Cover-Bild Lips Don't Lie
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14,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Ravensburger Verlag GmbH
  • Genre: Kinder & Jugend / Jugendbücher
  • Seitenzahl: 416
  • Ersterscheinung: 19.05.2020
  • ISBN: 9783473585793
Ginger Scott

Lips Don't Lie

Franziska Jaekel (Übersetzer)

The more you love, the less you fear.

Tristan ist seit dem Tod seines Vaters Mitglied in der FiftySeven, der gefährlichsten Gang in Millers, Arkansas. Wer dabei ist, gehorcht. Wer austreten will, stirbt. Alle Hoffnungen auf eine bessere Zukunft hat Tristan längst aufgegeben – bis Riley in sein Leben tritt. Doch er darf ihr seine Gefühle niemals zeigen, denn wer ihm etwas bedeutet, wird zur Zielscheibe der Gang.
Riley hat gelernt, niemals aufzugeben. Als sie nach Millers zieht und Tristan begegnet, fasziniert sie der unnahbare Bad Boys sofort. Obwohl sie ständig aneinandergeraten, sieht Riley hinter Tristans harte Fassade. Und je näher sich die beiden kommen, desto mehr möchte Riley Tristan helfen, aus der FiftySeven auszutreten. Doch er wäre nicht der Erste, der dabei sein Leben lässt …

***Eine Szene aus LIPS DON`T LIE***„Hast du Angst?“ Tristans Augen trüben sich und er wappnet sich gegen meine Antwort, aber ich schüttele den Kopf. Es ist keine Lüge. Ich habe keine Angst. Vermutlich gibt es im Moment keinen anderen Ort, keinen Menschen, bei dem ich sicherer wäre.Sein Blick wandert über mein Gesicht. Als er die Hand hebt und sie an meine Wange legt, schließe ich die Augen. Ich habe mich so sehr nach diesem Moment gesehnt. Als sich unsere Lippen berühren, ist der Kuss behutsam und vorsichtig. Er ist ängstlich und verlangend. Elektrisierend.„Es tut mir leid, dass du mir begegnet bist, Riley“, sagt er nah an meinen Lippen, seine Stimme ist nur ein leises Wispern.Ich schmiege mich an ihn. „Ich bin froh, dass ich dir begegnet bin, Tristan. Das ist der Unterschied.“



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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2020

Sehr spannende Thematik

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Als Riley mit ihrem Vater wiederholt umzieht, ahnt sie noch nicht, was sie dieses Mal erwarten wird - denn der neue Bezirk, in dem sie lebt, ist das Reich der Fifty-Sevens, einer Gang, die vor nichts zurückzuschrecken ...

Als Riley mit ihrem Vater wiederholt umzieht, ahnt sie noch nicht, was sie dieses Mal erwarten wird - denn der neue Bezirk, in dem sie lebt, ist das Reich der Fifty-Sevens, einer Gang, die vor nichts zurückzuschrecken scheint. Auch Tristan ist Teil dieser Gang, doch er scheint anders zu sein - an ihm entdeckt Riley eine fürsorgliche, sanfte, menschliche Seite, und schon bald entwickelt sie Gefühle für ihn. Auch Tristan verspürt die Anziehungskraft, die von Riley ausgeht, und über das große Hobby beider - das Basketballspielen - nähern sie sich an. Doch Tristan weiß, dass er Riley nicht in sein Leben als Gangmitglied hineinziehen darf, denn das kann schnell wirklich gefährlich werden...


Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Riley und Tristan, jeweils aus Ich-Perspektive. Beide Protagonisten sind interessant und gut ausgearbeitet. Wir haben einmal Riley, deren Mutter vor zwei Jahren verschwand, sodass sie und ihr Vater die alte Wohnung aufgeben und sich eine neue Bleibe suchen mussten. Um ihrem Alltag zu entkommen, hat Riley sich ganz dem Basketballspiel verschrieben und hofft trotz der schlechten Schule, auf welche sie nun gehen muss, auf ein Collegestipendium. Tristans Vater starb früh, und so geriet er ins Visier des Anführers der machthabenden Gang - er wurde gewissermaßen zu dessen Ziehsohn. Anfangs als kleines Kind noch ganz begeistert von diesem spannenden Leben, kommen im Teenageralter erste Zweifel auf und er merkt schnell, wie grausam und brutal die anderen Gangmitglieder sind. Am liebsten möchte er austreten, doch das kann er nicht, denn damit würde er zum Sicherheitsrisiko werden und das würde der Ganganführer niemals so hinnehmen.

