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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.12.2020

Ein Comic ohne Bilder

Bross. Endstation Hinterhof
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Drama, Bross, Drama! Kaum hat der B(r)oss aller Detektive, der Mann, der immer im Regen steht und in die Traufe kommt, fast eigenhändig, aber zumindest wenigstens einhändig und einkeulig, beinahe ein halbes ...

Drama, Bross, Drama! Kaum hat der B(r)oss aller Detektive, der Mann, der immer im Regen steht und in die Traufe kommt, fast eigenhändig, aber zumindest wenigstens einhändig und einkeulig, beinahe ein halbes dreckiges Dutzend Mafiabosse hinter Gitter gebracht, wird er doch tatsächlich von Dezernat 12 in den Urlaub geschickt. Er! Der Mann mit Hut, er, der überall und ständig dem Verbrechen auf der Spur ist und seinen Assistenten in die Spur schickt! Doch es hilft nichts, er muss. Und so kommt, wie es kommen muss, die Rote Zora, sorry, Cora stirbt im Hinterhof und die Ehren- und Edelmänner der Stadt dürfen sich warm anziehen, denn hier kommt Bross, der Mann, der immer eiskalt badet.

Wer schon mit dieser Art Inhaltsangabe überfordert ist, mag vermutlich das Buch auch nicht besonders, denn es ist vor allem eins: absurd-komisch, voller slapstickartiger Szenen, hardboiled überkocht und verdammt noch mal - wo sind in diesem Comic eigentlich die Bilder? Wie ein Kunstschütze platziert der Autor Wörter und Sätze ins Schwarze und schießt auch mal über das Ziel hinaus - oder war das dann doch Bross? Ganz gleich, welcher von beiden schuldig ist, wer sich auf diese Lektüre einlässt, sollte über Filme wie "Die nackte Kanone" lachen können, ohne einen Keller zu besitzen.

Veröffentlicht am 11.12.2020

Die Hütte im Wald

Elchtage
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Johanna ist dreizehn und gerade in die siebte Klasse gekommen. Sie ist nicht die Beliebteste in der Schule, aber das war für sie immer okay, denn sie hatte ihre beste Freundin Sandra an ihrer Seite. Mit ...

Johanna ist dreizehn und gerade in die siebte Klasse gekommen. Sie ist nicht die Beliebteste in der Schule, aber das war für sie immer okay, denn sie hatte ihre beste Freundin Sandra an ihrer Seite. Mit ihr konnte sie sich immer unterhalten und nach der Schule in den Wald zu ihrer Hütte gehen. Doch seit diesem Jahr ist alles anders - Sandra ist anders. Sie möchte unbedingt dazugehören, hält sich immer bei der Clique der nervigen In-Mädchen auf. Johanna verbringt jetzt die Zeit in der Hütte allein - bis sie eines Tages auf Elche stößt. Doch die Elche sind in Gefahr, und dann sind da auch noch neue Freunde und neue Erfahrungen.

Ich mochte dieses Mädchen und ihre trockene Art zu erzählen. Johanna ist für ihr Alter ziemlich cool. Sie interessiert sich noch nicht für Jungs und ist vollkommen zufrieden, im Wald herumzustreichen und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Probleme der Jugendlichen in dem Alter konnte ich sehr gut nachvollziehen. Womit ich im Endeffekt recht unzufrieden war, ist nicht die Geschichte an sich, sondern dass es zum Schluss kein wirkliches Ergebnis gab - weder was die Elche anging noch die Konsequenzen für die Jäger oder auch irgendwas in Bezug auf Johannas Eltern, die fleißig jagen gehen oder irgendetwas. So was finde ich, gerade in Jugendbüchern, eher subotimal. Klar, die Leser können sich jetzt selbst Gedanken machen, was weiter passieren könnte, aber vermutlich wird man resignieren und sagen: Alles bleibt, wie es ist. Und das gefällt mir nicht so richtig, wobei ich ansonsten wirklich Spaß beim Lesen hatte.

Veröffentlicht am 10.12.2020

Gott? Welcher Gott?

Fest der Finsternis
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Louis Marais war einstmals der bekannteste und beste Polizeibeamte in Paris, bis er in Ungnade fiel und nach Brest abgeschoben wurde. Ausgerechnet im Pestjahr 1805 wird er jedoch wieder in die Hauptstadt ...

Louis Marais war einstmals der bekannteste und beste Polizeibeamte in Paris, bis er in Ungnade fiel und nach Brest abgeschoben wurde. Ausgerechnet im Pestjahr 1805 wird er jedoch wieder in die Hauptstadt der Welt zurückgerufen. Immer wieder wurden verstümmelte Leichen junger Frauen gefunden - wer steckt dahinter? Das kann nur ein gotteslästerliches Monster sein, und wer könnte solche Monster besser verstehen als jemand, der selbst eines ist? Er holt sich Marquis de Sade an die Seite, einen Mann, der nicht nur alt und fett ist und aus dem Hochadel stammt, sondern auch allen seinen Trieben nachgeht. Gemeinsam geraten sie immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und Brutalität und müssen aufpassen, dass sie nicht zwischen den verschiedenen Gruppierungen der Politik zerrieben werden.

