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Veröffentlicht am 25.07.2021

Das Leben einer alleinerziehenden Mutter

Kleine Fluchten
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Dieses Buch richtet sich nicht nur an alleinerziehende Mütter, wie die namenlose Protagonistin eine ist. Es zeigt ein allgemein gültiges gesellschaftliches Phänomen auf, nämlich die Vereinbarkeit von Mutterschaft ...

Dieses Buch richtet sich nicht nur an alleinerziehende Mütter, wie die namenlose Protagonistin eine ist. Es zeigt ein allgemein gültiges gesellschaftliches Phänomen auf, nämlich die Vereinbarkeit von Mutterschaft mit Berufstätigkeit und dem Wunsch auf ein eigenes Leben außerhalb von Kind und Haushalt. Drastischer darstellen lassen sich die Probleme natürlich anhand einer Frau, die wie die Erzählerin ihr Kleinkind ohne den Vater aufzieht, der sang- und klanglos aus ihrem Leben verschwunden ist. Ihr täglicher Spagat, es allen, vor allem ihrem Kind gerecht zu machen und dennoch langsam und sicher sozial abzusteigen und sich selbst zu verlieren, wird absolut realistisch dargestellt. Eigentlich kann man es ihr nicht verdenken, wenn sie sich nachts während des Schlafs ihres Kindes für immer länger werdenden Intervalle aus der Wohnung schleicht, um Einblicke auf das an ihr vorbeiziehende Leben zu erhaschen. Dass solche Freiräume von der Gesellschaft, die den Frauen nötige Hilfen verweigert, an den Pranger gestellt werden und diese auch sonst gnadenlos mit einer Alleinerziehenden abrechnet, die sich doch „nur“ richtig zu organisieren habe, um Kind und sonstiges Leben unter einen Hut zu bekommen, versteht sich von selbst. Das Ende der Geschichte ist hervorragend gelöst. Alles sieht danach aus, als ob während der nächtlichen Abwesenheit der Frau etwas Tragisches mit ihrem Kind passiert ist. Aber weit gefehlt … Doch das muss einfach jeder selbst lesen, indem er zu diesem nur zu empfehlenden Buch greift.

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Veröffentlicht am 19.07.2021

Dorfleben zu Zeiten von Corona

Über Menschen
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Noch während andauernder Corona-Pandemie einen Corona-Roman wie den vorliegenden zu lesen, hat etwas, denn in ihm werden alle nur denkbaren Meinungen über das Thema abgehandelt und der Leser wird sich ...

Noch während andauernder Corona-Pandemie einen Corona-Roman wie den vorliegenden zu lesen, hat etwas, denn in ihm werden alle nur denkbaren Meinungen über das Thema abgehandelt und der Leser wird sich schon irgendwo wiederfinden. Die Protagonistin Dora ist eine Werbetexterin aus Berlin, die Abstand von ihrem Freund, einem radikalen Klimaaktivisten und Lockdown-Verfechter, braucht und sich in einem alten Haus in einem brandenburgischen Dorf niederlässt. Seine Bewohner sind ganz dem üblichen Klischee entsprechend rechtsgerichtet und deshalb so gar nicht Doras Fall. Dennoch entsteht rasch eine enge Beziehung zu ihrem als „Dorf-Nazi“ geltenden Nachbarn und anderen Bewohnern, weil diese ihr Hilfe und ein Gefühl von Zugehörigkeit geben. Die Geschichte ist witzig und ironisch geschrieben, das Ende sehr berührend. Die Charakterisierungen der Personen sind sehr liebevoll und treffend und werden dem Buchtitel voll gerecht. Als Lehre lässt sich aus der Geschichte ziehen, dass sich Vorurteile nicht immer bewahrheiten.
Sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 13.07.2021

Tragische Familienverhältnisse

In diesen Sommern
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Vom Buchtitel und dem idyllisch wirkenden Buchcover sollte man sich nicht täuschen lassen. Es handelt sich nicht um eine leichte Urlaubslektüre, sondern um die in der Rückschau erfolgende Aufarbeitung ...

Vom Buchtitel und dem idyllisch wirkenden Buchcover sollte man sich nicht täuschen lassen. Es handelt sich nicht um eine leichte Urlaubslektüre, sondern um die in der Rückschau erfolgende Aufarbeitung ihrer schwierigen Familienverhältnisse während ihrer Kindheit und Jugend durch die Ich-Erzählerin Teresa. Völlig unaufgeregt und sachlich erzählt sie fragmentarische Erinnerungen aus ihrem Familienleben, im knappen Stil eines Kindes. Schon früh erkennt der Leser durch kurze Andeutungen, dass es keine Bilderbuchfamilie ist, sondern der Vater Alkoholiker ist und zu Gewalttätigkeiten seinen beiden Kindern gegenüber neigt, während die Mutter lange zögert, ihn zu verlassen. Teresa wird immer resistenter ihrem Vater gegenüber. Eine Abrechnung mit ihm erfolgt jedoch nicht. Im Gegenteil, Teresa widmet sich auch vielen schönen Momenten mit ihrem Vater. Wie es nicht anders sein kann aus der Sicht eines Kindes, erhalten wir keinen Überblick aufs Ganze und bleiben die Ursachen für die Probleme des Vaters ungenannt.
Sehr zu empfehlende Lektüre.

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Veröffentlicht am 18.06.2021

Amüsanter Beziehungsroman zu Zeiten von Corona

Das Vierzehn-Tage-Date
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Dieser neue Roman des Autors ist ähnlich amüsant wie die Vorgänger und besticht durch lebendige Dialoge der beiden Protagonisten. Diese beiden – David und Corinna - haben sich über die Dating-App Tinder ...

Dieser neue Roman des Autors ist ähnlich amüsant wie die Vorgänger und besticht durch lebendige Dialoge der beiden Protagonisten. Diese beiden – David und Corinna - haben sich über die Dating-App Tinder kennengelernt und treffen sich erstmals in Davids Wohnung. Schnell erkennen sie, dass sie nicht zueinander passen, wollen aber noch eine Pizza essen, bevor sie aus dem Leben des jeweils anderen treten. Der Pizzabote ist allerdings Corona positiv getestet, weshalb den beiden flugs eine vierzehntägige Quarantäne in Davids Wohnung auferlegt wird. In dieser Zeit geraten die beiden mächtig aneinander, da sie so unterschiedlich sind. David ist ein ordnungsliebender, vegan lebender, verklemmter Musiklehrer, Corinna fleischessend, chaotisch, wütend und ohne rechte berufliche Perspektive. Sie werfen sich so manche Wahrheit an den Kopf, öffnen dem anderen aber auch helfend die Augen. Für Verwicklung sorgt noch eine Kollegin von David, in die er verschossen ist und die ihnen als Einkaufshilfe dient.
Der Autor nimmt so manche coronabedingte Besonderheit auf die Schippe und stellt umfassend alle möglichen gesellschaftlichen Ansichten zu dem Virus amüsant dar. Das ganze Thema ist ja nach wie vor aktuell und der Leser hat so manches Déjà-vu-Erlebnis. Das eigentlich Bestechende an der Geschichte ist der Wortwitz und die Wortspielereien, z.B. ergeben die Tinder-Namen der Protagonisten Covid-19.
Sehr empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 04.06.2021

Absolut hörenswert

Vom Aufstehen
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Ruth Reinecke ist die Sprecherin dieses absolut hörenswerten Hörbuchs. Ihrer Erzählstimme lässt sich gut folgen.
Erzählt wird aus dem Leben der bis zur Wende in Ostdeutschland lebenden und schreibenden ...

Ruth Reinecke ist die Sprecherin dieses absolut hörenswerten Hörbuchs. Ihrer Erzählstimme lässt sich gut folgen.
Erzählt wird aus dem Leben der bis zur Wende in Ostdeutschland lebenden und schreibenden Autorin Helga Schubert, die letztes Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt. In einzelnen Kapiteln wird eingegangen auf das unfreie Leben der Autorin in der DDR, ihre Schriftstellerei und immer wieder auf ihr schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter, von sie sich nicht geliebt fühlte.
Sehr interessant vor allem für jene mit Interesse am Leben in der DDR.