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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.04.2023

Zu viel gewollt

Abschied auf Italienisch
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Commissario Grassi lässt sich aus Rom nach La Spezia versetzen. Er ist nicht nur der Mafia zu nahe gekommen, sondern ihn zieht es in Haus seines kürzlich verstorbenen Vaters. Gleich am ersten Tag verscherzt ...

Commissario Grassi lässt sich aus Rom nach La Spezia versetzen. Er ist nicht nur der Mafia zu nahe gekommen, sondern ihn zieht es in Haus seines kürzlich verstorbenen Vaters. Gleich am ersten Tag verscherzt er es sich mit allen: der geheimnisvollen Mitbewohnerin seines Vaters, den örtlichen Carabinieri, seiner engsten Kollegin. Nur zum Pathologen scheint er ein halbwegs normales Verhältnis aufzubauen. Dies braucht er auch bei seinen eigenwilligen Ermittlungen. Denn schließlich hat er gleich zwei Fälle zu lösen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.
Mich packt das Buch leider nicht. Die Charaktere sind mir zu stereotyp (warum kann Grassi nur grob sein oder sich leise entschuldigen?), die Geschichte zu gefüllt mit Nebenschauplätzen. Die Beziehung zum Vater nimmt recht viel Raum ein, auch Grassis Verhältnis zur in Rom gebliebenen Frau und der in Berlin studierenden Tochter (warum muss sie nun auch noch verletzt sein?) wird ausgiebig thematisiert. Und dann ist da noch Toni, die scheinbar eine wichtige Rolle im Leben seines Vaters gespielt hat und nun wohl auch in seinem spielen wird. Dazu kommen umfangreiche Buch- und Liedzitate.
Das Buch ist wunderbar gestaltet. Man spürt sowohl im Cover als auch den schönen Landschaftsstimmungen im Buch die Liebe des Autors zu Italien und der Cinque Terre.

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Veröffentlicht am 26.11.2022

Ein Dorf voller Geheimnisse

Wintersterben
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Ja, es fängt spannend an das Buch. Ein vermisstes Mädchen, ein grausam zugerichtetes Mordopfer und alles deutet auf Steinberg hin, ein einsames Dorf in den Schweizer Bergen.
Die Stimmung im Dorf ist vom ...

Ja, es fängt spannend an das Buch. Ein vermisstes Mädchen, ein grausam zugerichtetes Mordopfer und alles deutet auf Steinberg hin, ein einsames Dorf in den Schweizer Bergen.
Die Stimmung im Dorf ist vom Autor hervorragend gezeichnet. All die verschlossenen Türen, die Andeutungen, die offensichtlichen Lügen. Man kann das Unbehagen von Valeria Ravelli, ihres Zeichens Ermittlerin bei Interpol, fast körperlich spüren. Dennoch versucht sie unerschrocken und auf sich allein gestellt, die Fälle zu lösen. Ihr Mantra: „Du kannst niemandem trauen“.
So spannend dieses Buch beginnt, so sehr hat es auch seine Schwächen. Mich stören die vielen Bezugnahmen auf Teil 1 der Reihe, den ich nicht kenne. Valeria scheint etwas Grausames erlebt zu haben, oft angedeutet wird. Entweder wünsche ich mir eine kurze Aufklärung oder mir reicht die einmalige Erwähnung, dass ihr letzter Fall sie an ihre Grenzen gebracht hat und sie deswegen dunkle, enge Keller und Räume fürchtet. Ich empfinde auch ihr Handeln häufig unlogisch. Entscheidende Telefonate außerhalb Steinbergs führt sie ausgerechnet in einem Haus, in das sie gelockt wurde. Ihre Waffe hat sie immer genau dann nicht dabei, wenn es brenzlig wird. Sie fährt unvorbereitet und spontan zu ihrem Hauptverdächtigen.
Ich finde das so schade, denn die Grundidee des Buches ist fesselnd und faszinierend zugleich. Und Martin Krüger schafft es, Unbehagen und das Gefühl der Eiseskälte durch Beschreibungen von Verhaltensweisen und Situationen zu erzeugen. Die Szenen im Dorf und später auch auf dem Gelände ihres Hauptverdächtigen fand ich sehr spannend.
Leider kommt dann der Cliffhänger am Ende. Es ist ok, den nächsten Band einer Reihe anzuteasern. Aber so viele offene Fäden sind mir dann doch zu viel.

