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Veröffentlicht am 18.08.2021

klasse zweiter Teil

Die Alster-Schule - Jahre des Widerstands
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Jahre des Widerstands schließt direkt an die Geschehnisse von Zeit des Wandels an. Levi landet in Haft und Felicitas kann nichts für ihn tun. In ihrer Not wendet sie sich an Emil und Anneliese, aber auch ...

Jahre des Widerstands schließt direkt an die Geschehnisse von Zeit des Wandels an. Levi landet in Haft und Felicitas kann nichts für ihn tun. In ihrer Not wendet sie sich an Emil und Anneliese, aber auch die haben andere Sorgen. Während Felicitas immer weiter nach Wegen sucht sich selbst und ihrer Weltanschauung treu bleiben zu können, verhalten sich die Tiedemanns systemtreu und tun alles, um die Vorgaben zu erfüllen. Dabei entfremden sich auch Felicitas und Anneliese immer mehr.

Der zweite Band schildert nun das Grauen, dass nach dem 9. November 1938 immer mehr um sich greift. Wir begleiten die vier Protagonisten durch den Krieg bis ins Jahr 1947. Felicitas schließt sich zusammen mit Paul, ihrem ehemaligen Schüler, wieder einem Lesekreis an, aus dem sich eine Widerstandsgruppe bildet, die sich an das Vorgehen der weißen Rose in München anschließt und auch lose Kontakte dorthin hat.

Mir hat auch dieses Buch wieder gut gefallen. Die Zweifel, die alle umtreiben sind verständlich beschrieben und ich konnte die Charakterentwicklung gut nachvollziehen. Julia Kröhn gelingt es Figuren zu zeichnen, die immer wieder an sich und auch an ihrer Gesinnung zweifeln. Gerade Emil ist komplett zerrissen und seine Entwicklung fand ich sehr traurig, aber in sich logisch. Auch Anneliese braucht lange, um zu hinterfragen, ob das, was ihr vorgeschrieben wird, auch das richtige ist.

Levis Schicksal während des Krieges und Felicitas Handeln im Widerstand Hamburgs sind große Themen in diesem Buch. Dass es einen Ableger der weißen Rose in Hamburg gab, war mir bis dahin nicht bewusst.

Das Ende hätte meinetwegen noch etwas mehr in der Zeit nach dem Krieg spielen dürfen. Ein wenig mehr durchatmen nach dem Grauen wäre noch schön gewesen. Aber auch so findet das Buch ein versöhnliches Ende und man kann den Protagonisten nur wünschen, dass sie ein wenig Glück in der Zukunft finden.

Ich kann diese Dilogie nur empfehlen, sie nimmt den Leser mit auf eine emotionale Achterbahn und vermittelt nebenbei noch Wissen zum dritten Reich. Ganz großes Kino!

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Veröffentlicht am 14.08.2021

spannend und atmosphärisch

Das Buch des Totengräbers (Die Totengräber-Serie 1)
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Leopold von Herzfeldt ist gerade zur Polizei nach Wien versetzt worden, als eine Frau mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird. Am Tatort wendet er all das an, was er in seiner Zeit als Untersuchungsrichter ...

Leopold von Herzfeldt ist gerade zur Polizei nach Wien versetzt worden, als eine Frau mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird. Am Tatort wendet er all das an, was er in seiner Zeit als Untersuchungsrichter in Graz gelernt hat und macht sich so bei den neuen Kollegen erstmal gleich unbeliebt. Daraufhin wird er auf einen weniger spektakulären Fall angesetzt, um erst einmal ruhig gestellt zu werden. Doch auch hier ergeben sich Ungereimtheiten und Leopold schafft es sich weiter unbeliebt zu machen.

Oliver Pötzsch begibt sich mit seiner neuen Reihe ins Wien am Ende des 19. Jahrhunderts. Leopold von Herzfeld ist nicht der einzige Hauptcharakter, so lernen wir auch noch Augustin Rothmayer kennen, einen Totengräber auf dem Zentralfriedhof, der an einem Almanach für Totengräber schreibt. Und Julia Wolff, eine Telefonistin aus dem Polizeipräsidium, die so manches Geheimnis hat.

