Spannende Einblicke in vergangene Zeiten
Der Faden der VergangenheitDieses Hörbuch wurde von Hannah Baus gelesen und sie macht ihren Job sehr gut. Ihre Stimme lässt die Protagonisten lebendig werden, allen voran Lady Abigail Mahony, eine mutige Kämpferin um die Rechte ...
Dieses Hörbuch wurde von Hannah Baus gelesen und sie macht ihren Job sehr gut. Ihre Stimme lässt die Protagonisten lebendig werden, allen voran Lady Abigail Mahony, eine mutige Kämpferin um die Rechte der Arbeiter in der Baumwollfabrik ihres Mannes aber auch ihrer Nachfahrin Melody, welche versucht Familie und Karriere als Oberstaatsanwältin unter einen Hut zu bekommen.
Die Geschichte startet in der Neuzeit, als Melody ihre neue Stelle in Stockmill antritt und in ihrer Freizeit die geerbte Immobilie Abigails Place ausräumt. Dabei findet sie Tagebücher, die lange verborgene Familiengeheimnisse enthüllen.
Lady Abigail lebte lange Zeit das beschauliche und wenig ereignisreiche Leben einer englischen Adeligen. Keine materiellen Sorgen, aber Frauen hatten keinerlei Rechte und waren nach landläufiger Meinung nicht geeignet, um Geschäfte zu führen oder Verantwortung zu übernehmen. Ich bin richtig froh, dass ich nicht zur damaligen Zeit gelebt habe. Als Frau hatte man nur die Wahl, zwischen anstrengender körperlicher Arbeit in einer Fabrik zu Hungerlöhnen, als ausgebeutete Bedienstete in herrschaftlichen Haushalten, Prostituierte oder zu Tode gelangweilter Aristokratin. Richtig empört habe ich mich über die vorherrschende Meinung, dass alles Gottes Wille sei, auf welchem Platz in der Gesellschaft man hineingeboren wird und dass ein gesellschaftlicher Aufstieg durch Fleiss nicht in seinem Sinne sei. 😉
Der Schreibstil von Felicity Whitmore ist packend. Gekonnt zieht sie die Leser in ihren Bann und lässt uns teilhaben am Leben ihrer Protagonisten. Ich konnte die Verzweiflung spüren, die die Arbeiter erlebten, wenn sie nach einem harten Arbeitstag mit 14 Stunden trotzdem nicht genug Geld verdient hatten, um sich eine anständige Mahlzeit zu gönnen. Und wenn sie nach Luft rangen, weil sie in verfallenen Behausungen ohne ordentliche sanitäre Anlagen hausen mussten und sich der schmutzige Nebel aus den Fabriken auf ihre Lungen legte. Hampton Hall im Gegensatz dazu, der Wohnsitz von Lord und Lady Mahony, liegt auf dem Hügel, umgeben von Grün und mit verschwenderischer Pracht ausgestattet.
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, der Autorin ist es gelungen, mich zu berühren und so wünsche ich mir, mehr zu erfahren. Aber zum Glück ist das Ende dieses Buches, nicht auch das Ende der Geschichte.
Dies ist ja der erste Teil einer Trilogie und so warten noch zwei weitere Teile auf mich, in denen ich mehr erfahre, wie es weitergeht mit den liebgewonnenen Charakteren. Ich fürchte, ich werde auch ein paar nicht so liebgewonnene Protagonisten wiedersehen 😉 Es sind ja auch noch so viele Fragen offen. Ich freue mich auf Teil 2, der im Sommer nächsten Jahres erscheinen soll. Ich bin dann wieder dabei und tauche ein in die Welt der Arbeiter und Aristokraten.