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Veröffentlicht am 26.07.2022

Tiefgründig und clever konstruiert

Acht perfekte Morde
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Malcolm Kershaw ist Buchhändler und somit Buchliebhaber durch und durch. Auf dem Blog seines Buchladens „Old Devils“ veröffentlichte er vor ein paar Jahren eine Liste mit den acht perfekten Morden. Hierfür ...

Malcolm Kershaw ist Buchhändler und somit Buchliebhaber durch und durch. Auf dem Blog seines Buchladens „Old Devils“ veröffentlichte er vor ein paar Jahren eine Liste mit den acht perfekten Morden. Hierfür hat er sich an einer Reihe alter Krimis bedient, die bis ins Jahr 1922 zurückreichen. Von Agatha Christie über James M. Cain bis hin zu Patricia Highsmith. Eine vielfältige Auswahl, die für Malcolm eine prima Grundlage für seinen Beitrag bot. Als es dann plötzlich zu Morden kommt, die seinem Beitrag ähneln, steht das FBI in seinem Laden. Kann es tatsächlich sein, dass jemand die acht perfekten Morde kopiert und in die Tat umgesetzt hat?

Ich gebe zu, dass ich eine Weile gebraucht habe, um mich in der Handlung zurechtzufinden. Was wahrscheinlich daran lag, dass die Spannung recht spät einsetzt, da wir anfangs sehr viel über die Bücher erfahren, denen sich Malcolm für seinen Beitrag bedient hat. Als dies dann aber beendet war, nahm die Story an Fahrt auf und konnte mich fesseln. Der Fall wurde von Seite zu Seite immer bizarrer, was meine Neugier ins Unendliche katapultiert hat.

Malcolm war mir sofort sympathisch. Logisch, denn wir haben ja auch das gleiche Hobby: Bücher! Er wurde sehr authentisch gezeichnet, und da die Handlung ausschließlich aus seiner Sicht geschildert wird, erhält der Leser sehr viele Einblicke in Malcolms Gedankenwelt. Gerade nach dem Tod seiner Frau hat er ziemlich gelitten. Die Arbeit im Buchladen tat ihm sichtlich gut, und ich beneidete ihn, dass er die Zeit hatte, ein Buch an (nur) einem Nachmittag zu verschlingen.

Der Schreibstil war gewohnt flüssig und eloquent. Swanson kann es einfach. Durch die bildhafte Beschreibung habe ich mich – wahrscheinlich, weil ich selbst Buchliebhaber bin - sowas von wohl und aufgehoben gefühlt. Ich konnte schon fast den Geruch des Buchladens riechen! Außerdem hat unser Protagonist Malcolm seine Bücher mit so viel Liebe behandelt und sie in den Himmel gelobt, so dass es völlig um mich geschehen war.

Der Schlussteil hat mich dann nochmal richtig aus den Socken gehauen. Mit dieser Wendung hätte ich niemals gerechnet und war absolut überrascht. Ein krönender und gelungener Abschluss einer gut konstruierten Story!

Fazit: Swanson zeigt hier eine ganz andere Seite von seinem Können und sorgt für spannenden Lesegenuss. Ihr sucht nach einer Lektüre, die euch zum Fingernägelkauen animiert? Hier ist sie!

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Veröffentlicht am 20.07.2022

Spannendes Thema, Luft nach oben

Willkommen in Wisewood
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Viele Fragen stellten sich mir direkt zu Beginn, die neugierig darauf machten, was mich erwarten würde. Was genau ist Wisewood? Was passiert mit den Menschen dort? Warum schließen sie sich dieser Gemeinschaft ...

Viele Fragen stellten sich mir direkt zu Beginn, die neugierig darauf machten, was mich erwarten würde. Was genau ist Wisewood? Was passiert mit den Menschen dort? Warum schließen sie sich dieser Gemeinschaft überhaupt an? Und viel wichtiger noch: Was hat Natalie zu verbergen?

Auf all diese Dinge ist die Autorin im Verlauf der Geschichte eingegangen, auch wenn ich mir hier und da mehr Details gewünscht hätte. Sie konnte Personen und Situationen wunderbar beschreiben, dennoch hatte ich oft das Gefühl, es würde etwas fehlen. Oder ich hätte etwas übersehen. Das sorgte dafür, dass ich Seiten zurückgeblättert habe, nur um dann doch nichts weiter zu finden.

Man folgt im Wesentlichen zwei Handlungssträngen. In der Gegenwart geht es hauptsächlich um Natalie, die eine Karrierefrau, Perfektionistin und etwas überfürsorglich ist, besonders wenn es um ihre Schwester Kit geht.

In dem anderen Erzählstrang geht es um zwei kleine Mädchen, die unter den harten Regeln des Vaters zu leiden haben. Sie nennen ihn „Sir“ und haben häufig Angst, dass sie seinen Erwartungen nicht gerecht werden können.

Die Situation innerhalb der Gemeinschaft, die Regeln, die Unterwürfigkeit der Menschen - all das hat mir zu schaffen und mich nachdenklich gemacht. Jedoch haben mir die überraschenden Wendungen gefehlt. Hier hätte die Autorin viel eher mit kleinen Auflösungen trumpfen können, denn das Ende kam zu abrupt, auch wenn es das Beste am Buch war. Der große Knall hat leider gefehlt und wäre für mich das i-Tüpfelchen gewesen.

Fazit: Hier wurde ein spannendes Thema aufgegriffen, dessen Ausarbeitung Luft nach oben hatte. Mehr Details, vor allem hinsichtlich der Sekte, hätten diesem Werk gutgetan. Als leichte Lektüre empfehle ich das Buch an Leser, die sich einfach berieseln lassen möchten, weiter. Für geübte Thriller-Liebhaber jedoch, die mehr Tiefe und Wendungen erwarten, könnte das Buch womöglich zu zäh sein.

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Veröffentlicht am 27.04.2022

Gelungener Krimi mit tollem Setting

Das Mädchen und der Totengräber (Die Totengräber-Serie 2)
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Mumien, Pharaonen, das alte Ägypten und der ganze Totenkult drumherum üben auf mich ja eine unglaubliche Faszination aus. Findet ihr die Geheimnisse um die mächtigen Pyramiden, mit ihren versteckten Grabkammern ...

Mumien, Pharaonen, das alte Ägypten und der ganze Totenkult drumherum üben auf mich ja eine unglaubliche Faszination aus. Findet ihr die Geheimnisse um die mächtigen Pyramiden, mit ihren versteckten Grabkammern und Schätzen auch so spannend?

Pötzschs Auftakt der Totengräber-Reihe hatte mich im letzten Jahr absolut begeistert. Sehnlichst habe ich auf die Fortsetzung gewartet. Als dann die Ankündigung erschien und Leopold von Herzfeldts neuer Fall auch noch tief mit dem ägyptischen Totenkult verstrickt zu sein schien, hüpfte mein kleines Bücherherz vor Freude.

Nun ja, vielleicht habe ich meine Erwartungen einfach zu hoch geschraubt. Pötzsch erzählt eine wirklich gute Kriminalgeschichte. Die Story ist so konstruiert, dass man ihr auch sehr gut folgen kann, wenn man den ersten Teil der Serie nicht gelesen hat. Gleichzeitig verzichtet der Autor auf ausladende Rückblicke, sodass Lesern, die von Herzfeldt schon bei seinem ersten Fall durch das historische Wien begleitet haben, nicht langweilig wird.

Dennoch hatte der Krimi stellenweise so seine Längen, die mich einige Nerven gekostet haben. Zudem konnte mich die Auflösung des eigentlichen Falls nicht so richtig mitreißen. Zwar war das Finale für mich so nicht vorhersehbar, ich hatte mir da aber doch eine spektakulärere, vielleicht auch verschwörerrischere Enthüllung gewünscht. Für mich bot der Fall, den zunächst von Herzfeldts Kollege Loibl untersucht, sehr viel mehr Zündstoff und hätte das Potential gehabt, die mysteriöse Mumie zu übertrumpfen.

