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Veröffentlicht am 21.08.2019

Faszinierender Blick auf eine grausige Epoche

Der Bogenschütze
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Buchmeinung zu Bernard Cornwell – Der Bogenschütze

„Der Bogenschütze“ ist ein Historischer Roman von Bernard Cornwell, der 2004 bei Ullstein in der Übersetzung von Claudia Feldmann erschienen ist. Der ...

Buchmeinung zu Bernard Cornwell – Der Bogenschütze

„Der Bogenschütze“ ist ein Historischer Roman von Bernard Cornwell, der 2004 bei Ullstein in der Übersetzung von Claudia Feldmann erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Harlequin“ und ist 2001 erschienen. Ich habe die ungekürzte Lesung durch Frank Stöckle gehört, die 2019 im Audiobuch Verlag erschienen ist. Dies ist der Auftaktband zur Serie „Die Bücher vom Heiligen Gral“.

Zum Autor:
Bernard Cornwell wurde 1944 in London geboren. Nach seinem Geschichtsstudium arbeitete er als Reporter für die BBC. 1980 folgte er seiner Frau in die USA, und weil er keine Arbeitserlaubnis erhielt, begann er, historische Romane zu schreiben. Bernard Cornwell lebt auf Cape Cod, USA.

Klappentext:
Am Ostermorgen 1342 wird ein englisches Küstendorf von vier französischen Schiffen überfallen, angeführt von einem geheimnisvollen schwarzen Ritter, der sich «Harlekin» nennt. Schnell brennt der ganze Ort, und aus der Kirche wird ein Schatz gestohlen: eine alte Lanze, sie soll Sankt Georg gehört haben, dem Schutzheiligen der englischen Könige. Als einer der wenigen überlebt Thomas, der Sohn des Pfarrers. Sein Vater verrät ihm im Sterben, dass der Mann in Schwarz ein Verwandter ist. Thomas schwört, den Frevel zu rächen. Doch er ahnt nicht, auf was für ein Wagnis er sich einlässt. Denn sein Feind scheint die mächtigste Waffe des Christentums zu besitzen: den Heiligen Gral.

Sprecher:
Frank Stöckle arbeitet als Musiker, Schauspieler und Sprecher. Als Hörbuchsprecher macht er hier einen sehr guten Job. Auch im Auto sind die Figuren klar zu unterscheiden und der Vortrag bleibt jederzeit verständlich.

Meine Meinung:
Die Hauptfigur Thomas Hookton ist jetzt nicht der liebe Junge von nebenan, sondern schon ein Krieger, der schändet und tötet. Trotzdem ist er sympathisch, weil er im Kampf mit den Adligen der Underdog bleibt und weil er versucht, menschlich zu bleiben. Seine Figur gefällt mir sehr mit den Ecken und Kanten. Und genauso könnte jemand aus der Zeit auch aufgetreten sein. Aber auch viele der anderen Figuren haben ihre Grautöne, selbst die Gegenspieler von Thomas. Nebenbei erfährt man viel über die Zeit und die Probleme der Menschen, die in ihr lebten. Dies betrifft nicht nur die einfachen Leute sondern auch Menschen aus dem niederen Adel. Auch der Plot ist sehr gelungen und bietet viele Überraschungen. Ein Hauptaugenmerk liegt in der Schilderung der kriegerischen Vorgänge. Diese gelingt Cornwell so gut, dass man das Gefühl hat, mitten auf dem Schlachtfeld zu stehen. Das grausige Geschehen wird in epischer Breite und ohne Rücksicht auf Zartbesaitete dargestellt. Ist die Schlacht geschlagen gilt es für die Gewinner Beute zu machen und auch dies ohne Rücksicht. Aufgelockert wird das Ganze durch eine romantische Beziehung zwischen Thomas und einer jungen Französin.

Fazit:
Bernard Cornwell lässt in diesem Buch eine Zeit lebendig werden, die nichts für Zartbesaitete gewesen ist und er macht dies ohne Kompromisse. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (95 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus, wenn man den mit der grausigen Darstellung zurecht kommt.

