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Veröffentlicht am 15.10.2022

Pageturner at its best!

Todesrache
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Ein Jahr voller Anspannung, zähfließenden Tagen und steter Ungeduld hatten Mitte September endlich ein Ende, denn der neue Sneijder war da und hat die Lesergemeinde von dem fiesen Cliffhanger, der ein ...

Ein Jahr voller Anspannung, zähfließenden Tagen und steter Ungeduld hatten Mitte September endlich ein Ende, denn der neue Sneijder war da und hat die Lesergemeinde von dem fiesen Cliffhanger, der ein Jahr im Raum stand, erlöst.

Nachdem bei der letzten Ermittlung die Sterberate im Freundes- und Kollegenkreis außerordentlich hoch lag, konnte Sneijder nicht mehr mit der Verantwortung der Verluste leben, doch ein kleiner Wink des Schicksals lässt ihn noch einmal all seine Kraftreserven mobilisieren. Die neue Spurensuche führt über Umwege über den Osten Deutschlands, wo sich Sneijder aufgrund einer Fallüberschneidung an die Fersen von Walter Pulaski, bekannt als Ermittler aus der Rache-Reihe, heftet, bis nach Polen. Dort bekommen sie es mit einer Hackerbande und der ehemaligen Stasi-Sondertruppe „Leguan“ zu tun.

Als ich hörte, dass Andreas Gruber ein Crossover zwischen seinen beiden Ermittlern plante, war ich zunächst skeptisch. Sowas kannte ich bisher nur von John Sinclair & Dorian Hunter und die Verbindung der beiden hatte mich alles andere als vom Hocker gerissen. Hier jedoch ist die Verschmelzung genial gelungen.

Thematisch werden viele Bereiche miteinander verflochten, sodass es nie langweilig wird: Cyberkriminalität, Kinderpornografie, politische Ideologie, Autismus, Leichenentsorgungsmöglichkeiten und Nutzungsmöglichkeiten von Lost Places. Wenn man mal darüber nachdenkt, wie viel Recherchearbeit hierfür notwendig war, kann man sich gar nicht vorstellen, dass ein Jahr für diesen Thriller gereicht hat. Hut ab, Herr Gruber, da haben Sie ordentlich Vollgas gegeben und die Latte für alle anderen Krimi- und Thrillerautoren verdammt hoch gelegt!

Fazit: Dieses Buch ist durch die Komplexität, die klug konstruierte Ermittlungsarbeit und insbesondere durch Sneijders Humor ein grandios gelungener Pageturner par excellence. Ich bin ein Grubie der allerersten Stunde und erneut restlos begeistert. Mein Jahreshighlight!

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Veröffentlicht am 01.10.2022

Eine berührende, lehrreiche Geschichte

The Boy Who Steals Houses: The Girl Who Steals His Heart
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Wer kennt sie nicht, die Bücher, die man nur des Covers wegen lesen möchte? Dieses hier mutet romantisch und verträumt an, allerdings ist die Story eher das Gegenteil – und dennoch hätte die Coverdesignerin ...

Wer kennt sie nicht, die Bücher, die man nur des Covers wegen lesen möchte? Dieses hier mutet romantisch und verträumt an, allerdings ist die Story eher das Gegenteil – und dennoch hätte die Coverdesignerin keinen passenderen Einband kreieren können. Allerdings verfolge ich C. G. Drews schon länger über die sozialen Medien (paperfury auf Instagram z.B.) und konnte es kaum abwarten, ihr Buch endlich in den Händen halten zu können und die Story um Sam und Avery zu lesen, nachdem sie immer wieder Einblicke gegeben hat.

