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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.05.2021

Die Suche nach der Realität

Das Paket
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Der „Friseur“ treibt in Berlin sein Unwesen. Er rasiert Frauen die Haare ab und ermordet sie dann, keiner konnte ihm bisher entkommen. Die Psychiaterin Emma Stein wird ihm zum Opfer, doch sie überlebt! ...

Der „Friseur“ treibt in Berlin sein Unwesen. Er rasiert Frauen die Haare ab und ermordet sie dann, keiner konnte ihm bisher entkommen. Die Psychiaterin Emma Stein wird ihm zum Opfer, doch sie überlebt! Doch seitdem ist ihr Leben nicht mehr wie zuvor, sie verlässt ihr Haus nicht mehr und mit der Lieferung eines Pakets verfällt sie komplett ihrer Paranoia.

Die Psychiaterin Emma Stein war mir zu Beginn noch sehr sympathisch, das hat sich leider im Laufe des Buchs geändert und das, obwohl sie eigentlich mein Mitleid haben sollte. Was ihr widerfahren ist wünsche ich keinem und auch ihre Paranoia kommt nicht von ungefähr. Dennoch konnte ich ihr gegenüber einfach keine Empathie entwickeln. Dazu kam, dass ihre Handlungen für mich vollkommen unlogisch wirkten und die Erklärungen haben dies nicht besser gemacht. Ihre Person war für mich leider nicht greifbar.

Im Buch selbst gab es zwar zig Wendungen, die ich generell super spannend finde, aber mit der Perspektive auf Emma Stein und der Frage „was ist real und was nicht?“ haben diese ihre Wirkung leider komplett verloren. Auch die Zufälle waren mir leider ein paar zu viel.

Für mich war das einer der schwächeren Bücher von Sebastian Fitzek, bei dem auch sein Schreibstil eher für ein Durchhetzen als für eine angenehmes Durchfliegen gesorgt hat. Dennoch waren das Tätermotiv und einige Erzählstränge wieder sehr interessant. Kein Highlight, aber dennoch war es gut zu lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.03.2026

Drama Lama!

Little Miss Frankenstein - Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!
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Nelly ist die Urururenkelin des berühmten Dr. Frankenstein und lebt mit ihrer Familie in einem alten Schloss, indem ständig seltsame Dinge passieren. Ihre Eltern sind sich des Erfindergens bewusst und ...

Nelly ist die Urururenkelin des berühmten Dr. Frankenstein und lebt mit ihrer Familie in einem alten Schloss, indem ständig seltsame Dinge passieren. Ihre Eltern sind sich des Erfindergens bewusst und wollen unbedingt verhindern, dass jemand in die Fußstapfen des berüchtigten Dr. Frankenstein tritt. Doch Nelly kann gar nicht anders als ihrer Passion zu folgen und werkelt immer wieder an neuen Erfindungen, dabei ist sie meist nicht ganz so erfolgreich.

Little Miss Frankenstein von Astrid Göpfrich ist ein skurriles Abenteuer aus dem Hause Frankenstein. Nelly ist eine urkomische Protagonistin, die einen seltsamen Humor hat und damit für einige Lacher sorgen konnte. Doch ganz besonders wird die Geschichte durch das zum leben erweckte Alpaka Monserrat, das einfach Spaß macht! Durch sehr kurze Kapitel kommt man unglaublich schnell durch die Geschichte und verliert nie den Spaß am weiterlesen, außerdem werden immer mal wieder Tagebucheinträge eingestreut, welche die Geschichte nochmal auflockern.

Nicht gut gefallen hat mir der Umgang mit Elektrizität. Besonders der Tagebucheintrag in dem Nelly einen Füller in die Steckdose steckt, ist mir absolut unverständlich. Zwar wird erwähnt, dass man dies nicht nachmachen soll, dennoch erschließt sich mir die Beschreibung grundsätzlich nicht. Aus dieser Szene entsteht nichts lustig oder skurriles, das ggf. auch die Gefahren der Aktion beschreiben würde, sie wird auch nicht weiter erklärt und führt nur zu einer weiteren misslungenen Erfindungen. Aus diesem Grund hätte die Szene ziemlich einfach verändert werden können, ohne eine Situation zu erstellen, die für Leser:innen zu einer potenziell realen Gefahr werden könnte (leicht nachzumachen, was sicherlich nicht durch den Hinweis verhindert werden würde). Aus diesem Grund fällt es mir auch sehr schwer das Buch zu bewerten, grundsätzlich ist der Humor toll und die skurrilen Figuren machen wirklich Spaß, aber es widerstrebt mir das Buch zum alleine Lesen weiterzuempfehlen.