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Veröffentlicht am 06.11.2020

Sehr viel gewollt

Lügenpfad
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Mich hat der Klappentext des Buches sehr neugierig gemacht, schließlich ging es um die Verbindung eines historischen Ereignisses mit der jetzigen Zeit. Das Cover hat die erwartete Stimmung und Handlung ...

Mich hat der Klappentext des Buches sehr neugierig gemacht, schließlich ging es um die Verbindung eines historischen Ereignisses mit der jetzigen Zeit. Das Cover hat die erwartete Stimmung und Handlung gut eingefangen.

Obwohl ich die Vorgänger-Bücher nicht gelesen habe, war der Zugang zu den Charakteren zunächst nicht schwierig. Das Befremden stellte sich bei mir erst im Laufe des Buches ein. So war für mich das Verhalten von Frank kaum nachvollziehbar. Dass ein Polizeibeamter so völlig kopflos durch die Gegend läuft, war schwer verständlich, auch wenn es im Nachgang mit seiner persönlichen Betroffenheit „aufgelöst“ wurde.

Überhaupt empfand ich die ganze Geschichte zu konstruiert. Es sollten zu viele Themen verarbeitet werden: RAF von der Gegenwart bis heute, Munitionslager, Vermisstensuche, coming out, Umzug…. Für mich war das ein arges Durcheinander und das Zusammenspiel der Stränge hat nicht funktioniert. Auch wenn die Autorin einen „Aufhänger“ brauchte, um die alten Geschichten auszugraben, hier wäre weniger mehr gewesen. Denn das Thema rund um die RAF erschien mir sehr gut recherchiert und als nach etwa der Hälfte des Buches dieser Teil der Geschichte ins Rollen kam, wurde mein Interesse geweckt. Die vielen kurzen Kapitel davor, die sicher Lokalkolorit in sich bergen, konnten mich nicht fesseln.

Wenn ich den Dank der Autorin richtig verstanden habe, soll dieser Krimi der Abschluss der Reihe um Frank Liebknecht sein, lange geplant, lange recherchiert. Vielleicht ist das der Grund, warum es für mich dann einfach von allem etwas zu viel war.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Hat mich leider nicht erreicht

Wilde Berge des Balkan
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Abenteuerbericht? Leidensgeschichte? Feminismuskampagne? Nationalparkwerbung? Clickbait für den eigenen Podcast und den Film zur Wanderung? Ich bin einfach nicht schlau geworden aus der Zielsetzung dieses ...

Abenteuerbericht? Leidensgeschichte? Feminismuskampagne? Nationalparkwerbung? Clickbait für den eigenen Podcast und den Film zur Wanderung? Ich bin einfach nicht schlau geworden aus der Zielsetzung dieses Buchs.

Wie in Bergbüchern üblich hatte ich spannende Geschichten über Stock und Stein, Land und Leute, Flora und Fauna, Missgeschicke und Glücksmomente erwartet. Und ja, es gab Eindrücke über die Länder und Menschen, leider immer gepaart mit einer Bewertung und Vergleich zu unserem Leben.
Und ja, auch Abenteuer gab es, so ein kaputter Bergschuh und die Losung von Bären. Dabei glaube ich, dass fast jeder Schritt ein Abenteuer war, nur spürte ich das nicht. Und ich bin mir auch nicht sicher, wann die Bergfreundinnen wirklich drei einsame Frauen in der Wildnis waren, wenn sie doch von einem Kamerateam begleitet wurden?

Ja, auch Schmerzen und Leiden gab es, leider immer wieder dieselben Geschichten. Nahbar wurde mir lediglich Toni, die einen echten Einblick in ihr Seelenleben gab und mich spüren ließ, welche Gedanken ihr durch den Kopf gingen, wie angespannt die Nerven waren. Ansonsten gab es viel Bewunderung füreinander und es wurde hinterfragt, wie eng so eine Wanderung zusammenschweisst. Es wurden Umweltsünden angeprangert und selbst ( zweimal!) mit dem Flugzeug angereist.

Nein, da passt für mich vieles nicht zusammen.

Gut gefallen hat mir, dass jede der Berfreundinnen einen Teil der Reise beschrieben hat. Und gefallen haben mir die im Nachgang durchgeführten Interviews mit Frauen aus der Region, die sich dem Bergtourismus in unterschiedlichen Rollen widmen.

Leider waren die angesprochenen Themen und die Art der Umsetzung ansonsten nicht so meins.

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