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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2021

Thriller mit Start/Stopp Funktion

Die Stimme der Rache
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Nach den ersten Zeilen war ich gefangen- in der Geschichte, in dem Moment, inmitten erstarrter Angst, Bewegungslosigkeit und der Hoffnung, dass es noch einen Ausweg gibt. So intensiv startet "Die Stimme ...

Nach den ersten Zeilen war ich gefangen- in der Geschichte, in dem Moment, inmitten erstarrter Angst, Bewegungslosigkeit und der Hoffnung, dass es noch einen Ausweg gibt. So intensiv startet "Die Stimme der Rache" von Ethan Cross, der zweite Band rund um Francis Ackerman Jr. und Nadia Shirazi, seine Partnerin des FBI.
Mitten im Nirgendwo von Virginia versucht November McAllister wiederum den Fängen des Black Rose Killers zu entwischen. Sie ist sein bisher letztes Opfer, jedoch das einzige, dass bisher entkommen konnte. In diesem Farmhaus sollte sie unter Polizeischutz gesichert in ein neues Leben starten, doch der Black Rose Killer hat sie aufgespürt und alle Polizisten getötet. Bevor Francis Ackerman Jr. und seine Partnerin Nadia am Tatort ankommen, ist er bereits verschwunden, mit November in seinen Fängen. Ein Katz und Maus Spiel beginnt mit einem Gegner, der Francis Ackerman würdig erscheint- grausam, skrupellos und kaum vorhersehbar.
Der Stil ist fesselnd und spannened, der Einstieg hat mich nicht mehr losgelassen. Die Sprache ist dabei leicht, einfach zu verfolgen und so entpuppt sich der Thriller schnell als Pageturner. Die Charaktere zeigen Tiefgang, vor allem Francis Ackerman mit seiner dunklen Vergangenheit lüftet immer wieder Geheimnisse und Geschichten, die ihn geformt haben und sein Wesen erklären. Nadia wird ebenfalls tiefergehend beleuchtet und wirkt dadurch nahbarer. Die Geschichte an sich hat für mich klare Höhen und Tiefen. Der fulminante Start mit dem intensiven Tempo und der schauderhaften Atmosphäre wird stellenweise pausiert und führte für mich sehr oft in Passagen, die Francis Ackerman in ein Licht stellen, dass zwischen Selbstbeweihräucherung und der Ergatterung von etlichen Sympathiepunkten schwankte. Zudem war für mich die Aufklärung zu früh und ich präferiere Thriller mit etlichen Wendepunkten, die mich zu überraschen vermögen. Der Einsatz von Gewalt ist sehr explizit und leider zu wenig mit dem Black Rose Killer verbunden. So erinnerte mich der Roman an die Start/Stopp Funktion eines Autos, hat mich somit zwischendurch immer wieder gewonnen, jedoch auch verloren, was in einer inkonsequenten Leseerfahrung mündete. Eine Empfehlung für Fans der Reihen von Ethan Cross, die sich bereits im Bann befinden.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 20.12.2020

Zwischen Prunk, Protz und Prahlerei

Die Gabe der Sattlerin
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Charlotte steht neben ihrem Kaltblut Hengst Wälderwind und blickt gedankenversunken in die Ferne, während sie ihm sanft über die Nüstern streicht. Der Hengst wiehert leicht, beruhigend, denn Charlotte ...

Charlotte steht neben ihrem Kaltblut Hengst Wälderwind und blickt gedankenversunken in die Ferne, während sie ihm sanft über die Nüstern streicht. Der Hengst wiehert leicht, beruhigend, denn Charlotte ist die Einzige, die auf ihn diese Wirkung hat. Eine Gabe, die auch ihrem Vater zuteilwird, aber wenn sie an ihn denkt, wird sie sich der Konsequenzen bewusst, die ihr Handeln haben wird. Den Vater zurücklassen, ihre Geschwister, an denen auch ihr Herz hängt und die Mutter in einem Tobsuchtsanfall, wenn sie realisiert, dass Charlotte einfach so verschwunden ist. Schnell wischt sie sich über die Augenlider, denn noch kann sie sich ein anderes Leben nicht vorstellen. Bald jedoch wird genau dieses andere Leben ihre Entscheidungen vorantreiben und sie auf eine Reise führen, dessen Ausmaß sie sich in den kühnsten Träumen nicht vorzustellen vermag.

