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Veröffentlicht am 14.02.2022

Macht sofort süchtig!

Die Pferde von Eldenau - Mähnen im Wind
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Die Pferde von Eldenau (1) – Mähnen im Wind, Theresa Czerny, Magellan Verlag

Eldenau, ein malerischer Ort mit Naturschutzgebiet und Wildpferden an der Ostsee gelegen ist die Heimat von Frida (fast 14) ...

Die Pferde von Eldenau (1) – Mähnen im Wind, Theresa Czerny, Magellan Verlag

Eldenau, ein malerischer Ort mit Naturschutzgebiet und Wildpferden an der Ostsee gelegen ist die Heimat von Frida (fast 14) und sie könnte sich keinen schöneren Ort vorstellen. Auf Gut Eldenau ihrer Eltern werden Pferde und Ponys geliebt, achtsamer Unterricht erteilt, Therapiereiten angeboten und Frida widmet sich voller Hingabe traumatisierten Pferden. Am liebsten aber reitet sie mit ihrem Pony Liv aus und genießt die gemeinsame Verbindung und das Gefühl von Freiheit. Ihr Paradies bekommt einen Riss, als der benachbarte Carlshof von einer Alleinerziehenden gekauft wird und dort ein Reitverein gegründet werden soll, um an Springturnieren teilzunehmen. Für Frida ist das reine Tierquälerei. Doch Nachbar Jannis nimmt nicht nur mit ihr den Bus, er geht künftig sogar in ihre Klasse. Ihre Eltern erwarten, dass Frida sich Mühe gibt und nett zu den neuen Nachbarn ist, aber alles in Frida sträubt sich – solange bis sie Jannis auf seiner Stute Dari springen sieht. Irgendetwas scheint sie auf ihrem ersten Turnier völlig verstört zu haben. Dari ist wie verwandelt und in seiner Verzweiflung wendet sich der herablassende Jannis ausgerechnet an Frida. Zu einem Tier in Not kann Frida nicht „nein“ sagen....

Frida und Jannis, zwei die gegensätzlicher nicht sein könnten. Niemals hätte Frida sich träumen lassen, eines Tages mal freiwillig ein Springturnier zu besuchen, doch was tut man nicht alles für seine beste Freundin Lingh. Diese findet Jannis echt süß, bis sie seinen besten Freund Max kennenlernt... Frida hat einfach keine Chance Jannis zu entkommen. Nein, keine Sorge, es ist kein kitschiger Liebesroman, tatsächlich ist es ein richtig fundiertes Pferdeabenteuer, denn auch wenn Frida und Jannis nicht miteinander können, verbindet sie die Liebe zu Pferden. Jannis junge Stute Darina, genannt Dari ist eine vielversprechende Springhoffnung, von der alle Großes erwarten, bis sie auf ihrem ersten Turnier austickt. Zu Frida fasst sie Vertrauen und ihre gemeinsame Arbeit scheint ihr wirklich zu helfen. Doch Frida spürt ganz genau, dass etwas nicht stimmt und letztendlich beschließen die vier Teenager der Wesensveränderung der Stute auf den Grund zu gehen. Dabei gehen sie nicht nur sehr raffiniert vor, es ist auch richtig spannend! Bis es aber zu den dramatischen Ereignissen kommt, ist es keineswegs langweilig.

Die Liebe der Autorin zu Pferden spürt man auf jeder Seite und sie hat ganz offensichtlich Ahnung, so viel, dass meine Tochter und ich auch nach der Lektüre zahlreicher Pferdebücher noch so einiges googeln mussten. Wir haben also auch noch eine Menge gelernt! Zudem geht es um echte Freundschaft, ja denn einfach so wäre Frida nie zu dem Turnier gegangen und zarte erste Liebe. Aber keine Sorge, es ist wirklich gut gemacht und gut dosiert, meine 12 – jährige Tochter hat sich nicht daran gestört, obwohl sie auf Liebesszenen sehr gerne verzichtet. Der Stil ist sehr angenehm und so macht das Lesen einfach Spaß, egal ob nur beschrieben wird, wie Frida und Liv ausreiten, Frida und Dari zusammen arbeiten, oder ein ganz normaler Schultag, mit viel zu vielen Hausaufgabenüberprüfungen und ähnlichem. Die Zielgruppe findet sich hier absolut wieder. Durch die Erzählweise aus den konträren Sichtweisen von Frida und Jannis, die auch immer entsprechend überschrieben werden, dringt man ganz tief in ihre Gedanken ein und wird richtig Teil dieses Pferdeabenteuers. Wie schade, dass es Eldenau gar nicht gibt und somit Ferien dort leider nicht möglich sind... Immerhin gibt es schon einige Fortsetzungen....