Die Thematik ist sehr interessant und ungewohnt, die Ausgangssituation spannend - die ersten 100 Seiten lagen hinter mir, kaum hatte ich das Buch in die Hand genommen. Im Laufe der Geschichte habe ich dann aber doch einige Sachen vermisst. Beispielsweise gibt es mehrere Nebencharaktere, bei denen man mehr hätte in die Tiefe gehen können, da sie so eigentlich sehr interessant wirkten. Insgesamt bleiben alle Figuren bis auf Riley und Tristan jedoch eher blass. Nicht ganz so gut gefallen hat mir außerdem, dass das Ende recht schnell abgehandelt wurde - ich möchte nicht spoilern, deshalb sage ich nur, dass eine wirklich spannende Situation, aus der man viel hätte rausholen können, auf wenigen Seiten nur kurz beschrieben wurde. Da hätte ich mir mehr Ausführungen erhofft. Vor allem steht es in keinem Verhältnis zur vorherigen Ausführlichkeit, denn die erste Woche, die Riley in ihrer neuen Heimat verbringt, wird so detailreich erzählt, dass man beinahe das Gefühl hat, sie sei schon einen Monat dort. Längen ergeben sich dadurch allerdings keine!

Es sollte auch noch erwähnt werden, dass die Liebesgeschichte, die man hier womöglich aufgrund des Covers und Titels erwartet, tatsächlich eher im Hintergrund bleibt. Sie wird natürlich erzählt, allerdings könnte man sich da, wenn man nach dem Äußeren des Buches geht, möglicherweise mehr erhofft haben, deshalb diese kleine "Warnung". Mich persönlich hat das aber gar nicht gestört und ich fand die Mischung aus Liebesgeschichte und Spannung eigentlich recht gelungen!


Mein Fazit also: "Lips don´t lie" ist ein schönes Jugendbuch, das sich angenehm und leicht lesen lässt mit einer spannenden und ungewöhnlichen Thematik. Schön wäre es gewesen, wenn noch etwas mehr auf die Nebencharaktere eingegangen wäre, aber alles in allem hat mir das Buch gut gefallen!

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Veröffentlicht am 11.05.2020

Ein kleiner Lese Snack

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Bei dem Buch „Lips dont Lie“ von Ginger Scott geht es um den jungen Tristan der unter schwierig Verhältnissen aufwächst und der Gang Fifty-Sevens angehört. Er steht nicht ganz hinter diesem Lebensstil ...

Bei dem Buch „Lips dont Lie“ von Ginger Scott geht es um den jungen Tristan der unter schwierig Verhältnissen aufwächst und der Gang Fifty-Sevens angehört. Er steht nicht ganz hinter diesem Lebensstil und schon bald wird ihm das immer mehr bewusst nachdem er Riley kennenlernt.

Ich war wirklich schnell von Tristan überzeugt, überzeugt das in ihm mehr steckt als eine verlorene Seele die dazu verdammt ist dieses Leben zu leben.
Die Beziehung und Entwicklung zu Riley jedoch fand ich eher schleppend und nicht wirklich spannend. Besonders im mittleren Teil der Geschichte Empfand ich das so. Das Cover ist wirklich ansprechend und nicht übertrieben.
Das Buch ist toll für zwischendurch aber nichts fürs Herzflattern.

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Veröffentlicht am 07.09.2020

Naja ...

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Leider konnte mich das Buch nicht so ganz von sich überzeugen.

Ich hatte anfangs leider einige Probleme mit Riley und wurde daher nicht so ganz warm mit ihr. Sie ging mir an einigen Stellen ziemlich ...

Leider konnte mich das Buch nicht so ganz von sich überzeugen.

Ich hatte anfangs leider einige Probleme mit Riley und wurde daher nicht so ganz warm mit ihr. Sie ging mir an einigen Stellen ziemlich auf die Nerven und ich konnte sie dann leider auch nicht so ganz verstehen. Mit Tristan hatte ich diese Probleme jedoch nicht, da ich ihn ziemlich gut verstehen konnte und auch mochte, aber leider habe ich nicht so wirklich den Funken bzw. die Verbindung zwischen ihm und Riley nachvollziehen können, da es mir mit der Entwicklung ihrer Gefühle am Anfang einfach zu schnell ging!

