemaligen Junkie oder einen Polizisten, der über seinen Schatten springt, handelt. Über jeden von ihnen könnte man einen ganzen Roman schreiben, so interessant sind sie.

Zwar ist die Handlung nicht in allen Details realistisch, wenn ich da zum Beispiel an die Visionen der Nonnen denke, woraus sich wesentliche Handlungsstränge ergeben. Doch obwohl ich überhaupt nicht religiös bin und nicht glaube, dass so etwas möglich ist, passte es für mich doch sehr gut an dieser Stelle.

Der Schreibstil ist sehr gelungen. Ich habe diesen Roman geradezu verschlungen, so locker ließ er sich lesen. Ich konnte mich immer wieder an humorvollen Äußerungen oder überraschenden Reaktionen der Charaktere erfreuen. Aber vor allem macht der Autor einem mit seiner Geschichte wirklich Mut. Mut, an das Gute zu glauben. Mut, das Beste aus sich herauszuholen. Mut, zu entdecken, wozu man bestimmt ist.

Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

★★★★★

Herzlichen Dank an den Verlag Rowohlt/Kindler für das Rezensionsexemplar.

Veröffentlicht am 12.10.2016

Cecelia Aherns Ausflug in ein neues Genre ist gelungen

Flawed – Wie perfekt willst du sein?
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Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: FISCHER FJB; Auflage: 1 (29. September 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3841422354
Originaltitel: Flawed
Preis: 18,99€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich ...

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: FISCHER FJB; Auflage: 1 (29. September 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3841422354
Originaltitel: Flawed
Preis: 18,99€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich



Cecelia Aherns Ausflug in ein neues Genre ist gelungen

Inhalt:

Die siebzehnjährige Celestine North wollte immer perfekt sein, auf keinen Fall auffallen. Sie hält sich an alle Regeln und blickt mit Verachtung auf die Menschen, die von der Gilde als fehlerhaft verurteilt wurden, weil sie sich etwas zuschulden kommen ließen. Ihre heile Welt stürzt in sich zusammen, als sie plötzlich selbst vor Gericht steht, denn sie muss erkennen, wie unmenschlich das System in ihrem Land ist.

Meine Meinung:
„Flawed“ ist Englisch und bedeutet in etwa „fehlerhaft“, „mit Makeln behaftet“, also genau das Gegenteil von perfekt. Hier bezieht es sich auf das moralische Verhalten von Menschen. Es gibt strenge Regeln, denen die sogenannten Fehlerhaften sich unterwerfen müssen. Sie dürfen zum Beispiel keinen Luxus haben, haben nachts Ausgangssperre, sie werden gebrandmarkt und müssen eine auffällige Armbinde tragen. Wenn man sich mal in der Weltgeschichte umsieht, wird man sehen, dass dieses Szenario gar nicht rein phantastisch ist, sondern durchaus realistisch sein kann. Ein wenig erinnerte es mich auch an „Infernale“ von Sophie Jordan, aber die Parallelen endeten bald.

Mir war die Protagonistin Celestine anfangs nicht besonders sympathisch. Sie war mir einfach zu angepasst, hat das nachgeplappert, was man ihr eingetrichtert hat, ohne selbst wirklich zu denken. Ihre Schwester Juniper dagegen nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt, was sie denkt, wenn sie etwas als unsinnig ansieht. Juniper war viel eher mein Fall. Doch zum Glück bleiben die Charaktere nicht auf ihrem anfänglichen Stand, sondern entwickeln sich weiter – ein dicker Pluspunkt für Celestine, die sich zu einer richtigen Heldin mausert, bei der aber auch immer wieder der unsichere Teenager durchschimmert. Ich konnte richtig schön mit ihr mit leiden, wollte sie manchmal in den Hintern treten, wenn sie etwas nicht schnell genug durchschaute und sich einfach von ihren Gefühlen überrollen ließ.

Celestine muss etliche Ungerechtigkeiten und auch Schmerzen ertragen. Die Beschreibungen davon gingen bei mir schon an die Grenze des Erträglichen, obwohl ich gar nicht so empfindlich bin. Aber ich habe mich dermaßen mit Celestine identifiziert, dass ich zwar nicht die Schmerzen, aber Celestines Anspannung förmlich selbst gespürt habe.

