Profilbild von girasole

girasole

Lesejury Star
offline

girasole ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit girasole über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.10.2021

Ruhig, düster, skandinavisch

Tiefe Schluchten
0

Gleich vorneweg, es handelt sich um den 3. Band rund um den pensionierten Kommissar Konrad und es empfiehlt sich, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Ich begann mit diesem Buch und ich empfand ...

Gleich vorneweg, es handelt sich um den 3. Band rund um den pensionierten Kommissar Konrad und es empfiehlt sich, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Ich begann mit diesem Buch und ich empfand es teilweise schade, daß ich die Vorgeschichte nicht kannte.

Neben der Leiche der 70-jährigen Valborg findet Marta einen Zettel mit der Telefonnummer von Konrad. Er übernimmt in seinem Ruhestand nur noch ab und zu kleinere Detektivaufträge und dies mehr aus Langeweile. Auf Nachfrage erfährt sie, daß Valborg ihn gebeten hat, nach ihrem Kind zu suchen und er ihrer Bitte nicht nachgekommen ist. Jetzt nagt sein schlechtes Gewissen an ihm und er macht sich spät auf diese Suche. Da die Geburt schon 50 Jahre zurückliegt, ist dies kein leichtes Unterfangen, obwohl in einem so kleinen und überschaubaren Land wie Island, eigentlich jeder jeden kennt.

In einem anderen Strang geht es um die Väter von Konrad und Eygló. Sie waren damals kleine Betrüger, die mit Seancen und spiritistischen Sitzungen Leute um ihr Geld brachten.

Für mich war es ein komplexer Thriller mit typischen Skandinavien-Aspekten. Man begegnet vielen Figuren - vor allem Verlierern - und die Atmosphäre ist düster. Konrad selbst gefiel mit gut und auch sein Vorgehen war realistisch und gut nachvollziehbar beschreiben. Aber ich konnte glaube ich bei dem vorliegenden Buch kein einziges Mal lächeln, mir fehlten irgendwo ein positiver Aspekt und die gewohnte Spannung. Es ist ohne Zweifel ein guter, ruhiger Krimi, aber ehrlich, ich habe die Reihe um Erlendur lieber gelesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.09.2021

Das hat sie für uns getan

Wenn ich wiederkomme
0

Für mich war es schwierig in das Buch zu finden, denn es begann nicht mit der vermeintlichen Hauptperson, der Mutter, die ihre Familie in Rumänien zurückließ, um in Italien Geld zu verdienen, damit es ...

Für mich war es schwierig in das Buch zu finden, denn es begann nicht mit der vermeintlichen Hauptperson, der Mutter, die ihre Familie in Rumänien zurückließ, um in Italien Geld zu verdienen, damit es den Daheimgebliebenen besser ging, sondern der Sohn Manuel bekam zuerst das Wort. Als dann die Mutter erzählen durfte sprang die Story häufig zwischen der berührenden Gegenwart und der Vergangenheit in Italien. Im dritten großen Abschnitt erhielt die Tochter Angelica eine Stimme.

Der Klappentext hat mich neugierig auf dieses Buch gemacht. Ich wollte etwas über eine Mutter erfahren, die wegen des Geldes ihre Familie heimlich verlassen hat, nur zu kurzen Besuchen heimkehrte und die versuchte, den Kontakt bzw. die Erziehung mittels Telefon aufrecht zu erhalten. Aber natürlich interessierte mich auch das Leben der zurückgebliebenen Familienteile, die in ihrer Situation in Rumänien nicht alleine sind, nein es gab in ihrem Umfeld mehr Mütter, die zum Arbeiten nach Italien sind. Für mich kam leider kein richtiger Lesefluß zustande und die Figuren blieben mir zu distanziert. Die Erzählweise hatte mir zu viele Längen, der Part der Mutter sprang mir zuviel hin und her und trotz der momentanen schwierigen Situation traut sich keiner die entscheidende Frage zu stellen.

Sehr gut, aufschlußreich und interessant fand ich aber das Nachwort des Autors und seine Beweggründe für diesen Roman samt der Erklärung des Italiensyndroms und der Eurowaisen. Das hat für mich mein Urteil etwas „herumgerissen“ und aus dem ganzen eine runde Sache gemacht. Nichtsdestotrotz bleibt für mich mein Lieblingsbuch des Autors „Ich bleibe hier“.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.09.2021

Ein wahres Puzzle

Die andere Tochter
0

beinhaltet dieser Psychothriller, daher finde ich das Cover überaus gelungen und passend.

