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Veröffentlicht am 17.02.2021

Königliche Ermittlungen

Das Windsor-Komplott
1

Windsor Castle als Mittelpunkt einer Mordermittlung - die Queen ist nicht amüsiert. Ein Künstler des gestrigen Abends wird tot aufgefunden, noch dazu in sehr anzüglicher Pose. Die Umstände seines ...

Windsor Castle als Mittelpunkt einer Mordermittlung - die Queen ist nicht amüsiert. Ein Künstler des gestrigen Abends wird tot aufgefunden, noch dazu in sehr anzüglicher Pose. Die Umstände seines Ablebens sind überaus kompromittierend. Das MI5 ermittelt, jedoch ist die Queen nicht angetan von deren Arbeit. Also muss sie sich der Sache mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Privatsekretärin Rozie selber annehmen.

So eine Inszenierung! Da ging es Schlag auf Schlag. Auch wenn ich dem ganzen Geschehen nicht immer folgen konnte, so war mir nach seitenlangem Geplänkel dann doch irgendwann wieder klar, wo es lang geht. Die Queen behält trotz ihrer vornehmen Zurückhaltung den Überblick. Dank Rozie, die stets an ihrer Seite steht, sieht sie den Fall glasklar und hilft dem MI5 durchaus geschickt auf die Sprünge.

Ein Cosy Crime, der so manches Mal zum Schmunzeln einlädt, der britische Humor blitzt immer wieder durch. Hier geschieht viel, jedoch sind zu viele Nebenschauplätze aufgemacht. Bekannte Persönlichkeiten flitzen durch die Seiten und ich dachte, jetzt wird ein wenig über die Obamas oder etliche andere berichtet. Aber nein. Es sind Seitenfüller, die mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben, nicht mal ansatzweise eine eigene Story erzählen oder irgendwie eingeflochten werden. Zuweilen hätte ich mir gewünscht, dass hier nicht nur aufgezählt, sondern erzählt wird.

Prinz Philip hat natürlich seine Auftritte, die Dialoge zwischen ihm und Elisabeth konnte ich mir genau so oder ähnlich durchaus vorstellen. Philip und seine Art – wer kennt die nicht?

Ein flotter Schreibstil, der durch zu viele Nebensächlichkeiten ausgebremst wird. Weniger wäre hier mehr gewesen. Nett gemacht, humorvoll und meist kurzweilig erzählt, die Auflösung der eigentlichen Tat war dann doch wieder ziemlich konfus. Ich war gerne dabei, die vielen Abstecher passten aber für mich so gar nicht ins eigentliche Geschehen.

Der erste Fall für die Queen und Rozie, der noch etliche Schwächen aufweist. Humorvoll war es allemal – ein Cosy Crime der königlichen Art.

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Veröffentlicht am 23.01.2021

Der Schein trügt!

Strömung des Lebens
1

Geborgenheit, Liebe, Vertrauen – das sollten Eltern ihren Kindern geben. Der sichere Hafen sollten sie sein. Dr. Graham Bigelow und seine Frau Eliza sind mit Britt und Zane, ihren Kindern, eine Vorzeigefamilie. ...

Geborgenheit, Liebe, Vertrauen – das sollten Eltern ihren Kindern geben. Der sichere Hafen sollten sie sein. Dr. Graham Bigelow und seine Frau Eliza sind mit Britt und Zane, ihren Kindern, eine Vorzeigefamilie. Keiner kann etwas Negatives über sie berichten. Als der Notruf eingeht, ist Graham außer sich. Hat Zane sie alle geschlagen? Er wird ins Gefängnis gebracht, sein Vater beschuldigt ihn schwer. Derweil kann Britt - im Krankenhaus ruhiggestellt - fliehen. Es gelingt ihr, ihre Tante Emily zu verständigen, die Sache kommt ins Rollen. Detektive Lee Keller ist einer der wenigen, der dieser unglaublichen Geschichte auf den Grund geht, der zuhört, der Zane ernst nimmt.

Häusliche Gewalt - das Opfer wird erniedrigt, gefügig gemacht, es schweigt. Aus Scham, aus Schuldgefühlen, die einen immer wieder eingetrichtert, ja eingeprügelt werden. Auch, weil ansonsten andere darunter leiden müssten, werden heftigste Zornausbrüche ertragen.

Sehr verstörend ist diese Familie, sind diese Eltern. Da habe ich mehr als einmal die Luft angehalten, vergessen zu atmen. Der erste Teil war ganz einfach super. Nervenkitzel pur. Zwischendurch dann ist die Story abgeflacht, es war mir zu viel Grünzeug im Weg. Obwohl ich Pflanzen liebe, hätten es auch weniger getan. Die Spannung war raus, außer Amore war da nichts mehr. Dieser abrupte Wechsel war beinahe zu heil, zu süß, ja fast schon künstlich. Zu schön, um wahr zu sein. Eine Bilderbuchidylle. Schöne Menschen, edle Charaktere, Geld spielt keine Rolle. Bis alles wieder hochkam. Da dachte ich: Jetzt aber – es geht rasant weiter. Naja, so war es dann nicht mehr, auch wenn der Schluss wieder einiges wett machte.

Ein starker Anfang, ein eher langatmiger Mittelteil und ein Ende, das es hätte nochmal herausreißen können, es aber für mich nur bedingt geschafft hat. Nora Roberts und die Liebe - nicht ihr bestes Buch, aber trotzdem schön erzählt.

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Veröffentlicht am 05.01.2021

Schwein gehabt ;-)

Mookie – Weihnachten mit Schwein
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„Mookie – Weihnachten mit Schwein“ von Laura Wohnlich ist die etwas andere Geschichte, die mit Weihnachten nicht viel zu tun hat. Es ist eher die Suche nach dem Sinn des Lebens. Wie geht das Leben eigentlich ...

„Mookie – Weihnachten mit Schwein“ von Laura Wohnlich ist die etwas andere Geschichte, die mit Weihnachten nicht viel zu tun hat. Es ist eher die Suche nach dem Sinn des Lebens. Wie geht das Leben eigentlich nochmal? Irgendwann hat er das verlernt.

Joachim – er verzapft ziemlich viel Mist. Trinkt zu viel, zieht sich seit neuestem so manchen Joint rein, zur Arbeit geht er auch nicht mehr. Öde Tage, die nicht vergehen wollen. Joy, seine Zufallsfreundin, hat sich Muhammed geschnappt oder er sich sie – so genau weiß man das nicht. Was solls, vorbei!

Dann liegt ein ziemliches schweres Paket mit Luftlöchern vor der Haustür, an ihn adressiert. Was ist das denn? Ein 15 kg schweres Schwein grunzt fröhlich vor sich hin in Joachims Bude. Wer hat ihm dieses Geschenk vor die Tür gestellt? Nicht genug damit: Über ne Dating-App lernt er Madeleine kennen und gemeinsam machen sie sich auf, den edlen Schenker zu finden.

Die etwas andere, eigenwillige Art, sein Leben aufzuräumen, in andere Bahnen zu lenken. Sich selbst zu erkennen, sich neu zu definieren. In sich hineinhorchen, wer man ist, wo man steht, wohin man will. Madeleine führt ihn auf die Spur seines Vaters, über den Umweg zu seiner Mutter. „Darf ich vorstellen: Mookie, mein Weihnachtsgeschenk.“

Ein kurzweiliger, ja ein amüsanter Schreibstil. Der Vater, nach dem er nie gesucht hat, die Frau, die er gesucht und gefunden hat, die sein Leben kurzerhand umkrempelt. Sie kennt ihn zwar erst seit ein paar Minuten, weiß aber genau, was ihm fehlt. Wenn das kein Wink des Schicksals ist! Und sein Seelenfrieden ist endlich wieder hergestellt. Joachim, der Suchende…

Für zwischendurch eine ganz unterhaltsame (Weihnachts)-lektüre.

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Veröffentlicht am 17.12.2020

Leben mit dem Virus

Die Krone der Schöpfung
1

Experten sind wir alle, durchleben wir doch genau diese Corona-Zeit, von der und über die Lola Randl in „Die Krone der Schöpfung“ erzählt.

Das neue Virus breitet sich im Frühjahr 2020 aus, keiner entkommt ...

Experten sind wir alle, durchleben wir doch genau diese Corona-Zeit, von der und über die Lola Randl in „Die Krone der Schöpfung“ erzählt.

Das neue Virus breitet sich im Frühjahr 2020 aus, keiner entkommt ihm. Die Autorin lebt auf dem Dorf, auch hier ist es angekommen. Abstand halten, Hände waschen, desinfizieren und daheim bleiben ist angesagt. Homeschooling – wie regelt man das hier am besten?

