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Veröffentlicht am 01.05.2020

In Ellinburg rollen Köpfe

Priest of Bones
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Worum geht’s?
Im Grunde fasst es der Titel schon ganz treffend zusammen – Es rollen Köpfe. Nachdem die beiden Brüder Tomas und Jochan Piety aus dem Krieg in ihre Heimatstadt Ellinburg zurück kehrten, müssen ...

Worum geht’s?
Im Grunde fasst es der Titel schon ganz treffend zusammen – Es rollen Köpfe. Nachdem die beiden Brüder Tomas und Jochan Piety aus dem Krieg in ihre Heimatstadt Ellinburg zurück kehrten, müssen sie feststellen, dass von den einstigen Besitztümern der Pious Men nicht mehr wirklich viel übrig geblieben ist. Eine Band fremdländischer Söldner hat sich so ziemlich alle Stützpunkte der Gruppe unter den Nagel gerissen und will diese ganz sicher nicht freiwillig wieder an deren ehemaligen Besitzer abtreten. Gemeinsam mit der neu zusammengestellten Truppe aus Kriegsrückkehrern macht sich Tomas daran, das Kommando über seine Straßen zurück zu erobern und dem Imperium der Pious Men zu alter Größe zurück zu verhelfen.


Meine Meinung
So gespannt wie ich auf dieses Hörbuch war, fast genauso enttäuscht bin ich jetzt im Nachhinein vom Endergebnis. Gleich einmal vorweg: Ich habe auch das Buch dazu gelesen und musste leider feststellen, dass sich der Eindruck den ich während des Lesens der Geschichte bekommen habe hier noch einmal verstärkt hat.

Mein größtes Problem mit dieser Geschichte war, dass der Klappentext eine Fantasygeschichte voller Magie versprochen hat, die man als Leser schlussendlich aber kaum zu Gesicht bekommen hat. Unterschwellig und in einer kurzen Nebenhandlung ging es zwar mal darum, das Billy the Boy von der Göttin berührt sei, wie sich das aber schlussendlich äußert, wird nur sehr kurz gestreift. Das hat mich schon sehr enttäuscht, zumal sich die restliche Handlung eigentlich ausschließlich um die Rückeroberung verlorener Stützpunkte der Pious Men dreht.

Insgesamt ist die Welt, in der Priest of Bones spielt vor allem rau und gewalttätig. Mir persönlich hat das nicht so viel ausgemacht, da Stil und Atmosphäre in diese Richtung gut funktionieren. Irgendwann schob man sich aber gefühlt nur noch von Eroberung zu Eroberung und wurde gleichzeitig darauf vorbereitet, dass in naher Zukunft sehr wahrscheinlich noch irgendetwas Bedrohliches passieren wird.

Auf mich wirkte das irgendwann einfach nicht mehr so wirklich gut, und ich hatte eher das Gefühl, dass man krampfhaft versucht hat, eine Trilogie zusammen zu stellen, deren Abschluss interessanter als der Einstieg werden sollte.

Auch mit den Charakteren konnte ich mich irgendwie nicht so ganz anfreunden, denn auch wenn besonders der Protagonist Tomas in vielen Szenen auftritt, bleibt ein Großteil seiner Geschichte noch im Dunkeln. Abgesehen von Bloody Anne bekommt der Leser zu keinem der übrigen Nebencharaktere eine Hintergrundgeschichte geliefert, und die ihnen zugeschriebenen Charakterzüge konnte ich bei fast niemandem so wirklich beobachten. Insgesamt fiel es mir dadurch wirklich schwer, mich auf irgendeine Weise mit den Protagonisten identifizieren zu wollen,

Ein Lichtblick war zum Glück der Sprecher, der seine Sache wirklich ausgesprochen gut macht. Frank Stierens Stimme passt perfekt zu dieser Geschichte und macht das vergebliche Warten auf Magie und die Handlung sinnvoll voranbringende Ereignisse erträglicher.