Das einzige was mir deshalb an der Geschichte wirklich sehr gut gefallen hat, war der sehr angenehme Schreibstil der Autorin und die letzten 150 Seiten und das Ende des Buches, da es da, meiner Meinung nach, schön spannend wurde und das Ende einiges rausgeholt hat!

Deshalb habe ich mich letztendlich nun auch dazu entschieden, dem Buch leider nur ⭐️2,5/5⭐️ Sternen zu geben. Ich hatte mir insgesamt einfach einiges mehr davon erhofft.

Veröffentlicht am 10.06.2020

platt und mit viel verschenktem Potenzial

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„Genau in dieser Minute habe ich zwei Wege betreten – und ich darf nicht zulassen, dass sie sich kreuzen. Die Kollision würde tödlich enden.“
(Tristan in Lips don‘t lie)

Worum geht’s?

Tristan ist hohes ...

„Genau in dieser Minute habe ich zwei Wege betreten – und ich darf nicht zulassen, dass sie sich kreuzen. Die Kollision würde tödlich enden.“
(Tristan in Lips don‘t lie)

Worum geht’s?

Tristan ist hohes Mitglied in einer Gang, die in der ganzen Stadt bekannt ist und für Angst und Schrecken sorgt. Sein Vater war einer der Gründer und so ist er von Anfang an regelrecht als Erbe in der Gang gefangen. Zwischen Gewalt, Blut und Perspektivlosigkeit fragt sich Tristan immer wieder, wie es soweit kommen konnte. Doch aussteigen? Das ist keine Option. Bis Riley kommt. Das Mädchen ist anders als die bisherigen Mädchen in Millers, sie ist furchtlos, frech und fordert Tristan heraus. Sie ahnt nicht, dass Tristan dunkle Geheimnisse hat, die tödlich sein können. Welche Seite gewinnt in diesem ungleichen Duell zwischen Liebe und Gewalt?

Lips don’t lie ist ein Einzelband und in sich geschlossen.


Schreibstil / Gestaltung

Die Covergestaltung erfolgt in zahlreichen Lila-, Rosa-, Rot- und Gelbtönen. Es wirkt wie eine Explosion oder ein verlaufener Blutfleck auf Asphalt. Die geprägte Schrift des Titels ist mit feinen Sprenkeln versehen, die ebenfalls an Blut erinnern. Die Gestaltung ist insgesamt mysteriös und gibt keine Hinweise auf den Inhalt. Das Buch wird durch Riley und Tristan in der Ich-Perspektive erzählt, die Perspektive wechselt mit den Kapiteln. Die Geschichte verläuft linear, am Ende gibt es Zeitsprünge. Der Schreibstil ist recht nüchtern und wird von vielen kurzen Sätzen dominiert. Dies passt gut zum Inhalt der Geschichte. Sprachlich ist das Buch für Jugendliche und (junge) Erwachsene angemessen. Das Buch enthält keine erotischen Inhalte, jedoch einige Kraftausdrücke und Schilderung sensibler Inhalte.

Mein Fazit

Badboys in Büchern sind mein Guilty Pleasure. Ich liebe sie. Meistens entpuppen sie sich aber als kleine Blendgranaten und vollkommen falsch verstanden, eigentlich sind sie zuckersüße Good Guys. Daher war ich sehr interessiert, wie es hier bei Lips don’t lie sein wird, denn immerhin ist die Protagonist Tristan als hohes Gangmitglied ausnahmsweise mal wirklich ein Bad Boy. Die Gangthematik kommt in Büchern auch recht selten vor, allerdings hatte ich Sorgen wegen des Klassikers „gutes Mädchen will bösen Jungen retten“. Doch hier? Hier war am Ende dann alles anders, als erwartet.

Tristans Vater hat einst als Mitbegründer die Gang FiftySeven ins Leben gerufen, mittlerweile ist er tot. Gestorben im Gefängnis, wo er seine Strafe für die Verbrechen der Gang absaß. Tristan, in einem schwierigen Alter, wird von Dub aufgenommen – dem neuen Gangleader. Wie ein kleiner Bruder nutzt Dub Tristan wie eine rechte Hand. Eines Tages wird er die Gang übernehmen, das ist keine Frage. Jahre später, mit 17, kümmert sich Tristan immer noch um alles, was Dub von ihm will. Drogen, Sachen verschwinden lassen, Autos klauen. Er ist in einer Spirale gefangen, aus die er nur rauskommt, wenn er tot ist – was angesichts der Tätigkeiten nicht lange auf sich warten lassen könnte. Tief drinnen hat Tristan Ambitionen, aus diesem Elend zu entkommen. Nur wie? Als dann die neue Mitschülerin Riley an die Schule und ins Viertel kommt, weiß Tristan, dass er sie beschützen muss. Sie gehört hier nicht hin und sie hat noch eine Zukunft. Doch je mehr Tristan Riley wegstößt, desto interessiert wird sie an ihm. Sie kann nicht ahnen, was Tristan außerhalb von Schule und Basketballplatz treibt. Und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf…

