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Veröffentlicht am 06.03.2023

Eine Welt ist nicht genug

Morgen, morgen und wieder morgen
1

Leider ist das reale Leben kein Spiel, das man, immer wenn man es braucht, von vorne starten kann. Diese harte Lektion lernen Sadie und Sam, die Hauptprotagonisten aus "Morgen, morgen und wieder morgen" ...

Leider ist das reale Leben kein Spiel, das man, immer wenn man es braucht, von vorne starten kann. Diese harte Lektion lernen Sadie und Sam, die Hauptprotagonisten aus "Morgen, morgen und wieder morgen" am eigenen Leib. Beide sind sie brillante Köpfe, kreativ und hoch-intelligent. Und doch sehr verschieden. Manchmal wirken sie wie eine Einheit, ein anderes Mal wie zwei entgegengesetzte Pole.
Sadie und Sam lernen sich zufällig im Spielzimmer eines Krankenhauses kennen. Der junge Sam, der jahrelang traumatisiert mit keiner Menschenseele gesprochen hat, findet durch Sadie und ihre gemeinsame Leidenschaft zu Games zurück ins soziale Miteinander. Und trotzdem verlieren sie sich bald darauf durch ein blödes Missverständnis oder Nicht-Gesagtes aus den Augen. Dieses nicht Aussprechen begleitet beide leider ihr ganzes Leben.

Genau diese nicht vorhandene Perfektion der Beziehung macht das Gespann für mich so real, dass ich das Buch kaum aus den Händen legen konnte. Die Sehnsucht und das Bedauern spiegelt sich in so vielen Leben wider, die eben in der Wirklichkeit oft kein Happy End finden. Sam ist ein total Nerd, der sich auch Gefühle am liebsten rational erklärt. "Die Zeit war mathematisch erklärbar; es war das Herz - also jener Teil des Gehirns, für den das Herz steht - , das Rätsel aufgab." Das macht ihn zwar sympathisch, aber oft denkt man sich einfach: oh Mann, jetzt gib dir einen Ruck.
Doch nicht nur die Hauptfiguren berühren. Gabrielle Zevin hat auch die Nebenfiguren so toll dargestellt, dass man sie spüren und mit ihnen mitfühlen kann.

Zevin beweist ihre große Kreativität und Gaming-Liebe in der Kapitel-Gestaltung. Und natürlich in den Entwürfen der Spiele, die Sadie und Sam im Laufe der Geschichte entwickeln. Total vertrackte, liebevolle, unangepasste Spiele. Man muss selbst kein Spieler sein, um der Geschichte folgen zu können. Aber es schadet definitiv nicht, von den ein oder anderen Spielen oder Spiel-Gestaltungen bereits etwas gehört zu haben.

Der große Sog, den die Story mit der Zeit entwickelt, eingebettet in die Game-Rahmen, schreit förmlich danach verfilmt zu werden. Obwohl sich Motivation und Hintergründe der Protagonisten erst mit der Zeit offenbaren, ist man von Anfang an dabei. Die Informationshäppchen sind gut dosiert, ebenfalls ausgewogen wechseln sich angenehme mit aufregenden Szenen ab. Einziges Manko in meinen Augen: eine Trigger-Warnung bezüglich Amok-Läufen wäre mehr als angebracht.

Für mich ist dieses Buch ein absolutes Highlight, gerade weil es die Grenzen der typischen Genres sprengt. Es ist sprachlich hervorragend, gar nicht platt, wie manche vielleicht bei dem Thema erwarten würden und vielseitig.
Absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.04.2020

Der „Duke“ ermittelt im zerstörten Berlin

Pandora
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Dieser hochkarätige historische Krimi liefert so einiges: einen vertrackten Mord im Rotlichtmillieu, den täglichen Kampf im abgeschotteten Westsektor Berlins, eine brisante Aufdeckung eines medizinischen ...

Dieser hochkarätige historische Krimi liefert so einiges: einen vertrackten Mord im Rotlichtmillieu, den täglichen Kampf im abgeschotteten Westsektor Berlins, eine brisante Aufdeckung eines medizinischen Skandals und obendrein authentische Figuren, mit denen man rätseln, leiden und mitfiebern kann.