Die Handlung ist in zwei Zeitspannen gegliedert – zum einen Oktober 2019 und zum anderen April 2019.

Antonia ...

beinhaltet dieser Psychothriller, daher finde ich das Cover überaus gelungen und passend.

Die Handlung ist in zwei Zeitspannen gegliedert – zum einen Oktober 2019 und zum anderen April 2019.

Antonia Petzold, genannt Toni, passiert in ihrem Beruf als Entrümplerin ein folgenschwerer Unfall mit einer ausgelaufenen Putzflüssigkeit – sie erblindet. Wie das Schicksal es will, wird eine Spenderin gefunden und sie erhält durch eine Cornea-Implantation ihr Augenlicht zurück. Sie schreibt einen Brief an die Datenbank, den diese anonymisiert an die Spenderfamilie weiterreicht. Seltsamerweise nimmt die Mutter der Toten nach dem Erhalt des Briefes Kontakt mit ihr auf und lädt sie ein und hier nimmt die Story so richtig an Fahrt auf. Allerdings stellt sich beim Lesen gleich die Frage: Woher wußte Clara Mertens wer die Absenderin bzw. Spenderempfängerin war, wenn der Brief anonymisiert war? Was Toni im Haus der Familie Mertens über die Tote, deren Leben, Charakter etc. erfährt ist immens. Susanne scheint eine sehr vielschichtige und facettenreiche Persönlichkeit gewesen zu sein. Aber Toni quälen immer wieder Flashbacks, glaubt sie wirklich an Seelenwanderung oder was steckt dahinter?

Im zweiten Strang erfährt man, daß Tonis Mutter anscheinend von ihrem Vater ermordet wurde und Toni die Patientenverfügung sucht, um den Wunsch der Mutter bezüglich einer Organspende respektieren zu können. Toni verbindet eine innige Liebe zu ihrem Vater und sie kann sich nicht vorstellen, daß er zu einer solchen Tat fähig war. Außerdem ist sie vollkommen überrascht, als sie von den früheren Eheproblemen ihrer Eltern erfährt.


Ich hatte bereits ein Buch der Autorin gelesen, das mir sehr gut gefiel. Daß sie schreiben kann, davon kann man bei ihrer Vita ausgehen und bei diesem Buch könnte ich mir eine Verfilmung gut vorstellen. Sie schreibt absolut spannend und packend. Ich mag komplexe Thriller, die nicht gleich durchschaubar sind. Die Protagonistin Toni mit ihrem Gefühlen der Erblindung, der Transplantation, die daraus resultierenden psychischen Belastungen und dann das Kennenlernen der Spenderfamilie wurde sehr genau und eindringlich erzählt, man erlebte dies gemeinsam mit ihr. Auch der Ehrgeiz von Toni, Klarheit zu erlangen über die Familie Mertens, aber auch die Gründe ihrer Flashbacks und das Schicksal ihrer eigenen Familie zu ergründen waren realistisch beschrieben. Erst am Ende konnte man verstehen, weshalb Toni nicht bei ihren Eltern, sondern viele Jahre bei der Großmutter gelebt hat. Die Figur von Clara Mertens und ihre Anhänglichkeit an die „neue“ Tochter fand ich nachvollziehbar, aber auch die Eifersucht von Susannes Schwester war verständlich. Die Autorin hat Organspende und die Folgen zu einem Thema des Buches gemacht und mir hat dieser Part sehr gut gefallen. Dieser Thriller ist sehr emotional und es wird Puzzleteil für Puzzleteil zusammengesetzt, am Ende wird der Leser nochmals überrascht. Es spielen auch noch etliche andere Faktoren mit in die Geschichte, wodurch es mir etwas zu überfrachtet wurde.

Fazit: Ein fesselnder Pageturner, in den die Autorin für mich etwas zuviel hineingepackt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2021

Ein spannender Fall auf der Urlaubsinsel Föhr

Gischtgrab
0

Sommer auf der Insel Föhr
Am Strand wird die Leiche von Arndt Halvorsen gefunden. Er wurde betäubt, mit Armen und Beinen an zwei Pfählen gefesselt, hatte Schafmist im Mund, der mit Klebeband verschlossen ...