Ich bin etwas ratlos, jetzt wo ich mit dem Buch durch bin. Die Vorfreude war groß, die Erwartungen hoch und der Klappentext klang super. Leider wurde hier aber nur bedingt abgeliefert. Im Grunde genommen gibt es drei Handlungsstränge des Buches: Tristans Gangleben, Rileys Basketballliebe und die Liebesgeschichte der beiden. Leider ist es so, dass ich das Gefühl hatte, die Autorin wusste nicht so ganz, worauf sie sich konzentrieren möchte und wie sie die Plots verbinden möchte. Zwar sind vor allem Basketball und Liebe eng miteinander verknüpft, zugleich wirkt es aber auch recht willkürlich eingeflochten. Basketball wird als Einfallstour dafür verwendet, wie Tristan und Riley sich kennenlernen und näherkommen. Das war zumindest die Idee. Denn im Grunde genommen stößt Tristian Riley von Anfang an weg. Er weiß, dass sie in dieser Gegend Probleme kriegen wird. Sie ist zu gut für diese Ecke. Riley glaubt da nicht dran, immerhin hat sie schon an anderen schlechten Orten gelebt. Und so entsteht in der ersten Hälfte des Buches ein Hin und Her zwischen den beiden, was mir schnell auf den Keks ging. Riley ist so besessen darauf, Basketball mit den Jungs des Viertels zu spielen, obwohl diese sie ignorieren und Tristan sie warnt. Basketball hier, Basketball da, Basketball überall. Man braucht langen Atem und jede Menge Kraft, um die erste Hälfte zu überstehen. Es ist so wenig Handlung hier gegeben, dass ich schnell frustriert war. Es geht wirklich nur um Basketball mit gelegentlichen Gedankenausflügen von Tristan zum Gangleben. Hier und da kommt noch bisschen Schulthema, ein wenig Gangster-Leben (oder die angedeutete Version davon, denn es wird wirklich stets nur angerissen, was die Gang macht und man braucht extrem viel Fantasie, sich einiges zusammenzureimen) und vor allem eins: Wenig Gefühl.

Die zweite Hälfte liefert dann schon etwas mehr, bleibt aber auch stark hinter den Erwartungen hinterher. Hier wird dann wild durcheinandergewürfelt viel hingeworfen, was zeigt, wie gefährlich die Gang ist. Der verschwundene beste Freund von Tristan, die Thematik um Rileys verschwundene Mutter - angerissen, aus dem Nichts präsentiert und irgendwie nicht wirklich erklärt beendet. Ich hatte so viele Fragezeichen über die Entwicklungen, dass ich verwirrt war. Es gibt keine bis kaum Erklärungen, was passiert ist. Auf jeden Fall beeinflusst es Tristan. Und auch hier wird es mau: Obwohl er aus seiner Perspektive erzählt, wird für mich sein finaler Sinneswandel nicht klar. Es geht alles so schnell und zack, ist das Buch vorbei. Wenn man bedenkt, wie viele Seiten für Basketball verschwendet wurden (wirklich unnötig mit langen Spielzügen, analytischen Vorgehen, Trainingsbeschreibung etc), ist es enttäuschend, dass gerade diese wirklich gewaltigen Szenen so fix abgehandelt wurden. Ich muss auch zugeben, dass mir am Ende gar nicht wirklich klar war, was Tristan da jetzt ausgemacht hat. Aber sei es drum. Das Buch bleibt an so vielen Stellen Erklärungen schuldig, dass dies jetzt den Kohl auch nicht mehr fett gemacht hat. Das Ende wirkt entsprechend einfach nur zu idealistisch und krampfhaft konstruiert. Zwar gefällt mir, dass die Autorin Tristan keinen leichten Weg gegeben hat, aber wo sind die Erklärungen, die Auswirkungen und die Gedanken? Nicht vorhanden.