Früher mochte ich die Autorin Cecelia Ahern sehr gerne, aber mit ihren letzten Werken konnte sie mich nicht wirklich begeistern. Eigentlich wollte ich deshalb nichts mehr von ihr lesen. Da sie nun aber einen Exkurs in ein neues Genre machte, wollte ich ihr noch mal eine Chance geben. Und ich muss sagen, es ist ihr wirklich gelungen, mich zu fesseln und für ihren Weltentwurf und ihre Charaktere einzunehmen. Ich hätte definitiv ein paar spannende Lesestunden verpasst.

Zwar hatte ich hier und da Kleinigkeiten zu meckern, weil die Geschichte hin und wieder ein paar Ecken und Kanten aufweist, aber das war nichts wirklich Schlimmes. Der Schreibstil war einfach so mitreißend, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte. Und mit seiner großen Schrift und den kurzen Kapiteln ist es auch sehr leicht, einfach so durchzufliegen. Mein Hauptkritikpunkt ist der Schluss. Hier erwartet den Leser ein fieser Cliffhanger. Aber glücklicherweise erscheint die Fortsetzung schon in wenigen Wochen, im November 2016.

Fazit:
Ein absolut fesselndes und spannendes Jugendbuch, das viel Raum zum Nachdenken gibt und immer wieder mit überraschenden Wendungen punkten kann.

★★★★★

Veröffentlicht am 16.10.2016

Spannender und überraschender 3. Teil der magischen Reihe

Magisterium
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Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (one by Lübbe) (14. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3846600283
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Magisterium - ...

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (one by Lübbe) (14. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3846600283
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Magisterium - The Bronze Key
Preis: 17,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Spannender und überraschender 3. Teil der magischen Reihe

Inhalt:
Noch vor Beginn des 3. Schuljahrs im Magisterium wird ein Mordanschlag auf Call verübt. Und es wird noch weitere geben. Weiß jemand außer Aaron, Tamara und Jasper, dass er der Feind des Todes ist? Die Freunde lassen es sich nicht nehmen, auf eigene Faust Nachforschungen zu betreiben und begeben sich damit in tödliche Gefahr.

Meine Meinung:
Es fällt nicht schwer, wieder in die Geschichte hineinzufinden. Die wichtigsten Ereignisse aus den ersten beiden Bänden werden nebenbei wiederholt, sodass man sich leicht daran erinnert und darauf aufbauen kann.

Mir hat der 3. Band dieser Reihe wieder sehr gut gefallen. Es gibt sehr viele spannende Szenen, aber auch witzige und überraschende. Die Freunde Call, Aaron und Tamara entwickeln sich und ihre magischen Fähigkeiten weiter und halten zusammen, auch wenn immer mal wieder Zweifel an einem der Charaktere aufkommen. Mir hat es gut gefallen, wie sie sich umeinander sorgen und sich gegenseitig beschützen. Vor allem Jaspers Bemerkungen und Calls bissige Reaktionen darauf sorgen immer wieder dafür, dass sich ein Grinsen im Gesicht breit macht.

Es gelingt den beiden Autorinnen gut, etliche Personen verdächtig erscheinen zu lassen, sodass man sich nie sicher sein kann, wer denn nun wirklich der Spion ist, der Call (oder sogar beide Makaris?) tot sehen will. Wenn man sehr aufmerksam liest, kann man sich aber vieles schon zusammenreimen bzw. vermuten, bevor es offengelegt wird. Es gibt aber auch echte Überraschungen, mit denen ich im Leben nicht gerechnet hätte und die ich nicht kommen sah.

Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger. Band 4 ist auf Englisch für September 2017 geplant und wird hoffentlich bald danach auch auf Deutsch erscheinen.