Sommer auf der Insel Föhr
Am Strand wird die Leiche von Arndt Halvorsen gefunden. Er wurde betäubt, mit Armen und Beinen an zwei Pfählen gefesselt, hatte Schafmist im Mund, der mit Klebeband verschlossen war und mußte so ertrinken. Sein Lebensweg war nicht geradlinig, sondern er hatte psychische Probleme, es gab alkoholbedingte Vorfälle und seine Noch-Ehefrau fühlte sich von ihm bedroht, weshalb sie sich von ihm getrennt hat. Dies sehr zum Leidwesen der Tochter Pia, die ihren Vater liebte und ihn auch am Vortag noch getroffen hat. Die Ermittlungen nehmen Kriminalhauptkommissarin Kerrin Iwersen aus Flensburg und der Leiter der Polizeidienststelle Wyk, Hark Hansen samt einem großen Team auf. Es geraten etliche Personen aus dem privaten Umfeld in den Fokus der Ermittlungen und als die Tochter des Toten entführt wird, stehen die Beamten unter höchstem Zeitdruck. Können sie den Täter und die Tochter finden?


Es handelt sich hier um den 2. Fall der Ermittler und für mich als Neueinsteigerin stellte dies kein Problem dar. Das Privatleben von Kerrin erhält einen gewissen Raum im Buch, nachdem sie seit Kurzem mit Nils, dem Sohn von Hark Hansen, liiert ist. Sie muß sich in ihrer Position als Leiterin dieses großen Teams beweisen und zieht das auch voll durch. Das Team arbeitet engagiert, schaut auf keine Überstunden und übernimmt die anstehenden Aufgaben ohne Murren. Hark Hansen, den erfahrenen Polizisten und Inselbewohner, fand ich einfach souverän. Für mich waren aber alle Ermittler durchwegs sympathisch, ihre Arbeitsweise wurde realistisch und nachvollziehbar beschrieben. Die Tätersuche war nicht einfach und die Autorin hat immer wieder falsche Fährten ausgelegt, allerdings hatte ich aus dem Bauch heraus den „richtigen Riecher“. Der Schreibstil war spannend und flüssig. Die Insel und ihre Bewohner wurden bildhaft beschrieben, man möchte am liebsten Koffer packen und dort Urlaub machen.

Ich fühlte mich auf jeden Fall gut unterhalten mit diesem soliden Regionalkrimi, werde ihn gerne weiterempfehlen und bin bei einem weiteren Band mit Sicherheit dabei!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2021

"Ihr läuft die Zeit davon"

Die Karte
0

In ihrem 4. gemeinsamen Fall müssen Jens Kerner und Rebecca Oswald einen Mörder finden, der es auf Jogger und Mitglieder der Runfree Community abgesehen hat. Sie gehen mit ihren Laufstrecken in den sozialen ...

In ihrem 4. gemeinsamen Fall müssen Jens Kerner und Rebecca Oswald einen Mörder finden, der es auf Jogger und Mitglieder der Runfree Community abgesehen hat. Sie gehen mit ihren Laufstrecken in den sozialen Medien ganz offen um, das stellt sich jetzt als Falle heraus. Der Täter geht bei seinen Morden äußerst brutal vor und als Gipfel des Ganzen filmt er auch die letzten Minuten seiner Opfer. Es stellt sich hier vor allem die vordringlichste Frage, nach welchem Kriterium wählt er diese aus?

In weiteren Strängen wird ein Radfahrer mit einem Messer attackiert – er transportierte einen menschlichen Unterschenkel und man lernt ein Mädchen kennen, das unter ihrer Mutter zu leiden hat, deshalb sucht sie die Nähe zum Vater. Außerdem wird ein beliebter Kollege ermordet. Er konnte noch eine Nachricht an die Wand schreiben, nur wie ist diese zu deuten?

Wie kann der Täter gestoppt werden und welchen Zusammenhang gibt es?


Ich habe alle bisherigen Bände mit Kerner/Oswald gelesen und auch der vorliegende hat mich gut unterhalten. Das Buch liest sich fesselnd und weist keinerlei Längen auf. Dabei lernte ich eine für mich neue, interessante Kunstform kennen – GPS-Drawing. Das Duo und die Red Lady ist bestens bekannt und ihr Privatleben wird weiter entwickelt. Becca kennt einfach „ihren“ Jens und seinen Charakter sehr genau und weiß ihn richtig zu nehmen, sei es in Bezug auf seine Impulsivität oder auch seine Betroffenheit/Trauer über den Tod des Kollegen. Die Zusammenarbeit ist wie immer konstruktiv und erfolgreich. Für mich wurden ihre Handlungen menschlich, realistisch und authentisch beschrieben.

Am Ende blieben für mich zwar Fragen offen, aber trotz aller Kritik bekommt dieser Thriller eine Leseempfehlung von mir. Beim nächsten Fall bin ich mit Sicherheit wieder dabei!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere