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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.11.2021

Temporeich, aber auch nichts wirklich Neues

Blutzahl
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Die beiden norwegischen Thriller-Autoren Thomas Enger und Jørn Lier Horst haben sich zusammengetan und gemeinsam eine Reihe geschrieben, die sowohl Spannung, Tempo und eine düstere Atmosphäre mitbringen. ...

Die beiden norwegischen Thriller-Autoren Thomas Enger und Jørn Lier Horst haben sich zusammengetan und gemeinsam eine Reihe geschrieben, die sowohl Spannung, Tempo und eine düstere Atmosphäre mitbringen. Das Duo finde ich gelungen! Von Thomas Egel habe ich bisher noch nichts gelesen, Jørn Lier Horst "Wisting" Reihe habe ich nach dem ersten Band nicht weiter verfolgt. Der Cold Case war mir etwas zu ruhig und zu schnell durchschaubar.

Sonja Nordström ist Autorin und hat soeben ihr neues Buch veröffentlicht. Als sie nicht zum TV Interview erscheint und auch ihre anderen Tagestermine nicht wahrnimmt, macht dies Promi-Reporterin Emma Ramm stutzig. Wer lässt sich so eine Chance entgehen für sein neues Werk keine Werbung zu machen? Emma fährt zur Villa der Autorin und findet Sonja tot im Wohnzimmer. Auf ihrem TV-Gerät klebt eine Notiz mit der Nummer 1. Kurze Zeit später findet man eine männliche Leiche in Sonjas Sommerhaus mit der Zahl 7. Der Osloer Kommissar Alexander Blix vom Dezernat für Gewaltverbrechen ist irritiert. Als eine weitere Leiche mit einer Nummer auftaucht, weiß er, dass es sich um einen Serienmörder handelt, der einem Countdown gleich mordet....

Thomas Enger und Jørn Lier Horst haben mit "Blutzahl" einen tollen Reihenauftakt geliefert, dem es nicht an Spannung fehlt. Ihre beiden Protagonisten Alexander und Emma ergänzen sich perfekt. Die Journalistin, die sich im Promibereich tummelt, ist ehrgeizig und tough, während Alexander lieber im Hintergrund agiert. Emma leidet außerdem an der Erbkrankheit Alopezie (Haarausfall), die bei ihr besonders ausgeprägt ist. Alexander hat, wie leider fast aller Ermittler in Thriller, eine schwere Vergangenheit, die er gegenüber seinem Team verschweigt. Allerdings übermittelt er Emma einige sensible Informationen über den aktuellen Stand der Ermittlungen und bekommt durch sie neue Gedankenanstöße, die ihm oftmals die Sachlage aus einer anderen Perspektive sehen lassen. Die teilweise grausamen Morde und die detaillierte Schilderung der Tatorte lassen einen Blick hinter die Kulissen der prominenten Opfer zu. Was oftmals von außen glänzt, ist innen drinnen ganz schön schmutzig.....

Erzählt wird in zwei Erzählsträngen und jeweils aus der Sicht von Alexander und Emma. Die Kapitel sind kurz und enden mit einem Cliffhanger, was die Spannung forciert. Es gibt jede Menge überraschende Wendungen und falsche Fährten, die den Leser in die Irre führen. Auch das Privatleben wird gut in die Handlung miteingewoben und lässt einen kleinen privaten Blick hinter die Fassaden zu. Die Opferauswahl fand ich nicht ganz logisch und einige Vorfälle wirken schon etwas konstruiert, wie auch der Anlass der Mordserie. Aber auch im wahren Leben ist oftmals ein nichtiger Bewegrund Ursache für einen Mord....

Ich werde mir den zweiten Band sicher noch aus meiner Bücherei mitnehmen und schauen, ob mir die Reihe weiter zusagt. Der Auftaktband reiht sich problemlos in die Riege deutscher und skandinavischer Thrillerautoren ein....spannend und temporeich, aber nicht wirklich etwas Neues.