Die Reihe:
1. Magisterium. Der Weg ins Labyrinth
2. Magisterium. Der kupferne Handschuh
3. Magisterium. Der Schlüssel aus Bronze
4. The Golden Boy (nur englischer Titel bekannt, erscheint September 2017 auf Englisch)
5. Enemy of Death (nur englischer Titel bekannt, Erscheinungstermin noch offen)

★★★★★

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Charaktere
  • Abenteuer
  • Schreibstil
Veröffentlicht am 11.10.2016

Erpenbeck zeigt uns die Gesichter hinter der „Flüchlingskrise“

Gehen, ging, gegangen
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Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (31. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3813503708
Preis: 19,99 €
auch erhältlich als E-Book und als Hörbuch

Erpenbeck zeigt uns die ...

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (31. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3813503708
Preis: 19,99 €
auch erhältlich als E-Book und als Hörbuch

Erpenbeck zeigt uns die Gesichter hinter der „Flüchlingskrise“

Inhalt:

Richard, frisch emeritierter Professor für Alte Sprachen, hat plötzlich viel Zeit. Zufällig sieht er die afrikanischen Flüchtlinge, die auf dem Berliner Oranienplatz campieren. Sie wecken seine Neugier. Anfangs noch etwas unsicher und ganz sachte wagt er einen Schritt nach dem anderen auf sie zu, lernt die einzelnen Personen und ihre Geschichte kennen, bis sein Leben schließlich eng mit dem der Flüchtlinge verzahnt ist.

Meine Meinung:
Sprachlich ist der Roman vielleicht nicht gerade ein Highlight, ist die Sprache doch eher einfach gehalten mit vielen kurzen Sätzen. Allerdings spiegelt das die einfachen Gedanken und Gespräche wider, die beschrieben werden. Leider verzichtet die Autorin auch nicht auf diese neumodische Sitte, bei der wörtlichen Rede die Anführungszeichen wegzulassen.

Und doch hat mich Jenny Erpenbeck mit ihrem Roman sehr beeindruckt, gibt sie doch den Menschen, die wir im Allgemeinen nur als die „Flüchtlingskrise“ wahrnehmen, ein Gesicht, eine Vergangenheit, eine Persönlichkeit. Sie pickt einzelne Menschen heraus und bringt sie uns näher. Dabei verarbeitet sie die Geschichten, die sie in zahlreichen Interviews erfahren hat. So wirkt der Roman sehr authentisch.

Richard ist dabei ein einfacher Mensch. Über Flüchtlinge hat er sich vorher noch nie viele Gedanken gemacht – wie wohl die meisten von uns. Doch als er die einzelnen Menschen in natura vor sich hat, ändert sich sein Blickwinkel ganz automatisch. Schnell wird ihm klar, dass diesen Menschen Schlimmes widerfahren ist und vor allem, dass man ihnen helfen muss. Und so geht Richard weiter seine kleinen Schritte. Er begleitet den Einen zum Rechtsanwalt, geht mit dem Nächsten zum Deutschunterricht, hört sich ihre Sorgen und Probleme an. Es ist nicht genug, was er als Einzelner bewirken kann, und doch so viel. Einfach nur, weil er menschlich handelt. Denn weder können die Flüchtlinge etwas dafür, dass in ihrer Heimat Krieg herrscht noch dass es keine Arbeit oder einfach zu wenig Nahrung für alle gibt. Sie haben einfach nur Pech, dass sie im falschen Land geboren sind.

[ … ] ebenso wüsste keiner von ihnen [Richards Freunde] eine Antwort auf die Frage, wessen Verdienst es in Wahrheit war, dass selbst die Ärmeren aus ihrem Freundeskreis einen Geschirrspüler in ihren Küchen hatten, Weinflaschen im Regal und doppelt verglaste Fenster. Wenn es aber nicht ihr eigenes Verdienst war, dass es ihnen so gut ging, war es andererseits auch nicht die Schuld der Flüchtlinge, dass es denen so schlecht ging. (S. 120)

Und noch etwas sollte man bedenken:
Es ist noch gar nicht so lange her, denkt Richard, da war die Geschichte der Auswanderung und der Suche nach Glück eine deutsche Geschichte. (S. 222)

Fazit:
„Gehen, ging, gegangen“ ist ein Plädoyer für Menschlichkeit, eingebettet in einen ernsten, aber doch unterhaltsamen Roman. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

★★★★★