Ein richtig aufregendes Pferdeabenteuer ab 12 Jahren!

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Veröffentlicht am 04.02.2022

Magisch, witzig, spannend!

Magic Kleinanzeigen - Gebrauchte Zauber sind gefährlich
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Tobi (12) hält sich für einen ganz normalen Jungen, seine Eltern aber nicht. Diese sind fest davon überzeugt, dass er das nächste naturwissenschaftlich-mathematische Genie sei, so wie sie selbst. Deshalb ...

Tobi (12) hält sich für einen ganz normalen Jungen, seine Eltern aber nicht. Diese sind fest davon überzeugt, dass er das nächste naturwissenschaftlich-mathematische Genie sei, so wie sie selbst. Deshalb haben sie keinen Zweifel, dass er die Aufnahmeprüfung in den naturwissenschaftlichen Zweig seiner Schule mit links schaffen wird. Doch Tobi interessiert sich dafür Null und kann sich Biologisches Null merken! Er ist verzweifelt! Als sein bester Freund Leon ihm dann plötzlich aus dem Weg geht und mit anderen abhängt, scheint er am Tiefpunkt angekommen zu sein. Nein, es geht noch schlimmer. Ausgerechnet die verrückte Feline, die bei jedem Wetter mit Wollmütze und Wollschal rumläuft, lädt ihn zu einem Geheimtreffen ein. Er soll Mitglied auf Probe in ihrem magischen Clan werden, das fehlende fünfte Mitglied. Auf dem Internetportal Magic Kleinanzeigen können Clanmitglieder gebrauchte Gegenstände gegen gebrauchte magische Gegenstände ertauschen. Je höher das Level, das man erreicht, desto besser funktionieren die magischen Teile. Leider sind sie noch im Anfängerlevel und alle Gegenstände haben ganz gewaltige Macken. Aber mit Tobis Hilfe hoffen die Mitglieder der Chaos Crew endlich das nächste Level zu erreichen!

Dieser Reihenauftakt ist unglaublich fantasievoll und selbst für Vielleser sehr witzig und noch überraschend. Einige der Überraschungsmomente haben mich als erfahrene Krimileserin nicht mehr unvorbereitet getroffen, meine Tochter aber schon und andere Szenen haben uns beide verblüfft. Die Mischung finden wir richtig gelungen und originell! In all der magischen Fantasie steckt genügend Alltag, um sich mit den jungen Helden zu identifizieren, es ist aber auch spannend und außergewöhnlich genug, um richtig mitzufiebern und zu verblüffen und vor allem herzhaft zu lachen! Es ist ein wirklich befreiendes Lachen, obwohl einige von Tobis neuen Freunden es echt nicht leicht haben, aber sie gehen richtig super cool damit um. Sie machen das so gewitzt, dass man es ihnen von Herzen wünscht, dass sie ins nächste magische Level aufsteigen, um bessere Zauberutensilien ertauschen zu können. Auch die übrigen Themen des Buches sind wirklich welche, die der Altersklasse am Herzen liegen: lieben sich die eigenen Eltern noch, oder werden sie sich trennen? Viel zu viel Verantwortung für Kinder oder aber Freundschaft und Cliquenbildung, schulischer Misserfolg, der Wunsch etwas ganz Besonderes zu sein oder den eigenen Weg zu gehen. Sehr gut gefiel mit das Aufgreifen des Klischees, dass Geisteswissenschaftler als brotlose Taxifahrer bzw. Taxioten enden. Wie Tobi herausfindet, sind sie weder blöd, noch unbedingt unglücklich und was macht Glück eigentlich aus? Wie er zu dieser Erkenntnis kommt ist eine ganz herzerwärmende Episode, die ihr besser selbst lesen solltet. Es ist so kurzweilig und witzig geschrieben, ihr werdet es nicht bereuen! Versprochen!

Das Buch hat uns richtig begeistert und wir fiebern schon der Fortsetzung entgegen, in deren Mittelpunkt diesmal jemand anderes aus der Chaos Crew stehen wird.

Ganz herzlichen Dank für die coole Leserunde auf Lovelybooks!