Fazit:
Ein temporeicher Thriller des Autorenduos, die mich mit ihrem Auftaktband fesseln konnten. Jedoch weist auch dieser Thriller die altbekannten "Fehler" auf: ein Ermittler mit dunkler Vergangenheit oder einem Suchtproblem, sowie einem etwas zu konstruierter Plot. Trotzdem spannend und gut zu lesen.

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Veröffentlicht am 20.11.2021

Absoluter Pageturner mit kleinen Schwächen

Die Nacht – Wirst du morgen noch leben?
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Jan Beck alias Joe Fischler hat nach "Das Spiel" nun mit "Die Nacht" einen weiteren Pageturner geschrieben, der mich an die Seiten kleben hat lassen.
Diesmal geht es um einen unbekannten Mann, der sich ...

Jan Beck alias Joe Fischler hat nach "Das Spiel" nun mit "Die Nacht" einen weiteren Pageturner geschrieben, der mich an die Seiten kleben hat lassen.
Diesmal geht es um einen unbekannten Mann, der sich selbst "der Nachtmann" nennt. Fünf Menschen hat er bereits entführt und hält sie in Glaskästen gefangen. Jede Nacht soll einer von ihnen sterben, falls seine Forderungen nicht erfüllt werden. in einem Online-Stream spricht der Nachtmann direkt zu den Menschen, während der Countdown läuft und das perfide Spiel beginnt...

Als Leser erleben wir die Geschehnisse aus verschiedenen Perspektiven. Zuerst lernen wir Hanna Carlsen kennen, die sich eine kurze Auszeit genommen hat und auf dem Moselsteig wandert. Als ein Gewitter aufzieht, verliert sie die Orientierung. Die Scheinwerfer eines Autos verprechen zuerst Hilfe, doch der Mann, der daraus aussteigt, hat etwas ganz anderes im Sinn.
Damit startet die Geschichte, die mich sofort gefangen genommen hat. Doch dann nimmt die Spannung etwas ab und die Ereignisse bis zum Zusammentreffen von Europol-Sonderermittlerin Inga Björk und dem Ex-Cobra Mitglied Christian Brand hätten meiner Meinung nach auch etwas gekürzt werden können. Danach zieht die Spannungskurve aber wieder an und man lernt die anderen Figuren kennen, die im Laufe der Geschichte eine größere Rolle einnehmen werden. Besonders berührt haben mich dabei die kindlichen Berichte des siebenjährigen Benjamin. All diese Charaktere scheinen zu Beginn keinerlei Zusammenhänge aufzuweisen. Zum Ende hin führen jedoch die einzelnen Handlungsstränge perfekt zusammen und legen auch das Motiv des Täters frei.

Trotz der vielen Charaktere behält man den Überblick. Die Perspektivwechsel sind übersichtlich und verwirren nicht. Als Ermittlerteam haben sich Brand und Björk weiter entwickelt. Beide ergänzen sich perfekt und werden langsam aber sicher zum "Dream-Team". Man hofft due ganze Zeit über, dass die Beiden die Maschinerie des Nachtmanns, die nach dem Dominoprinzip läuft, stoppen können. Gemeinsam mit Hanna erlebt man hautnah mit, auf welche grausame Weise ihre Mitgefangenen ums Leben kommt. Ein geradezu hoffnungsloses Unterfangen für Björl und Brand, weil keinerlei Anhaltspunkte für die Auswahl der Menschen in den Glaskästen zu finden sind.

