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Veröffentlicht am 25.10.2021

Spannend und undurchsichtig von Anfang an

Verloschen: Thriller
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Eine tote Frau in einem Container, in dem es aussieht wie in einer Folterkammer. Florian Kessler wird an den Tatort gerufen und was er hier sieht, ist alles andere als alltäglich. Der Toten wurden fremde ...

Eine tote Frau in einem Container, in dem es aussieht wie in einer Folterkammer. Florian Kessler wird an den Tatort gerufen und was er hier sieht, ist alles andere als alltäglich. Der Toten wurden fremde Ohren unfachmännisch angenäht, ihre Ohren dagegen wurden abgetrennt und sind verschwunden. Bald stellt sich heraus, dass es noch weitere Opfer gibt, die ähnlich zugerichtet Rätsel aufgeben. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen, soviel steht fest.

Mit „Verloschen“ hat Catherine Shepherd rund um die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz wiederum einen Thriller vorgelegt, der es in sich hat. Spannend und äußerst undurchsichtig von Anfang an.

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren und Julia in ihrer Funktion als Rechtsmedizinerin ist Florian eine große Hilfe. Ihre Wege kreuzen sich nicht nur in beruflicher Hinsicht, auch privat sind sie verbandelt und dieser wohldosierte Einblick in ihre Zweisamkeit gibt die gut austarierte Würze in diesem hochspannenden Thriller.

Anne – wer ist Anne? Sie hat Schreckliches erlebt, der Leser weiß es und doch ist ihr Schicksal nur in Teilen greifbar – wenn überhaupt. Anne taucht in kurzen Sequenzen immer wieder auf, ihre Geschichte liegt länger zurück.

So etliche Spuren werden verfolgt und jede einzelne könnte zum Täter führen, haben sich doch so einige Typen etwas zuschulden kommen lassen, ihre kriminelle Energie ist mehr oder weniger ausgeprägt. Ganz schön fies, wie Catherine Shepherd sie alle so geschickt platziert, dass man als Leser beinahe jeden hier in Verdacht hat. Man meint, auf der richtigen Fährte zu sein. Aber nicht doch! Lose Fäden und keine passenden Enden, Versatzstücke, die nicht recht zusammenpassen wollen, nichts ist klar. Umso überraschender stellt sich letztendlich heraus, wer hier sein grauenvolles Werk vollenden musste.

Sehr gerne bin ich Julia Schwarz gefolgt, hatte sehr kurzweilige Lesestunden und kann jedem Thriller-Fan „Verloschen“ ohne wenn und aber empfehlen. Lesen, einfach lesen!

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Veröffentlicht am 23.10.2021

Ein Dorf begehrt auf

Wie schön wir waren
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Die Guten gegen die Bösen oder wie wird ein Land systematisch ausgebeutet – der zweite Roman der preisgekrönten Schriftstellerin Imbolo Mbue „Wie schön wir waren“ zeichnet ein erschreckendes Bild all jener, ...

Die Guten gegen die Bösen oder wie wird ein Land systematisch ausgebeutet – der zweite Roman der preisgekrönten Schriftstellerin Imbolo Mbue „Wie schön wir waren“ zeichnet ein erschreckendes Bild all jener, denen es um Wohlstand geht zulasten der Alteingesessenen.

Ein amerikanischer Ölkonzern, von der korrupten Regierung eines afrikanischen Landes unterstützt, fördert sein „schwarzes Gold“ genau hier in Kosawa, ihrem Heimatdorf. Dass dabei ihr Trinkwasser ungenießbar und die fruchtbaren Böden vergiftet werden, stört diesen Konzern – Pexton – nicht im Geringsten. Lange lassen es sich die Einwohner gefallen bis es ihnen zuviel wird. Die Kinder sind die Schwächsten, immer mehr sterben. Die Leute von Pexton interessiert dies nicht, die Regierung ebensowenig.

Ihr Kampf gegen die Ungerechtigkeit zeigt das Kräfteverhältnis David gegen Goliath nur zu deutlich auf. Imbolo Mbue lässt sie erzählen, ihre Sicht auf die Dinge. Die Kinder dieses Dorfes in ihrer Verbundenheit und die Familie um Thula, die es weit gebracht hat, fortgegangen ist nach Amerika und doch nie ihre Heimat vergessen konnte. Der Leser taucht tief ein in ihre Traditionen, ihre Denkweise, die dem westlichen Betrachter doch sehr fremd anmutet. Immer jedoch ist er aufseiten derer, die sich nicht wehren können.

Genug ist genug! Sie müssen aufbegehren, wollen sie überleben. Mit welchen Mitteln sie dies tun, darüber haben sie lange beraten und nicht alle finden das gut.

Das Thema ist aktueller denn je. Überall auf der Welt gibt es sie, die Mächtigen. Wären sie nicht hier, um den Profit über alles zu stellen, könnten diejenigen, deren Vorfahren schon da waren und das Land ihren Nachkommen im Glauben auf deren Auskommen weitergeben, in Frieden leben. In diesem eindringlichen Roman stehen sich Tradition und Moderne gegenüber, das erbitterte Gegeneinander führt zu immer mehr Unfrieden.