Veröffentlicht am 15.08.2019

Vielschichtig, ruhig und spannend

Die im Dunkeln sieht man nicht
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Buchmeinung zu Andreas Götz – Die im Dunkeln sieht man nicht

„Die im Dunkeln sieht man nicht“ ist ein Kriminalroman von Andreas Götz, der 2019 bei Fischer Scherz erschienen ist.

Zum Autor:
Andreas Götz, ...

Buchmeinung zu Andreas Götz – Die im Dunkeln sieht man nicht

„Die im Dunkeln sieht man nicht“ ist ein Kriminalroman von Andreas Götz, der 2019 bei Fischer Scherz erschienen ist.

Zum Autor:
Andreas Götz, geboren 1965, studierte Germanistik und arbeitet als freier Autor von Hörspielen für mehrere Rundfunkanstalten, als Journalist und Übersetzer.

Klappentext:
Im April 1950 kehrt Karl Wieners, ehemals Schriftsteller, heim nach München, wo Schmuggler gute Geschäfte machen und Gestrandete die letzte Hoffnung verlieren. Karls letzte Hoffnung ist eine Karriere als Journalist. Wenn er herausfände, was aus dem Kunstschatz wurde, der bei Kriegsende aus dem Führerbau verschwunden ist, wäre das die Sensation.
Gemeinsam mit seiner Nichte Magda begibt er sich auf die Spur der Bilder. Dabei geraten die beiden nicht nur ins Visier dubioser Schwarzmarktschieber. Sie stören auch die Kreise von Kommissär Ludwig Gruber, der auf der Suche nach einem Mörder fast verzweifelt.
Doch womit sie es wirklich zu tun haben, erkennen sie alle erst, als es fast schon zu spät ist.

Meine Meinung:
Gefallen hat mir an diesem Buch die Schilderung des Lebens in der im Wiederaufbau befindlichen Stadt. Dazu hat der Autor die passenden Figuren gestellt, die fast alle angeschlagen sind, nervlich und / oder körperlich, aber doch auch Sympathie verdienen. Der Autor nimmt sich die Zeit, die Handlung ruhig aufzubauen und die Situation der Menschen zu beschreiben. Karl offenbart im Laufe des Buchs, dass er schwere Schicksalsschläge erleiden musste, die ihn ohne Antrieb erscheinen lassen. Seine Nichte Magda ist das genaue Gegenteil. Sie macht und tut und sie überschreitet dabei auch Grenzen. Sie ist die treibende Kraft in diesem Buch. Auch die Figur des Kommissärs Ludwig weist Ecken und Kanten auf. Bei seinen Aktivitäten werden die Problemen der Gesetzeshüter deutlich, die eine lange Zeit fehlende Ordnung erst wieder durchsetzen müssen. Auch die Nebenfiguren sind erfreulich komplex gestaltet.
Die Schilderung erfolgt aus wechselnden Perspektiven und manche Ereignisse werden aus mehreren Sichten betrachtet, die ein vielschichtiges Bild ergeben. Vieles wird in kurzen Sätzen dargestellt, aber bewusst bleiben viele Punkte im Unklaren. Es gibt mehrere Verbrechen, die ineinander verwebt sind und erst langsam erfährt der Leser, ob und wie sie zusammenhängen. So beginnt die Spannungskurve weit unten und steigert sich bis zum Ende immer mehr. Die Auflösung hat mich überrascht, ist aber überzeugend und passt zum Buch.
Auch atmosphärisch überzeugt dieses Werk. Es beschreibt eine Stadt und eine Gesellschaft, die sich im Wandel befinden.

Fazit:
Vielschichtigkeit ist vielleicht die passende Beschreibung für Plot, Atmosphäre und Figuren. Mir hat das Buch sehr gut gefallen (fünf von fünf Sternen, 90 von 100 Punkten) und ich empfehle dieses Buch gerne weiter.

Veröffentlicht am 11.08.2019

Hochspannung mit einem japanischen Touch

Inspektor Takeda und das doppelte Spiel
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Buchmeinung zu Henrik Siebold – Inspektor Takeda und das doppelte Spiel

„Inspektor Takeda und das doppelte Spiel“ ist ein Kriminalroman von Henrik Siebold , der 2019 im Aufbau Verlag erschienen ist. Dies ...