Zunächst musste ich mich in das Buch, in ihren ganz eigenen Erzählstil einfinden, über ihre teils doch sehr absonderlichen Gedankengänge mich des Öfteren wundern. Sie erzählt mitunter gewollt naiv von den ganzen Eigenheiten, wie leichtfertig sie zuweilen mit dem Virus umgeht. In wunderlich anmutenden Szenen hält sie uns bisweilen einen Spiegel vor. Augenzwinkernd erfahre ich so manche Anekdote, als das Virus ihr Leben eroberte. Ihren Alltag mit dem Mann und den Kindern, dem Liebhaber und der Dorfgemeinschaft mit den Zugezogenen, ihren doch recht rigorosen Umgang mit der Mutter, die ganze Unsicherheit, verpackt Lola Randl in Ironie.

Ein schmales Buch mit erstaunlich viel Inhalt, für das man sich Zeit nehmen sollte. Neben Corona ist eine Zombiegeschichte immer mal wieder dazwischen geschoben, viele Anekdoten, für den Moment kurz angerissen und lose in sehr kurzen Kapiteln über die Seiten verteilt, verlangen schon Aufmerksamkeit.

Ein sehr aktuelles Thema, witzig und ironisch, zu weilen flapsig erzählt, für mich in diesen schnellen Wechseln etwas zu chaotisch.

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Veröffentlicht am 09.12.2020

Die Welt des organisierten Verbrechens

Der erste Tote
1

Es geht gleicht heftig los. Ein Toter, wie hin drapiert unter der Straßenlaterne - übelst zugerichtet. Ein Umweltaktivist, wie sich später herausstellt. Zwei Journalisten - Carlo und Andrew - stolpern ...

Es geht gleicht heftig los. Ein Toter, wie hin drapiert unter der Straßenlaterne - übelst zugerichtet. Ein Umweltaktivist, wie sich später herausstellt. Zwei Journalisten - Carlo und Andrew - stolpern regelrecht über ihn. Carlo ist die Ruhe selbst, macht seine Fotos, während Andrew mit dem Mageninhalt kämpft. Sie sind in Poza Rica, Veracruz. Die frühere Erdölmetropole Mexikos leidet unter den Altlasten wie Umweltverschmutzung und Gewalt. Dies hält Investoren ab, trotzdem ist ein großer amerikanischer Konzern interessiert.

Die allzu dunkle Seite Mexikos wird hier thematisiert. Immer wieder machen Bilder und Reportagen auf die grausamen Verbrechen aufmerksam. Da werden ganze Gruppen vermisst, nie mehr gefunden oder irgendwo vergraben, verstümmelt, wie weggeworfen aufgefunden. Ein Menschenleben ist hier nicht viel wert. Es braucht diesen investigativen Journalismus, um zu informieren, die Welt aufzurütteln. Die Guardia Civil ist hier unterwandert vom organisierten Verbrechen. Die Brutalität berüchtigter Kartelle, Todesschwadronen und deren grenzenloser Gnadenlosigkeit lassen ein Bild der Hoffnungslosigkeit entstehen.

Zurück in Mexico City wird Andrews Partner und Freund Carlos umgebracht, der hinterlässt ihm brisantes Material. Andrew beginnt nun alleine zu recherchieren, mehr als einmal schrammt er knapp am Tod vorbei. Der Anfang war eine rasante Reise durch ein korruptes, ein gefährliches Land. Was den Lesefluss doch sehr getrübt hat, waren die vielen spanischen Begriffe und Sätze. Um dem in Teilen recht turbulenten Geschehen folgen zu können, musste ich immer wieder nachschlagen. Das hätte man besser lösen können. Und - mit der ganzen Story hatte ich über lange Strecken so meine Probleme, es war teilweise wirr und nicht recht nachvollziehbar.

Zum Schluss gibt Tim MacGabhann mit der Würdigung des „echten Carlos“ Einblick in die Entstehungsgeschichte seines „Ersten Toten“ und vermittelt einen kurzen Abriss über die unsauberen Geschäfte der Ölindustrie.

„Der erste Tote“ ist der Beginn einer Trilogie, jedoch muss ich die nachfolgenden Bände nicht unbedingt lesen.

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