Nichts desto trotz konnte mich das Team rund um Leopold von Herzfeldt und das Wiener Sicherheitsbüro wieder mitreißen. Ich habe diese wilde Truppe, die aus nicht unterschiedlicheren Charakteren bestehen könnte, lieb gewonnen. Alle sind authentische Typen, und es macht Spaß, ihren Überlegungen, ihrer Arbeit und ihren ganz eigenen Leben zu folgen.

Fazit: „Das Mädchen und der Totengräber“ ist ein gelungener Krimi mit wunderbarem Setting und einem wirklich genialen Ermittlerteam. Leider konnte der zweite Band der Reihe für mich nicht mit dem grandiosen Auftakt mithalten. Trotzdem ist jeder, der historische Krimis mag, bei diesem Buch gut aufgehoben.

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Veröffentlicht am 06.03.2022

Ist Selbstjustiz wirklich eine (gute) Lösung?

Artemis
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Was denkt ihr über die Themen Selbstjustiz und Zivilcourage?

In welchen Situationen sollte man einschreiten? Wann hält man sich raus und wartet auf die Polizei? Darf jemand dem Rechtssystem trotzen, ...

Was denkt ihr über die Themen Selbstjustiz und Zivilcourage?

In welchen Situationen sollte man einschreiten? Wann hält man sich raus und wartet auf die Polizei? Darf jemand dem Rechtssystem trotzen, um selbst für Gerechtigkeit zu sorgen?

Dieses Buch ist voller TRIGGER, daher geht (spätestens) während des Lesens achtsam mit euch um. Man wird mit sexuellem Missbrauch, Spiegelstrafen und psychischen Erkrankungen konfrontiert - verbunden mit sozial- und gesellschaftskritischen Aspekten. Nehmt meine WARNUNG daher bitte ernst!

Die beiden Kommissare Rubina Hiller und Simon Peick haben mit ihrem neuen Fall alle Hände voll zu tun. Ein Mädchen wird auf dem Weg nach Hause brutal vergewaltigt. Dass damit etwas anderes Grausames zum Leben erwuckt wurde, wird relativ schnell klar, doch dann ist es bereits zu spät. Und als LeserIn steckt man sofort mittendrin - in den dunklen Abgründen der menschlichen Seele. Einfach so: ready, steady, PENG!

Ich war oft hin- und hergerissen zwischen Entsetzen, Wut, Zweifeln und Mitgefühl. Dass ein Missbrauchsopfer die Schuld bei sich sucht, ist leider häufig die emotionale Reaktion auf solch ein traumatisches Erlebnis. Das Opfer fühlt Hilflosigkeit und Scham, zieht sich völlig zurück. Manchmal neigt es zu selbstverletzendem Verhalten, um sich wieder "zu spüren" oder in irgendeiner Form mitzuteilen. Ziemlich harter Tobak.

Dann lernen wir Emi kennen.

Zitat Seite 151: In Emi war die latente Wut zum Kochen gekommen. Wut auf die Angreifer. Wut auf die Weggucker. Wut auf die Wut.

Und so nimmt sich Emi jeden Vergewaltiger einzeln vor, verstümmelt ihn, erniedrigt ihn und sorgt für Gerechtigkeit. Einerseits konnte ich Emis Gedankengänge nachvollziehen, andererseits hat es mich genau deswegen erschreckt. Die Passagen aus Emis (Täter)Sicht hielten die Spannung hoch und machten kleinere Defizite wieder wett (jemand liegt z.B. auf dem Rücken und wird dann nochmal auf den Rücken gedreht).

Ich weiß nicht genau, was ich vom Ende halten soll. Meine Vermutung wurde bestätigt, aber hinzu kamen noch Puzzleteile, die mich etwas überfordert haben. Die vielleicht insg. zu konstruiert wirken. Weniger ist manchmal mehr.

