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Veröffentlicht am 31.05.2017

Bunte Trolle erobern die Kinderzimmer

Trolls - Roman zum Film
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Vor kurzem lief der Film "Trolls" im Kino, den ich mir mit meiner Tochter angesehen habe. Er war so zauberhaft, dass wir natürlich die Geschichte dazu lesen mussten. Zur Auswahl stand das Buch zum Film ...

Vor kurzem lief der Film "Trolls" im Kino, den ich mir mit meiner Tochter angesehen habe. Er war so zauberhaft, dass wir natürlich die Geschichte dazu lesen mussten. Zur Auswahl stand das Buch zum Film und der Roman zum Film. Ich entschied mich für den Roman, da wir vom Textumfang her solche Werke bereits gewohnt sind. Wir wurden nicht enttäuscht und das Buch kann dem Film das Wasser reichen.

Die Geschichte ist natürlich die selbe wie im Film. Die Trolls Prinzessin Poppy steht im Mittelpunkt der Handlung. Als Baby ist sie unter der Führung ihres Vaters, dem König der Trolls, aus ihrer alten Heimat geflohen, da sie alle durch die dort auch lebenden Bergens in großer Gefahr waren. Die Bergens sind ein unzufriedenes Volk, welches keinen Spaß hat und der Auffassung ist, dass nur der Verzehr eines Trolls ihnen wahre Freude bereiten kann. Aus diesem Grund wurde damals der Trollstag (die Trollwende) eingeführt, an diesem Tag sollte jeder Bergens einen Troll essen können. Vor dieser Gefahr sind die Trolls geflohen und haben sich fernab der alten Heimat in einem Wald ein neues zu Hause aufgebaut. Als Poppy zu Ehren des Fluchttages der Trolls eine große und laute Party steigen lässt, findet die Bergensköchin, genannt Chef, die Trolls und entführt einige von ihnen. Poppy macht sich auf die Suche nach ihren Freunden und wird dabei vom grummeligen und ewig miesepetrigen Branch begleitet, der immer alles negativ sieht, dafür aber ein wahrer Überlebenskünstler ist.

Die Geschichte ist sehr nah an die Handlung des Filmes angelehnt. Sie ist flüssig und spannend erzählt. Die Kapitel sind gut aufgebaut und haben eine angemessene Länge. In der Mitte des Buches sind einige Bilder aus dem Film zu finden, sie bilden ein schönes Inzermezzo.
Der Schreibstil ist für die Altersangabe von 6 Jahren passend. Was meine Tochter allerdings sehr gestört hat, war, dass die wörtliche Rede der Protagonisten teilweise deutlich von dem Gesagten in Film und Hörspiel abwich. Außerdem war immer wieder die Rede von der „Trollswende“, im Film wurde hier aber vom „Trollstag“ gesprochen. Diese Abweichungen rissen meine Tochter immer wieder aus dem Buch (sie wiederholt die „richtige“ Wortwahl) und störte mich somit auch etwas in meinem Vorlesefluss.
Das Cover hat mich sehr angesprochen. Einige Protagonisten finden hier ihren Platz auf weißem Untergrund und dass einige davon Kopf stehen passt auch sehr schön zu den Trolls. Auch der Text auf dem Buchrücken ist farbenfroh, mit verschiedenen Schrifttypen gestaltet und lädt zum Lesen ein. Im Buch selbst gibt es wenige Illustrationen, schließlich hatte ich mich bewusst für den Roman und nicht das Buch entschieden. Dennoch sind kleine wiederkehrende Zeichnungen im Text zu finden. Zum Beispiel teilen Zweige die Kapitel nochmals in kürzere Abschnitt ein und bieten besonders den Leseanfängern eine visuelle Unterstützung. Zum Anfang eines jeden Kapitels werden zwei Trolls (Poppy und Branch) als Silhouette dargestellt. Außerdem sind hier und da inmitten des Textes noch Blumen zu finden. Das alles rundet den positiven und liebevollen Eindruck des Buches ab.