"Die Gabe der Sattlerin" von Ralf H. Dorweiler ist ein leichter, verträumter historischer Roman mit einigen, realen Figuren, der vor allem durch die Visualität der Worte punktet. Charlotte ist hierbei die Hauptprotagonistin, die sich dazu entscheidet, der zukünftigen Ehe mit dem ungeliebten Amtmann zu entfliehen und stattdessen in die Fremde zu flüchten, auf der Suche nach dem Glück. Nahezu jedes Szenario spielte sich vor meinem inneren Auge ab, in allen möglichen Farben und Formen. Der Stil ist einfach und die Seiten sind schnell zu lesen, eigentlich eher untypisch bei einem Roman dieses Genres. Die Charaktere sind in ihrem groben Rahmen schön skizziert, jedoch fehlte mir persönlich die Tiefe, die Ecken und Kanten, stellenweise die Reflektion. Die Handlung habe ich als recht spannend empfunden, jedoch plätscherte der Plot stellenweise etwas vor sich hin und war für mich eher realitätsfremd als realitätsnah. Das hat mich leider auf Distanz zur Geschichte gehalten, sodass ich nicht so tief eintauchen konnte, wie ich es mir gewünscht hatte. Das Thema rund um Pferde, Sattlerei und historischen Verknüpfungspunkten empfinde ich jedoch nach wie vor als perfekte Grundlage für einen guten Roman, den Schwerpunkt etwas mehr auf den Pferden und dem Handwerk. Eine Empfehlung für alle, die gerne leichte Romane lesen, die zwischen Prunk und Protz der Fürsten und Herrscher flanieren und dem proletenhaften Verhalten einer Räuberbande am Lagerfeuer lauschen möchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.09.2020

Spannend inszenierter Thriller, der jedoch nicht ganzheitlich überzeugt

Der Todesspieler
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Der Thriller "Der Todespieler" von Jeffery Deaver bildet den Auftakt um eine neue Thriller Reihe rund um Colter Shaw, Privatermittler und knallharter Spurenleser, der seine Fälle nach der Höhe der Belohnung ...

Der Thriller "Der Todespieler" von Jeffery Deaver bildet den Auftakt um eine neue Thriller Reihe rund um Colter Shaw, Privatermittler und knallharter Spurenleser, der seine Fälle nach der Höhe der Belohnung ausrichtet. Kompromisslos, erfahren und mit logischer Kompetenz bricht er jeden Fall in Wahrscheinlichkeiten herunter und überzeugt sowohl strategisch als auch handwerklich.

In seinem ersten Fall verschwindet eine junge Studentin spurlos und Colter Shaw wittert sehr schnell, dass das Mädchen nicht einfach davongelaufen ist, wie die Polizei es vermutet, sondern das mehr dahintersteckt. Schnell findet er die entsprechenden Puzzleteile, setzt sie zusammen und sieht sich inmitten eines gigantischen Netzes, dass bis in die hoch dotierte Spielindustrie reicht.

Der Einstieg des Thrillers ist sehr fesselnd, der Leser sieht sich direkt mit einem Spannungsmoment konfrontiert, der sich zunächst nicht deuten lässt und insgesamt hat mir der erste Passus am besten gefallen aufgrund der Dramatik, Charaktere und Spannungsmomenten. In Colter Shaw findet der Leser einen passionierten Ermittler, strukturiert und mit unglaublich viel Weitblick, sowie dem Blick für die Details. Er hat eine harte Schule in der Kindheit genossen und dahin wechselt auch immer wieder die Perspektive, was dem Protagonisten Tiefgang verleiht, Mehrdimensionalität. Besonders erwähnenswert sind die liebevoll integrierten Skizzen, die sich Shaw anfertigt, um Ereignisse Revue passieren zu lassen und dem Leser die Visualisierung leichter gestaltet. Leider hat mich die Geschichte als Ganzes jedoch nicht überzeugt. Die Inhaltsbeschreibung verrät leider schon viel zu viel von der Geschichte, was ich als sehr schade empfinde und in diesem Fall auch störend. Der gute Spannungsaufbau vom Anfang ist leider für mich nicht konsequent bis zum Ende gedacht worden, weshalb es mir hier definitiv an Wendungen, Überraschungsmomenten und der großen Fragen, nach dem "Wer" und "Warum" gefehlt hat. Es bleibt alles etwas durchschaubar, klischeebehaftet und nicht komplett fesselnd, was ich jedoch von Jeffery Deaver definitiv erwartet hätte. Eine Empfehlung für Computerspiele Nerds und Freunde von guten, wenig komplexen Kriminalgeschichten.