Eigentlich ist der einzige Lichtblick des ganzen Buches die kurzen Phasen, in denen Tristan über das Gangleben nachdenkt und sich fragt, was er will. Es ist eine Mischung aus vorgegebenem Schicksal, Hoffnungslosigkeit, Perspektivlosigkeit und dennoch einem Funken Hoffnung, für sich selbst eine bessere Zukunft finden zu können. Seine innere Reflexion ist gut gelungen und hat mich oftmals berührt. Der Druck, zu tun, was seine Bestimmung ist – die er seinem Vater zu verdanken hat – aber zugleich der Wille, aus diesem Strudel auszubrechen. Es ist nicht leicht, denn Tristan weiß, dass er dies höchstwahrscheinlich mit seinem Leben bezahlen würde. Dennoch gibt es immer wieder kleine Lichtblicke, etwa wenn er das Gespräch mit der Studienberaterin sucht, wo er sich selbst fertigmacht – aber sich dennoch einen Hoffnungsschimmer gewährt. Genau das ist, was ich gern mehr gehabt hätte. Es wäre eine so starke Geschichte gewesen, wenn man sich mehr auf die Gangthematik konzentriert hätte. Was geht da vor sich, wie funktionieren die Strukturen, wieso traut sich niemand zu gehen, wieso sind sie alle so hilflos? Hiervon gab es zu wenig. Basketball war halt einfach wichtiger für die Autorin. So wurde das Potenzial für eine aufklärende und schockierende Geschichte verschenkt.

In meinen Augen absolut überflüssig war die Handlung um Riley als Love Interest für Tristan. Bereits von Anfang an mangelt es an der Nachvollziehbarkeit, wieso beide Interesse aneinander finden. Tristan macht im Laufe des Buches einiges für Riley, was irgendwie zu gewollt wirkt. Die Dynamik der beiden ist ganz komisch, oftmals beschränkt sich ihr Verhalten auf Streit oder sportlichen Ehrgeiz. Riley ist so besessen darauf, allen zu zeigen, dass sie kein normales Mädchen ist, dass sie Tristan andauernd provoziert. Wieso sich hier am Ende ineinander verliebt wird, wird nicht greifbar gemacht. Die beiden haben zu wenige Szenen, die als emotional bezeichnet werden können, sodass eine Beziehungsentwicklung eben nicht klar gemacht wird. Es ist einfach so, Punkt. Auch, dass Tristan nach wenigen Tagen sein Leben für Riley ändern will, war in der Hinsicht mehr als absurd. Riley und Tristan funktionieren vielleicht als Freunde, aber nicht als Liebespaar. Sie haben für mich diesen Sprung auch nie gemacht. Das führte vor allem bei den letzten Szenen des Buches für mich zu noch mehr Unverständnis und ein Stück weit Idealisierung einer konfliktbelasteten Beziehung.

Die Charaktere sind alle insgesamt recht platt und eindimensional, lediglich Tristan hat den Hauch einer Tiefe. Der Spagat zwischen Gangleben, Familienleben und Schulleben gelingt ihm nicht immer, er ist ein Denker, wird aber zugleich durch die Erwartungen der anderen gezwungen, Dinge zu tun, hinter denen er nicht wirklich steht. Er hinterfragt oft sein Handeln und seine Stellung in der Gang, ist gleichzeitig aber so perspektivlos, dass er sich eingesteht, dass er eh keine Wahl hat. Tristan war zumindest noch bedingt sympathisch und hat ein wenig Reflexion gezeigt. Riley hingegen hat mich von Anfang an in den Wahnsinn getrieben. Ihre Art, stets Konfrontation zu suchen, nicht auf gutgemeinte Ratschläge zu hören und alles besser zu wissen, war durchweg anstrengend. Auch einige ihrer Handlungen, etwa das Abrasieren der Haare, um bei den Jungs dazuzugehören, wirkten mehr verzweifelt und verrückt als cool und selbstbewusst. Sie ist so krampfhaft dabei, es allen zu beweisen, dass sie bei mir keine Sympathien sammeln konnte. Sie drängt sich jedem auf, betitelte Leute nach Minuten als Freunde, wirkt flatterhaft und handelt unüberlegt. Dieses Cool Girl Gehabe war künstlich, aufgesetzt und hat die Story mehr als einmal topediert. Weitere Charaktere sind klischeehafte Gestalten der Gangszene und der Schulszene. Sie sind eigentlich alle auswechselbar und spielen nur bedingt eine Rolle für die Geschichte. Insbesondere der Gangleader wird nahezu stereotypisch aufgebaut. Es war nicht schlimm, dass alle nur wie Statisten dabeistanden, allerdings hätte man auch hier sicher mehr daraus machen können.