Uns hat das Buch gut gefallen. Obwohl wir den Film bereits kannten, waren wir dennoch von der Handlung mitgerissen und haben die Art des Erzählens genossen. Hierbei sind Poppys Abenteuer, bevor Branch zu ihr stößt, hervorzuheben. Sie sind witzig und mitreißen, aber dennoch nicht zu ausladend beschrieben und machten einfach Spaß. Man hatte die Bilder des Films direkt vor Augen und wir haben schöne Stunden mit diesem Buch verbracht.

Veröffentlicht am 24.05.2017

Bunte Bilder und knappe Texte laden zum Gespräch ein

Wie entsteht ein Baby?
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Dieses bunte Buch habe ich beim Stöbern im Programmheftchen des Mabuse Verlags entdeckt. Eigentlich ist das Thema bei uns nicht mehr ganz so aktuell, da das kleine Brüderchen bereits fast 2 Jahre alt ist. ...

Dieses bunte Buch habe ich beim Stöbern im Programmheftchen des Mabuse Verlags entdeckt. Eigentlich ist das Thema bei uns nicht mehr ganz so aktuell, da das kleine Brüderchen bereits fast 2 Jahre alt ist. Dennoch war ich neugierig, denn es wird damit geworben, dass es sich an alle Arten von Familien und Kindern richtet. Im Zentrum der Erzählung steht die Entwicklung des Babys von der Eizelle und der Samenzelle, bis zur Ankunft des neuen Lebens in der Familie.

"Alle Kinder haben biologische Eltern. Aber nicht alle Kinder leben mit ihren biologischen Eltern zusammen. Manche Kinder entstanden auf dem Wege einer künstlichen Befruchtung. Und nicht alle kamen auf die gleiche Weise zu Welt." (siehe Webseite des Mabuse Verlags)

Cory Silverberg studierte Pädagogik in Kanada und unterrichtet im Bereich Sexualaufklärung, Sexualität, Behinderung und Inklusion. Außerdem schreibt er sowohl Bücher, als auch Artikel zu den bereits genannten Themen.
Fiona Smyth ist Illustratorin und Cartoonistin in Kanada. Auch sie unterrichtet, allerdings in den Bereichen Illustration und Comics.
In diesem bunten Bilderbuch wird auf knappe Art und Weise die Entstehung des Babys beschrieben. Beginnend damit, dass hierfür Menschen mit Eizellen und Menschen mit Samenzellen nötig sind und ein passender Ort – die Gebärmutter -, in der sich das Baby wohlfühlen kann. Weiter geht es mit dem Tanz der Eizelle und der Samenzelle, damit die beiden eins werden können. Etwas ganz Einzigartiges, welches zunächst winzig klein ist, innerhalb von 40 Wochen aber zu etwas großem und wunderbaren heranwächst. Besonders ist in diesem Buch, dass nicht nur die natürliche Geburt dargestellt wird, sondern auch der Kaiserschnitt. Den Abschluss gibt ein Bild, vieler Menschen, die um das Lächelnde Baby stehen und sich freuen, diesen neuen Erdenbürger kennenlernen zu können.

„Alles was wächst, wächst unterschiedlich. Wir alle wachsen auf unsere eigene Weise.“

Die Illustrationen sind farbenprächtig und großflächig. Sie erstrecken sich über die kompletten Seiten. Die Darstellung der Menschen ist sehr ungewöhnlich. So gibt es welche mit grüner oder blauer Hautfarbe, oder roten und pinken Haaren. Auch die Frisurenvielfalt macht ganz deutlich, dass jeder Mensch individuell ist. Keine Stereotypen werden vorgestellt, sondern die Buntheit der Welt und ihrer Bewohner.
Der Sprachstil ist leicht verständlich und kindgerecht. Die gestellten Fragen im Buch wie „Wer hat darauf gewartet, dass du geboren wurdest?“, regen zum Gespräch mit dem Kind an. Außerdem ist die Beschreibung der Entstehung des Kindes bis zur Ankunft in der Familie eher knapp gehalten, sodass die Kinder nicht durch zu viele Informationen überfordert werden. Der Text geht also nicht zu sehr in die Tiefe und bietet somit die Möglichkeit, als Leser oder auch als Kind selbst entscheiden zu können, welche Informationen näher erklärt werden sollten. Das Buch bietet dem Kind einige Anregung zum Fragenstellen.