Buchmeinung zu Henrik Siebold – Inspektor Takeda und das doppelte Spiel

„Inspektor Takeda und das doppelte Spiel“ ist ein Kriminalroman von Henrik Siebold , der 2019 im Aufbau Verlag erschienen ist. Dies ist der vierte Band in der Serie um den japanischen Inspektor Kenjiro Takeda.

Zum Autor:
Daniel Bielenstein (* 31. Juli 1967 in Bonn) ist ein Journalist und Schriftsteller. Er lebt in Hamburg.
Unter dem Pseudonym Henrik Siebold schreibt er Kriminalromane, in deren Mittelpunkt der in Hamburg ermittelnde, japanische Inspektor Kenjiro Takeda steht.
Für seine zahlreichen Kurzgeschichten ist er vielfach ausgezeichnet worden, seinen Durchbruch schaffte er 2003 mit seinem ersten Roman "Die Frau fürs Leben". Es folgten weitere Unterhaltungsromane, die um das Liebesleben moderner Großstadt-Singles kreisen.
Bielenstein veröffentlichte auch Bücher unter dem Pseudonym Philip Tamm, z. B. "Billigflieger", "Herrengedeck", "Zwei wie wir".

Klappentext:
Inspektor Takeda, mittlerweile beinahe in Hamburg heimisch geworden, wird zu einem Fall gerufen, der ihn besonders erschüttert. In einem hässlichen Gewerbehof wird die Leiche eines Mannes gefunden, der brutal hingerichtet wurde. Und der Tote ist ein Landsmann und prominent obendrein: Ryūtarō Matsumoto ist ein Profifußballer, der beim HSV unter Vertrag steht. Takeda und seine Kollegin Claudia Harms vermuten zunächst ein Verbrechen im Fußballmilieu. Doch dann entdecken sie mysteriöse Dinge in der Vergangenheit des Spielers, die bis in hohe Yakuza-Kreise in Japan reichen. Und sie entschließen sich, gegen jede Vorschrift zu einer heimlichen Reise nach Japan.

Meine Meinung:
Mich hat dieses Buch in weiten Teilen begeistert, vor allem die beiden Hauptfiguren Kenjiro Takeda und Claudia Harms überzeugen. Beide haben nicht nur positive Eigenschaften und wirken sympathisch. Zusätzlich offenbaren beide Seiten zunehmendes Verständnis für die Kultur des jeweils anderen. Kurze Kapitel, meist aus der Sicht der Hauptfiguren geschildert, sorgen für zusätzliches Tempo und für zusätzliche Spannung. In Japan zeigt sich, dass Takeda sehr gut vernetzt ist. Seine Ermittlungsmethoden wirken manchmal etwas überraschend, vor allem wenn die Yakuza ins Spiel kommt. Japanische Lebensweisen und Anschauungen spielen eine große Rolle im Zuge der Ermittlungen, Etwas verstört haben mich Takedas Kampfkunsteinlagen, die ich von diesem ruhigen Ermittler nicht erwartet hatte. Der Japantrip hinterlässt Spuren und doch findet der Fall in Hamburg seinen Abschluss. Insgesamt haben mir die in Hamburg spielenden Szenen besser gefallen als jene in Japan. Hier waren Harms und Takeda Menschen, während in Japan vor allem Takeda übermenschliche Eigenschaften zeigen durfte. Der Plot war ungewöhnlich und überzeugend und die sehr hohe Spannung über lange Zeit und die japanischen Denkansätze machen das Buch besonders.

Fazit:
Ein sehr gelungener Kriminalroman, der mit Plot, Figuren und Spannung überzeugt. Auch wenn mir der Japanausflug nicht ganz so gut gefallen hat, reicht es zu fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und einer klaren Leseempfehlung für die Freunde der Spannungsliteratur.

Veröffentlicht am 04.08.2019

Einfach nur sehr gut

Im Wald der Wölfe (Jan-Römer-Krimi 4)
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Buchmeinung zu Linus Geschke – Im Wald der Wölfe

„Im Wald der Wölfe“ ist ein Kriminalroman von Linus Geschke, der 2019 bei Ullstein Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der vierte Band in der Serie um ...