Am Ende bleibt Lips don’t lie für mich ein Buch, was großes Potenzial mitgebracht hat, sich aber mit seiner Unsicherheit in der Ausrichtung irgendwie verrannt hat und daher eher plätschert als knallt. Die nicht greifbare Liebesgeschichte, eine für mich eher nervige Riley und das oberflächlich angekratzte Gangthema mit einem etwas zu schnellem Ende sind eine nicht ausgewogene Mischung, die zu etwas Frust geführt haben. Es war, als hätte die Autorin sich schlichtweg nicht getraut, voll aufzufahren. Die erste Hälfte hat zu viele Längen, die zweite Hälfte gute Themen, aber zu wenig Tiefe. Das Buch hätte ein starkes Drama um Tristan und das Gangleben werden können. Ist es aber nicht, weil der Fokus zu sehr herumschwirrt und eine Liebesgeschichte aufgetischt wird, die so banal und platt ist wie ein überfahrener Basketball. Kann man lesen, man sollte dann aber nicht zu große Erwartungen haben.


[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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Veröffentlicht am 29.05.2020

Klappentext hält leider nicht, was er verspricht. :(

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Ein Blick auf das wunderschöne Cover und ich war hin und weg. Und nimmt man noch den Klappentext dazu, verspricht das Buch eine aufregende Geschichte mit viel Potential. Schade nur, dass meiner Meinung ...

Ein Blick auf das wunderschöne Cover und ich war hin und weg. Und nimmt man noch den Klappentext dazu, verspricht das Buch eine aufregende Geschichte mit viel Potential. Schade nur, dass meiner Meinung nach sehr wenig daraus gemacht wurde. Aber gehen wir zurück zum Anfang.
Tristan ist durch seine Geburt quasi an die FiftySeven-Gang gebunden. Keiner tritt dort aus, außer er möchte sein Leben lassen. Eine andere Perspektive gibt es nicht. Vor allem für einen Latino in Millers. Auch Tristan weiß das und gibt sich seinem Schicksal hin, bis eines Tages Riley neu ins Viertel zieht und seine Welt völlig auf den Kopf stellt. Doch sie stellt eine gefährliche Versuchung dar. Wenn seine verwirrenden Gefühle für sie zu offensichtlich werden, ist sie in höchster Gefahr! Deshalb muss er sich von ihr fernhalten. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn sie gibt nicht so schnell auf. Ihre Liebe wird zu einem gefährlichen Abenteuer mit einem ungewissen Ende…
Riley weiß nicht, dass Millers als die Hölle auf Erden gilt. Ihr Umzug ist ein wiederholter Neuanfang, nachdem die Mutter sie und ihren Vater verlassen haben. Sie ist ganz anders als die üblichen Mädchen. Statt sich mit Kleidern und Make-Up die Zeit zu vertreten, spielt sie lieber Basketball und ist auch eher burschikos. Sie lässt sich nichts vorschreiben und tut alles, um das zu erreichen, was sie möchte. Tristan fasziniert sie vom ersten Moment an und sie denkt im Leben nicht daran, sich von seinem gemeinen Gehabe abschrecken zu lassen. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, aber sein Schicksal scheint schon festgelegt zu sein. Aber sie will für sie beide kämpfen! Ob es sich letztlich auszahlen wird?
Wie gesagt, diese Handlung hat wirklich viel Potential, aber es ist bei Weiten nicht so interessant wie es der Klappentext suggeriert. Das ist wirklich sehr schade! Denn ich habe mit viel Drama gerechnet, aber es war einfach nur uninteressant. Tristan war mir einfach zu blass, Riley dagegen sehr sympathisch. Gepaart mit der Handlung war das aber nichts. Das untypische Ende für eine Liebesgeschichte fand ich sogar ziemlich passend, aber alles, was davor geschah, war eher langweilig. Dabei hätte daraus etwas ganz Großes werden können! Aber mir hat die Autorin einfach zu wenig aus dem verheißungsvollen Klappentext gemacht. Es klingt spannender als es letztendlich ist, leider.

♥♥,5 von ♥♥♥♥♥

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