"Wie entsteht ein Baby?" ist ein außergewöhnliches Buch, welches schon die kleinsten Kinder ganz unverkrampft aufklärt. Dies geschieht auf eine ganz andere Weise, als ich es bisher zum Thema Familienzuwachs oder Aufklärung kennengelernt habe. Gleichzeitig zeigt es die Vielfalt der Menschen und den Wert des Einzelnen. Eine klare Botschaft bietet dieses Buch: Du bist willkommen, du bist einzigartig und deine Individualität ist großartig!

„Ein Buch für jede Art von Familie und jede Art von Kind“

Veröffentlicht am 17.05.2017

„Weiße Blätter… Unberührt und ohne Wörter…“

Der Gesandte des Mondlichts
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Der TintenTrinker Verlag ist mir durch seine farbenprächtigen und hochwertigen Bilderbüchern im Gedächtnis geblieben. Auch hier hat mich das Cover gleich angesprochen. Zu sehen ist ein wundersamer Baum, ...

Der TintenTrinker Verlag ist mir durch seine farbenprächtigen und hochwertigen Bilderbüchern im Gedächtnis geblieben. Auch hier hat mich das Cover gleich angesprochen. Zu sehen ist ein wundersamer Baum, welcher ganz außergewöhnliche Blätter trägt, nämlich Buchblätter. Was hat es mit diesem Baum auf sich? Die Geschichte rund um den wundersamen Baum, wird in einer Geschichte in der Geschichte erzählt und regt zum Nachdenken an.

Jean-Marie Robillard ist Grundschullehrer und schreibt Geschichten für Kinder. Seine märchenhaften Erzählungen bringen den Leser in eine ganz eigene phantastische Welt voller Magie und Weisheiten. Die Illustratorin dieses Robillard-Buches ist Marie Desbons. Sie hat Design und Kommunikation studiert. 2007 erschien ist erstes Buch. Seither arbeitet sie für viele renommierte Kinderbuchverlage.

Der Dichter Sastrawane Mandia schenkt dem Maharadscha seit langer Zeit immer zu Vollmond eine Geschichte. Dieses Mal hat er allerdings keine Geschichte bei sich, sondern lediglich er ein Buch mit weißen Seiten ohne jegliche Wörter. Der Maharadscha reagiert zunächst sehr wütend und denkt, der Dichter mache sich über ihn lustig. Dennoch lässt er sich die Geschichte dieses Buches bereitwillig erzählen. Denn die Seiten dieses Buches sind magisch und werden dem Maharadscha einige wunderbare Stunden schenken können.

Jean-Marie Robillard hat wieder eine sehr phantasievolle Geschichte vorgelegt. Genau genommen sind hier viele Geschichte in einer vereint. So erzählt der Dichter in der Geschichte, die Geschichte des Sastrawane Indra und wie dieser die zauberhaften Buchseiten erhalten hat. Außerdem gibt es eine Art Aufzählung der Geschichten Sastrawane Indras, die er Zeit seines Lebens geschrieben hat. Hier bleibt es dem Leser überlassen, diese Geschichte mit der eigenen Phantasie zu beflügeln.
Die besondere Verbindung zur Natur wird durch Wort und Bild ganz deutlich. So bringt ein Pfau den wundersamen Baum, indem er einen magischen blauen Stein in die Erde legt. Als der Baum mit seinen außergewöhnlichen Blättern in voller Pracht steht, kommen die Tiere des Waldes und der Umgebung und versehen die Blätter mit unsichtbaren Zeichen, Weisheiten, Geschichten, Düften und Geschmäckern. So ist alles in der Natur mit jedem verbunden und es ergibt sich eine wunderbare Einheit.