Buchmeinung zu Linus Geschke – Im Wald der Wölfe

„Im Wald der Wölfe“ ist ein Kriminalroman von Linus Geschke, der 2019 bei Ullstein Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der vierte Band in der Serie um den Kölner Journalisten Jan Römer.

Zum Autor:
Der 1970 geborene Linus Geschke arbeitet als freier Journalist für führende deutsche Magazine und Tageszeitungen, darunter Spiegel Online und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Für das Special-Interest-Magazin „unterwasser“ verfasst er Tauch- und Reisereportagen, für die der gebürtige Kölner bereits mehrere Journalistenpreise gewonnen hat.

Klappentext:
Mitten in der Nacht steht eine blutüberströmte Frau vor der Tür von Jan Römers Waldhütte, und schlagartig ist es mit seinem Erholungsurlaub vorbei. Die Frau, Hannah Wozniak, wirkt verängstigt, behauptet aber, nur beim Joggen gestolpert zu sein. Jan Römer lässt sich von ihr überzeugen, horcht aber auf, als sie ihm vom "Wald der Wölfe" erzählt, ein nahe gelegenes Waldstück, in dem schon früher Morde geschehen sind. Alle Opfer trugen Brandzeichen, einen Wolfskopf. Am nächsten Morgen ist Hannah verschwunden, und Jan Römer beginnt zu recherchieren. Schnell zeigt sich, dass die Morde in einem Zusammenhang stehen, der bis tief in die deutsche Vergangenheit hineinreicht. Und als Jan Römer selbst in die Schusslinie gerät, wird ihm klar, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist.

Meine Meinung:
Die Bücher um den Journalisten Jan Römer und sein Team bleiben ein Erlebnis. Eigentlich macht er Urlaub in einer einsamen Hütte, als eine verängstigte Frau an seine Tür klopft. Damit beginnt eine Geschichte, die mir lange in Erinnerung bleiben wird. Für weitere Ermittlungen zieht er seine Kollegin „Mütze“ Schneider hinzu, die mit dem gemeinsamen Freund und Bodygard Arlan und dessen neuer Freundin Lena, einer Psychologiestudentin, auch in der Waldhütte aufschlagen.
Jan und Mütze sind Teil eines komplexen Beziehungsgeflechts, das der Offenlegung ihrer wahren Gefühle entgegenarbeitet. Arslan geht den direkten Weg und schützt seine Freunde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Er stellt ein geniales Gegengewicht zu den kopfgesteuerten Journalisten dar. Auch Lena kann ihren Anteil zu den Recherchen beitragen. Jan und Stefanie „Mütze“ haben ihren Stärken, Schwächen und auch Geheimnisse, die sich auf ihre Entscheidungen auswirken. Sie sind sehr interessante und sympathische Figuren, auch weil sie nicht vollkommen sind. Auch viele Nebenfiguren sind komplex und verfolgen eigene Ziele.
Der Schreibstil des Autors ist direkt und klar. Viele Perspektivwechsel sorgen für ein hohes Tempo. Auch werden einige Szenen und Kapitel aus der Sicht der Täter beschrieben. So weiß der Leser oft mehr als die Journalisten, aber dies tut der Spannung keinen Abbruch. Die Spannung lebt von den Rechercheergebnissen und den daraus abgeleiteten Schlüssen, die den Druck auf den Täter erhöhen. Aber auch dieser greift zu drastischen Maßnahmen, um sich zu schützen. Die Geschichte gipfelt in einem Showdown, der den Figuren alles abverlangt und mich an einer Fortsetzung zweifeln lässt.

Fazit:
Mich hat auch dieses Buch voll und ganz überzeugt. Sowohl die Figurenzeichnung als auch der Plot sind sehr gelungen. Die Journalisten beschränken sich auf ihre Mittel und wirken somit um so überzeugender. Ich vergebe gerne fünf Sterne (95 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 22.06.2019

Elwood - ein unfreiwilliger Held

Die Nickel Boys
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Buchmeinung zu Colson Whitehead – Die Nickel Boys

„Die Nickel Boys“ ist ein Roman von Colson Whitehead, der 2019 im Carl Hanser Verlag in der Übersetzung von Henning Ahrens erschienen ist. Der Titel der ...