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Abenteuerlich magischer Schulspaß

Die Schule für Tag- und Nachtmagie. Mathe, Deutsch und Wolkenkunde
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Die Zwillinge Lucy und Nora (10) sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht! Wie gut, dass sie zu ihrem 10. Geburtstag die Einladung in die Schule für Tag- und Nachtmagie erhielten. Die tagaktive blonde ...

Die Zwillinge Lucy und Nora (10) sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht! Wie gut, dass sie zu ihrem 10. Geburtstag die Einladung in die Schule für Tag- und Nachtmagie erhielten. Die tagaktive blonde Lucy liebt den Unterricht in der Tagschule und ganz besonders Lichtschwimmen! Nur Wolkenkunde scheint ihr sehr öde zu sein, bis ihr Lehrer verletzungsbedingt ausfällt und eine junge, strahlende Vertretungslehrerin übernimmt. Allerdings gibt es auch einen neuen Schüler: Elias, mit den merkwürdig hellen Augen! Es ist nicht nur seltsam, dass er mitten im Schuljahr auftaucht, sein Erscheinen bereitet ihr auch Sorgen, weil nur 6 Schüler in ihrer Klasse zugelassen sind und mit ihm wären es 7. Darf er bleiben, muss jemand anderes gehen. Doch nicht nur das bringt sie ins Grübeln. Elias geschehen Dinge, die eigentlich ausgeschlossen sind und dann hört Lucy im Traum auch noch fremde Stimmen...

Während Band 1 den Fokus auf Nora und die Nachtschulklasse mit ihren Besonderheiten legte, widmet sich dieser Band besonders Lucy und der Tagschulklasse. Auch hier wird neben den üblichen Fächern wie Deutsch und Mathe auch ganz spezieller Tagmagieunterricht gelehrt. Doch so aufregend wie es klingt findet Lucy zwar Lichtschwimmen, aber bei Wolkenkunde könnte sie sogar tagsüber prima einschlafen! Ja, da geht es Lucy nicht anders als normalen Schülern, bzw. vielleicht den Zuhörern. Was bitteschön soll an Wolken denn so spannend sein? Mit der neuen Lehrerin ändert sich alles und viel mehr als sie erahnen kann. Ja, auch Wolken können magisch sein und nicht nur große Schatten voraus werfen, sondern auch alles verändernde Ereignisse ankündigen. Doch was soll diese in der Stadt seltene Carambawolke prophezeien? Schule einmal ganz anders? Magischer, aufregender und voller Einzigartigkeit, die staunen lässt! Kinder lieben Internatsgeschichten, weil sie nach Abenteuer ohne elterliche Aufsicht klingen, wobei Nora und Lucy sehr froh über elterliche Fürsorge wären. Immerhin sind ihre Eltern seit 5 Jahren untergetaucht, ein Umstand, der ihr Leben prägt. Auch in diesem Band spielen ihre verschwundenen Eltern wieder eine entscheidende Rolle. Neben diesem Thema treffen wir natürlich auch Nora und ihre besten Freunde wieder, denn die zwei Schulzweige sind ja nicht völlig voneinander losgelöst und es ist ja schön zu erfahren, dass es ihnen gut geht. Die zwei Bände bauen zwar aufeinander auf, aber eigentlich kann man sie auch unabhängig voneinander hören oder in umgekehrter Reihenfolge. Das wäre zwar suboptimal, aber immer noch verständlich und ohne zu viele Spoiler möglich. Wir können uns auf jeden Fall nicht entscheiden, welchen Unterricht wir lieber hätten, nur, dass ich wohl eher für die Tagschule geeignet werde und meine Tochter wohl eher Nora begleiten würde... Die außergewöhnlichen Ideen, die in dieser Schule Raum finden, gefallen uns sehr gut und sie werden sehr spannend in dieses neue Abenteuer eingewoben. Es geht aber auch dieses Mal wieder um Toleranz, dem Unbekannten und den Unbekannten gegenüber, aber auch um Versöhnung und Verzeihung – zwei Themen, die man eigentlich nicht oft genug ansprechen kann.

Julia Nachtmann übernimmt wieder lebendig und kurzweilig mit ihrer variationsreichen Stimme alle Rollen, egal ob Schüler, Lehrer oder sprechende Tiere. Ja, einige der Haustiere in der Schule können mehr, als man auf den ersten Blick ahnt, aber man hört es ihnen sofort an! Um die Freude noch zu verlängern gibt es im Booklet noch das kinderleicht-alkoholfreie Rezept für einen magischen Regenbogen-Cocktail - fruchtig-frisch und regenbogenfröhlich.

Ein abenteuerlich magischer Schulspaß ab 8 Jahren.

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Veröffentlicht am 30.01.2022

Eindringlich, unmittelbar, direkt

Heul doch nicht, du lebst ja noch
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Hamburg 22.6.-29.6.1945: Die Krieg ist aus, die Stadt liegt in Trümmern, die Menschen müssen in den wenigen verbleibenden Wohnräumen enger zusammenrücken und fremde Menschen ohne Dach über dem Kopf aufnehmen. ...

Hamburg 22.6.-29.6.1945: Die Krieg ist aus, die Stadt liegt in Trümmern, die Menschen müssen in den wenigen verbleibenden Wohnräumen enger zusammenrücken und fremde Menschen ohne Dach über dem Kopf aufnehmen. Lebensmittel sind rationiert und reichen dennoch nicht aus, um den Hunger zu stillen, der Schwarzmarkt blüht. In einer namenlosen Straße leben drei 14-jährige: Jakob, Sohn eines deutsch-blütigen Vaters und einer jüdischen Mutter, lebt heimlich in den Trümmern, nachdem seine Mutter noch im Februar nach Theresienstadt deportiert wurde. Dass der Krieg vorbei ist, hat er noch nicht mitbekommen. Angst und Hunger treiben ihn um. Trautes Eltern leben, betreiben weiter ihre Bäckerei, aber selbst für sie ist nicht genug Brot zum satt werden da. Doch sie treibt die innere Leere um: seit Ewigkeiten gibt es kein Mädchen ihres Alters mehr in der Gegend und die Schule macht schon ewig Ferien. Hermann war HJ-Führer aber zu jung für den Dienst an der Waffe, anders als sein Vater, der Kfz-Meister, dem beide Beine im Feldlazarett amputiert wurden. Nun ist auch der Sohn ans Haus gefesselt, als Träger seines Vaters, der alleine nicht auf die Toilette eine halbe Etage tiefer kommt.
Drei Schicksale aus Sicht der Jugendlichen, unmittelbare Gedanken, wie frisch aus ihren Köpfen. Unmittelbar, ehrlich, verzweifelt und mit ungebrochenen Hunger nach Leben.
Jetzt da die Zeitzeugen immer weniger werden und einige wild entschlossen scheinen dieses unsägliche Leid und diese Ungerechtigkeit zu vergessen, die Krieg und besonders totalitäre, nationalistische Staaten mit sich bringen, ist es umso wichtiger von denen zu hören und zu lesen, die mit den Erzählungen der Zeitzeugen aufwuchsen.
Der Stil ist einfach, knapp und direkt, weshalb man das Gefühl hat unmittelbar in die Köpfe der Jugendlichen zu dringen. Ganz ohne literarische Schnörkel ist man sofort mittendrin. Die ersten paar Sätze benötigt man noch zur Orientierung, aber dann... Es sind keine Jugendlichen, die man sofort in sein Herz schließt. Hermann als ehemaliger HJ-Führer, mit seiner herrischen, herablassenden Art, der Traute als Weib nicht mit Fußball spielen lässt, ist sogar richtig abstoßend. Aber nach und nach dringt man mehr in ihn ein und stellt fest, dass es auch der verzweifelte Versuch ist, an besseren Zeiten für ihn festzuhalten. Der Krieg und die Nazis sind weg und ihm bleibt nur sein Leben, aber was für eins? Hat er denn überhaupt eine Perspektive? Die verkrusteten Denkstrukturen sind noch fest in seinem Hirn verwurzelt, hängen fest. Doch als Traute einen Laib Brot in Aussicht stellt, siegt der Überlebensinstinkt über seine Machoeinstellung und nach und nach offenbart sich seine menschliche Seite. Traute ist gefangen in ihrer Trauer über die Veränderungen. Über den Verlust der Schule und ihrer Freundinnen, die auswanderten, oder einfach verschwanden. Nie hat sie wirklich hinterfragt, wohin sie denn verschwunden sind. Dafür ärgert sie sich lieber über die Einquartierung der Flüchtlinge aus Ostpreußen, die ihr jetzt den Platz wegnehmen und deren kleine Kinder sie immer nerven. Nach und nach lernt sie, sich in ihre Lage zu versetzen und durch sie und den kleinen Max, der auf der Straße den Fußball seines gefallenen Bruders zum Kicken mitbringt, kommt sie zum Nachdenken. Was er erzählt geht ihr ans Herz. Als dann plötzlich noch „Friedrich“ wie aus dem Nichts auftaucht, ist sie bereit, alles was für sie bis dahin selbstverständlich war zu überdenken. „Friedrich“ ist es inzwischen so gewöhnt sich und seine Identität zu verstecken, dass es ihn absolut umhaut, als er begreift, dass er frei ist und überlebt hat.
Eine Woche im Leben dieser Jugendlichen, die alles verändert, die ebenso abrupt beginnt, wie sie endet. Das Leben ändert sich radikal für die zwei Jungs und zu gerne möchte man wissen, ob es ihnen anschließend gut geht, aber diese Entscheidung bleibt einem selbst überlassen. Ungewiss ist es, ob sie mit diesem Umbruch klar kommen. Es hilft ja alles nichts! Sie haben gelernt zu überleben, daher habe ich für mich entschieden, dass sie es weiterhin tun werden und klar kommen werden, auch wenn Narben zurückbleiben. Manchen mag dies unbefriedigend vorkommen, aber es ist ein hervorragender Einstieg in ein Gespräch, über das wieso, weshalb, warum? Was weißt Du von Deinen Großeltern? Haben Sie Dir was darüber erzählt? Was haben sie damals im Krieg gemacht?
Da die Jugendlichen, Kinder und Erwachsenen selbstverständlich Begriffe dieser Zeit verwenden und über Organisationen reden, die es heute Gott sei Dank nicht mehr gibt, befindet sich im hinteren Teil ein Glossar mit Erklärungen. Auch wenn ich mit den Erzählungen über den Krieg und die Nachkriegszeit aufgewachsen bin, war mir nicht alles bekannt. Mein einer Opa erzählte immer, er habe den Westwall gebaut, weil er wegen seines Herzens wehruntauglich war. Nun weiß ich, er war im Baubatallion. Er hat Menschen gerettet, in dem er sie zu einer kurzen Haftstrafe verurteilte (er war Richter). Ich hatte so meine Zweifel, dass sich die Verurteilten darüber freuten, aber nun weiß ich, dass der Vater von acht Kindern somit wehrunwürdig wurde und nicht in den Krieg eingezogen werden konnte. Auch wenn ich noch mit den Zeitzeugen aufgewachsen bin, wird mir nun einiges verständlicher. Ein kurzes Buch, welches begreifen lässt, welch Gräueltaten damals geschahen, welche menschenverachtenden Taten für einige nicht nur selbstverständlich waren, sondern auch alltäglich. Obwohl hierzu kein Blick in ein KZ geworfen wird, sondern es „nur“ indirekt offenbar wird ist die Altersempfehlung ab 14. Dieses Grauen wird deutlich, es bleibt hängen, es hinterlässt Spuren. Ein Buch dass man nicht so schnell vergisst.
Die Autorin selbst ist übrigens 5 Jahre nach Kriegsende geboren und hat einige der Folgen des Krieges wohl noch selbst als kleines Kind mitbekommen, denn so schnell ist Hamburg nicht aus Schutt und Asche wieder auferstanden und alle hatten wieder genug zu essen. Sie hat 1945 zwar nicht selbst miterlebt, aber die Erzählungen der Zeitzeugen haben ihre Kindheit und Jugend geprägt.
Wenn man sich die Fahnen und Zeichen auf Anti-Corona-Demos sieht, weiß man, wie wichtig es ist, dass allen klar ist, was diese bedeuten und das diese Grenzen auf keinen Fall überschritten werden dürfen. Ein Mahnmal, das nicht nur Jugendliche ab 14 Jahren gelesen haben sollten.

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Veröffentlicht am 28.01.2022

What a delight!

Die unhöfliche Tote
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Frühsommer 2016: Das Brexit-Referendum hat gerade den Ausstieg Großbritanniens aus der europäischen Union besiegelt, Theresa May löst David Cameron als Premierministerin ab, in den USA geht es in die heiße ...

Frühsommer 2016: Das Brexit-Referendum hat gerade den Ausstieg Großbritanniens aus der europäischen Union besiegelt, Theresa May löst David Cameron als Premierministerin ab, in den USA geht es in die heiße Wahlkampfphase zwischen Hilary Clinton und Donald Trump, als die Queen ihr Lieblingsgemälde von ihrer Yacht auf einer externen Ausstellung, statt vor ihrem Schlafgemach entdeckt. Sie ist not amused und beauftragt Rozie, ihre stellvertretende Privatsekretärin mal wieder diskret für sie zu ermitteln. Eigentlich sollten in der Royal Collection selbst die Privatgemälde ihrer Majestät verzeichnet sein, aber dass sich über dieses Gemälde von hohem persönlichen Wert nichts finden lässt, macht Rozie stutzig. Als dann noch die unbeliebte Chefhaushälterin tot neben dem königlichen Pool von Privatsekretär Sir Simon entdeckt wird und die Queen von Rozie erfährt, dass die Verstorbene Drohbriefe erhielt, wie auch einige andere Angestellte des Palasts, sieht Elisabeth II die Zeit gekommen Scotland Yard einzuschalten, jedoch nicht ohne diskret die Ermittlungen zu leiten und zu lenken.

Noblesse oblige und so ist es natürlich undenkbar, dass die Königin persönlich ermittelt, auch wenn dies ihre heimliche Passion ist, von der nur Rozie und Prince Philipp wissen dürfen, denen sie voll vertraut. Dass die kompetente und engagierte Rozie auf offiziellem Weg keine Hinweise zum Verschwinden des Bildes der Britannia finden kann, sehen sie und ihre Chefin als Indiz dafür, dass da etwas nicht stimmt. Auf Geheiß ihrer Majestät soll Rozie daher zu dem ehemaligen Leiter der Royal Collection reisen, in der Hoffnung, dass dieser in seinem Gedächtnis noch hilfreiche Informationen entdecken kann. Sholtow Harveys Gastfreundschaft ist sensationell und tatsächlich fällt ihm einiges Hilfreiches ein, doch hilft es ihr auch in der Angelegenheit mit den Drohbriefen und der verhassten Haushälterin weiter? Diese Verwicklungen bringen die kleinen grauen Zellen der Queen und Rozie ganz schön zum Glühen, während sie sich bemühen, sämtliche Erfolge anderen, männlichen Mitarbeitern und Scotland Yard zuzuschreiben. Herrlich, wie diese sich schließlich im Glanze der Erfolge der zwei Komplizinnen sonnen!

Ein wunderbarer Cosy Crime, beim dem das Zuhören ein Genuss ist, so viele kleine Infos zum Zeitgeschehen, den Interna der Royals und auch zum Betrieb des gesamten Hofstaates erfährt man nebenbei. Warum sind eigentlich sämtliche ausländischen Botschafter am Hofe von St. James akkreditiert? Darüber wundert sich Rozie schon seit längerem und als sie die Antwort herausfindet, staunt sie nicht schlecht. Auch hatte sie keine Ahnung, dass sämtliche Paläste in der Stadt durch ein unterirdisches Tunnelsystem miteinander verbunden sind. Über dessen Sinn und Verwendung ranken sich die unterschiedlichsten Theorien, zu denen Rozie letztendlich noch eine weitere wird hinzufügen können. Die Queen und ihre engste Familie wirken unglaublich sympathisch und die schiere Größe dieser Unternehmen, die eigentlich die royalen Güter darstellen, sind für eine Person fast zu groß, um den Überblick zu behalten. Daher kommen nur die Besten der Besten als Mitarbeiter der Queen in Betracht, auch wenn sich diese Qualität nicht unbedingt in ihrer Vergütung widerspiegelt, oft aber in ihrer unerschütterlichen Loyalität. Die Auflösung dieser Fälle ist daher ebenso komplex wie schwer durchschaubar und vielleicht ist seine Logik nicht unbedingt seine Stärke. Der Raffinesse der Queen und ihrer Komplizin tut dies jedoch keinen Abbruch. Heimliche Stars in den Nebenrollen sind natürlich Prince Philipp und ihre Corgys.

Sandra Voss liest diesen Krimi souverän und versteht es zwischen der jungen, kompetenten Rozie und der ebenso distinguierten, wie gewitzten Monarchin hin- und her zu wechseln. Sie arbeitet gekonnt den feinen Humor in der Interaktion der Charaktere heraus und versteht es auch Sir Simon und seinen übrigen männlichen Kollegen den sprachlichen Schliff zu verleihen. Very British!

Ich habe jede Minute genossen! Was für ein köstlicher Krimi, wie meine Oma gesagt hätte!

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