Der Kriminalfall ist sehr verzwickt und es bleibt bis zur spektakulären Auflösung unklar, wie denn nun die einzelnen Todesfälle miteinander zusammenhängen. Pötzsch schafft es während der Ermittlungen eine unheimlich dichte Atmosphäre aufzubauen, die mich ein wenig an Babylon Berlin erinnert hat. Leopold steht mit seinen Ermittlungsansätzen ziemlich allein da und erhält von seinen Kollegen nur wenig Unterstützung. Dass er Jude ist, macht ihn bei einigen Kollegen noch unbeliebter, war doch der Hass auf Juden damals doch sehr präsent in der Wiener Gesellschaft. So bleibt ihm nur die Unterstützung von Julia und Augustin, der aber eigentlich nur seine Ruhe haben will.

Das Buch besticht durch den Wiener Dialekt, der sehr geschickt eingesetzt wird und den ich beim Lesen direkt hören konnte. Das macht das Buch noch authentischer und ich fand den Einsatz auch genau richtig dosiert.

Die Kapitel sind mit Auszügen von Rothmayers Almanach überschrieben, die einen Einblick in die Arbeit des Totengräbers bringen und in den Aberglauben, der damals noch bezüglich der Toten und vermeintlich Untoten herrschte.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen, ich fand es durchgehend spannend und ich habe mit Leopold mitgefiebert und gelitten. Ich hoffe sehr, dass es um das Trio Leopold, Julia und Augustin noch weitere Fälle geben wird, ich würde gerne wissen, wie es mit den dreien weitergeht. Von daher kann ich das Buch nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 13.08.2021

Leseurlaub in Südtirol

Bergland
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Tiefenthal in Südtirol ist ein Hochgebirgstal, in dem das Leben schon immer hart war. In den vierziger Jahren übernimmt Rosa den Hof, nachdem ihr Vater gestorben ist und ihre Brüder im Krieg verschollen. ...

Tiefenthal in Südtirol ist ein Hochgebirgstal, in dem das Leben schon immer hart war. In den vierziger Jahren übernimmt Rosa den Hof, nachdem ihr Vater gestorben ist und ihre Brüder im Krieg verschollen. Durch ihr Geschick schafft sie es sich dort oben selbst zu versorgen und auch ihren Sohn alleine groß zu ziehen. Zwei Generationen weiter ist das Leben nicht einfacher geworden. Neben dem Hof haben Franziska und ihre Familie auch auf Ferienwohnungen gesetzt. Doch hier ist man eigentlich nicht mehr selbstbestimmt, der Dachverband hat strikte Vorgaben und die Touristen sind anspruchsvoll.

Jarka Kubsova erzählt vom Leben in einem Hochtal in Südtirol von den Vierzigern bis heute. Damals wie heute ist es nicht einfach genug zum Leben zu haben. Gerade in der gegenwärtigen Geschichte habe ich viel wiedererkannt und ich habe mich die ganze Zeit gefragt wo Tiefenthal denn nun eigentlich liegt. Ich selbst fahre ja nun schon seit meiner Kindheit nach Südtirol in den Urlaub und mir ist die Gegend um Meran zur zweiten Heimat geworden. Daher hatte ich dauernd das Gefühl die Gegend zu kennen und siehe da, die Autorin hat wohl mehrere Monate im Ultental gelebt, dass ich auch kenne, da der Schwager meiner besten Freundin von dort kommt.

Mir haben die Beschreibungen der Natur und der Lebensumstände sehr gut gefallen und auch nachdenklich gemacht. Was ich schön fand, war, dass die Familie am Ende gemeinsam zurück auf Rosas Art zu leben zurückschwenkt und damit wieder mit der Natur, anstatt gegen sie zu leben. Der Umstieg auf Bio und naturnahe Landwirtschaft klingt in diesem Buch definitiv nicht nach neumodischer Idee, sondern nach einer Rückkehr zu dem was die Generation von Rosa schon wusste. Gerade in heutigen Zeiten ist das ja durchaus ein Thema.

Ich kann das Buch nur empfehlen, für mich war es wie ein kleiner Urlaub in Südtirol.

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Veröffentlicht am 12.08.2021

Wohlfühlroman

Leuchtturmträume
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Anneke hat nach einem schweren Schicksalsschlag alle Zelte hinter sich abgebrochen und hat mittlerweile auch nur noch sporadischen Kontakt zu ihrer Familie. Auch ihr Job als Hoteltesterin mit dem dauernden ...