In diesem großartigen und historisch interessanten Debüt des Autorenduos Amber & Berg erhebt sich die gebeutelte Hauptstadt aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. An ihrer Seite steht die neu gegründete Mordinspektion West, die vor Kurzem Zuwachs durch Kommissar Stein bekam. Der Neue wird nicht gerade mit offenen Armen begrüßt, sind doch noch viele versteckte Nationalsozialisten unter den Polizisten, die den aus England kommenden Stein – alias „Duke“ - kritisch beäugen. Dies hindert ihn aber nicht daran den Mord am Bordellbesitzer Braunke aus allen möglichen Richtungen zu untersuchen.

Neue alte Leichen

Es ist eine kritische Zeit, ein Umbruch, in der alte Schuld aufgedeckt und neue Gerechtigkeit geschaffen werden muss. Stein und sein Kollege Wuttke müssen in diesem Gefüge ihren Platz finden, bleiben aber zum Glück ihrem Gewissen treu. Mir hat es außerordentlich gut gefallen, dass durch die unterschiedlichen Figuren und deren Vergangenheit die Konflikte zwischen Tätern, Opfern und auch Mitläufern der NS-Zeit herausgearbeitet wurden.

Normalerweise lese ich nicht so gerne Bücher über diesen Zeitraum, aber hier haben die Autoren es geschafft mich mitzureißen und gut zu unterhalten. Dies mag zum einen an der illustren Umgebung liegen, in der ermittelt wird. Zum anderen aber auch an der spannenden und schlüssigen Story. Außerdem mag ich es, wenn ich durch einen Roman etwas Neues erfahren kann, wie hier über die Schandtaten der Psychiater in den Wittenauer Heilstätten.

5-Sterne wohl verdient

Auch als reiner Krimileser, mit wenig Interesse für historische Fakten, wird man mit „Pandora“ sehr zufrieden sein. Der Mordfall entwickelt sich rasant und zieht immer weitere Kreise durch verschiedene soziale Schichten. Ich hatte schon bald einen Verdacht, der sich am Ende auch bestätigte, trotzdem bin ich gerne den Ermittlern Stein und Wuttke gefolgt. Und besonders die Gestaltung des Finales hat mir sehr gut gefallen, sodass ich bei einem weiteren Fall des „Duke“ gern wieder dabei bin.

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Veröffentlicht am 15.12.2019

Einschlafen mit der kleinen Maus

Wenn am Himmel Sterne stehen
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In kurzen Reimen und mit herzigen Illustrationen rund um die kleine Maus, ihre Freunde und Familie, wird in diesem Büchlein eine wundervolle Gute-Nacht-Geschichte erzählt.

Den Kleinen wird gezeigt, dass ...

In kurzen Reimen und mit herzigen Illustrationen rund um die kleine Maus, ihre Freunde und Familie, wird in diesem Büchlein eine wundervolle Gute-Nacht-Geschichte erzählt.

Den Kleinen wird gezeigt, dass nach dem Nach-Hause-Kommen, Ausziehen, Zähne putzen und Waschen wichtig sind, bevor es schließlich mit Mama und Papa ins Bettchen geht. Dazu werden den (weniger kreativen) Vorlesenden hilfreiche Hinweise gegeben, wie sie die Geschichte lebendiger vortragen bzw. mit Aktionen wie Streicheln, Nase anstupsen, usw. untermalen können.

Der Text ist kurz gefasst und gibt den schönen, natürlichen Bildern genug Raum um zu wirken. Im handlichen Format mit etwa 18x18 cm eignet sich dieses Buch auch gut, um im Bett gelesen zu werden.

Uns haben besonders die bunten, aber nicht zu grellen Farben und niedlichen Tierchen gefallen. Deswegen gibt es von uns auch 5 Sterne und eine herzliche Empfehlung an alle kleinen Leser ab etwa einem Jahr.

Veröffentlicht am 28.08.2019

Ich bin vollkommen begeistert

Verrückt nach Karten
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Ich muss schon zugeben, es gibt nur wenige Bücher, die es mir wert sind, mehr als zwanzig Euro auszugeben. „Verrückt nach Karten“ ist nicht allein durch seine Gestaltung und sein Format besonders, sondern ...

Ich muss schon zugeben, es gibt nur wenige Bücher, die es mir wert sind, mehr als zwanzig Euro auszugeben. „Verrückt nach Karten“ ist nicht allein durch seine Gestaltung und sein Format besonders, sondern auch die Idee und Umsetzung des Themas ist außergewöhnlich und rechtfertigt für mich den hohen Preis. Die mehr als zweihundert bunten und kreativen Seiten um Landkarten aller Art sind ein absolutes Muss für Literaturfans und geographisch Interessierte.

