1873, London. Der Konzertpianist Cedric Edwards bekommt eine folgenschwere Diagnose, er ist sterbenskrank und ihm sollen nur noch wenige Jahre bleiben. Seine beiden Töchter müssen bereits den Tod ihrer Mutter verarbeiten und Cedric würde alles dafür tun, um bei ihnen zu bleiben. Da kommt ihm der ungewöhnliche Therapievorschlag seiner Ärztin Dr. Shaw wie gerufen und er hinterfragt die potenzielle Unsterblichkeit nicht. Doch hat Cedric damit wirklich ein Leben bei seinen Töchtern gerettet oder holt er sich vielleicht eine ganz andere Dunkelheit ins Leben?
Requiem von Anika Beer ist ein unheimlich atmosphärischer Fantasy Roman aus dem viktorianischen London. Anika Beer schafft es, die damalige Atmosphäre aufzufangen und es gelingt trotz fantastischer Elemente ein einfacher Weltaufbau. Der Einstieg ins Buch war unfassbar gut, Beer Schreibstil ist detailliert und stimmungsvoll, sodass man gerne durch die Seiten fliegt. Der Perspektivwechsel zwischen dem Konzertpianisten Cedric Edwards und dem Heimjungen Dorián sorgt für ein temporeiches Lesevergnügen, das nicht nur eine Geschichte schreibt, sondern auch immer wieder gesellschaftliche Kritik einbaut, die bis heute reicht. So unfassbar gut mir jedoch der Beginn gefallen hat, der ein Gefühl für ein Highlight übermittelt hat, so schwach wurde es dann leider gegen Ende des Buches. Ich empfand es unfassbar schade, dass viele Fragen, die sich im Laufe des Buches stellen, nicht geklärt werden und man erst mit Beenden des Buchs erfährt, dass es sich hierbei um ein Prequel handelt. Das macht das Ende natürlich verständlich, sorgt bei mir dennoch eher für ein schlechtes Lesegefühl, denn inhaltlich scheint die Hauptreihe sehr weit weg von Requiem und weckt mein Interesse überhaupt nicht. Weitere Schwachstellen waren für mich die sehr einfachen Auflösungen, die nicht so recht zum clever aufgebauten Universum gepasst haben, dass sehr detailliert und fein ausgeklügelt war.
Deswegen reicht es am Ende schweren Herzens nur für 2,5*, die der Autorin und ihrem Schreibstil absolut nicht gerecht werden, denn dieser war hervorragend und die Figuren, vor allem Cedric Edwards wurden unfassbar toll gezeichnet, aber für mich blieben am Ende leider zu viele Fragen offen oder wurden mit ‚das ist eine andere Geschichte‘ beantwortet, was mich absolut unzufrieden zurücklässt. Dennoch werden ich weitere Werke der Autorin im Auge behalten, denn diese schreien eindeutig nach ganz viel Potenzial.