Sam und sein älterer Bruder Avery sind obdachlos. Sie steigen in verwaiste Häuser ein, organisieren sich Essen und manchmal auch Bargeld. Besser gesagt organisiert Sam, denn er kümmert sich um Avery und sorgt dafür, dass die Brüder von Tag zu Tag überleben. Das hat mich an meine eigene Schwester erinnert, die jünger ist und bei der ich immer das Gefühl habe, sie vor allem beschützen zu müssen. Daher konnte ich Sam so gut verstehen. Habe begriffen, warum er einbricht. Eines der Häuser ist jedoch nicht verwaist, und zu seiner Überraschung wird Sam dort mit offenen Armen empfangen. Wie lange schafft er es wohl, sein Geheimnis zu hüten? Wie lange wird man ihn verweilen lassen? Und was ist mit Avery? All diese Fragen begleiten den Leser die Story über.

Auch wenn das Buch eher eine Teenie-Story ist, konnte es mich als Erwachsene komplett in seinen Bann ziehen. Die Geschichte ist emotional, eigentlich kein Wunder bei den zentralen Themen Verlust, Trauer, Familie. Und obwohl auch die Grundstimmung eher bedrückend ist, konnte die Autorin einzelne Momente so einfangen, dass man sie gemeinsam mit den Charakteren im Hier und Jetzt genießen und das Damoklesschwert für eine kurze Zeit vergessen konnte.

Durch die beiden Brüder im Spektrum, jedoch nur einen mit Diagnose, hat das Buch zwei sehr authentische und spannende Charaktere. Es lebt von der Beziehung der Brüder, aber auch von Sams Interaktionen mit Moxie. Hier hat die Autorin wundervolle Arbeit geleistet und die Protagonisten einzig durch Sprache und Verhalten zum Leben erweckt.

Auch wenn ich bisher nur Gutes über das (englischsprachige) Buch gehört hatte, ist es doch noch einmal etwas anderes, eine Übersetzung zu lesen. Ich bin positiv überrascht, wie gut sich die Story liest und dass die Emotionen und der Witz nicht verloren gegangen sind. Ich kann dieses Buch wärmstens weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 14.09.2022

Spannend und berührend

Skellig
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Als Michael auf einem seiner Streifzüge im neuen Zuhause ein seltsames Wesen unter Spinnweben entdeckt, ist ihm klar, dass es Hilfe braucht. Nach dem Umzug und der Geburt seiner Schwester fühlt er sich ...

Als Michael auf einem seiner Streifzüge im neuen Zuhause ein seltsames Wesen unter Spinnweben entdeckt, ist ihm klar, dass es Hilfe braucht. Nach dem Umzug und der Geburt seiner Schwester fühlt er sich ohnehin sehr hilflos – doch das ändert sich jetzt. Er weiht das Nachbarsmädchen Mina ein, und gemeinsam kümmern sie sich um den Skellig.

Obwohl das Buch als Kinderbuch ausgeschrieben ist, hat es mir als Erwachsene auch außerordentlich gut gefallen. David Almond hat es geschafft, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wohl fühlt, auch wenn man den Skellig nicht einschätzen kann. Ist er anfangs ein forderndes, mürrisches Wesen, blüht er im Laufe der Story unter Michaels und Minas Fittichen auf.

Michael mit seiner ruhigen Art habe ich sofort ins Herz geschlossen. Obwohl sich alles um ihn herum verändert, lässt er sich nicht unterkriegen. Der Umzug, die zu frühe Geburt seiner Schwester und ihre Krankheit, die die Eltern sehr in Beschlag nimmt. Nichts ist mehr wie früher. Dennoch verliert er seine empathische Art nicht und bringt trotz seines Alters viel Verständnis für die Situation auf. In der kleinen Philosophin Mina findet er eine Freundin, von Anfang an bewundert er sie auf eine einfühlsame Art und Weise für ihre Sicht auf die Welt. Mina ist eine sehr liebevolle und spannende Figur.

