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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2020

Hat mich nicht vollends überzeugt

Tote Hunde bellen nicht
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Tierärztin Dr. Katja Maus versucht einer Gruppe Schüler das Wachstum der Bäume im Ratinger Forst zu erklären, als sie buchstäblich über eine Leiche stolpern. Es scheint, als wäre Christian Witte, ein Schriftsteller, ...

Tierärztin Dr. Katja Maus versucht einer Gruppe Schüler das Wachstum der Bäume im Ratinger Forst zu erklären, als sie buchstäblich über eine Leiche stolpern. Es scheint, als wäre Christian Witte, ein Schriftsteller, bei einem Fahrradunfall ums Leben gekommen. Doch als Pitter, der Hund des ermittelnden Polizisten Constantin Blum und Freund von Katja, wenig später einen blutverschmierten Ast apportiert, ist klar, dass es sich hier um ein Gewaltverbrechen handelt.

Anders als im ersten Fall („Ein Hund, der eine Grube gräbt“) kommt Katja Maus nicht dazu, sich mit dem Polizisten Constantin Blum über den Fall auszutauschen, denn Jenna, ihre Praktikantin sorgt für Troubles in der Praxis und in Katjas Seelenleben, das durch wohl gesetzte Spitzen ihres Ex-Mannes Harro ohnehin angeknackst ist.

Dennoch schafft es Katja, die eine aufmerksame Zuhörerin ist, einige wichtige Details aus dem Leben des Schriftstellers zu erfahren. Allerdings gibt sie die Informationen nicht an Constantin sondern an dessen Vorgesetzten weiter.

Meine Meinung:

Die Krimihandlung hat mir gut gefallen und auch die Arbeit als Tierärztin ist gut beschrieben. Die Idee, Auszüge aus dem buch des ermordeten Schriftstellers einzuflechten, ist eine nette Idee.

Katja Maus wirkt diesmal überfordert und depressiv. Daher benimmt sie sich manchmal wie ein Teenager, dabei ist sie 42 und hat ein Studium abgeschlossen! Eigentlich kein Grund, sich minderwertig zu fühlen. OK, es kommen mehrere Dinge zusammen: die Praxis läuft nicht so gut, ein zusätzlicher Tierarzt macht das Leben auch nicht leichter, Tochter Lenas Schulerfolg lässt zu wünschen übrig, diese intrigante Praktikantin Jenna und der ewig nörgelnde und besserwisserische Ex-Mann. Ja, das ist schon viel Ungemach, das Katja Maus trifft. All das scheint ihr über den Kopf zu wachsen.

Dass sich letzten Endes einige der Probleme (fast) von selbst lösen, lässt auf eine Verbesserung der Situation hoffen.

Fazit:

Mit der Krimi-Handlung bin ich zufrieden, mit dem privaten Chaos nicht. Das war für mich ein wenig zu dominant. Daher gibt es diesmal nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 02.01.2020

Zwei Seelen wohnen, ach in seiner Brust

Goethes Leichen
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Zwei Seelen wohnen, ach in seiner Brust

Krimi-Autor Paul Kohl hat mich mit diesem historischen Krimi ein wenig zwiegespalten zurückgelassen.

Worum geht’s?

Kurfürst Georg III. von Hannover sendet seinen ...

Zwei Seelen wohnen, ach in seiner Brust

Krimi-Autor Paul Kohl hat mich mit diesem historischen Krimi ein wenig zwiegespalten zurückgelassen.

Worum geht’s?

Kurfürst Georg III. von Hannover sendet seinen Archivar Kestner nach Weimar, um eine wertvolle Zeichnung, die dorthin ausgeliehen war, zurückzuholen. Gemeinsam mit seinem Gehilfen Lorenz gerät Kestner in einen Strudel von Intrigen und Verbrechen, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt.