„Als Sastrawane Indra erwachte, schwirrte das Leben inmitten der Blätter, und der schöne mondfarbene Baum war vom Rauschen aller Schönheit der Welt erfüllt.“

Das Buch ist mit zahlreichen, großflächigen und farbenprächtigen Illustrationen versehen. Die Zeichnungen untermalen die Erzählung auf eine wundervolle Weise. So gehen Text und Bild Hand in Hand miteinander her. Das eine wäre ohne das andere nur halb so wirkungsvoll.
Ich habe das Buch zwar noch nicht mit meiner Tochter (5) gelesen, ich glaube aber, dass die Altersangabe durch den Verlag (ab 4 Jahren) nicht ganz passend ist. Ich bezweifle, dass jüngere Kinder die Geschichte in Gänze begreifen können. Aber das wäre dann nicht das erste Kinderbuch, welches sich in meinem Regal befindet und eher etwas für uns Erwachsene ist. Denn auch uns Erwachsenen tut ein wenig Phantasie gut und das ist ja auch die Kernaussage des Buches. Der Maharadscha ist schließlich auch kein Kind sondern ein Erwachsener, der es liebt, Geschichten erzählt zu bekommen.

Wieder regt der Autor den Leser mit seiner zauberhaften Erzählung zum eigenen Denken an und entführt uns in fremde Welten voller Magie. Die Macht der Worte steht natürlich im Mittelpunkt, aber es geht nicht darum, dass diese Worte in Schrift festgehalten werden sollen. Sie können auch in den Gedanken leben und durch die eigene Phantasie können Geschichten entstehen, die so zauberhaft und schön sind, dass es ein Genuss ist, sie zu erleben. Robillards Buch ist wieder einmal eine schöne Kombination aus weisen Worten und märchenhaften Illustrationen.

„Genau wie die Blätter des Mondbaumes im Garten von Sastrawane Indra enthalten die weißen Seiten schlafende Geschichten.“

Veröffentlicht am 13.05.2017

Historische Fakten verpackt in guter Unterhaltungsliteratur

Die fremde Königin
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Wie habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass ich zu den glücklichen Gewinnern der Leserunde bei Lesejury gehörte. Ich durfte Rebecca Gablés neuen Roman "Die fremde Königin" bereits vor dem Erscheinungstermin ...

Wie habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass ich zu den glücklichen Gewinnern der Leserunde bei Lesejury gehörte. Ich durfte Rebecca Gablés neuen Roman "Die fremde Königin" bereits vor dem Erscheinungstermin lesen und erhielt dafür das unveröffentlichte Manuskript. Am 27.04.2017 ist "Die fremde Königin" nun erschienen und endlich darf ich euch davon erzählen. In dem Buch gehen wir zurück zu Otto dem Großen, über den die Autorin bereits in "Das Haupt der Welt" geschrieben hat.

Rebecca Gablé (geboren 1964) studierte Anglistik und Germanistik mit dem Schwerpunkt mittelalterlicher Literatur. Nachdem sie ihr Studium absolviert hatte, arbeitete sie ein Jahr lang als Dozentin für altenglische Literatur an der Universität in Düsseldorf. Inzwischen ist sie freie Autorin. 1996 erschien ihr Debütroman "Jagdfieber", welcher für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert wurde. Ein Jahr später erschien ihr erster historischen Roman "Das Lächeln der Fortuna" und wurde ein Bestseller. Seither sind acht weitere historische Romane erschienen. 2006 erhielt Rebecca Gablé für ihren Roman "Die Hüter der Rose" (ihrem zweiten Waringham Roman) den Sir-Walter-Scott-Preis.

Zum zweiten Mal führt uns Rebecca Gablé in das historische Deutschland zu Zeiten Ottos dem Großen. Gaidemar, ein Panzerreiter und ein Bastard mit königlichem Blut, wird nach Garda geschickt, um die italienische Königin Adelheid aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Es kommt wie es kommen muss und der Panzerreiter verliebt sich Hals über Kopf in die Königin. Doch diese heiratet König Otto und ist somit unerreichbar, vor allem für einen Bastard ohne Land und ohne Namen. Gaidemar wird zur Leibwache der Königin, Freund der Prinzen Liudolf und Wilhelm und gewinnt zunehmend an Ansehen. Aber er hat auch gefährliche Feinde, die ihm nach dem Leben trachten.