Das Buch ist in sehr viele kurze Kapitel untergliedert, so fühlt es sich beim Lesen an, als ob die Zeit rasant verfliegt. Zugegeben ist das Buch auch nicht besonders lang, umso faszinierender finde ich, wie der Autor es geschafft hat, so viel unterzubringen, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass es der Story an etwas fehlt. Vieles findet man auch eher unterschwellig, zwischen den Zeilen. Für mich war das verständlich, ob es für das empfohlene Lesealter ebenfalls zu verstehen ist, kann ich nicht beurteilen.

Auf der Suche nach weiteren Büchern des Autors bin ich auf „Mina“ gestoßen – eine Story nur über sie, die zeitlich vor den Geschehnissen in „Skellig“ spielt. Diese werde ich auf jeden Fall auch noch lesen, weil Minas Charakter mich sehr berührt hat. Aber auch auf die anderen Bücher freue ich mich.

Eine spannende und ans Herz gehende Lektüre für Groß und Klein.

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Veröffentlicht am 13.09.2022

Innen wie außen ein Leckerbissen

Kingdom of the Wicked – Die Königin der Hölle
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Emilia hat im Zuge eines Paktes ihre Seele verkauft und reist mit dem dämonischen Höllenfürsten Wrath zum düsteren und verführerischen Hof der WICKED. Emilias Ziel ist es, den brutalen Mord an ihrer Schwester ...

Emilia hat im Zuge eines Paktes ihre Seele verkauft und reist mit dem dämonischen Höllenfürsten Wrath zum düsteren und verführerischen Hof der WICKED. Emilias Ziel ist es, den brutalen Mord an ihrer Schwester zu rächen. Sie sucht nach Hinweisen und magischen Gegenständen, doch an jeder Ecke lauern Gefahren.

Die Charaktere haben es geschafft mich zu überraschen. Wrath hat eine Seite von sich gezeigt, die ich so nicht erwartet hatte. In diesem Band ist er auch mal liebevoll und zärtlich, setzt sich für die ein, die er liebt. Manchmal neigt er zur Brutalität, was bei einem der sieben Wicked nicht anders zu erwarten ist. Jeder Dämonenfürst hat eine der Sünden für sich gepachtet, bei ihm ist es eben der Zorn.

Emilia selbst macht die größte Wandlung durch. Natürlich hat sie nach wie vor Rache geschworen. Sie gerät in ein Kreuzfeuer, welches für sie nicht unbedingt ungefährlich ist. Zwischendrin wird sie dann auch noch mit Gefühlen konfrontiert, die sie eigentlich nicht zulassen will. Daher entwickelt sie sich zu einer eigensinnigen, aber auch starken Frau, die ihre Werte weiterhin verfolgt, aber kaum jemandem vertraut. Dafür bewundere ich sie. Die Autorin hat mit den beiden wirklich zwei sehr authentische und tolle Charaktere geschaffen, mit denen es nicht langweilig wird. Auch die Nebenfiguren wurden großartig konzipiert.

Hin und wieder fehlte die Romantik und wurde eher zu Dark Erotic Fantasy, wo es schon mal zur Sache ging. Kann man es Emilia verübeln, wo Wrath einfach ein Sahneschnittchen ist? Ansonsten hat mir die Story richtig gut gefallen. Es wurden ein paar Fragen aus Band 1 aufgeklärt und die Hauptgeschichte weiterverfolgt.

Fazit: Der gelungene Mix aus Crime, Erotic und Dark Fantasy konnte mich insgesamt überzeugen. Ich möchte euch die Reihe ans Herz legen, wenn ihr gerne düstere Geschichten mit angenehmer Gruselatmosphäre und dramatischen Cliffhangern lest. Hier passt also nicht nur das (hübsche) Cover, sondern auch der (coole) Inhalt.

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Veröffentlicht am 05.09.2022

Klug konstruierter Plot

Bruch: Ein dunkler Ort
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Dass Frank Goldammer informative, spannende Bücher verfasst und 'ne ziemlich coole Schreibe hat, war für mich nicht neu. Ich kenne bereits die Max-Heller-Reihe, Zwei Fremde Leben und Im Schatten der Wende ...