Meine Meinung:

Die Idee und den Aufhänger finde ich grandios! Leider ist meiner Meinung nach die Umsetzung nicht ganz gelungen. Da ist zum einen, dass der Krimi in einige albtraumhafte ziemlich surreale Episoden abgleitet und zum anderen gibt es ein paar historische Ungenauigkeiten, wie z.B. dass Kestner einen Pyjama trägt (S. 42). Die Schlafbekleidung für Männer dieser Zeit ist das Nachthemd. Weiters kann ich nicht glauben, dass es in der Mühle „beschriftete Boxen“ für die jeweiligen Getreidesorten gab (S. 142) oder das „Klebeband“ (S. 278) oder kaltes/warmes Leitungswasser (!) in der Suite.

Der Großteil der Menschen sind Analphabeten. Daher ist auch der grammatikalisch und orthographisch richtig geschriebene Abschiedsbrief der Katharina Höhn (S. 109/110) unglaubwürdig. Dieser Brief bringt mich gleich zum nächsten Thema: Die Sprache der einfachen Leute, wie der Höhn oder dem anderen „Personal“ des Krimis ist viel zu gewählt. Eine Frau, die kurz vor ihrer Hinrichtung steht, spricht keine solchen gestelzten Sätze. Mehrfach wird die Worte „Chef“ (S. 272) oder „Chefin“ verwendet – viel zu modern.

Gut gefallen hat mir die bildhafte Beschreibung der Stadt Weimar mit den üblen Gerüchen, den ortansässigen Menschen, der offensichtlich ängstlichen Stimmung und der vorrevolutionären Ideen. Auch die Vorgänge rund um Zwangsrekrutierung von jungen Männern für die Preußische Armee, sind gut herausgearbeitet. Der Verkauf und Export von Soldaten hat damals manches Fürstentum vor der Pleite gerettet. Auch in Hessen, das Regimenter für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bereitstellte, ein lukratives Geschäft.

Besonders hat mich die unübliche Charakterisierung des Geheimen Rates Johann Wolfgang von Goethe fasziniert: Auch er hat eine dunkle Seite (Zwei Seelen wohnen, ach in seiner Brust!). Hier ist Goethe weit weg vom Humanisten und (späteren) Bewunderer der Revolution.
Gleichzeitig lässt der Autor ein paar Figuren aus Goethes Werken „auferstehen“ bzw. hat in seinen Dichtungen Anleihe an der Wirklichkeit genommen. So ist das „Gretchen-Motiv“ an die Kindsmörderin Höhn angelehnt (oder umgekehrt), Mephisto steht plötzlich leibhaftig vor Kestner.
Die Szenen im Keller mit den in Gläsern eingelegten Gehirnen der Ermordeten, haben mich ein wenig frösteln lassen.

Fazit:

Wen die historischen Ungenauigkeiten nicht stören, der kann mit diesem Buch in das Weimar des 18. Jahrhunderts eintauchen. Von mir gibt es diesmal nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 25.12.2019

NIcht das beste Buch der AUtorin

Hillarys Blut
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Die Münchnerin Sonja Podolski zieht einen Schlussstrich unter ihre Beziehung und bucht einen Flug nach Antigua, die schöne Karibik-Insel. Die Begegnung mit der gelangweilten Millionärsgattin Hillary eröffnet ...

Die Münchnerin Sonja Podolski zieht einen Schlussstrich unter ihre Beziehung und bucht einen Flug nach Antigua, die schöne Karibik-Insel. Die Begegnung mit der gelangweilten Millionärsgattin Hillary eröffnet ihr den Zugang zu einer neuen, schillernden Welt. Als dann noch der junge, dynamische und gutaussehende Chirurg Jeff in Sonjas Leben tritt, scheint das Glück perfekt. Doch dass nicht alles Gold ist, was glänzt, bemerkt die Deutsche erst, als es beinahe zu spät ist.

Meine Meinung:

Bei diesem Buch handelt es sich um das Debüt von Österreichs Krimiautorin Claudia Rossbacher. Es wurde 2019 überarbeitet und neu aufgelegt. Man merkt, dass es sich hier um den Debütroman handelt, denn die Leichtigkeit, die man in den „Steirer-Krimis“ spürt, fehlt hier ein wenig. Das Buch wird als Thriller beschrieben, doch Spannung kommt nicht so richtig auf. Die Handlung bedient sich so ziemlich jeden Klischees (nur böse Russen kommen keine vor) und ist leicht voraussehbar.