Jan Beck hat auch diesmal wieder sehr innovative Ideen, was das Töten betrifft. Einiges fand ich jedoch etwas zu sehr an den Haaren herbei gezogen. War mir bei "Das Spiel" das Ende etwas "too much", empfand ich hier den Einsatz der Tötungsmaschinerie etwas überladen. Vorallem frage ich mich, wozu man überhaupt diesen Aufwand betreibt? Rache geht auch einfacher....hat aber auch nicht diesen Effekt. Auch hier ist meine Kritk, wie schon bei vielen anderen Thrillern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, dass mir alles einfach zu überdreht/überzogen vorkommt. Man hat manchmal das Gefühl, dass sich die deutschsprachigen Thrillerautoren gegenseitig überbieten müssen mit ihren Ideen. Trotzdem fand ich hier einige Ansätze wirklich sehr innovativ und orginell.
Mir hat der erste Band etwas besser gefallen, aber auch hier gehen die Meinungen der Leser auseinander.

Schreibstil:
Joe Fischler schreibt als Jan Beck fesselnd und temporeich. Der Autor hat auch diesmal wieder einen richtigen Pageturner geschaffen. Die kurzen Kapitel mit kleinen Cliffhangern, fordern dazu auf, immer noch ein weiteres Kapitel zu lesen. Der Autor baut immer wieder unerwartete Twists ein, die man nicht kommen sieht und somit die Spanungsbogen erhalten bleibt.

Fazit:
Wieder ein absoluter Pageturner, der mir aber an manchen Stellen einfach zu weit hergeholt vorkam. Trotzdem hat er mir so einige Gänsehaut Momente beschert und vorallem bin ich wieder durch die Seiten geflogen. Insgesamt hat mir aber "Das Spiel" noch etwas besser gefallen, als dieser zweite Teil. Wer Spannung und Gänsehaut sucht und sich unterhalten lassen will, ist hier richtig.

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Veröffentlicht am 20.11.2021

Absoluter Pageturner mit ein paar kleinen Schwächen

Die Nacht – Wirst du morgen noch leben?
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Jan Beck alias Joe Fischler hat nach "Das Spiel" nun mit "Die Nacht" einen weiteren Pageturner geschrieben, der mich an die Seiten kleben hat lassen.
Diesmal geht es um einen unbekannten Mann, der sich ...

Jan Beck alias Joe Fischler hat nach "Das Spiel" nun mit "Die Nacht" einen weiteren Pageturner geschrieben, der mich an die Seiten kleben hat lassen.
Diesmal geht es um einen unbekannten Mann, der sich selbst "der Nachtmann" nennt. Fünf Menschen hat er bereits entführt und hält sie in Glaskästen gefangen. Jede Nacht soll einer von ihnen sterben, falls seine Forderungen nicht erfüllt werden. in einem Online-Stream spricht der Nachtmann direkt zu den Menschen, während der Countdown läuft und das perfide Spiel beginnt...

Als Leser erleben wir die Geschehnisse aus verschiedenen Perspektiven. Zuerst lernen wir Hanna Carlsen kennen, die sich eine kurze Auszeit genommen hat und auf dem Moselsteig wandert. Als ein Gewitter aufzieht, verliert sie die Orientierung. Die Scheinwerfer eines Autos verprechen zuerst Hilfe, doch der Mann, der daraus aussteigt, hat etwas ganz anderes im Sinn.
Damit startet die Geschichte, die mich sofort gefangen genommen hat. Doch dann nimmt die Spannung etwas ab und die Ereignisse bis zum Zusammentreffen von Europol-Sonderermittlerin Inga Björk und dem Ex-Cobra Mitglied Christian Brand hätten meiner Meinung nach auch etwas gekürzt werden können. Danach zieht die Spannungskurve aber wieder an und man lernt die anderen Figuren kennen, die im Laufe der Geschichte eine größere Rolle einnehmen werden. Besonders berührt haben mich dabei die kindlichen Berichte des siebenjährigen Benjamin. All diese Charaktere scheinen zu Beginn keinerlei Zusammenhänge aufzuweisen. Zum Ende hin führen jedoch die einzelnen Handlungsstränge perfekt zusammen und legen auch das Motiv des Täters frei.

Trotz der vielen Charaktere behält man den Überblick. Die Perspektivwechsel sind übersichtlich und verwirren nicht. Als Ermittlerteam haben sich Brand und Björk weiter entwickelt. Beide ergänzen sich perfekt und werden langsam aber sicher zum "Dream-Team". Man hofft due ganze Zeit über, dass die Beiden die Maschinerie des Nachtmanns, die nach dem Dominoprinzip läuft, stoppen können. Gemeinsam mit Hanna erlebt man hautnah mit, auf welche grausame Weise ihre Mitgefangenen ums Leben kommt. Ein geradezu hoffnungsloses Unterfangen für Björl und Brand, weil keinerlei Anhaltspunkte für die Auswahl der Menschen in den Glaskästen zu finden sind.

Jan Beck hat auch diesmal wieder sehr innovative Ideen, was das Töten betrifft. Einiges fand ich jedoch etwas zu sehr an den Haaren herbei gezogen. War mir bei "Das Spiel" das Ende etwas "too much", empfand ich hier den Einsatz der Tötungsmaschinerie etwas überladen. Vorallem frage ich mich, wozu man überhaupt diesen Aufwand betreibt? Rache geht auch einfacher....hat aber auch nicht diesen Effekt. Auch hier ist meine Kritk, wie schon bei vielen anderen Thrillern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, dass mir alles einfach zu überdreht/überzogen vorkommt. Man hat manchmal das Gefühl, dass sich die deutschsprachigen Thrillerautoren gegenseitig überbieten müssen mit ihren Ideen. Trotzdem fand ich hier einige Ansätze wirklich sehr innovativ und orginell.
Mir hat der erste Band etwas besser gefallen, aber auch hier gehen die Meinungen der Leser auseinander.

Schreibstil:
Joe Fischler schreibt als Jan Beck fesselnd und temporeich. Der Autor hat auch diesmal wieder einen richtigen Pageturner geschaffen. Die kurzen Kapitel mit kleinen Cliffhangern, fordern dazu auf, immer noch ein weiteres Kapitel zu lesen. Der Autor baut immer wieder unerwartete Twists ein, die man nicht kommen sieht und somit die Spanungsbogen erhalten bleibt.

Fazit:
Wieder ein absoluter Pageturner, der mir aber an manchen Stellen einfach zu weit hergeholt vorkam. Trotzdem hat er mir so einige Gänsehaut Momente beschert und vorallem bin ich wieder durch die Seiten geflogen. Insgesamt hat mir aber "Das Spiel" noch etwas besser gefallen, als dieser zweite Teil. Wer Spannung und Gänsehaut sucht und sich unterhalten lassen will, ist hier richtig.

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Veröffentlicht am 14.11.2021

Wo bleibt Mr. Right?

Drei Dates
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Nachdem mir der erste Teil dieser Reihe um die drei Mädels Ruby, Pen und Maisie so gut gefallen hat und ich sogar mit 5 Sternen bewretet habe, freute ich mich schon sehr auf den zweiten Teil von Franziksa ...

Nachdem mir der erste Teil dieser Reihe um die drei Mädels Ruby, Pen und Maisie so gut gefallen hat und ich sogar mit 5 Sternen bewretet habe, freute ich mich schon sehr auf den zweiten Teil von Franziksa Erhard.

Im zweiten Band ist Pen unsere Hauptprotagonistin. Die stylische junge Frau arbeitet in einer schicken Boutique in London und berät mit viel Selbstbewusstein ihre Kund:innen. Glück im (Spiel) Beruf, Pech in der Liebe...wer kennt diesen Spruch nicht? Und bei Pen trifft er genau ins Schwarze. Deswegen fasst sie einen Neujahrvorsatz: Jeder Mann, der für sie von Interesse ist, muss erst einmal drei Dates hinter sich bringen, bis er in die engere Auswahl für eine wirkliche Beziehung kommt. Leider bleibt Pen trotz ihres Vorsatzes ihrem "Beuteschema" treu: Ein Mann, der sich um sein Äußeres bemüht und eine Kreditkarte ohne Limit besitzt. Wenn er sich außerdem wohltätig engagiert und sie in Zukunft Charity-Events nicht nur besuchen, sondern auch selbst welche organisieren könnte, wäre das perfekt.
Schon in der Silvesternacht lernt Pen den attraktiven Alec kennen und ist knapp davor ihren Vorsatz zu brechen. Alec hat alles, was sie sich unter ihrem Traummann vorstellt - doch wäre Alec der Haupttreffer, wäre der Roman wohl auch schon wieder aus =)

Der Beginn hat mir diesmal ein paar Schwierigkeiten bereitet. Hier kam genau das auf, was ich an Liebesromanen nicht mag...zu viel Kitsch. Mit Alec schwebt Pen zuerst im siebenten Himmel und mir wurde die gegenseitige Schwärmerei bald zu viel. Außerdem beschlich mich ein leieses Gefühl, was mit Alec eventuell nicht stimmen könnte und hatte recht.
Danach aber war ich wieder im Flow und hatte äußerst amüsante Lesestunden. Es war auch schön Maisie, Ruby und Beau wieder zu treffen. Die Figuren sind äußerst lebendig dargestellt, haben ihre Fehler und "menscheln" ganz einfach. Ihre Gefühle und Sehnsüchte sind authentisch dargestellt und als Leser wünscht man sich eine von ihnen zu sein und Ruby, Pen oder Maisie als Freundin zu haben.
Trotzdem hatte ich diesmal ein bisschen Probleme mit unserer Hauptprotagonistin. Pen, die ich im ersten Teil noch sehr sympathisch fand, war mir lange Zeit viel zu oberflächlich. Für sie zählte nur gutes Aussehen und eine goldene Kreditkarte. Ich musste manchmal wirklich voller Enttäuschung den Kopf über sie schütteln und hoffte, dass sie irgendwann ihre Oberflächlickeit ablegt. Wie Pen ihre Meinung dann doch noch ändert und endlich den passenden Mann findet, dass müsst ihr selber lesen.

Fazit:
Wieder ein äußerst amüsanter und emotionaler Roman, der mich perfekt unterhalten hat, aber für mich nicht ganz an den ersten Band heranreicht. Nun freue ich mich auf den dritten Band um Maisei und bin schon sehr gespannt, was wir mit ihr erleben werden.

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Veröffentlicht am 27.10.2021

Eine gefährliche Liebe

Die Übersetzerin
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Am Wochenende habe ich mir das Interview der Autorin Jenny Lecoat mit dem Bastei Lübbe Verlag im Rahmen der Frankfurter Buchmesse online angehört. Eine sehr sympathische Autorin, die selbst auf Jersey ...

Am Wochenende habe ich mir das Interview der Autorin Jenny Lecoat mit dem Bastei Lübbe Verlag im Rahmen der Frankfurter Buchmesse online angehört. Eine sehr sympathische Autorin, die selbst auf Jersey geboren wurde. Sie hat uns im Interview einige Hintergründe zur Geschichte verraten, die sie in Buchform gefasst hat. Jenny Lecoat erwähnt dabei auch, dass selbst in Großbritannien heute nur wenige Menschen wissen, dass die Kanalinseln – eine kleine britische Inselgruppe, die nur etwa 20 Kilometer vor der französischen Küste liegt – im Zweiten Weltkrieg von den deutschen Soldaten besetzt waren.
Als Jenny Lecoat das erste Mal über das Schicksal von Hedy erfuhr, wollte sei unbedingt ihre Geschichte erzählen. Der Roman beruht also auf wahren Begebenheiten.

