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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2026

Umgang mit dem Tod

Noch fünf Tage
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Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man liest, die Protagonistin hat nur noch fünf Tage zu leben. Genau diese fünf Tage soll jetzt der Leser mit erleben bzw. mit sterben. Ich muss echt sagen, das ...

Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man liest, die Protagonistin hat nur noch fünf Tage zu leben. Genau diese fünf Tage soll jetzt der Leser mit erleben bzw. mit sterben. Ich muss echt sagen, das hat mich schon ein ganzes Stück psychisch nach unten gezogen. In Wirklichkeit kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Mensch dies verarbeiten soll und dabei sich noch Gedanken über das WARUM machen kann. Allerdings macht dies den Thriller hier aus. Wer hätte schon gedacht, wie sich der Mordanschlag an einer Familie plötzlich ganz anders aufklärt. Dem Leser sei die Spannung hier nicht genommen. Interessant war auch, wie „spinnert“ das Töchterchen aus reicher Familie ihre Umwelt betrachtet und versucht zu formen. Die Beschreibungen der exklusiven Menüs haben mich nicht interessiert. Solche kostspieligen Speisen kann ich mir eh nicht leisten. Der Thriller ist insgesamt gesehen und nach meinem Geschmack zwar durchaus lesbar, hat mich aber nicht vom Hocker gerissen.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Künstler sind anders

Der ewige Tanz
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Wer leichte Unterhaltung sucht, ist hier falsch! Nach meinem Empfinden ist dieser Roman vorrangig für Leser mit einem Gefühl für Kunst insbesondere für den Tanz ein Reißer. Denn wenn man sich nicht emotional ...

Wer leichte Unterhaltung sucht, ist hier falsch! Nach meinem Empfinden ist dieser Roman vorrangig für Leser mit einem Gefühl für Kunst insbesondere für den Tanz ein Reißer. Denn wenn man sich nicht emotional in die Tänzerin Anita Berber hineinversetzen kann, ist die Handlung kaum nachzuvollziehen. Dabei ist nicht das klassische Ballett gemeint, nein, das moderne Ausdrucksballett der Zeit um die 1930. Gefühlvoll ist kurz die Kindheit von Anita geschildert. Die Mutter ist Künstlerin, ebenfalls der Vater. Die Mutter hat fast keine Beziehung zur Tochter, der Vater gar keine. Alleinig die Großmutter versteht und erzieht Anita. Das Kind wird zur jungen Frau und erfolgreich als Tänzerin. Sie geht in ihrer Kunst auf. Mit Herz, Seele und Körper gibt sie den Figuren, die sie tanzt Schönheit, Kraft, Brutalität, Anmut, Exotik und viele Eigenschaften mehr. Man muss sich vorstellen, nur mit den Bewegungen ihres Körpers kann sie all dieses darstellen. Sie hat Erfolg. Der Erfolg bezieht sich jedoch nicht auf ihre Beziehungen mit Männern. In der Zeit ihres Erfolges tanzt sie in großen Häusern. Nach und nach in immer gewagteren Choreographien und noch gewagteren Kostümen. Jetzt teilen sich Begeisterung und Unverständnis beim Publikum. Anita findet Gefallen an Beziehungen zu anderen Frauen. Sie hat aber auch hier kein Glück mit ihren Partnerinnen. Immer häufiger greift sie zu Drogen und Alkohol, Tourt durch Europa. Die Etablissements, in denen sie und ihre Partner auftreten, werden immer fragwürdiger. In dieser Zeit zieht sie sich eine unheilbare Krankheit zu, an der sie auch stirbt. Erst spät habe ich überhaupt realisiert, dass die gesamte Handlung eine Erzählung ihrer Erlebnisse sind, die sie aus ihrer Erinnerung kurz vor dem Tod gedanklich heraufbeschwört. In der Klinik erhält sie von ihren wenigen wirklichen Freunden Besuche. Viele bekannte Namen aus dem Künstlermilieu zählen zu ihren Bekanntschaften. Besuch hat sie nur von wenigen. Der Leser wird irgendwie aufgefordert, nachzudenken. Was hat Anita falsch gemacht? Was ist ihrem Charakter und was der wahnsinnigen Boheme in der sie lebt zuzuschreiben? An welchem Punkt ihres Lebens hätte sie in eine andere Richtung abbiegen müssen? Oder wollte sie das gar nicht? Viele Fragen!

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Veröffentlicht am 01.05.2024

Wie wichtig ist Segeln?

Die Kranichfrauen
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Die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Das Leben in Deutschland beginnt sich nach und nach zu erholen. Kriegsgefangene kehren zu ihren Familien zurück. Die Frauen, die in der Kriegszeit, viele der Arbeiten ...