Weil die Themen in diesem Thriller sehr wichtig sind und mir die Umsetzung größtenteils gefiel, empfehle ich ARTEMIS gerne weiter.

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Veröffentlicht am 14.12.2021

Cooler Horror-Mystery-Science-Mix!

Virus Omega 1: Die Vorherrschaft
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Wenn Aliens unseren Planeten übernehmen würden, wärt ihr dann für die menschliche Rasse oder würdet ihr euch den Außerirdischen anschließen?

Diese Frage mussten sich die verschiedenen Figuren in diesem ...

Wenn Aliens unseren Planeten übernehmen würden, wärt ihr dann für die menschliche Rasse oder würdet ihr euch den Außerirdischen anschließen?

Diese Frage mussten sich die verschiedenen Figuren in diesem Buch stellen. Ist man auf der Seite der Menschen, stellt sich direkt die nächste Frage: Möchte man sich trotzdem neutral verhalten oder aktiv gegen die Aliens kämpfen? Gar nicht so leicht zu beantworten, oder? Versetzt euch in ein dystopisches Setting und stellt euch vor, dass eure Familie aufgrund der Invasion tot ist. Dass ihr fast auf euch allein gestellt seid und nur das bisschen Lebenswillen habt, weil ihr euch einer kleinen Gruppe von Gleichdenkenden angeschlossen habt. So geht es Andrew. Und er war mir als Protagonist sofort sympathisch - nicht zuletzt auch wegen all dem, was er durchmachen musste.

Andrew ist ein ehemaliger FBI-Agent, dem seine Fähigkeiten und Kenntnisse zugutekommen, wenn es darum geht, irgendwie zu überleben. Obwohl er mehr wie ein Einsiedler wirkt, der seine Ruhe haben will, hilft er den Anderen, so gut er kann. Ich konnte die Trauer über den Verlust seiner Liebsten gut nachempfinden und auch verstehen, warum er Gemälde von mittlerweile leerstehenden Häusern sammelt, auf denen glückliche Familien zu sehen sind. Hat mich echt tief berührt.

Im weiteren Verlauf der Geschichte lernen wir weitere Charaktere kennen. Menschen aus Andrews Umfeld, aber auch die von der Gegenseite. Da dies Teil 1 einer Reihe ist, war für mich vorher schon klar, dass hier nicht sofort auf jeden einzelnen Charakter eingegangen wird. Ich gehe aber davon aus, dass das bei den nächsten Teilen so sein wird. Jetzt konnte ich mir jedenfalls schon mal einen guten Überblick darüber verschaffen, mit wem ich es so zu tun habe. Und eins kann ich euch sagen: Den Aliens in diesem Buch möchte man garantiert nicht begegnen! Da ist der Name Programm. Ihr wollte Beispiele? Okay! Beim Alien vom Typ "Schwindel" wird einem übel und man muss sich übergeben, wenn man es sieht. Beim "Widerling" bekommt Angstzustände und Ekelgefühle. Und "Migräne", naja, ihr könnt es euch denken.

Ich bin sehr gespannt, wie es mit Andrew weitergeht, denn Teil 1 endet damit, dass er jemandem begegnet, der seine Zukunft vermutlich ordentlich durcheinanderbringen wird.

Die Zeichnungen sind wie typisch für einen Comic. Nichts Besonderes; ich würde sie eher als solide bezeichnen. Mir haben sie aber gefallen und sie passen gut zum Plot.

Persönliches Fazit: Cooler Einstieg in die Virus Omega-Reihe, die neugierig macht auf die Abenteuer, die den Protagonisten noch bevorstehen. Ich bleibe auf jeden Fall am Ball! Empfehlenswert für alle, die gerne Comics aus den Genres Horror, Mystery und Science-Fiction lesen.

Kleiner Tipp: Lest am besten nicht die Beschreibungen der anderen Teile, wenn ihr den ersten hier noch nicht gelesen habt, da diese spoilern.

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