Rebecca Gablé ist wieder einmal ein gut recherchierter historischer Roman gelungen, wenngleich ich sagen muss, dass er an ihre bisherigen Werke nicht heran reicht. Zwar stürzt die Autorin den Leser wie gewohnt direkt hinein in die Handlung, allerdings gibt es so viele historische Fakten zu klären, dass die Geschichte zu Beginn noch etwas blass und trocken daher kommt. Wieder tauchen unheimlich viele Charaktere im Buch auf, sodass man manchmal Schwierigkeiten hat, alle im Blick zu behalten. Wer ist mit wem verwandt, wer wem treu ergeben, wer plant einen Verrat? Die Autorin musste sehr viele Fakten auf kleinem Raum zusammen bringen, sodass es manchmal zu einer knappen Aneinanderreihung der vielen Ereignisse kommt, welche etwas ermüdend auf mich wirkten. Aber was soll man sagen, auch so hat das Buch schon einen Umfang von über 750 Seiten. Da ist es bei den vielen Ereignissen zu jener Zeit nicht verwunderlich, dass die Unterhaltung etwas auf der Strecke bleibt.
Die Charaktere haben mir gut gefallen. Da die Geschichte aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven berichtet wird (Gaidemar, Adelheid, Liudolf…) blieb es leider aber auch nicht aus, dass die Protagonisten nicht wie von der Autorin sonst gewohnt tiefgängig sind. Sie bleiben teilweise blass, stehen am Rande als Beobachter der Geschehnisse. Ich hätte mir hier noch ein wenig mehr Tiefgang gewünscht. Ich konnte mich dennoch sehr gut in die verschiedenen Protagonisten hinein versetzen und fieberte dem einem mit, während ich dem anderen den Tod wünschte. Das muss man als Autor erst einmal schaffen! Besonders hat mir der Panzerreiter Gaidemar gefallen, der es nicht leicht in seinem Leben hat. Er kam auch nicht immer als Retter der Lage daher, sondern durfte auch seine dunkle Seite zeigen, welche für den Leser zum Teil schockierend ist, zur damaligen Zeit aber nicht ungewöhnlich. Somit haben wir hier zwar wieder einen typischen Gablé-Protagonisten, der treu, selbstlos, tapfer und ergeben ist. Gleichzeitig hebt er sich durch seine teilweise kaltblütige Art und Weise aber zu den früheren Protagonisten der Autorin ab.

Rebecca Gablés Schreibtstil ist wie gewohnt sehr verständlich, ohne dabei einfach zu wirken. Im Gegenteil, die Autorin bedient sich einer gehobenen Sprache, die für uns vielleicht manchmal etwas gestelzt wirkt, aber damit zur damaligen Zeit äußerst passend ist. Und das ist bei historischen Romanen sehr wichtig, um die Authentizität zu gewährleisten. Die Figuren müssen nicht nur wie zu jener Zeit handeln, sondern sollten sich auch in Wort und Geste danach gebaren. Das ist Frau Gablé wieder einmal gelungen.

Ein lesenswertes Buch, welches aber nicht ganz an ihrer vorherigen Bücher heran kommt. Wie dem auch sei, ich habe wieder einiges aus der deutschen Geschichte lernen können, ohne dabei langweilige Sekundärliteratur wälzen zu müssen. Das hat die Autorin übernommen und wieder einmal ein gut recherchiertes historisches Werk vorgelegt. Sie ist nicht umsonst eine meiner liebsten Autoren historischer Unterhaltungsliteratur.

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  • Gefühle
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  • Schreibstil
Veröffentlicht am 25.04.2017

Das etwas andere Geschichtsbuch

Sprachlos. Eine Weltgeschichte ohne Worte
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„Wir verfolgen so die Weltgeschichte quasi durch die Augen eines außerirdischen Beobachters. Und dabei können wir unsere eigenen Gedanken über den rätselhaften, chaotischen Wahnsinn entwickeln, der da ...

„Wir verfolgen so die Weltgeschichte quasi durch die Augen eines außerirdischen Beobachters. Und dabei können wir unsere eigenen Gedanken über den rätselhaften, chaotischen Wahnsinn entwickeln, der da abgeht.“ (Seite 5)

Ich hatte leider so gut wie nie interessanten Geschichtsunterricht in der Schule. Somit ist mein Wissen auch nicht gerade berauschend, schon gar nicht länderübergreifend. Meist wurden immer die selben Themen (1. und 2. Weltkrieg) abgefrühstückt. Ich war also begeistert, als ich eine Besprechung des Buches "Sprachlos. Eine Weltgeschichte ohne Worte" hörte. Mit Spaß und vielen Bildern wird hier in Form einer Graphic Novel die Weltgeschichte aus der Perspektive des Außerirdischen erzählt.