Das war ein wahrhaft opulentes Mahl, das uns Meisterkoch Torreck hier anrichtet. Er wirft uns hinein in die Intrigen des ganz, ganz frühen 19. Jahrhunderts, stößt uns in den Schmutz der Gosse, lässt uns noch den den letzten Hauch der Pest einen Schauder über den Rücken jagen. (Und was für einen Schauder - schon vor Jahren hat der Autor hier ein paar interessante Dinge in Bezug auf eine Pandemie beschrieben, die so und ähnlich jetzt tatsächlich stattgefunden haben!) Dass ich nicht die volle Punktzahl gebe, liegt nicht direkt an der ausschweifenden Erzählweise, in der manches auch etwas kürzer gefasst hätte werden können, ganz besonders der Anfang, der mehr Beschreibung als Erzählung war. Eher ist es der Art geschuldet, immer wieder die Perspektive auch mitten im Absatz zu wechseln - etwas, das mich immer wieder stocken lässt und beim Lesen stört. Dass auch recht viele Schreib- und Kommafehler existieren, habe ich ärgerlich zur Kenntnis genommen, lasse das aber nicht in die Bewertung des Buches an und für sich einfließen. Dafür hat es mir dann doch eine zu gute Unterhaltung geboten, und ich empfehle diese Lektüre allen, die Spaß an historischen Geschehnissen, Persönlichkeiten und Ermittlungen haben.

Veröffentlicht am 28.11.2020

Die mit den Geistern spricht

Hex Files - Verhexte Nächte
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Nur knapp hat Ivy ihren Ausflug an das Filmset überlebt, zu heftig war der Zusammenstoß mit dem Nekromanten. Jetzt hat Winter dem Orden gekündigt und kümmert sich nur noch um Ivy - was sie zwar einerseits ...

Nur knapp hat Ivy ihren Ausflug an das Filmset überlebt, zu heftig war der Zusammenstoß mit dem Nekromanten. Jetzt hat Winter dem Orden gekündigt und kümmert sich nur noch um Ivy - was sie zwar einerseits toll findet, aber andererseits auch drunter leidet. Erstens ist er wie eine Glucke, zweitens merkt sie, dass ihm die Ordensarbeit fehlt. Und dann kommt noch die Kleinigkeit dazu, dass Ivy plötzlich mit Geistern reden kann und die von ihr verlangen, sie weiterzuschicken. Um ihren guten Willen zu zeigen, erzählt ein ehemaliger Ordensvorstand Ivy von einem Serienkiller, der bereits einen ganzen Hexenzirkel ausgelöscht hat. Plötzlich befinden sich Ivy und Winter wieder in Todesgefahr und dieses Mal haben sie nicht die Macht des Ordens hinter sich.

Ich fand den Anfang ein bisschen zäh - wahrscheinlich, weil da einmal zu oft die setzt hier beliebiges Wort für blau ein Augen von Winter erwähnt wurden. Als Ivy und Winter dann wieder auf Spur sind, wird es wieder besser, zumal auch der Wortwitz gefällig ist. Richtig lustig ist jedoch, als Brutus die Errungenschaften der Technik lernt. Überhaupt ist wahrscheinlich Brutus der heimliche Held dieser Reihe. Ein Ereignis am Schluss des Buches fand ich todtraurig und hätte meinetwegen auch nicht sein müssen, aber ansonsten fühlte ich mich wie immer bei der Reihe gut unterhalten.

Veröffentlicht am 25.11.2020

Bayview Three

ONE OF US IS NEXT
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Anderthalb Jahre sind vergangen, seit an der Bayview High jemand sein Unwesen trieb, tief verborgene Geheimnisse preisgab und schließlich jemand starb. Maeve Roja, die Schwester einer der damals Betroffenen, ...

Anderthalb Jahre sind vergangen, seit an der Bayview High jemand sein Unwesen trieb, tief verborgene Geheimnisse preisgab und schließlich jemand starb. Maeve Roja, die Schwester einer der damals Betroffenen, ist heute in der 11. Klasse und hat ein grausiges Deja-Vu, als wieder einmal Nachrichten auf allen Handys eintreffen. Dieses Mal geht es um ein perfides Spiel: Wahrheit oder Pflicht. Wer nicht reagiert, über den wird ein boshaftes Geheimnis preisgegeben, wer sich der Pflicht stellt, avanciert schnell zum Schulhelden. Doch dann gibt es einen Toten und aus dem Spiel wird mörderischer Ernst.

Ich widerspreche all den Rezensenten, die behaupten, dieses Buch hier sei schwächer als das erste. Es ist einfach anders und ich halte es der Autorin wirklich zugute, dass sie sich etwas anderes hat einfallen lassen, anstatt stumpf ihren Erstling einfach zu wiederholen. Es gibt zwar auch Auftritte der Bayview Four, aber die sind dezent genug, um die Geschichte von Maeve, Knox und Phoebe nicht zu verdrängen. Diese drei stehen diesmal im Mittelpunkt und auch wie zuvor müssen sie sich Anfeindungen aller Art stellen. Wie auch schon im ersten Buch finde ich, dass einige Sachen gänzlich anders gelöst hätten werden können oder gar müssen, aber auch wie bei Teil 1 hat das Lesen trotzdem Spaß gemacht und ich hoffe, wir bekommen von der Autorin noch die ein oder andere Lektüre geschenkt.