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Veröffentlicht am 25.09.2020

Wandelt leider nur leicht auf den Spuren von "Die Päpstin"

Das Erbe der Päpstin
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"Das Erbe der Päpstin" von Helga Glaesner ist ein historischer Roman, der sich als lose Fortsetzung zu "Die Päpstin" von Donna W. Cross versteht und thematisch kurzzeitig überlappt, sowie schließlich die ...

"Das Erbe der Päpstin" von Helga Glaesner ist ein historischer Roman, der sich als lose Fortsetzung zu "Die Päpstin" von Donna W. Cross versteht und thematisch kurzzeitig überlappt, sowie schließlich die Ereignisse weitererzählt.

Im Mittelpunkt steht Freya, die mit ihrer Schwester, sowie Mutter bei den räuberischen Dänen als Sklavin lebt, bis an einem ereignisreichen Abend ihre Mutter ermordet wird. Freya muss zusammen mit ihrer Schwester fliehen und alles, was sie haben ist die Geschichte von Gerold, ihrem Großvater, den sie zu finden versuchen. Als Freya schließlich nach Rom gelangt, wo Gerold die Wache des Papstes befehligt, kann sie leider nur noch mitansehen wie dieser und der Papst, eigentlich die vielgerühmte Johanna, umgebracht werden. Freya muss fliehen, schwört jedoch den Mord aufzuklären, wenn sie auch nicht abschätzen kann, dass sie sich in weit größere Gefahr begibt als angenommen.

Der Erzählstil ist leicht, fließend, nahezu als plätschernd zu bezeichnen. Die Geschichte lässt keine Zeit für große Beschreibungen, denn kaum mit dem Lesen begonnen überschlagen sich bereits die Ereignisse. Der Leser wird sehr schnell in die mittelalterliche Welt geworfen, verfolgt die Flucht, die Suche und schließlich den Mordkomplett um Johanna und Gerold. Die Charaktere sind leicht gezeichnet und die Dialoge leider überwiegend nicht überzeugend. Zudem hatte ich thematisch immer wieder Fragezeichen, weil manche Aspekte für mich ungereimt bleiben, was mich definitiv enttäuscht hat. Als riesiger Fan von "Die Päpstin" stand der thematisch verknüpfte Roman von Helga Glaesner ganz oben auf meiner Wunschliste, jedoch bin ich leider nicht überzeugt. Mir fehlen tiefsinnige Dialoge, eine schärfere Skizzierung der Charaktere, die auf mich teilweise lapidar und oberflächlich wirkte und die Detailarbeit, die gerade historische Romane für mich auszeichnet, um authentisch in diese Zeit eintauchen zu können. Eine Empfehlung für diejenigen, die sich von "Die Päpstin" wirklich lösen können, das ganze eigenständig betrachten und leichte Lektüre bevorzugen.

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Veröffentlicht am 17.09.2020

Die große Liebe, die in den Drogenabgrund führt

8.540 Kilometer
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In ihrem Roman "8.540 Kilometer gegen das System" schildert Jennifer Schmitz die Liebesbeziehung der jungen Sunny, komplett verankert im strukturierten Leben mit einem klaren Plan für ihre Zukunft, zu ...

In ihrem Roman "8.540 Kilometer gegen das System" schildert Jennifer Schmitz die Liebesbeziehung der jungen Sunny, komplett verankert im strukturierten Leben mit einem klaren Plan für ihre Zukunft, zu Jasper, dem verwegenen, gutaussehenden Amerikaner, den sie auf einem Festival kennenlernt. Sie verfällt ihm sofort komplett und somit auch allen Geheimnissen und Mysterien, die sie erst komplett begreift, als sie sich für ihn ins Unbekannte wagt, fernab ihrer Pläne einfach nur ihren Gefühlen folgt.

Der Schreibstil ist leicht, einfach und liest sich schnell und flüssig. Sunny ist eine junge, naive Frau, die sich Hals über Kopf in Jasper verliebt, was mehr Probleme mit sich führt, als sie zu erahnen vermag. Mir imponiert ihr Mut, alles hinter sich zu lassen, um sich komplett dieser Liebe zu widmen. Und Jasper ist gut skizziert und immer für eine Überraschung gut. Insgesamt überzeugen mich jedoch nicht alle Handlungsstränge komplett. Mir fehlen etwas Tiefgang und mehr Reflektion der Situationen, denn somit bleiben die Charaktere etwas oberflächlich für mich. Trotzdem sehr lesenswert für Freunde von jungen Liebesgeschichten mit Thriller artigen Momenten.

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