Die Idee, finde ich ercht klasse. Daraus ließe sich ein echt grauslicher Thriller schreiben. Dieser hier ist mir durch die Verliebtheit von Sonja ein wenig zu zuckersüß.

Die Charaktere sind allesamt ein bisschen farblos. Hillary als gelangweilte Millionärsgattin, der dem Geld nach jagende Greg und vor Sonja, die schon ziemlich naiv dargestellt wird. Selbst Jeff hat mir zu wenig Ecken und Kanten. Er entspricht dem Klischee der charismatischen Chefärzte à la Schwarzwaldklinik, vor dem die Frauen reihenweise in die Knie gehen, der Sex mit allen Frauen hat, die nicht bis drei auf den Bäumen sind - schon ziemlich ausgelutscht.

Fazit:

Ich bin von Claudia Rossbacher bessere Krimis gewöhnt und kann diesmal leider nur 3 Sterne geben.

Veröffentlicht am 22.12.2019

Verwirrendes Katz- und Mausspiel

Der russische Spion
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Das ist der 18. Band rund um Gabriel Allon, dem Chef des israelischen Geheimdienstes.
Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern will er einen russischen Überläufer in Wien in Empfang nehmen. Doch es kommt anders, ...

Das ist der 18. Band rund um Gabriel Allon, dem Chef des israelischen Geheimdienstes.
Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern will er einen russischen Überläufer in Wien in Empfang nehmen. Doch es kommt anders, denn der Russe wird allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz, auf offener Straße, vor seinen Augen erschossen. Die Medien machen Allon dafür verantwortlich. Wer kann von dieser geheimen Aktion gewusst haben? Gibt es einen Maulwurf in den eigenen Reihen?

Gabriel Allon macht sich auf die Suche nach dem Verräter, die sich schwieriger gestaltet, als gedacht. Es beginnt eine Jagd kreuz und quer über den Globus. Es ist nicht klar, wer der Gute oder der Böse ist ...

Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch gewählt, weil Wien einer der Schauplätze in dieser Geschichte ist. Wien ist nach dem Zweiten Weltkrieg (und bis heute) internationale Drehscheibe für Agenten aller Länder. Auch das, derzeit auf Grund von (partei)politischen Querelen, in Verruf geratene BVT (Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung) spielt damals wie heute eine Rolle.

Nun gut, der Ausgangspunkt dieser Jagd nach dem Maulwurf ist Wien, aber dann stellt sich heraus, dass die Motive ganz wo anders liegen. Wir jetten mit Gabriel Allon quer durch Europa, nach Israel, nach Russland und nach Amerika - hier wird mir beinahe schwindlig. So viele Flugmeilen!

Wir erhalten einen Einblick in die Geheimdienste aller Herren Länder, die sich nur durch mehr oder weniger Präzision und Cleverness unterscheiden. Hier hat der Autor gut recherchiert.
Nachdem mir die Kenntnis der 17 Vorgänger fehlen, kann ich zu den Hauptfiguren kaum eine Beziehung aufbauen.
Über weite Strecken ist die Story verwirrend, spannend und gleichzeitig ein wenig langatmig.

Der Showdown in den USA lässt es beinahe zu einem Bruch zwischen zwei Geheimdiensten kommen.

Was ich mich allerdings frage: Warum heißt das Buch "Der Russischer Spion", wenn das amerikanische Capitol am Cover abgebildet ist? Wäre hier nicht ein roter Stern oder eine Abbildung von Moskau passender gewesen?


Fazit:

Hin und wieder, und vor allem, wenn die Geschichte in Wien angesiedelt ist, lasse ich mich gerne in die verwirrende Welt der Geheimdienste und Spione entführen. Diese Reihe werde ich allerdings vermutlich nicht weiterverfolgen. 3 Sterne.