Eingebettet in das Dorf Kosawa und deren Bewohner erzählt die Autorin von der Gier der Großen, der ohnmächtigen Wut derer, die unter der Ausbeutung ihrer Ressourcen über Generationen leiden. „Der Tag wird kommen, an dem kein Öl mehr übrig ist unter der Erde.“ Eine nicht endend wollende Problematik, bis dieser Tag da sein wird. Ein großartiges Buch, sehr behutsam erzählt, das gelesen werden will!

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Veröffentlicht am 22.10.2021

Die Leidenschaft für Düfte – ein Hörerlebnis

Das Haus der Düfte
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Zwei außergewöhnliche Frauen und ihre besondere Gabe, exklusive Düfte zu kreieren – eine Reise in die Provence, in „Das Haus der Düfte“ – hierhin entführt die Autorin Pauline Lambert ihre Leser. Ich hatte ...

Zwei außergewöhnliche Frauen und ihre besondere Gabe, exklusive Düfte zu kreieren – eine Reise in die Provence, in „Das Haus der Düfte“ – hierhin entführt die Autorin Pauline Lambert ihre Leser. Ich hatte das Vergnügen, dem Hörbuch zu lauschen, gesprochen von Dagmar Bittner.

Erzählt wird zum einen Anouks Wunsch, in diese Welt der Düfte einzutauchen. Schon als 14jährige weiß sie, dass die Apotheke ihrer Mutter Isabelle nichts für sie ist. All die Blüten und Kräuter zu einem einzigartigen Wohlgeruch vereinen – das ist ihr großer Traum. Isabell ist da anderer Ansicht: „Was für ein Hirngespinst, Düfte sind ein flüchtiges Geschäft. Nichts, was auf soliden Füßen stehen kann.“ Bald lernt Anouk Stephane Girard kennen – eine schicksalhafte Begegnung, gehört er doch der einflussreichen Parfümdynastie Girard in Grasse an. Von ihrem Talent, ihrer feinen Nase überzeugt, nimmt er sie mit in eine faszinierende Welt, in der sie bald Jean-Paul kennenlernt und mit ihm geht der Blick ein halbes Jahrhundert zurück zu Florance.

Die beiden Frauen eint ihre Begabung, einzigartige Parfüms zu erschaffen. Eine Familiengeschichte, die in der Parfümstadt Grasse ihr Bouquet verbreitet. Hörend waren all die Aromen in meiner Nase. Sehr gut riechend, nicht aufdringlich, zum Charakter passend – wie eine leichte Sommerbrise, dann wieder eher erdverbunden oder blumig. Dagmar Bittner mir ihrer wandelbaren Stimme hat all diese Eindrücke mit Leichtigkeit vermittelt, jeder einzelnen Figur seine Eigenart gelassen und deren Gefühle gut nachgezeichnet. Lavendelfelder, soweit das Auge reicht – diese Bilder hatte ich dabei sofort parat. Nur zu gerne mochte ich mich darauf einlassen, alles um mich herum vergessen, den Tönen lauschen und all die beschriebenen Düfte tief einatmen.

Die zwei Zeitebenen – Anouk 1946 bis 1952 und Florance und deren Familie 1890 bis 1917 – vermengen sich wie die Rohstoffe um einen einzigartigen Duft. Zur südfranzösischen Parfümstadt Grasse wollte ich am liebsten sofort aufbrechen, deren Leben nachspüren. Der unbedingte Wille, seinen Traum zu verwirklichen, so steinig der Weg auch sein mag, seiner Berufung zu folgen, nie aufzugeben, hat die Autorin sehr anschaulich beschrieben. Die vielschichtigen Charaktere geben Einblick in ihr Leben und hier, in Grasse, hier geht es – wie könnte es anders sein - um die Parfümherstellung.

Zwei Familien, ein lange gehütetes Familiengeheimnis, große Erfolge und herbe Niederlagen, Rivalitäten und natürlich die Liebe – all das und noch viel mehr geben diesem Roman seine ganz besondere Note, seinen ganz besonderen Duft. Gerne empfehle ich diese Erzählung weiter, lege ganz besonders das ungekürzte Hörbuch von USM Audio jedem ans Herz, der genießerisch in vergangene Welten und deren unwiderstehlichen Düften nachspüren möchte. Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Unglaublich und doch wahr

Nowhere Girl
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Bhajan weiß bald, wie man Dokumente fälscht, sich bei möglichen Verhören richtig verhält – sprich, die für genau diesen Ort ausgedachte Story glaubhaft darlegt. Wie man untertaucht oder in großen Kaufhäusern ...

Bhajan weiß bald, wie man Dokumente fälscht, sich bei möglichen Verhören richtig verhält – sprich, die für genau diesen Ort ausgedachte Story glaubhaft darlegt. Wie man untertaucht oder in großen Kaufhäusern ganz einfach nicht bezahlt ist ihr auch wohl bekannt, sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen. Ihr Vater war ihr Lehrmeister, sie sind ständig auf der Flucht. In mehr als einem Dutzend Länder waren sie unterwegs mit sechs verschiedenen Identitäten. Sie – das sind ihre Eltern, ihr Bruder Frank, ihre Schwester Chiara und die Nachzüglerin Bhajan.