Anneke hat nach einem schweren Schicksalsschlag alle Zelte hinter sich abgebrochen und hat mittlerweile auch nur noch sporadischen Kontakt zu ihrer Familie. Auch ihr Job als Hoteltesterin mit dem dauernden Reisen hilft ihr zu vergessen. Als sie dann aber zu einem Auftrag nach St. Peter-Ording kommt und der Hotelbesitzer des Hotels, das sie unter anderem bewerten soll, ihr Ex-Freund Raik ist, bricht alles wieder auf. Langsam lernt Anneke mit ihrer Vergangenheit umzugehen und eine glückliche Zukunft zuzulassen.

Das Buch ist an sich ein wirklicher Wohlfühlroman. St. Peter-Ording ist so toll beschrieben, dass man am liebsten sofort hinfahren möchte, um sich dort zu erholen. Annekes Trauma allerdings macht das Ganze etwas schwerer, sie wird immer wieder auch an die traurigen Dinge erinnert. Allerdings lernt sie eine Menge Leute kennen, die teilweise auch ähnliche Erlebnisse hatten und durch die sie erkennt, dass sie nach vorne schauen muss. Und nicht zuletzt Raik schafft es sie aus ihrem Schneckenhaus herauszuholen und ihr beim Akzeptieren ihrer Trauer zu helfen.

Ich kann das Buch nur empfehlen. Die Kombi aus Wohlfühlort und Schicksalsbewältigung war für mich genau richtig getroffen. Es war das erste Buch der Autorin für mich, ich werde aber ihre anderen Bücher sicherlich auch noch lesen.

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Veröffentlicht am 09.08.2021

schöner Roman aus den Fünfzigern

Der Eissalon
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Karina fliegt von einer Restaurantfachschule, als sie mit einem Lehrer beim Küssen erwischt wird. Da man ihr die Schuld zuschiebt und sie zu Hause nicht mit dem Rausschmiss ankommen will, bleibt sie in ...

Karina fliegt von einer Restaurantfachschule, als sie mit einem Lehrer beim Küssen erwischt wird. Da man ihr die Schuld zuschiebt und sie zu Hause nicht mit dem Rausschmiss ankommen will, bleibt sie in Bonn und sucht sich erst einmal ein Zimmer. Dort lernt sie Ricardo kennen, der mit einem Eiswagen durch Bonn zieht, und gemeinsam erfüllen sie sich den Wunsch eine Eisdiele zu eröffnen. Doch als Ricardo von seiner Vergangenheit eingeholt wird und Karina sich ihrer Familie stellen muss, steht alles auf der Kippe.

Das Buch steigt gleich mit dem Rauswurf Karinas ein. Sie wird zu der Sache nicht angehört und als liederliches Weib nach Hause geschickt. Das will sie nicht auf sich sitzen lassen und erst nach Hause zurückkehren, wenn sie sich etwas Eigenes aufgebaut hat. Diese Haltung hat mich beeindruckt, Anfangs ist sie sich noch sehr unsicher, aber bald glaubt sie daran, dass die Eisdiele mit Ricardo gemeinsam etwas werden kann. Das private zwischen den beiden ist etwas schwierig, Ricardo knabbert noch sehr an seinen Kriegserlebnissen und kann sich anfangs nicht auf Karina einlassen. Doch im Laufe der Zeit raufen die beiden sich gut zusammen.

Der zweite Erzählstrang dreht sich um Erika, die Vermieterin der beiden. Sie ist einsam, trotz ihrer Mitbewohner und als sie sich in einen anderen Mieter des Hauses verliebt, muss sie sich der Vorurteile ihrer Zeitgenossen erwehren, da Henryk gute 15 Jahre jünger als sie ist. Auch hier zeigen sich die die damaligen Ansichten der Gesellschaft recht deutlich. Karina wird eher verurteilt, weil Ricardo nicht standesgemäß ist, die 10 Jahre Altersunterschied sind hier egal.

Mir hat das Buch gut gefallen, es liest sich toll und man kann sich das Bonn der fünfziger Jahre gut vorstellen. Die Charaktere haben mir ausgesprochen gut gefallen und auch die Probleme, die sie miteinander haben, fand ich nicht zu übertrieben. Besonders gut beschrieben fand ich Karinas Familie, die sich aus wirklich vielen Charakterköpfen mit festen Meinungen zusammensetzt. Nicht immer einig, aber doch als Familie zusammengehörig.

Ich habe das Buch an einem Nachmittag gelesen und hatte einige sehr schöne und kurzweilige Lesestunden. Daher eine Leseempfehlung von mir.

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