Huw Lewis-Jones, Historiker und Naturforscher, hat eine ganze Hand voll talentierter Autoren um sich geschart und gemeinsam mit ihnen Karten ausgegraben, die Geschichten erzählen. Poetisch, philosophisch und auch historisch wandelt man auf den Pfaden von Narnia bis nach Mordor. Es kommen unter anderem Philip Pullman, der Autor der Trilogie um den „Goldenen Kompass“ und David Mitchell, Schöpfer des „Wolkenatlas“ zu Wort. Lewis-Jones lud aber auch unbekanntere Menschen dazu ein, ihre Sichtweise auf die zweidimensionalen und doch oft vielschichtigen Welten darzulegen. So erweitern hier auch Illustratoren oder Puppenmacher unseren Horizont.
Bei der Vielzahl an Beiträgen kann es vorkommen, dass einen der ein oder anderen Text vielleicht nicht ganz anspricht, aber dann blättert man einfach weiter oder verliert sich in den meist großformatigen Abbildungen der vielen detailreichen Karten und kommt selbst ins Träumen.

Man erfährt einiges über die Entstehungsgeschichte von kartographischem Material und auch Romanen, wie der „Schatzinsel“. Dank vieler Anekdoten und den persönlichen Sichtweisen vieler Autoren, macht es unglaublichen Spaß mit ihnen in die fantastischen Welten einzutauchen.
Es lässt sich in kurzer Form gar nicht die Vielfalt dieses Buches beschreiben, ich bin aber restlos begeistert. Das folgende Zitat des Herausgebers fasst meine Eindrücke aber gut zusammen:

„Das Vergnügen an Karten speist sich nicht nur aus der Idee, unbekannte Gebiete zu erforschen, sondern auch aus der Erkenntnis, dass die Stelle, an der wir stehen, nur ein kleiner Teil eines riesigen, verwirrenden Ganzen ist.“ (S. 226)

Veröffentlicht am 22.01.2019

Dieses Buch ist ehrlich und sehr hilfreich

Babybauchzeit
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Die erfahrene Autorin und mehrfache Mutter Nora Imlau hat sich mit ihrer Hebamme Sabine Pfützner zusammengetan und ein nicht nur optisch ansprechendes Buch geschrieben, das jeder Schwangeren weiterhilft ...

Die erfahrene Autorin und mehrfache Mutter Nora Imlau hat sich mit ihrer Hebamme Sabine Pfützner zusammengetan und ein nicht nur optisch ansprechendes Buch geschrieben, das jeder Schwangeren weiterhilft und sie in diesem besonderen Lebensabschnitt begleitet.

Dabei wird besonderer Wert darauf gelegt, nicht nur die medizinischen Aspekte in jedem Abschnitt zu beleuchten, sondern auch das Wohl der Mutter bzw. der werdenden Eltern in den Fokus zu stellen.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass das Ganze nicht in einem belehrenden Stil geschrieben ist, sondern jede Frau auf Augenhöhe willkommen heißt und die Vielfalt an Möglichkeiten aufzeigt, die jeder Einzelnen gut tun können.
Gegliedert ist das Buch chronologisch: jeweils ein großer Unterpunkt für die drei Trimester der Schwangerschaft, anschließend, und für mich der wichtigste Teil, die Geburt und dann noch das Wochenbett. Am Ende gibt es auch noch einen eher lexikalisch aufgebauten Teil ( Wissen hilft gegen Angst), in dem besondere Krankheiten, die während der Schwangerschaft auftreten können, und auch die hoffentlich nicht eintretende Fehlgeburt besprochen werden.

Mir hat dieses Buch sehr weitergeholfen und mich persönlich bestärkt und mir Vertrauen in die natürlichen Vorgänge gegeben. Fragen, die ich zu Beginn noch hatte, wurden geklärt und ich fühle mich gut vorbereitet auf das, was auf mich zukommt. Deshalb kann ich die Babybauchzeit jetzt absolut genießen und empfehle dieses umfangreiche und schöne Werk allen werdenden Mamis und denen, die sich schon vorher mit dem Thema auseinander setzen wollen.