Veröffentlicht am 03.03.2026

Da baut sich was auf.

Das Camp
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Wout Meertens hat das Camp Donkerbloem gekauft und der neue Verwalter Tayfun möchte das Dunkle aus diesem Ort vertreiben. Der Frieden scheint endlich einzukehren, doch dann treibt ein Killer in Deutschland ...

Wout Meertens hat das Camp Donkerbloem gekauft und der neue Verwalter Tayfun möchte das Dunkle aus diesem Ort vertreiben. Der Frieden scheint endlich einzukehren, doch dann treibt ein Killer in Deutschland sein Unwesen und versetzt Frieda Stahnke in Schrecken. Kann sie sich vor dem Killer retten?

Das Camp ist der zweite Band der Donkerbloem-Triologie, die unbedingt in der entsprechenden Reihenfolge gelesen werden sollte, da alles aufeinander aufbaut. Wie den ersten Band erleben wir auch diesen aus mehreren Perspektiven, dieses Mal empfand ich dabei keine besonders stark ausgeprägt, wir wechseln mehrfach zwischen Frieda, Tayfun, Kathinka, Wout und der Täterperspektive. Im Gegensatz zum ersten Band haben mich die Charaktere dieses Mal jedoch teilweise verloren, z.B. empfand ich Wout Meertens nicht mehr ausgewogen genug dargestellt, um ihn noch sonderlich sympathisch zu finden, einzig gegenüber Kathinka habe ich das noch wahrgenommen, ansonsten war er mir deutlich zu ‚drüber‘ dargestellt.

Der Schreibstil ist jedoch wie immer super gut, man fliegt durch die Geschichte und selbst etwas ruhigere Passagen liest man schnell weg. Auch das Konstrukt um den Täter fand ich super dargestellt und hätte gerne noch präsenter vorhanden sein dürfen.

Inhaltlich konnte mich Das Camp leider kaum begeistern. Der Klappentext nimmt unheimlich viel vorweg, da sich das meiste auf die Vier bezieht und ihre Entwicklung bezieht. Einzig die Täterperspektive konnte etwas Spannung reinbringen, wobei auch ziemlich schnell eine Idee für diesen kommt und auch hier etwas die Luft rausnimmt. Weswegen ich die Geschichte eher als ruhig empfand und glaube, dass hier viel für den Abschlussband aufgebaut wurde. Ich hoffe, dass mir die Protagonist:innen dann auch wieder etwas sympathischer sind und ich mehr mit ihnen mitfiebern kann, das Ende verspricht auf jeden Fall nochmal eine interessante Fortsetzung.

Veröffentlicht am 10.02.2026

2002

Vergiss mein nicht
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Jeffrey Tolliver und Dr. Sara Linton wollen ihr Date auf einer Rollschuhbahn genießen, doch dann kommt alles anders. Die 13-jährige Jenny Weaver droht dem Teenager Mark Patterson damit, ihn zu erschießen. ...

Jeffrey Tolliver und Dr. Sara Linton wollen ihr Date auf einer Rollschuhbahn genießen, doch dann kommt alles anders. Die 13-jährige Jenny Weaver droht dem Teenager Mark Patterson damit, ihn zu erschießen. Jeffrey möchte die Situation entschärfen, doch Jenny lässt kein Zweifel daran, dass sie ernst machen wird und so muss Jeffrey Jenny töten, um Mark zu retten. Als Sara Jennys Leiche kurz darauf obduziert, stoßen sie auf ein erschütterndes Verbrechen, das weitere Ermittlungen unumgänglich macht.

Vergiss mein nicht ist der zweite Teil der Grant-County-Reihe von Karin Slaughter. Ich habe den ersten Band vor gut zwei Jahren gelesen und gemerkt, dass ich mit den Backgrounds der Protagonist:innen durchaus meine Schwierigkeiten hatte, deswegen würde ich dazu raten, dass der erste Band vorab gelesen werden sollte, um vor allem Lenas Perspektive besser verstehen zu können.

Das Original erschien 2002 und dies merkt man dem Buch sprachlich deutlich an. Das Lesen wurde teilweise aufgrund des Satzbaus holprig und manchen Stellen war dieser sehr einfach gehalten, was den Lesefluss störte, da die Sätze unrund wirkten. Auch den Charakteren merkt man das Alter des Buchs durchaus an, gerade Jeffrey wirkt aufgrund seiner Gedanken weniger sympathisch, aber auch Lena und Sara stehen dem teilweise in Nichts nach. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass alle Drei vor 24 Jahren deutlich angenehmer gewirkt haben, weswegen sich das zwar auf mein Lesegefühl ausgewirkt hat, aber nicht unbedingt Berücksichtigung in der Bewertung findet.