Buchmeinung zu Colson Whitehead – Die Nickel Boys

„Die Nickel Boys“ ist ein Roman von Colson Whitehead, der 2019 im Carl Hanser Verlag in der Übersetzung von Henning Ahrens erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „The Nickel Boys“ und ist 2019 erschienen. Die ungekürzte Hörfassung wird von Torben Kessler gelesen und ist 2019 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

Zum Autor:
Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper’s und Granta. Er gehört zu den wichtigsten Autoren der neuen amerikanischen Literatur. Seine zahlreichen Veröffentlichungen wurden hochgelobt, für seinen Roman Underground Railroad erhielt er 2016 den National Book Award und 2017 den Pulitzer-Preis. Heute lebt Whitehead in Brooklyn.

Klappentext:
Florida, Anfang der 1960er-Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt. Elwood freundet sich mit dem angepassten Turner an und will ihn überzeugen, gegen die Zustände zu kämpfen. Doch das ist lebensgefährlich.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich durch seine ruhige Art Unfassbares zu schildern überzeugt. Elwood ist jung, intelligent und von den Ideen Martin Luther Kings fasziniert. Seine Großmutter hat ihn geprägt und ihn zu bedachtsamen Handeln erzogen. Ohne etwas falsch gemacht zu haben, findet er sich in der Besserungsanstalt Nickel Akademie wieder. Schon der Weg dorthin ist darauf ausgelegt, ihn zu brechen. Stundenlang wird er angekettet im Auto transportiert. Dort angekommen erfolgt die Aufteilung nach der Hautfarbe. Die Zustände bei den Weißen sind schon schlimm, aber noch immer weitaus besser als im anderen Teil. Ein Versuch, einen Streit zu schlichten, bringt Elwood in höchste Not. Er wird gnadenlos ausgepeitscht und überlebt nur knapp. Danach wird er zum Beobachter. Er schildert das Leben in der Anstalt einfach so wie es ist. Wer sich angepasst verhält, kommt relativ ungeschoren davon, aber Fehlverhalten oder gar Widerstand führt zur Öffnung weiterer Höllentüren. Dabei ist die Anstalt in der Öffentlichkeit hoch angesehen. Vor allem im direkten Umfeld profitieren viele Bewohner des nächsten Ortes von Unregelmäßigkeiten in der Anstalt.
Fast emotionslos beschreibt der Autor die unmenschlichen Zustände in der Anstalt. Das System der Unterdrückung funktioniert wie eine gut geölte Maschine, weil alle mitmachen. Den Insassen wird jede Hoffnung genommen und doch keimt ein zartes Pflänzchen des Widerstands, weil Elwood mit seinem unbändigen Willen alles dokumentiert, was er erlebt.
Die schlichte Beschreibung der Erfahrungen des Elwood Curtis, der eigentlich nie etwas falsch gemacht hat, wirkt auf Dauer nachhaltig. Elwood ist ein stiller Kämpfer mit einem sehr starken Willen, dessen Schicksal bewegt.
Die Erzählung bewegt sich auf mehreren Zeitebenen und springt zwischen diesen hin und her, meist wird aber der Weg Elwoods chronologisch begleitet. Einige besondere Ereignisse lockern das tägliche Einerlei auf. Zum Ende hat der Autor für den Leser noch eine Überraschung bereit.

Sprecher:
Torben Kessler, Jahrgang 1975, ist ein deutscher Schauspieler und Synchronsprecher. Kessler hat an der Folkwang-Hochschule in Essen Schauspiel, Gesang und Tanz studiert.
Torben Kessler liest dieses Hörbuch ganz ausgezeichnet. Er liest technisch einwandfrei und trifft die Atmosphäre. Unaufgeregt und doch engagiert interpretiert er das Werk von Colson Whitehead – einfach großartig.

Fazit:
Eine bewegende Erzählung über das Schicksal eines besonderen Menschen, dessen Willen nicht gebrochen werden konnte. Der ruhige Erzählton lässt den Leser das Unfassbare noch eindringlicher erleben. Deshalb fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und eine unbedingte Leseempfehlung.