Veröffentlicht am 21.12.2019

Einige hist. UNgenauigkeiten

Die Tochter der Bettlerin
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Nora Berger entführt uns in das 18. Jahrhundert, in die Zeit von Friedrich II. und Maria Theresia.

Im Mittelpunkt dieses historischen Romans stehen einerseits Anna, die Tochter einer Bettlerin, und andererseits ...

Nora Berger entführt uns in das 18. Jahrhundert, in die Zeit von Friedrich II. und Maria Theresia.

Im Mittelpunkt dieses historischen Romans stehen einerseits Anna, die Tochter einer Bettlerin, und andererseits Friedrich Freiherr von der Trenck. Während Anna ein fiktive Figur ist, ist der Freiherr eine historische, der durch seine Memoiren, die er vermutlich stark geschönt und ausgeschmückt hat, bekannt.

Die beiden haben in dieser Geschichte eines gemeinsam: Die unerfüllte Liebe. Anna ist in den Freiherrn verknallt, der in ihr nur ein weiteres Stricherl auf seiner amourösen Abschussliste sieht. Denn Friedrich selbst ist nämlich in Prinzessin Amalie, die Schwester des Preußenkönigs verliebt.

Jedenfalls ergeben sich aus daraus einige Verwicklungen, die für Anna in einer Köpenickiade endet: Sie geht als Infanterist zur Preußischen Armee und versucht dann später den inhaftierten Freiherrn zu befreien. Erst da entdeckt sie den wahren Charakter des Friedrich Freiherrn von der Trenck ...

Mein Meinung:

Wer es mit historischen Details nicht so genau nimmt, findet hier eine durchaus lesbare Geschichte vor. Wer es lieber authentischer hat, sollte sich dessen bewusst sein oder die Finger davon lassen. So essen die Soldaten im ersten von drei Schlesischen Kriegen Semmeln und es wird auch Milchkaffee zum Frühstück konsumiert.
Kaum zu glauben ist es auch, dass sich Anna als Infanterist verdingen kann. Die Soldaten leben auf engsten Raum zusammen, da muss es doch auffallen, dass sie kein Mann ist. Und vor allem, als sie schwanger in den Krieg zieht. Auch die Geburt am Rande des Schlachtfeldes, höchst unwahrscheinlich. Es sind zwar immer wieder Marketenderinnen im Tross unterwegs, aber ...

Die Leichenfledderei auf den Schlachtfeldern hat es tatsächlich gegeben, dass man verwundeten Soldaten den Gnadenschuss gegeben hat, eher nicht. Man ihnen die Kehlen durchgeschnitten. Das ist Ressourcen schonender und lautlos. Munition ist immer teuer.

Ebenso unwahrscheinlich ist die Geburt des unehelichen Kindes der Prinzessin Amalie in der Kutsche. Eine Affäre zwischen der Prinzessin und Trenck ist Gegenstand von zahlreichen Spekulationen. Die Inhaftierung in der Festung Glatz und sein Ausbruch ist hingegen historisch verbürgt. Der Grund seiner Festsetzung ist umstritten. Jedenfalls hat der historische Trenck in seinen Memoiren ein wenig dicker aufgetragen. Nach seiner Flucht aus Glatz geht er nach Wien zu seinem Vetter Franz, dem legendären Pandurenoberst. 1753 wird er erneut verhaftet und zuerst in der Festung Magdeburg, dann in der Zitadelle von Berg, wie beschrieben in Ketten gelegt. Er kommt 1763 auf Intervention von Maria Theresia frei, nur um 1794 als vermutlich österreichischer Spion im revolutionärem Frankreich unter der Guillotine zu sterben.

Der Schreibstil ist dem Genre angemessen. Einiges ist durchaus bekannt, denn die Trenck’schen Memoiren sind verfilmt worden. Positiv anzumerken ist, dass die Autorin ein ausführliches Personen- und Quellenverzeichnis angibt.

Fazit:

Ein historischer Roman, der mich nicht ganz überzeugt hat. Wer gerne hist. Roman ohne allzu sehr auf korrekte Geschichte Wert zu legen, liest, kann durchaus seinen Gefallen an diesem Roman finden. Drei Sterne.