Die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Das Leben in Deutschland beginnt sich nach und nach zu erholen. Kriegsgefangene kehren zu ihren Familien zurück. Die Frauen, die in der Kriegszeit, viele der Arbeiten der Männer übernommen hatten, geben diese und auch Freiheiten, die sie in schweren Zeiten hatten, wieder auf. Unsere beiden Protagonistinnen Anna und Paula finden diese Entwicklung nicht in Ordnung. Sie wollen selbst ihr zukünftiges Leben bestimmen. Ohne die Bevormundung von Familie und Gesellschaft gehen sie ihren Weg. Dieser Weg ist absolut interessant und nachvollziehbar. Allerdings ist mir die Wichtigkeit, mit der die Wiedereröffnung der Yachtclubs betrieben und beschrieben wird, ein wenig abseits des wirklich Notwendigen in dieser Zeit. Auch die Zusammenarbeit der beiden Mädchen mit den amerikanischen Soldaten scheint mir ein wenig blauäugig. So einfach sind zwischenmenschliche Beziehungen, die bisher nur die beiden Seiten Freund und Feind kennen, nicht umzupolen. Da fehlt mehr als ein Gedanke, der die Eröffnung eines – sagen wir mal -Sommerlagers für Kinder beinhaltet. Hier geht alles ein wenig zu problemlos. Ich habe mich auch schwergetan mit den speziellen Begriffen des Segelns. Aber darüber kann man hinwegsehen. Respektlos kommen mir die Beschreibungen der Gartenfeste und Teenachmittage bei den Eltern von Paula vor. In den großen Städten waren die Aufräumungsarbeiten nicht einmal richtig angelaufen, geschweige denn ein normales Leben bei dem größten Teil der Bevölkerung des Landes schon möglich, da geben die Reichen schon wieder Partys!? Abschließend ganz kurz: Ich hatte mir mehr versprochen. Der Schreibstil von Frau Greil ist sehr einfach.

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Veröffentlicht am 02.12.2023

Viele Gefühle

A Rebel's Kiss
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Liebe auf den ersten Blick – so kann man wohl das Treffen zwischen Kassy und Sam ganz einfach beschreiben. Die Beiden ziehen sich magisch an. Auf den ersten Seiten des Romans fasziniert diese Beziehung ...

Liebe auf den ersten Blick – so kann man wohl das Treffen zwischen Kassy und Sam ganz einfach beschreiben. Die Beiden ziehen sich magisch an. Auf den ersten Seiten des Romans fasziniert diese Beziehung noch. Als die Autorin jedoch zum X.-Mal schildert, wie die beiden empfinden, wenn sie nur in einem Raum sind, wird es langsam zu viel. Ich muss echt sagen, zur Mitte und zum Ende hin, habe ich diese Passagen einfach nur noch überflogen. Ich hatte gehofft, die Arbeit eines Stuntmans genauer und auch spektakulärer verfolgen zu können. Diesbezüglich wurde ich enttäuscht. Auch die im Filmgeschäft sehr erfolgreiche Kassy ist mir charakterlich ein Rätsel geblieben. In einer Zeit, in der sie Hilfe gebraucht hätte und von Sam sicher auch bekommen hätte, verschwindet sie einfach. Den Menschen, der sie von Herzen liebt, lässt sie einfach fallen. Da erscheint die Aufklärung, warum sie dies getan hat, eher unglaubwürdig. Der Schreibstil von Frau Marten gefällt mir gut. Das Cover passt genau zum Roman.

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Veröffentlicht am 04.02.2023

Ein Leben ist zerstört

Macht
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Der erste Eindruck, dass es sich um eine Horrorgeschichte handelt, hat nicht zugetroffen. Jedenfalls nicht im langläufigen Sinn. Für unsere Protagonistin hat sich der Horror schon vor langer Zeit vollzogen. ...

Der erste Eindruck, dass es sich um eine Horrorgeschichte handelt, hat nicht zugetroffen. Jedenfalls nicht im langläufigen Sinn. Für unsere Protagonistin hat sich der Horror schon vor langer Zeit vollzogen. Sie wurde vergewaltigt. Obwohl nie genau auf dieses Ereignis eingegangen wird, bleibt für den Leser das Gefühl, ein solches Erlebnis kann nie ganz verarbeitet werden. Gleichgültig ob psychologische Betreuung erfolgt oder nicht. Unser Opfer ist Mitte dreißig, Altenpflegerin, scheinbar recht hübsch, sehr auf ihr Erscheinungsbild bedacht und Mutter zweier Kinder. Ihr Mann erfährt erst im Laufe der Handlung von dem schrecklichen Erlebnis, das Liv in ihrer Jugend hatte. Sie versucht ständig, das Erlebte zu verdrängen. Analysiert den Ablauf jedoch immerzu von verschiedenen Seiten. Kämpft mit sich, ob sie ihrem Vergewaltiger offen gegenübertreten soll, um ihn zu brüskieren, verwirft diese Möglichkeit immer wieder. Die Erniedrigung, in dieser Nacht jede Macht über sich verloren und die Gestaltung ihres weiteren Lebens verloren zu haben, macht Liv angreifbar. Sie gibt sich selbst die Schuld, gibt dem Mann die Schuld und kann sich so nicht befreien. Ständig wird sie durch irgendwelche Banalitäten im Alltag an dieses Erlebnis erinnert. Sie kämpft. Am Ende unternimmt sie mit einer Freundin eine Reise nach Italien. Dort scheint sie für kurze Zeit zu entspannen. Ob diese Zeit reicht? Der Roman ist definitiv keine leichte Literatur. Der Leser muss sich einfühlen, kann nur so die Tragweite des Erlebnisses einer Vergewaltigung nachvollziehen. Wie viele Leben von Frauen auf diese Weise wohl vergiftet sind. Ich wage gar nicht darüber nachzudenken. Das Buch kommt als kleines Werk mit nur 173 Seiten daher. Das Cover in unaufdringlicher Farbe mit dem Titel „MACHT“ und Scherben eines Lebens (was erst nach Ende des Lesens klar wird) ist absolut treffend. Der Stil ist teilweise etwas verwirrend und kompliziert. Die Seiten am Anfang und Ende der Handlung mit der jungen Frau, der Schusswaffe und dem chaotischen Umfeld, zeigen genau den seelischen Zustand von Liv. Ganz tolle Darstellung!

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