Dass Frank Goldammer informative, spannende Bücher verfasst und 'ne ziemlich coole Schreibe hat, war für mich nicht neu. Ich kenne bereits die Max-Heller-Reihe, Zwei Fremde Leben und Im Schatten der Wende - und freue mich bereits auf Die Verbrechen der anderen. Niemand sonst schafft es, Historisches und Kriminalistisches derart gekonnt zu verknüpfen, dass man einerseits dabei lernt, andererseits gut unterhalten wird. Daher war Bruch für mich quasi eine Pflichtlektüre. Hier habe ich mich aus Zeitgründen für das Hörbuch entschieden und es absolut nicht bereut.

Stefan Kaminski ist nicht nur ein deutscher Schauspieler, Autor und Synchronsprecher, sondern auch ein großartiger Hörbuchsprecher. Er hat eine sehr angenehme Stimmfarbe und weiß genau, wann er Sprechpausen einlegt und welche Betonungen wählt, um entweder Drama, Nervenkitzel oder eine sanfte Note einfließen zu lassen. Es wird nie langweilig, ihm zu lauschen. Man kann sich komplett von ihm berieseln lassen und in der Geschichte versinken.

Und diese hat es echt in sich!
Nachdem ein 12-jähriges Mädchen in einem Stadtteil von Dresden spurlos verschwunden ist, sind die Menschen in Panik. Die beiden Ermittler Felix Bruch und Nicole Schauer werden auf diesen Fall angesetzt. Ein Duo, das mich wahnsinnig gemacht und auch zum Lachen gebracht hat. Die Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein. Felix, der wenig redet, schroff rüberkommt und sich nicht immer an Abmachungen hält. Auf der anderen Seite Nicole, die viel empathischer ist, aufgeschlossener und dadurch (trotz ihrer aggressiven Ausrutscher) auch liebenswerter. Wobei ich sagen muss, dass mich Felix mehr fasziniert hat. Eben weil er seine Ecken und Kanten hat und eben nicht mit dem Strom schwimmt. Jedenfalls haben es die beiden Protagonisten eine Menge zu tun - mit sich, mit dem Fall - und lassen den Leser daran teilhaben.

Ob Celina, das verschwundene Mädchen, noch lebt, kann keiner sagen. Man hofft und bangt und möchte das Bestmögliche versuchen, um sie zu finden. Die Chancen dafür könnten gut stehen, denn der Fall erinnert an einen ähnlichen von vor zwei Jahren, bei dem das Mädchen nach zwei Wochen wieder aufgetaucht ist. Ich konnte gut nachvollziehen, warum sich die Eltern dieses Mädchens weigerten, bei dem neuen Fall mitzuhelfen. Ich denke, man will traumatische Ereignisse einfach irgendwie vergessen und nicht ständig mit ihnen konfrontiert werden. Auch wenn das bedeutet, dass man wegsieht, statt zu helfen. Insbesondere dann, wenn Angst mit ihm Spiel ist. Und die wird wieder präsent, als herauskommt, dass Celina die beste Freundin des anderen Mädchens ist. Wie reagiert man dann als Elternteil? Man möchte wahrscheinlich nicht wahrhaben, dass man nicht länger die Augen davor verschließen kann. Da kriege ich echt Gänsehaut bei.

Generell wirkt der ganze Plot sehr genau konstruiert und ausgefeilt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Man schlittert von einem Punkt zum nächsten, und ehe man es sich versieht, klappt man die Buchdeckel zu und fragt sich, wann es wohl eine Verfilmung von diesem Roman geben wird. Verdient hätte er es! Eine gute Figurenausarbeitung, die bildhafte Darstellung des Settings und die gewohnt coole Schreibe des Autors machen BRUCH, wie eingangs erwähnt, zu einer Pflichtlektüre.

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