Wenn ich nicht wüsste, dass dies hier eine wahre Geschichte ist, würde ich sagen: Viel zu dick aufgetragen. Um eine glaubhafte Story niederzuschreiben, sollte man immer schön nahe der Wirklichkeit bleiben. Aber genau das hier, was ich in diesem so aufwühlenden Buch lese, ist die Wahrheit. Je weiter ich vordringe, je mehr ich vom Verhalten des Vaters weiß, desto eher sehe ich die „gestohlene Kindheit“. Wie kann er nur? Solange alle seinen Anweisungen folgen, ist er der charismatische, liebenswerte Mensch. Ein selbstständiges Leben gestattet er nicht mal den zwei mittlerweile erwachsenen Kindern, er ist ein Tyrann durch und durch.

Bhajan, wie ich sie der Einfachheit nenne, auch wenn sie sich an immer wieder andere Namen schnellstens gewöhnen muss, wächst auf in einer Welt ohne Gesetze, ohne Grenzen. Ausschließlich die Regeln des Vaters haben Bestand und damit fühlt sie sich sicher. Doch je älter sie wird, desto mehr sieht sie die Schattenseiten dieses Lebens. Warum sind sie auf der Flucht? Lange weiß sie es nicht.

Eine fast unglaubliche Geschichte – verstörend und faszinierend zugleich - und doch ist diese wahr. Cheryl Diamond gibt viel von sich und ihrer Familie preis, sie erzählt die ungeschönte Odyssee von Gesetzlosen, jahrelang auf der Flucht. Zutiefst beeindruckt und gleichzeitig entrüstet über all diese Unverfrorenheiten, diese Zumutungen, die er seiner Familie aufgezwungen hat, beende ich dieses aufwühlende Buch. Was für eine Geschichte!

Und sehr nachdenklich lässt mich das eben Gelesene zurück - ein Schicksal, irritierend und bedrückend. Cheryl Diamond hat sich geöffnet, in ihr Innerstes schauen lassen. Ehrlich, ungeschönt, herzzerreißend ist ihre Geschichte, die unbedingt gelesen werden sollte.

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Veröffentlicht am 13.10.2021

Herzerwärmend

Das geheime Leben des Albert Entwistle
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Gut strukturiert ist das Leben des Albert Entwistle. Er ist zufrieden mit seinem Postboten-Dasein, vermeidet nach Möglichkeit jeden näheren Kontakt. Weder will er mit den Postkunden näher zu tun haben ...

Gut strukturiert ist das Leben des Albert Entwistle. Er ist zufrieden mit seinem Postboten-Dasein, vermeidet nach Möglichkeit jeden näheren Kontakt. Weder will er mit den Postkunden näher zu tun haben noch legt er Wert auf ein freundschaftliches Miteinander mit seinen Kollegen. Albert ist ein Eigenbrötler, er und seine Katze Gracie haben sich gut eingerichtet. Da kommt ihm die Aussicht auf seine Pensionierung sehr ungelegen – was soll er nur mit all der freien Zeit anfangen?

Der schüchterne Albert erinnert sich an George, die Liebe seines Lebens. In jungen Jahren durfte diese Liebe nie an die Öffentlichkeit und irgendwann haben sich ihre Wege getrennt. So nach und nach öffnet er sich seinen Mitmenschen, erkennt, dass ein Miteinander doch sehr viel mehr für beide Seiten zu bieten hat. Endlich mutig macht er sich auf die Suche nach George, den er nie vergessen hat.

Matt Cain ist eine zutiefst anrührende Geschichte gelungen. Es ist nie zu spät für die Liebe, für das aufeinander zugehen. Da sein, wenn ein anderer Hilfe braucht, zuhören können, sich für den anderen einsetzen. Man bekommt es tausendfach zurück, ohne auch nur irgendwas fordern zu müssen.

Die Wohlfühl-Atmosphäre wird durch Hans Jürgen Stockerl, dem Hörbuchsprecher, nochmal vertieft. Er bringt das Kunststück zustande, den so unterschiedlichen Charakteren den persönlichen Touch mitzugeben. Ich meine sogar, dass diese so anrührende Geschichte um Albert Entwistle hörend nochmal um einiges intensiver wahrgenommen wird, als dies lesend der Fall wäre.

Albert hat sich geöffnet, hat seine Welt mit offenen Armen empfangen und hatte den Mut, seine Liebe zu George öffentlich einzugestehen und auch dadurch viel Wärme und Zuneigung verspürt. Die Welt ist viel bunter, als wir glauben.

Auch das Cover verbreitet eine heitere Gelassenheit, Alberts kleine Welt passt hier drauf: Briefe, der dazugehörige Briefkasten und Gracie, seine treue Begleiterin über lange Jahre.

„Ein zartes und einfühlsames Hörbuch über den Mut, sich der Welt zu öffnen.“ Genau so habe ich es wahrgenommen und ich empfehle jedem dieses zu Herzen gehende Hörbuch, herausgegeben von Hörbuch Hamburg.

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