Das konnte mich jedoch trotzdem nicht wirklich darüber hinweg trösten, dass der Geschichte der versprochene Funken Magie fehlte und man darüber hinaus sehr wahrscheinlich erst in Teil zwei auf Handlungsstränge treffen wird, die offensichtlich wichtig für den großen Konflikt der Geschichte sind.


Fazit
Als Einstiegsband zu einer Reihe fand ich das Hörbuch zu Priest of Bones leider eher schwach. Der Fantasy- und Magieaspekt kam für meinen Geschmack einfach viel zu kurz, und die Handlung wirkt eher so, als wolle sie krampfhaft auf die nächsten beiden Bände vorbereiten. An sich ein völlig legitimer Gedanke, nur hier hatte ich leider das Gefühl, dass man die Reihe auch getrost um einen Band hätte kürzen können.

Begünstigt wurde dieser Eindruck noch dadurch, dass selbst die gekürzte Lesung nicht wesentlich spannender wirkte als das eigentliche Buch.

Wirklich positiv zu bewerten ist hier aber auf jeden Fall der Sprecher, weshalb mir das Hören trotz der Handlungsdefizite nicht allzu schwer viel.

Dafür gibt es von mir drei Bücherstapel

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2020

Ein Ausflug ins alte Griechenland

Der lange Krieg: Sohn des Achill
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Worum geht’s?
Um 500 v.Chr. Herrscht Krieg zwischen Platäa und Theben. Der dreizehnjährige Arimnestos erlebt seine erste Schlacht, den ersten Sieg, wird dann jedoch im Kampf niedergeschlagen und erwacht ...

Worum geht’s?
Um 500 v.Chr. Herrscht Krieg zwischen Platäa und Theben. Der dreizehnjährige Arimnestos erlebt seine erste Schlacht, den ersten Sieg, wird dann jedoch im Kampf niedergeschlagen und erwacht in der Sklaverei. Nach einigen Jahren im Haus seines neuen Herren erlangt Arimnestos die Freiheit zurück und erkämpft sich in zahlreichen Schlachten einen Namen als Menschenschlächter.


Meine Meinung
Die Stimme des Sprechers fand ich zunächst einmal sehr angenehm, was besonders im Hinblick auf die Länge des Hörbuchs ein wichtiger Pluspunkt für mich war.

Die Geschichte wird aus der Sicht des mittlerweile gealterten Arimnestos erzählt, der die Erzählung immer wieder unterbricht, um sich an seine Zuhörer zu wenden. Das hat mich zu Anfang ein wenig irritiert, mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran und bekommt so noch einmal einen genaueren Blick auf die Gedankengänge des Erzählers.

Die Handlung an sich war generell spannend, denn immerhin dreht sich ein Großteil dieser um Krieg und Kampfhandlungen. Für meinen Geschmack kam die Geschichte aber etwas zu langsam in die Gänge, und als man dann endlich im Krieg gelandet war, zogen sich die Kampfszenen etwas zu sehr in die Länge, sodass ich zeitweise nicht mehr aufmerksam zuhören konnte. Dass ich immer wieder zurückspulen musste, hat auch nicht wirklich dazu beigetragen, das Hörbuch wirklich zu genießen.

Verwirrend fand ich außerdem die vielen griechischen Namen und Begriffe. Einen Großteil der einzelnen Personen habe ich bis zum Schluss immer wieder verwechselt, was bei der Länge des Hörbuchs irgendwann zu ein wenig Resignation bei mir geführt hat. Besonders bei der Frage, wer Freund und wer Feind ist, wurde ich immer wieder überrascht, weil ich mir die Namen nicht merken konnte.

Wirklich gut gelungen fand ich aber auf jeden Fall die ausführliche Recherche zu den historischen Ereignissen und die Karte im Innenteil der CD – Hülle, die mir bei der räumlichen Orientierung ein großes Stück weiter geholfen hat.


Fazit
Mit Der lange Krieg: Sohn des Achill hat Christian Cameron eine wirklich imposante Geschichte verfasst, die auf mich leider ein wenig zu überwältigend gewirkt hat.

Der Sprecher macht seine Sache wirklich gut, ich fand seine Stimme sehr angenehm und auch die Vertonung der verschiedenen Charaktere durch ihn wirkte nicht seltsam.

Leider konnte ich der Handlung nicht immer aufmerksam folgen, was zum einen an der Länge des Hörbuchs, zum anderen aber auch an der Masse an Namen und Ereignissen auf griechisch lag. Die Kampfhandlungen hätten stellenweise ruhig ein wenig kürzer oder zumindest etwas spannender gestaltet werden können, da ich einfach nicht immer vom Geschehen gefesselt werden konnte.

Die Geschichte ist an sich aber gut recherchiert und bekommt deshalb noch drei Bücherstapel von mir

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2019

Ermittlungen im australischen Sumpf

Crimson Lake
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Worum geht’s?
Es brauchte nur sechs Minuten und ein paar Zeugen, um das Leben von Streifenpolizist Ted Conkaffey zu zerstören. Er soll ein kleines Mädchen vergewaltigt haben, die Anklage wird aber nach ...

Worum geht’s?
Es brauchte nur sechs Minuten und ein paar Zeugen, um das Leben von Streifenpolizist Ted Conkaffey zu zerstören. Er soll ein kleines Mädchen vergewaltigt haben, die Anklage wird aber nach knapp acht Monaten Haft aus Mangel an Beweisen fallen gelassen. Um der Horde wütender Menschen zu entgehen, die es fortan auf ihn abgesehen haben, lässt er sich in dem kleinen Örtchen Crimson Lake nieder. Dort trifft er auf Amanda Pharrell, eine verurteilte Mörderin, die nach ihrer Haftentlassung eine Privatdetektei eröffnet hat. Gemeinsam ermitteln die beiden im Fall eines verschwundenen Autors, dessen geheimes Doppelleben zunächst der Grund für sein Verschwinden zu sein scheint.


Meine Meinung
Das Cover ist ehrlich gesagt nicht so wirklich mein Fall, auch wenn es theoretisch zu meiner Vorstellung von der Gegend um Crimson Lake passen würde.

Der Schreibstil ist manchmal etwas trocken und verfängt sich an einigen Stellen in Details, aber im Großen und Ganzen kann man die Geschichte trotzdem noch relativ gut runter lesen. Gerade zu Anfang läuft die Geschichte nur relativ schleppend an und beleuchtet zunächst mehr Ted und seinen Fall, was zum Kennenlernen des Charakters hilfreich, aber meiner Meinung nach nicht besonders elegant gelöst ist. Die Details seines Falles hätte man eventuell ähnlich wie bei Amanda nur stückchenweise in die Geschichte mit einfließen lassen können, um so mehr Spannung zu erzeugen.

Ted wirkt wie der nette Kerl von nebenan, dessen Leben zerstört wurde, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Was mir an der Gestaltung seines Charakters wirklich gut gefallen hat war, dass er nicht völlig unberührt von den Ereignissen und seiner Inhaftierung geblieben ist. Er hat immer wieder mit Panikattacken zu kämpfen und hält sich mit der Hoffnung aufrecht, seine Tochter Lillian irgendwann wiedersehen zu dürfen. Dadurch wirkt er authentischer und hat mir als Leser wirklich Leid getan.

Amanda ist ein eher schwieriger Charakter mit sehr spezielle Ansichten und Verhaltensweisen, die so gut wie jeden vor den Kopf stößt. Ihr Auftreten wirkt auch auf den Leser sehr befremdlich, da sie alles mit übertriebenem Humor nimmt und in jedem zweiten Satz reimt. Auf Dauer war mir das etwas zu viel und ich konnte nicht so wirklich warm mit ihr werden.

Was mir insgesamt nicht ganz so gut gefallen hat, war der Aufbau der Geschichte. Der erste Teil fokussiert sich fast ausschließlich auf Teds Hintergrundgeschichte und behandelt den von mir eigentlich an dieser Stelle erwarteten Fall so gut wie gar nicht. Erst in der zweiten Hälfte wurden dann die Ermittlungen zum Thema, wobei ich auch hier teilweise das Gefühl hatte, dass man als Leser nicht wirklich mit Erkenntnissen gefüttert wird und die Handlung eine ganze Weile lang nur sehr schleppend voran kommt.

Die finale Auflösung wirkte auf mich zwar schon sehr überraschend, gleichzeitig aber irgendwie auch ein bisschen zu gewollt. Ich wäre im Leben nicht auf den Täter gekommen, und das Motiv erscheint mir dann doch etwas fragwürdig.

Auch wenn man sich meiner Meinung nach deutlich mehr mit dem Vermisstenfall hätte beschäftigen sollen, wollte ich irgendwie trotzdem wissen, wie sich der Fall auflösen würde. Insgesamt fehlte mir für einen Thriller aber eindeutig die Spannung, und da Crimson Lake als mehrteilige Reihe geplant ist, hätte man die Details der Hintergrundgeschichten der beiden Ermittler auch gut und gerne deutlich reduzieren bzw. auf die Folgebände verschieben können.


Fazit
Mit Crimson Lake hat Candice Fox einen eigentlich ganz nett zu lesenden Krimi geschrieben, der mich als Leser jedoch nicht durchgehend fesseln konnte. Der Fokus der Geschichte liegt zunächst vor allem auf den Hintergrundgeschichten der beiden Hauptfiguren und beschäftigt sich erst spät mit dem eigentlich zu behandelnden Fall.

Im Großen und Ganzen war die Geschichte eigentlich doch ganz interessant zu lesen und auch die Lösung des Falls hat mich schon interessiert. Wer hier aber einen packenden Thriller erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht sein.

Dafür gibt es von mir drei Bücherstapel

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2019

Eine Geschichte mit Potenzial, die als Hörbuch hinter meinen Erwartungen zurück bleibt

Burning Bridges
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Worum geht’s?
Ella, eine eher unauffällige Literaturstudentin, muss an einem Abend gleich zwei bittere Pillen schlucken. Erst offenbart ihr ihr Freund, dass er sie schon seit Monaten betrügt, und dann ...

Worum geht’s?
Ella, eine eher unauffällige Literaturstudentin, muss an einem Abend gleich zwei bittere Pillen schlucken. Erst offenbart ihr ihr Freund, dass er sie schon seit Monaten betrügt, und dann erhält sie auch noch Hausverbot in ihrem Lieblingsrestaurant. Um das Ganze noch zu toppen, wird sie auf dem Heimweg von einer Gruppe zwielichtiger Typen bedrängt und durch Zufall von einem Unbekannten gerettet. Als sie ihren Retter zufällig wieder trifft, möchte sie sich bei ihm revanchieren und lädt ihn zum Frühstück bei sich ein. Und obwohl die beiden die zwischen ihnen herrschende Anziehungskraft irgendwann nicht mehr leugnen können, steht noch immer ein großes Geheimnis zwischen ihnen, welches zunächst verhindert, dass sie sich wirklich näher kommen können.


Meine Meinung
Das Cover ist eigentlich ganz hübsch und gefällt mir deshalb, auch wenn es meiner Meinung nach auf dem Buch ein wenig besser zur Geltung kommt, als auf der CD.

Den Einstieg in die Geschichte fand ich ehrlich gesagt ein wenig holprig, und ich hatte eine ganze Zeit lang Probleme dabei, der Handlung nur durch's Zuhören zu folgen. Mit der Zeit hat sich das dann halbwegs gelegt und ich kam wesentlich besser mit, als zu Beginn.

Die Szene im Restaurant war mir als Leser schon ziemlich unangenehm, und ich war mir erst nicht wirklich sicher, ob ich mich danach überhaupt noch mit den Charakteren bzw. mit Ella anfreunden können würde. Bei ihr ist es mir zeitweise tatsächlich ziemlich schwer gefallen, nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen zu wollen. Besonders ihre konstante Naivität, von der sie sich durch kein einziges Ereignis abbringen lassen konnte ging mir irgendwann ganz schön auf die Nerven. Sie ist zwar ein nettes Mädchen und mag die selben Fandoms wie ich, aber wer mit Drogen versetzte Getränke von einem Fremden annimmt oder einfach einen Typen bei sich einziehen lässt, den man gerade mal ein paar Wochen kennt und dann trotzdem immer noch so lebt, als wäre die Welt eine rosa Seifenblase, dem ist glaube ich auch nicht mehr wirklich zu helfen.

Darüber hinaus hatte ich auch ein wenig den Eindruck, dass sie und ihre Freundinnen sich stellenweise einfach gar nicht ihres Alters entsprechend verhalten, sondern irgendwie um einiges jünger wirken. Das hat mir jetzt nicht das ganze Buch verdorben oder so, aber auffällig war es halt schon.

Ches dagegen mochte ich wirklich gerne, er ist trotz seines mysteriösen Auftretens ein sympathischer Kerl mit viel Feingefühl. Stellenweise hat mich sein ewiges „Ich bin nicht gut genug und habe nur das Schlimmste im Leben verdient“- Gehabe schon sehr genervt, vor allem, da das ja eigentlich gar nicht stimmt und er sich selbst eigentlich völlig unnötig bestraft. Für seine Opferbereitschaft kann man ihn nun aber wirklich nicht hassen, nur bei dem ewigen Hin und Her zwischen ihm und Ella wurde es dann irgendwann etwas zu viel des Guten.

Der Aufbau der Geschichte war soweit eigentlich ganz gut gemacht, und besonders so alltäglich Szenen wie der Spielenachmittag mit der ganzen Gruppe oder der Kurs mit Ellas Tante waren sehr liebevoll gestaltet. Dann gab es jedoch auch wieder Phasen, in denen ewig auf ein und dem selben Ereignis herumgeritten wurde und sich die Handlung gefühlt gar nicht mehr vorwärts bewegen wollte. Genau diesen Eindruck hatte ich leider auch von der abschließenden Kampfszene zwischen Ella und Rory, die darüber hinaus ja auch wie schon erwähnt ein wenig erzwungen gefährlich auf mich gewirkt hat. Mit ein wenig mehr Nachdenken hätte man das halt irgendwie vermeiden oder einfach nur anders aufbauen können, dann wäre der dramatische Effekt vielleicht auch nicht ganz so unglaubwürdig geworden.

Beim Lesen wäre mir das eventuell nicht ganz so langatmig vorgekommen, da ich definitiv schneller lese als die Sprecherin vorliest. Das Vorlesetempo und leider auch die Betonung war nämlich ehrlich gesagt so gar nicht meins. Stellenweise klang es einfach nur mechanisch und unnatürlich, und besonders die Stimme von Teddy fand ich sehr unangenehm beim Hören und auch so gar nicht passend.

Die Stimme von Ches im Epilog dagegen war wirklich angenehm, und ich fand es sehr süß, ihn ein wenig aus der Zukunft der beiden erzählen zu lassen. Klar, ein Happy End kam jetzt nicht unbedingt unerwartet. Die Umsetzung finde ich aber sehr gelungen, besonders, da beide noch immer ihr eigenen Leben und auch jeweils ihre eigene Wohnung haben, um sich noch ein wenig Unabhängigkeit zu bewahren. Hätte mir der Epilog dagegen direkt was von einer gemeinsamen Wohnung, der anstehenden Hochzeit und der ersten Schwangerschaft erzählt, hätte ich vermutlich nur mit dem Kopf schütteln können.