Trotzdem bleibt für mich wenig Gutes übrig. Ich fand den Fall super interessant, mochte auch die Auflösung, die fernab von Stereotypen liegt. Sie ist nicht überraschend, aber sie setzt ein Zeichen und weckt Aufmerksamkeit für einen Tätertypen, der gesellschaftlich noch untergeht.

Doch leider ist der Fall, wie auch schon im ersten Band, absolute Nebensache. Besonders gestört hat mich, dass wir selten etwas über diesen direkt mitbekommen, meistens werden interessante Szenen nicht beschrieben, sondern danach über Gedankengänge oder Dialoge wiedergeben. Das lässt den Fall nebensächlich wirken und setzt die einzelnen Charaktere (Sara, Jeffrey und Lena) in den Fokus. Besonders Lena war für mich nicht mehr richtig zu fassen, an der Stelle habe ich gemerkt, dass das Lesen des ersten Bands (zu) lange zurückliegt und ihre Perspektive deswegen lange nicht greifbar war.

Ein zweiter Band, der mein Interesse für die Reihe leider nicht wecken konnte und damit vermutlich auch der letzte Band für mich war.

Veröffentlicht am 11.11.2025

(Zu) Anspruchsvoll!

¡Buenas noches, Barcelona!
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Laut Verlag eignet sich ¡Buenas noches, Barcelona! für Anfänger:innen auf A1 Niveau. Mein Gefühl (B2) und das meines Mannes (A1) würden dem widersprechen. Die Sätze sind simpel aufgebaut und grammatikalisch ...

Laut Verlag eignet sich ¡Buenas noches, Barcelona! für Anfänger:innen auf A1 Niveau. Mein Gefühl (B2) und das meines Mannes (A1) würden dem widersprechen. Die Sätze sind simpel aufgebaut und grammatikalisch durchaus verständlich für Sprachanfänger:innen, jedoch ist das Vokabularium anspruchsvoller. Zwar werden auf jeder Seite ein paar Vokabeln übersetzt, diese konnten aber kaum den fehlenden Wortschatz ersetzen oder waren teilweise unglücklich gewählt (Vokabeln, die sich aus dem Kontext verstehen lassen, wurden übersetzt, andere nicht). Hier bestätigt sich meine persönliche Skepsis, denn bei Sprachanfänger:innen finde ich Texte von nicht Muttersprachler:innen im Wortschatz meist besser. Vorteile sind aber natürlich, dass ganz besondere Ausdrucksformen direkt gelehrt/gelernt werden und die erlernte Sprache dadurch schneller authentischer wirken kann.

Der Aufbau einer Seite ist mir zu voll. Das Schriftbild zu klein, weswegen viel Text auf einer Seite ist und erstmal einen erdrückenden Eindruck hinterlässt. Gerade zu Beginn einer Sprachlehre sind Geschichten dann einfacher zu lesen, wenn sie mehr künstliche Pausen durch Absätze, ein großes Schriftbild etc. besitzen und dadurch das Tempo verlangsamen.

Gut gefallen haben mir die Infokästchen, die etwas mehr zum entsprechenden Vokabular erzählt haben. Auch die Grammatikübungen sind hilfreich, aber ohne Kontext eingebettet (hier ist Vorwissen dringend nötig). Das Quiz am Ende fand ich toll, hätte ich mir aber eher nach jeder Geschichte gewünscht und nicht am Ende aller Geschichten, weil die Fragen teilweise sehr ins Detail gingen und drei Geschichten später nicht unbedingt der Barname der ersten Geschichte noch präsent ist. Dafür wird den Anfänger:innen zu viel auf anderer Ebene abverlangt.

So bleibt am Ende das Fazit, dass mir ¡Buenas noches, Barcelona! für Anfänger:innen zu anspruchsvoll ist oder durch diese Deklaration bei jenen für Demotivation sorgen kann, weil die Geschichten sich nicht 'einfach' lesen lassen und nur gelegentlich etwas zum Nachschlagen oder Verarbeiten benötigen, sondern viel Konzentration und Geduld in Anspruch nehmen. Wer sich auf A1 Niveau gerne fordert, es liebt sich mit einem Buch zu beschäftigen und fehlende Wörter oder Grammatikfragen anderweitig nachzuschlagen, der hat hier sicher seinen Spaß und ist danach auch nicht mehr auf A1-Niveau unterwegs. Wer jedoch am Anfang gerne an die Hand genommen wird, ein Buch mit viel Wissensvermittlung neben den Geschichten sucht, die in den Kontext eingebettet sind, der ist hier an der falschen Adresse und könnte schnell gefrustet sein.