Polyp ist ein britischer Cartoonist. Er arbeitet seit vielen Jahren für diverse Kampagnen und NGOs (Nichtregierungsorganisationen) zum Beispiel in Bereichen des Menschenrechts und Umweltbewegungen.

Die Graphic Novel beginnt mit einer Zeichnung des Anschlags 9/11. Davon ausgehend werden dann die politischen Geschehnisse auf der Erde beschrieben. Hierbei gibt es tatsächlich keine Worte. Selbst die Sprechblasen sind mit Symbolen versehene, sodass der Leser sich seinen eigenen Reim darauf machen muss. Es gibt zusätzlich ein Buch im Buch, welches die Weltgeschichte vereinfacht in Kürze darstellt und eine Mögliche Reaktion der geschundenen Erde ausweist. Ganz ohne Worte kam das Buch dann aber doch nicht aus, es gibt einige Zitate zur Einstimmung, sowie ein Vorwort des Autors. Im Anhang findet man noch einen Abschnitt „Mit anderen Worten“ (jeweils in den Sprachen deutsch, englisch und französisch), welche mögliche Übersetzungen der bebilderten Sprechblasen bereit hält.
Auf dem Youtube Kanal der Verlages ist ein Buchtrailer zur Graphic Novel zu finden.

Mir hat die Lektüre des Buches Spaß gemacht, da ich mein begrenztes Wissen hervor holen und bei vielen Dingen zunächst etwas rätseln musste. Es ist also keine Lektüre, die man von a bis z vorgekaut bekommt. Nein, man wird zum Denken angeregt. Die ersten Seiten habe ich gemeinsam mit meiner 5-jährigen Tochter gelesen (sie hatte mir das Buch zu meinem Geburtstag geschenkt). Es war gar nicht so einfach, ihr die ganzen politischen Verstrickungen zu erklären. Schnell fällt einem auf, dass einige Teile der Menschheitsgeschichte sich wiederholen. Aktuelle Probleme, sind nicht wirklich neu, sondern so oder so ähnlich bereits in der Vergangenheit aufgetreten. Klassenkampf, Krieg, Unterdrückung, Verantwortung, verschiedene Glaubensrichtungen und Reichtum sind die treibenden Kräfte und bestimmen unsere Weltgeschichte enorm.
Interessant fand ich, dass die abgebildeten Menschen keine vollständigen Gesichter haben. Lediglich der Kiefer und die Zähne sind zu sehen, aber das reicht schon aus, um die Gemütslage der gezeichneten Person eindeutig darzustellen.

Für die Lektüre dieses Geschichtsbuches ist ein wenig Grundwissen zur Weltgeschichte notwendig. Ohne etwas Wissen, erscheint es einem wiederholt nur um Krieg und Zerstörung zu gehen. Spannend ist hier auf jeden Fall, dass sowohl die Weltgeschichte, als auch die Sprache an sich komplett mit Bildern zu visualisieren ist. Es bedarf tatsächlich keiner Worte um Geschehnisse dem Leser zu vermitteln. Durch den Verzicht auf die Worte wird es für den Leser aber trotzdem zu einer Herausforderung, wenn er alle Bilder im Detail verstehen möchte. Das macht die Lektüre des Buches so besonders.
Etwas schade fand ich, dass es hier größtenteils um die negativen Aspekte unserer Weltgeschichte geht. Mich würde eine positive Weltgeschichte ohne Worte aber auch sehr interessieren. Es war doch sehr viel Krieg, Kampf und Blutvergießen zu sehen. Aber das ist ja nicht alles, was in den letzten Jahrhunderten geschehen ist. Unsere Weltgeschichte hat durchaus viele positive Ereignisse zu bieten. Vielleicht gibt es ja bald ein zweites Werk zur Weltgeschichte der Menschheit. Ich würde es sofort kaufen.