Fazit
Auch wenn ich mit der Sprecherin und ihrer Vertonung der Geschichte mal mehr und mal weniger große Probleme hatte, ist mein Gesamteindruck durchaus in Ordnung. Manche Dinge hätte man eindeutig schneller und vor allem wesentlich logischer aufbauen können. So schwankte ich stellenweise zwischen Langeweile und ungläubigem Lachen, wobei ich stark davon ausgehe, dass diese Eindrücke durch das Hören einfach noch mal ein wenig verstärkt wurden. Beim Lesen hätte sich zumindest die Langeweile nicht so schnell eingestellt, weil ich einfach schneller vorwärts gekommen wäre als mit der CD und dementsprechend auch die langatmigen Stellen schneller hinter mich gebracht hätte.

Nichtsdestotrotz sind Ella und Ches ein süßes Paar mit einem gruppendynamisch toll aufgestelltem Freundeskreis, was besonders die Gruppenszenen zu meinen Lieblingsszenen gemacht hat. Ihre gemeinsame Entwicklung geht teilweise etwas zackig vonstatten, aber im Endeffekt haben auch sie eine tolle Dynamik und viel chemistry, womit man mich als Leser meistens doch noch irgendwie kriegt.

Insgesamt würde ich der Geschichte so ungefähr dreieinhalb, vielleicht auch vier Bücherstapel geben. Da mir die Betonung aber leider ein bisschen die Freude am Zuhören genommen hat, werde ich das Buch noch mal eigenständig betrachten und vergebe für das Hörbuch alleine drei großzügige Bücherstapel

Veröffentlicht am 23.08.2019

Und Schuld hatte Tinder

Mittwoch also
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Worum geht’s?
Hedda ist Anfang dreißig, hat ihren Job als freie Journalistin und ihre Langzeitaffäre Lukas verloren. Zur Frustbewältigung will sie nach Griechenland fliegen, entscheidet sich während einer ...

Worum geht’s?
Hedda ist Anfang dreißig, hat ihren Job als freie Journalistin und ihre Langzeitaffäre Lukas verloren. Zur Frustbewältigung will sie nach Griechenland fliegen, entscheidet sich während einer Notlandung in Sarajevo dagegen und will lieber auf dem sicheren Boden quer durch Europa zurück nach Norwegen reisen. Bei einem Zwischenstopp in Berlin lernt sie über Tinder Milo kennen, mit dem sie ein One-Night-Stand hat. Zuhause merkt sie dann, dass sie schwanger ist und möchte schnellstmöglich abtreiben, doch das Gesundheitssystem in Norwegen zwingt sie zu einer Bedenkzeit von drei Tagen. Kurzentschlossen nimmt sie sich eine Auszeit, um heraus zu finden, wie es mit ihr und ihrem Leben weiter gehen soll.


Meine Meinung
Das Cover sticht auf jeden Fall schon mal heraus und ist auch im Bücherregal ein echter Blickfang. Längere Zeit darauf zu starren, würde ich persönlich jetzt aber eher nicht empfehlen.

Die Grundidee der Geschichte finde ich super spannend zumal Abtreibung ja momentan auch eines der gesellschaftlichen Themen ist, welches äußerst kontrovers diskutiert wird. Diese Tatsache wird auch im Buch aufgegriffen, was ich persönlich schon ziemlich wichtig fand.

Den Schreibstil fand ich sehr leicht zu lesen, auch wenn ich manchmal ein wenig über die sehr zynische Art von Hedda gestolpert bin. Die teils harsche Wortwahl und den Sarkasmus der Protagonistin kann man so oder so deuten, vielleicht ist es einfach ihr Charakter, vielleicht sind es aber auch hormonbedingte Stimmungsschwankungen. Für mich hat das jedoch keinen besonders großen Aufhänger dargestellt, sondern maximal eine ab und an wiederkehrende Irritation.