Als die Jüdin Hedy aus ihrer Heimat Österreich 1940 fliehen kann, landet sie auf Jersey, der größten der Kanalinseln. Doch im Laufe des Krieges werden die strategisch günstig gelegenen Kanalinseln zwischen Großbritannien und Frankreich besetzt.
Gemeinsam mit Anton, der mir ihr geflüchtet ist, versuchen sie zu überleben. Als Anton die etwas naive und unbedarfte Dorothea kennenlernt, tut sich Hedy mit ihr schwer. Doch dann macht ihr diese einen wahnwitzigen Vorschlag: Die deutschen Besatzer suchen Übersetzerinnen. Nach langer Überlegung meldet sich Hedy, obwohl sie sich als Jüdin damit in die Höhle des Löwen begibt. Der deutsche Wehrmachtssoldat, der ihr den Job vermittelt, verheimlicht ihre Herkunft. So beginnt Hedy bei den Feinden ihren Job und versucht im Kleinen gegen die Besatzer zu rebellieren. Doch dann verliebt sie sich in den deutschen Offizier Kurt und er sich in sie....

Der Roman braucht etwas bis er in Schwung kommt, aber danach wird es richtig spannend, denn Hedy fliegt natürlich auf und ist auf der Flucht. Kurt und Dorothea helfen ihr so gut sie können - immer unter großer eigener Lebensgefahr. Doch auch die Lebensmittelknappheit wird zum Problem, denn mit den deutschen Soldaten kommt der Hunger auf die Insel. Der Krieg spült immer mehr davon auf die Inseln, wo es sowieo nur einen begrenzten Vorrat gibt. Als auch noch die Nahrungsmittelversorgung per Schiff zusammenbricht, beginnen die Soldaten den Großteil der Lebensmittel von den Einheimischen zu konfiszieren, die daraufhin ums Überleben kämpfen.

Jenny Lecoat hat dieses traurige Kapitel ihrer Heimat sehr anschaulich beschrieben. Die Wut und die Not der Insulaner wird eindringlich dargestellt, jedoch nur am Rande gestreift. Im Mittelpunkt stehen eindeutig nur wenige Figuren, wie Hedy, Kurt und Dorothea. Die innere Zerissenheit von Hedy wird sehr authentisch wiedergegeben. Ich konnte mit ihr mitfühlen und ihren Zweifel gegenüber ihrer Liebe und Handlungen, aber auch ihre Angst fühlen.
Dorothea entwickelt sich vom dummen, naiven Mädchen zu einer Frau, die in großer Not zupacken kann und hinter Hedy steht. So richtig warm geworden bin ich trotzdem nicht mir ihr.
Mit Kurt zeigt die Autorin auf, dass nicht alle feindlichen Soldaten Nazis und Hitlers Schergen sind. Er ist ein sehr sympathischer Mann, der nicht hinter der Rassenidelogie steht und tiefe Gefühle für Hedy hat. Doch was macht ihre Liebe aus? Warum er sich in Hedy verliebt hat, wird mir etwas zu oberflächlich behandelt. Trotzdem steht die Liebesgeschichte zwischen den beiden im Roman im Vordergrund.

Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich gut lesen. Jenny Lecoat hat sich mit viel Engagement dieser Geschichte angenommen, die von ihrer Heimat erzählt.
Würden nicht reale Begebenheiten das Grundgerüst für diesen Roman bilden, würden einige Begebenheiten etwas unrealistisch erscheinen. Man sieht hier wieder, dass das Leben die wahren Geschichten schreibt.


Fazit:
Ein Roman nach einer wahren Begebenheit, der die kleinen Kanalinseln zum Hauptschauplatz des Zweiten Weltkrieges macht. Interessante Lektüre, bei der mir allerdings die Liebesgeschichte zu sehr im Vordergrund stand. Trotzallem hat mir der Roman gut gefallen, der in der zweiten Hälfte sehr spannend wird und über eine Gegend erzählt, die bisher kaum in der Literatur gestreift wurde. Auf jeden Fall lesenswert!

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