Gleichzeitig gibt es jedoch auch etliche Passagen, in denen mich Heddas Art ziemlich zum Lachen gebracht hat, ebenso wie Milo, der mit seinen verrückten Geschäftsideen und dem Talent, auf die unmöglichsten Arten Geld zu verdienen eine echte Persönlichkeit darstellt.

Ob sein Lebensentwurf – oder das, was vorgibt eine Art Lebensentwurf zu sein – überhaupt in irgendeiner Art und Weise zukunftsfähig oder auch nur halbwegs realistisch ist, sei jetzt mal dahingestellt. Trotzdem wirken sein Einfallsreichtum und seine Spontanität auflockernd auf die durch die Verwirrung von Hedda sonst ein wenig konfus anmutende Geschichte.

Hedda habe ich während des Lesens als relativ verloren wahrgenommen. Ihre mehr-oder-weniger Beziehung zu Lukas wirkte auf mich sehr einseitig, vor allem in Bezug auf das Einbringen von Gefühlen. Die im Klappentext angesprochene Selbstbestimmung der Protagonistin wirkte auf mich damit ehrlich gesagt nicht wirklich authentisch, auch wenn es natürlich jedem selbst überlassen bleibt, sich für oder eben auch gegen eine glückliche und emotional gesunde Beziehung entscheiden zu können.

Ein wenig enttäuscht war ich auch davon, dass die drei Tage Bedenkzeit, die dann ja eigentlich zu sechs Tagen wurden, nur so oberflächlich behandelt wurden. Ich hätte mir ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht, oder zumindest ein paar mehr Einblicke in die Gedanken und die Gefühlswelt der Protagonistin. Dass sie eigentlich nicht nachdenken will – okay. Aber sie wird ja trotzdem Beweggründe für ihre Entscheidung haben, und die hätten mich persönlich schon ziemlich interessiert.

Ziemlich überrascht war ich deshalb auch, als sie dann auf einmal nach dem Ablauf der vorgeschriebenen Bedenkzeit und kurz bevor sie dann im Behandlungszimmer ihres Arztes sitzt einfach aufsteht und die Praxis verlässt. Sie wollte das Kind ja trotzdem nicht haben, deswegen konnte ich ihre Reaktion in dieser Situation ehrlich gesagt nicht so ganz einordnen.

Ein weiterer Punkt, der mir persönlich nicht so gut gefallen hat, war immer wieder das Auftauchen von Seiten, auf denen dann nur ein oder zwei Zeilen standen. Gerade bei den Foreneinträgen bin ich der Meinung, dass man die gut und gerne auch gemeinsam auf eine Seite hätte packen können. Wenn ich damit jetzt einen dramaturgischen Effekt verkenne, kann ich mich für meine analytische Inkompetenz nur entschuldigen. Für mich war allerdings der Lesefluss dadurch relativ häufig unterbrochen, was ich bei relativ kurzen Büchern – und dazu zähle ich Bücher mit weniger als 300 Seiten „echter“ Geschichte nun einmal – ein wenig problematisch finde.


Fazit
Obwohl ich „Mittwoch also“ an einigen Stellen ein wenig schwächeln sehe, hatte ich grundsätzlich schon Spaß beim Lesen. Die Charaktere sind – manchmal mehr, manchmal weniger gewollt – lustig, und werden mit Problemen konfrontiert, wie sie auch so ziemlich jeder Leser theoretisch kennen oder kennen lernen kann. Bei der Umsetzung der grundsätzlich viel Diskussionspotential bietenden Thematik hätte ich mir ein wenig mehr Tiefgang gewünscht, wobei ich auch durchaus verstehe, dass dies im Rahmen eines relativ kurzen Buches auch relativ schwer umzusetzen gewesen wäre. Insgesamt hatte das Buch zwar ein paar Schwächen, aber grundsätzlich hat mir das Lesen trotzdem gefallen.

Dafür gibt es drei Bücherstapel von mir.